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Aberglaube aus Niederösterreich Teil 2

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In diesem Artikel Nr. 2 schreiben wir wieder ein paar gefundene Weissagungen aus Niederösterreich auf, die manche Regeln bei bestimmten Situationen auferlegen, auf die sich die Menschen wohl mehr oder weniger gehalten haben, wenn sie daran glaubten. So mussten nach manchen Aberglauben bei einer Sonnenfinsternis die Brunnen abgedeckt werden, nachts nicht in den Spiegel geschaut und Messer auf dem Rücken liegen gelassen werden.
Viele Weissagungen sind auch eher als Mahnungen gedacht, nicht verschwenderisch mit Lebensmitteln umzugehen (Nr. 37) oder schnell seine Kinder zu taufen, weil es die Gemeinschaft verlangt (Nr. 43).

 

 

31. Wenn eine Sonnenfinsternis ist, sagen die Leute, da raufen sich Sonne und Mond, und so lang die Finsternis dauert, fällt giftiger Tau, darum werden alle Brunnen zugedeckt und das Vieh darf nicht auf die Weide getrieben werden.


32. Wenn der Kuckuck schreibt, so soll man ihn fragen, wie viele Jahre man noch leben wird. Und so oftmals er dann schreit, so viele Jahre lebt man noch.


33. Wenn das Eichenholz hundert Jahre im Wasser liegt, so wird es zu Stein.


34. Der Lindwurm (Schlange, Fabelwesen) entsteht vom hunderjährigen Mist. Im Mist soll er nämlich durch die lange Zeit ausgebrütet werden. Das kann nur auf solchen Plätzen geschehen, wo kein Mensch hinkommt.


35. Wenn der Sturmwind drei Tage und Nächte in einem fort weht, so muss sich im Wald jemand erhängt haben.


36. An einem Freitag soll man nichts anfangen, sonst hat man kein Glück.


37. Wenn einem ein Brotbrösel hinunterfällt, so soll man so lange darum suchen, dass einem die Augen bluten.


38. Wenn das Feuer brummt, so kommt wer Seltsamer.


39. In der Nacht soll man nicht in den Spiegel schauen, weil leicht der Teufel herausblicken könnte.


40. Abends nach dem "Ave Marialeuten" soll man nicht mehr zum Brunnen trinken gehen, weil man da den Teufel mit hinein trinken könnte.


41. Wer von den zwei Brautleuten am Tage ihrer Kopulation zuerst ins Bett steigt, derjenige oder diejenige wird auch zuerst sterben.


42. In der Erde gibt es "Irrwurzeln" und wer über eine steigt, der verirrt sich und findet nicht mehr allein nach Haus.


43. Wenn bei der Heiligen Taufe etwas ausgeblieben ist, so hat das Kind viele Anfechtungen vom bösen Feind und das dauert so lange, bis es die heilige Firmung empfangen habe.


44. Wenn man ein Messer auf dem Rücken liegen lässt, so müssen die armen Seelen darauf reiten.


45. Wenn die Zimmertür plötzlich allein aufgeht, so kommt wer Seltsamer.


46. Wenn beim Zusammenläuten die Glocken traurig klingen, so stirbt bald jemand.


47. Wenn es blitzt, so soll man schnell das Kreuz machen, weil man leicht erschlagen werden könnte.


48. Wenn die kleinen Kinder im Schlaf lächeln, so spielen die Engel mit ihnen.


49. Wer mit dem Finger nach dem Regenbogen zeigt, dem wächst ein Wurm im Finger.


50. Wenn man in der Nacht auf einem einsamen Platz ein Lichtlein brennen sieht, so liegt da ein Schatz vergraben.


51. Wenn ein Toter, der aufgebahrt ist, ein Auge oder gar beide offen hat, so stirbt bald wer nach.


52. Wenn man ein Laib Brot aufschneiden will, so mache man zuerst auf der unteren Seite mit dem Messer ein Kreuz, sonst gehört das erste Stück davon dem Teufel.


53. Wenn von den abgeschnittenen Haaren die Vögel welche erwischen und in ihr Nest tragen, so wachsen einem die Haare nicht mehr.


54. Wenn eine Leiche aus dem Haus getragen wird, so muss man das Essigfass rütteln, sonst verdirbt der Essig. Auch die Bienen müssen gerüttelt werden, sonst sterben sie.


55. Wenn der Besitzer von Bienen stirbt, so sterben auch gar bald seine Bienen ab.


56. Eine Wöchnerin soll nicht zum Fenster hinaussehen, wenn sie Klopfen oder sonst ein Geräusch draußen hört, sonst könnte ihr das Kind gestohlen oder ausgewechselt werden.


57. In der heiligen Christnacht redet das Vieh im Stall, darum soll sich in dieser Nacht kein Mensch im Stall aufhalten.


58. Am Blasiustag wird der Wind gefüttert, damit er in der Heuernte nicht wehe. Es wird nämlich Salz ausgestreut oder man stellt Mehl und Salz auf einem Teller hinaus.


59. Wer ein "Wichtel" ausspottet, der wird taub.


60. Wenn eine ledige Person am Vinzenziustag Vögel paarweise fliegen sieht, so heiratet sie noch dieses Jahr. In jedem anderen Falle aber nicht.

 

Textquelle: Zeitschrift für Deutsche Mythologie und Sittenkunde. Band 4, Göttingen 1859

Bildquelle: "Aus den Alpen" ... Illustriert, Wien, 1896.

 

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