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Einige Worte über die Erhaltung von Sammlerwaffen.

Beispielbild einer Waffensammlungsausstellung 1

 

Zur Erhaltung der Waffen in einem Stand, welcher einen vorzeitigen Ruin ausschließt, ist in erster Linie die Räumlichkeit in Erwägung zu ziehen, in der sie aufbewahrt werden. Das Hauptmaterial, aus welchem die Waffen bestehen, ist das Eisen, aber oft ein mangelhaft ausgeschlacktes, unreines und mit anderen Mineralien versetztes, namentlich schwefeliges Eisen. Darum ist die Wahl des Lokales mit besonderer Vorsicht vorzunehmen. Selbstverständlich ist es, dass der Raum vollkommen trocken sein muss und womöglich nicht an der Sonnenseite gelegen ist. Überdies ist aber unerlässlich, dass die äußere Temperatur nicht unmittelbar auf das Innere zu wirken vermag. Das ist besonders im Frühjahr von Wichtigkeit, wenn die ersten wärmeren, sonnigen Tage beginnen; da ist Sorge zu tragen, dass die innere kalte Luft sich nur allmählich und so langsam als möglich erwärme, weil der plötzlich eindringende warme Luftstrom sich im Augenblick kondensiert.

 

Hat man dieser Hauptbedingung genügt, sodass sich der für die Aufbewahrung von Waffen bestimmte Raum in einer möglichst gleichen Temperatur im Winter wie im Sommer erhält, dann werden die darin aufgestellten, ursprünglich gut gereinigten Waffen stets in klaglosem Zustand bleiben und man wird nur in längeren Zeiträumen einmal eine eingehende Durchsicht vorzunehmen haben, um die durch die natürliche Feuchtigkeit der Wände etwa entstandenen Rostansätze, die sich oft nur durch winzige, braune Pünktchen ankündigen, durch Befeuchten mit Öl zu entfernen. Dabei muss der Grundsatz beobachtet werden, dem Rost schon im ersten Entstehen zu begegnen.

 

Eine zweite unerlässliche Bedingung zur rostfreien Erhaltung der Waffen ist, dass das Berühren derselben mit den bloßen Händen möglichst vermieden und dass eine Waffe, die berührt wurde, nachträglich mit einem trockenen, weichen Tuche abgewischt wird. Es bedarf wohl keiner Erwähnung, dass man es vermeiden muss, Waffensammlungen in feuchten Kleidern zu betreten oder die Fußböden mit Wasser zu reinigen.

 

Man hat schon im 17. Jahrhundert die Gegenstände der Rüstkammern mit dünnem Firnis überzogen, um sie rostfrei zu erhalten. Das gibt dem Eisen aber ein hässliches Ansehen, ohne viel zu nützen. Ebenso ist das Einfetten des Eisens eher schädlich, weil jedes Fett nach einiger Zeit ranzig wird und Säuren bildet, die gerade das Entstehen des Rostes befördern. In einem gleichmäßig temperierten Raum kann man das Eisen ohne jeden Überzug lassen.

 

Jeder neuübernommene Gegenstand muss bezüglich seines Zustandes auf das genaueste untersucht und darf nicht früher in die Sammlung eingereiht werden, als bis er vollständig rostfrei gemacht worden ist.

 

Das Befreien des Eisens von Rost ist, wenn es in angemessener Weise und ohne Schädigung des Materiales vorgenommen werden soll, keine ganz einfache Sache, es erfordert außerordentliche Sorgfalt und vor allem Geduld. Was oft in Jahrhunderten sich entwickelt hat, soll man nicht in Minuten vom Platz schaffen wollen. Vorerst ist zu beurteilen, ob das Oxyd bereits den Körper und bis zu welchem Grad angegriffen hat oder ob es in nur geringem Grad schädigend die Oberfläche deckt. Jeder Rost muss aber unbedingt entfernt werden, hätte er auch noch so zerstörend auf das Material gewirkt.

