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Das Tiertreiben durch die Wiener Vorstadt im 18. Jhd.

Tiertreiben durch Wien Österreich

Das Hetztheater in Wien

"Die ersten Tierhetzen in Wien, wo anfangs bloß Raubtiere zu kämpfen hatten, fanden um das Jahr 1710 oder 1720 statt und zwar in der Leopoldstadt, wo der Schauplatz bald "zum grünen Kranz" angegeben wird. In einem damaligen Diarium (Wiener Zeitung) vom Jahre 1749 lesen wir die folgende Kundmachung, welche indes auch gleichzeitig an allen Straßenecken angeschlagen war:


"Zum ersten wird ein Stier auf das Schärfste gehetzt werden.
Zum anderen wird ein sehr großer Bär, welcher aus Moscau anhero ist gebracht worden, zum ersten Mahl gehetzet werden.
Zum dritten wird abermal ein neuer Bär gehetzt werden.
Zum vierten ein frischer Stier, welcher zu allerlei Vergnügenheit wird gehetzt werden.
Zum fünften wird wiederumb ein neuer Moskowitischer Bär gehetzt werden, das alle Hoch- und Niedere Standspersonen eine Freud und Vergnügen daran zu sehen haben werden.
Zum sechsten wird abermals ein frischer Stiert gehetzt werden.
Zum siebenten wird ein frischer Bär gehetzt werden.
Zum achten wird ein Stier wiederumb auf das schärfeste gehetzt werden.
Zum neunten wird ein Rennthier mit andern curiosen Thieren gehetzet werden. Darbei ist auch zu erinnern, daß alle Hoch- und Niedere Standspersonen werden mit dem Platz wohl versehen sein und accommodirt werden.
NB Die Hetz wird gehalten in der Leopoldstadt, in der Jäger-Zeil beim "grünen Crantz" genannt.
Der Anfang ist präcise umb 4 Uhr."

Die erwähnten Räumlichkeiten in der Leopoldstadt schienen bei dem so lebhaften Zudrang der Volksmenge nicht mehr zu genügen. Deshalb erbaute man in der Vorstadt Weißgärber, ganz nahe dem heutigen neuen Zollgebäude 1755 ein eigenes Hetz-Amphitheater, das 3.000 Zuschauern fasste und 3 Stockwerke hoch war.


Nach einem Verzeichnis aus dem Jahr 1770 wurden daselbst folgende Tiere unterhalten: ein Löwe, zwei Tiger, zehn Bären, sechs Wölfe, vier Wildschweine, zwei ungarische Vollstiere, zwei schweizerische Vollstiere, zwei Hirsche, einige Füchse, Dachse, Luchse und 73 Fanghunde. Am 1. September 1796 wurde dieses Theater ein Raub der Flammen, wobei alle Tiere verbrannten bis auf einen Auerochsen, der mit seinen Hörnern das Tor aus den Angeln hob und sich rettete."

 

Quelle: Zeitspiegel: “Eine” chronologische Ährenlese aus der österreichischen Völker- und Staaten-Geschichte
Zur Belehrung und Erheiterung für die reifere Jugend
von Joseph Alois Moshamer 1866

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