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Mutter und Sohn und Der Nachbarschaftsstreit

Mutter und Sohn
Es war bei Kaiser Claudio eine große Strittigkeit zwischen einem Weib und ihrem Sohn. Der Sohn sagte, dass bemeldete Weib sei seine leibliche Mutter. Das Weib widersprach aber und zwar darum, weil er landwürdige Jahre außerhalb seines Vaterlands gewesen sei und daher dasselbe nicht mehr kenne. Beiderseits werden Beweis und Gegenbeweis geführt. Weil aber dennoch hieraus die eigentliche Wahrheit nicht abgenommen werden konnte, erkennt der Kaiser, dass das beklagte Weib schuldig sei, diesen Fremdling zur Ehe zu nehmen.


Als sie aber aus Antrieb der eingepflanzten Natur hierüber eine große Abscheu empfing, bekannte sie die Wahrheit, dass nämlich der Kläger ihr rechter und natürlicher Sohn sei und denselben unter ihrem Herzen getragen habe.

 

 

Der Nachbarschaftsstreit
Ein weiterer Rechts- und Zankhandel ereignete sich zwischen zweier Nachbarn, die sich wegen eines Vogelnests stritten, welches auf einem Ast über des anderen Nachbarn Grund hing. Der Erste sprach: „Das Vogelnest gehört mir, weil der Baum in meinem Grund gepflanzt steht. Daher auch dessen Ast mein ist (was auch unwidersprechlich war). So folgt hieraus, dass auch dasjenige, was hierauf haftet, nämlich das Vogelnest, mir eigentümlich zusteht.“


Des andern Nachbarn Behelf war, dass der besagte Baum sich gar über seinen Grund erheben und erweitern und hierdurch ihm einen Schatten verursachen würde. Ihm würde daher ein Schaden entstehen. Warum sollte er dann nicht derentwegen das Vogelnest als einen Nutzen und Ausgleich des zugefügten Nachteils begehren und einfordern?


Das Urteil ist leider nicht hinterlassen worden. Doch wird die Strafsache mit beiderseitigen vorgetragenen Hitzigkeiten nebst der Begleichung der Gerichtskosten aufgehoben worden sein.


Quelle: Ausgewählte kuriose Gerichtsfälle der Antike, des Mittelalters und der beginnenden Neuzeit. - Überarbeitete Neuauflage des Continuatio Metamorphosis Telae Judiciariae – Das ist Fortsetzung Seltsamer Gerichtshändel (aus dem Jahr 1658)

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