 

Das Mittel, um Eisen von Rost zu befreien, ist einfach und allgemein bekannt, weniger die Methode. Man befeuchtet die Roststelle stark mit frischem, reinen Öl, ohne im mindesten zu reiben oder gar sich des Schmirgels zu bedienen. Jeder Rost löst sich in Öl allmählich auf; es ist darum nichts weiter zu tun, als das aufgetragene Öl nach einigen Tagen einfach wegzuwischen, frisches aufzutragen und damit so lange geduldig fortzufahren, bis die rotbraune Kruste vollständig aufgelöst und entfernt ist. Zeigen sich unterhalb schwarze Flecken, wie sie zuweilen in Vertiefungen vorkommen, so ist das nicht mehr Rost, sondern das Bild des Schadens selbst, den das Oxyd verursacht hatte. Derlei Flecken sind nur dadurch zu entfernen, dass man die Stelle mit Schmirgelpapier behandelt; aber es ist, bevor man zu diesem den Körper selbst angreifenden Mittel schreitet, wohl zu erwägen, ob der Gegenstand nicht dadurch in seinem archäologischen oder seinem Kunstwert für immer geschädigt wird.

 

Klingen sind in der Regel leicht zu reinigen, schwieriger ist dies bei Schilden, welche innen Fütterungen haben, die, damit die Innenseite gereinigt werden kann, abgenietet werden müssen; am allerschwierigsten aber bei Harnischen, weil dem Rost zwischen den Folgen schwer beizukommen ist, sodass im äußersten Fall nichts übrigbleibt als sie zu zerlegen und neue Lederstreifen (Geschiebleder) einzufügen. Besitzer größerer Sammlungen werden daher wohltun, stets einige Pakete Nieten mit gelben und weißen Köpfen und verschiedener Größe im Vorrat zu halten, weil nicht selten Nieten an stark beschädigten Harnischen, besonders wenn sie ursprünglich stark angezogen waren, bei Temperaturwechsel ausspringen.

 

An glatten, unverzierten Flächen kann man sich zum Entfernen des Rostes unbedenklich des Steinöls, Petroleums, bedienen, nur nicht anstellen, die mit Schwarzätzung verziert sind, weil Petroleum das in den Vertiefungen liegende Schwarzlot angreift. Selbst bei Behandlung mit gewöhnlichem Baumöl ist in diesem Fall außerordentliche Vorsicht geboten, damit das Schwarzlot nicht herausgelaugt wird.

 

Jeder blanke Harnisch muss in tadellos reinem Zustand erscheinen, er muss auf das reinste geputzt oder, wie der alte Fachausdruck lautet, „gewischt“ sein. Dieses Wischen der Harnische erfordert eine eigene Übung. Gute Harnischwischer waren schon seit dem Aufkommen der Plattenharnische sehr gesucht. An einem gut gewischten Harnisch müssen die Putzstriche in vollständig paralleler Richtung laufen und dürfen sich nirgends kreuzen. Sehr schwache und durch vieles unverständiges Putzen dem Ruin nahegeführte Harnische lässt man lieber ungewischt und reinigt sie bloß mit gewöhnlicher Seife. Übereifrige Diener vergehen sich nicht selten so weit, Harnische, Schilde, Schwertgriffe, Läufe etc. zu polieren. Man untersage ihnen dieses streng. Ein derart misshandelter Gegenstand ist nicht das halbe Geld mehr wert.

 

Rostflecke auf gebläutem, d. h. blau angelaufenem, geschwärztem, d. h. in heißer Asche gebranntem, und gebräuntem (brüniertem) Eisen sind nicht zu entfernen, ohne die Färbung mehr oder weniger zu beschädigen. Man muss entweder die betreffende Stelle blank lassen oder die Färbung des gesamten Gegenstandes entfernen und durch eine neue ersetzen. Bei archäologischen Gegenständen ist aber ein dahingehender Entschluss stets bedenklich, weil sie unbedingt an Wert dadurch einbüßen; denn jede nachträgliche Färbung ist dem Fachmann leicht kenntlich.

 

Das Innere der Gewehrläufe wird untersucht, indem man ein scheibenförmiges, glänzend poliertes Plättchen von Stahl, „Spiegel“, in den Grund des Laufes gleiten lässt und dann diesen gegen das Licht hält. Der Reflex des Spiegels erhellt die Laufwandungen so vollständig, dass man jede rostige Stelle sofort erkennen kann.

 

Mit Ausnahme des Goldes unterliegen alle für unsere Zwecke in Betracht kommende Metalle der Oxydation. Diese ist zweifacher Art; die eine ist vorteilhaft und wirkt konservierend, die andere ist unbedingt schädlich und muss hintangehalten werden.

 

Bronze nimmt, je nach ihrer Zusammensetzung, durch die Einwirkung des Sauerstoffes der Luft an der Oberfläche allmählich eine andere Färbung an, indem sich halbkohlensaures Kupferoxydhydrat entwickelt; sie wird erst bräunlich und erhält später, ohne die Glätte einzubüßen, eine tiefgrünliche Farbe. Diese feine Kruste, die gegen die zerstörende Einwirkung der Witterung schützt, ist die schon im Altertum gepriesene patina antiqua. Gegenstände, welche auf natürlichem Weg diese Patina erhalten haben, werden von Kennern stets mit Interesse, unter Umständen selbst mit hoher Bewunderung betrachtet. Man soll, um die Patinabildung nicht zu stören, einen Bronzegegenstand nie mit Tüchern abwischen, sondern lediglich mit einem Haarpinsel oder Flederwisch vom Staub befreien.

 

Etwas anderes ist es mit einem Oxyd, das sich an einzelnen Stellen, vornehmlich in scharfen Vertiefungen ansetzt, sich von da immer weiter verbreitet und den Gegenstand allmählich zerstört. Es ist im Gegensatz zur Patina von hellgrüner, dem Schweinfurter Grün ähnlicher Farbe und hat ein kalkähnliches Aussehen; dieses essigsaure Kupferoxyd, der sogenannte „Grünspan“, muss entfernt werden, wenn man den Gegenstand erhalten will.

 

Diesem Feind unterliegen auch andere Metalle, wie Kupfer und Messing gleich allen Kupferlegierungen. Auch hier ist das Öl das beste Mittel zur Entfernung des Schadens. Am sichersten und schnellsten würde freilich Essig oder Weinsteinsäure wirken, beide würden das Oxyd augenblicklich entfernen; aber selbst bei sorglichster Reinigung der Stellen würden die Säuren die Ursache zu neuem Oxydansatz werden. Somit ist nur Baum- oder Steinöl zu empfehlen; wenn es nötig ist, hilft man mit kleinen Holzstückchen nach, um die Kruste aufzulockern.

 

Silber verliert durch den Zutritt des Schwefelwasserstoffes in der Luft im Oxydul den Glanz und verändert seine Farbe ins Tiefgraue, zuweilen ins Bräunliche. Den grauen Farbton nennt man „Altsilber“. Diese Kruste, so sehr sie auch die künstlerische Wirkung eines Gegenstandes beeinträchtigt, hat den Vorzug, dass sie gleich der Bronzepatina konservierend wirkt, sie darf daher nicht entfernt werden. Bräunliche Färbungen nimmt man in der Regel weg, indem man den Gegenstand mit Seife leicht einreibt und diese nach einigen Stunden mit frischem Wasser wieder wegwäscht.

 

Organische Stoffe, wie Holz, Horn, Bein etc., bedürfen zu ihrer Erhaltung frischer Luft, die aber nicht feucht sein darf. Bei Stücken aus Holz wird nasse Fäulung wohl kaum vorkommen, wohl aber die sogenannte Trockenfäule, welche den Stoff in eine mehlige Substanz auflöst. Hier hilft kein anderes Mittel, als dass man den Gegenstand mit Substanzen tränkt, die fäulniswidrig sind, wie konzentrierte Salzsole, Meerwasser, Alaun und dergleichen. Man hüte sich aber, den Gegenstand etwa mit kieselsaurem Natron, dem sogenannten Wasserglas, zu überziehen, weil gerade der Mangel an Luft die Trockenfäule verursacht und Wasserglas den Zutritt der Luft nahezu aufhebt.

 

Ein gefährlicher Feind gewisser Holzarten, besonders harziger, ist der Holzwurm, von dem in Sammlungen gewöhnlich nur eine Art, der sogenannte Nagebohrer (Anobium striatum), vorkommt. Um ihn zu vernichten, tränke man die Bohrlöcher mit Benzin; dann verklebe man sie mit Wachs, um beobachten zu können, ob sich später noch neue Löcher bilden, in welchem Falle man das Mittel wiederholt. Auch in Horn zeigen sich nicht selten kleine Bohrkäfer; man tötet sie leicht mit Terpentinöl.

 

Das Elfenbein hat die üble Eigenschaft, dass es im Verlauf der Zeit eine bräunliche Farbe annimmt; man hilft dem am sichersten und ohne Schaden ab, wenn man den betreffenden Gegenstand unter einem Glassturz oder zwischen geschlossenen Fenstern dem Sonnenlichte aussetzt, wodurch die Oberfläche sich nach und nach wieder vollständig bleicht. Ein anderes, etwas schärferes Mittel ist das Befeuchten mit Seifenwasser oder Benzin und nachträgliches Reinigen der Flächen mit Kalkstaub, der mit weichen Bürsten darüber gerieben wird. Durch das Alter gelb gewordenes Elfenbein befeuchtet man auch mit rektifiziertem Terpentinöl und setzt es dann längere Zeit der Sonne aus. Will die gelbliche Färbung nicht weichen, dann wäre die Anwendung flüssiger, schwefeliger Säure am Platz; sie ist aber als letztes und schärfstes Mittel nur im Notfall und nur mit aller Vorsicht zu gebrauchen.

 

Das Schwierigste ist die Erhaltung textiler Gegenstände, Sattelüberzüge, Fütterungen, Fahnen und dergleichen. Solche aus Wolle und Leinen besitzen einen argen Feind in der sogenannten Kleidermotte (Tinea sarcitella), die nur durch Einstäuben mit Arsenik oder dem bekannten Insektenpulver auszurotten ist. Stete Lüftung ist sehr zu empfehlen, ebenso ist starke Sonnen- oder Ofenwärme der Brut dieser Insekten schädlich.

 

Fahnen, namentlich bemalte, dürfen nie in kleine Falten gelegt werden, weil jeder scharfe Bug leicht Bruch erzeugt. Das Restaurieren der Fahnenblätter durch Steppen ist nur bei kleinen Schäden anzuwenden. Ausbesserungen großer Löcher durch Applikationen sind unstatthaft. In einigen Sammlungen werden derlei Abgänge an dem Stoff durch ein Gitter aus gleichfarbigen Seidenfäden von etwa 0,5 cm messenden Quadraten ausgefüllt. Löcher an Sattelpolsterungen werden durch Unterlegen eines reinen Seidenstoffes oder besser durch Leder soweit ausgefüllt, dass die Füllung nicht herausfallen kann.

 

 

 

Abbildung

 

Das Wappen der Nürnberger Plattner von 1524. Nach A. Grensers „Zunftwappen“.

 

 

 

Als die gewaltige Bewegung der östlichen Völker nach dem Westen und Süden Europas im 9. Jahrhundert ihr Ende nahm, lag der gesamte Kontinent im Bann des Barbarismus. Die antike Kultur war zurückgegangen, eingeschrumpft; was noch davon geblieben, fand bei den fremden Eroberern mit ihren unklaren Erinnerungen an die einstige Größe des Römerreiches nur nach der äußerlichen Seite hin eine Wertschätzung. Aber mit der festen Niederlassung der Eroberer begann aus der eigenen Volkskraft heraus, unterstützt von den vorhandenen autochthonen Elementen, eine neue Kultur fast aus den rohesten Anfängen heraus emporzukeimen, die trotz unausgesetzter Störungen langsam aber stetig zum kräftigen Baum erwuchs. Der Weg vom Barbarismus zur Gesittung war auch hier genau derselbe wie allenthalben, wo immer ein Volk nach geistiger Entwicklung ringt. Auch hier tritt das Streben nach Sicherheit des Lebens und des Besitzes naturgemäß der Sehnsucht nach Behaglichkeit, nach einer feineren Gestaltung des Lebens voran, und die lautesten Forderungen sind auf die Vervollkommnung der Waffe gerichtet.

 

Wenn wir den Weg, den Kunst und Technik im Waffenwesen von ihrem Wiedererstehen am Beginn des Mittelalters genommen haben, verfolgen, so dürfen wir nicht außer Acht lassen, dass die neu in Europa eingedrungenen Völker von noch ziemlich lebhaften Traditionen aus dem Kulturgebiet des Orients erfüllt waren, dass sie in Gebieten sich sesshaft machten, in denen einesteils die antike Kultur nicht gänzlich ausgestorben andernteils eine noch unentwickelte zwar, aber in sich selbst geschlossene Kultur vorhanden war, die in den Resten der autochthonen Bevölkerung wurzelte. Wenn wir diese wichtigen Umstände uns stets vor Augen halten, dann erst werden wir mit klarerem Blick jene Wandlungen verstehen, welche die Technik im Waffenwesen und jenes versöhnende Element darin erfahren hat, das nach der Schönheit zielt.

 

Quelle: Handbuch der Waffenkunde von Wendelin Boeheim