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Aberglauben aus Schwaben

Aberglauben Weissagungen Bauernregeln aus Schwaben Deutschland - Symbolbild historische Zeichnung

Heute wollen wir den Aberglauben aus dem Schwabenländle näher betrachten und haben eine Abschrift aus einer historischen Quelle (Quellenangabe siehe unten) besorgt, die eine gute Zusammenstellungen von sogenannten Weissagungen aufzählt. Einige abergläubische Vorhersagen sind in unserer heutigen Zeit blanker Unsinn (siehe die vielen Weissagungen über vermeintlich selbst provozierte Todesfälle in der Familie oder Freundschaft), doch haben sie das Leben der Menschen in einem gewissen Maß mitbestimmt.

 

 

1. Wer an einem Sonn- oder Festtag für andere ein Kleidungsstück näht, darin schlägt der Blitz. Geht der oder die Eigentümerin nach Amerika und trägt es, so geht das Schiff unter.


2. Von dem Tag sagt man: Der Tag nimmt zu
Weihnachten um einen Hahnenschritt
Am Neujahr um einen Gaißensprung
Lichtmesse eine ganze Stund.


3. Wenn man ein Rotkehlchen plagt, so geben die Kühe rote Milch.


4. Wenn man einem Wasser zu trinken gibt, in das "Nägelschabete" (schabete = von schaben) geworfen wurde, so bekommt der Betreffende die Auszehrung (Schwindsucht).


5. Wenn man zu dreizehn beieinander sitzt, so muss einer davon bald sterben.


6. Gibt man einem etwas Böses zu trinken, so darf man nur das Glas auf den kleinen Finger stellen, so zerspringt es.


7. Kommt ein Käuzchen oder eine Kägersch (Elster) in die Nähe eines Hauses und krächzt, so bedeutet dies Unglück oder Tod im Haus selbst oder in der Nachbarschaft.


8. Wenn zwei Leichen miteinander vergraben werden, so sieht man es gerne, wenn die jüngere zuerst in den Gottesacker kommt.


9. Wenn eine Leiche auf einen Hochzeitstag fällt, so bringt es Unglück über die Familie.


10. Wenn sich die Braut am Morgen des Hochzeitstages die Strümpfe vom Bräutigam anziehen lässt, so gibt es eine gute Ehe.


11. Wenn man bei Nacht ohne Kopfbedeckung ausgeht, so pissen (!) einem die Fledermäuse ins Haar und man bekommt einen Kahlkopf. Oder sie verwickeln sich auch im Haar.


12. Wenn bei einem Anschlittlichte die Putze gegen einen hinschaut oder hinneigt, der bekommt bald einen Brief.


13. Wenn einen die Nase beißt, so gibt es was Neues.


14. Steht man am Andreas- oder Nikolaustag auf dem Kreuzweg, so kommt der Teufel nachts und lehrt allerlei Künste.


15. Am Maria Magdalena Tag (den 22. Juni) muss einer einen Klemmer und Schwimmer haben.


16. Am Weihnachtsabend jagt man nach dem Gebet die Schwalben hinaus, indem man mit Besen Stube und Küche ausfegt.


17. Findet einer ein Hufeisen mit allen Nägeln (aber suchen darf er es nicht) und nagelt es über seine Haustür, so verbrennt das Haus nicht.


18. Kommt des Nachts das Schrättle (Personifizierung eines Albtraums), so soll man einen Bock zu sich nehmen, dann kommt es nicht mehr.


19. Die Blindschleiche stach die Mutter Gottes, von dort an ist sie blind.


20. Hört man im Frühjahr den Kuckuck das erste Mal schreiben, so soll man seinen Geldbeutel rurlen [vermutlich rühren, schütteln] und das ganze Jahr hat man Geld darin.


21. Wenn in der Christnacht um 12 Uhr die Mädchen in den Höhlhafen (Ofenhaken) sehen, so erblicken sie ihren künftigen Mann darin.


22. Nimmt man zu eben derselben Zeit 12 Mäßchen von jeder Fruchtsorte, misst sie vorher genau und tut dies des anderen Morgen wieder, so kann man sehen je nachdem im einen mehr oder weniger ist, ob die Frucht das Jahr über teuer oder wohlfeil wird. Ist von einem weniger da als am Abend, so wird gerade dies teuer und umgekehrt wohlfeiler.


23. Ist eine eine Hexe, so muss sie, bevor sie zu den Leuten kommt ihre Eingeweide herausnehmen.


24. Brockt man eine Milch ein, so dürfen die Brotbrocken nicht mit dem Messer geschnitten werden, sonst schneidet man der Kuh die Milch ab.


25. Wenn ein Haus brennt, so brennt dasjenige auch bald ab, auf dessen Seite der Kamin abfällt.


26. Wenn einem Jäger des Morgens ein altes Weib begegnet, so soll er nur wieder heim gehen, denn er hat eine schlechte Jagd. Begegnet ihm aber ein schönes Mädchen, so hat er eine gute Jagd.


27. Verirrt man in einem Wald, so darf man nur seine Tasche umkehren, so findet man wieder hinaus.


28. Wer zuerst ins Brautbett kommt, hat künftig die Oberhand im Haus.


29. Wann in der Nacht oder bei Tag sich einer erhängt, so geht ein fürchterlicher Sturm. Wird einer hingerichtet, so ist das Wetter trüb und düster.


30. Wenn die Kinder des Nachts zum Fenster hinausgucken, so rufen ihnen die Mütter: "Guck ett naus f´maun mändle nimmt di fort!"


31. Beim sähen nimmt der Bauer zuerst eine Hand voll und wirft sie aus dem Namen Gottes des Vaters, eine zweite im Namen des Sohnes, die dritte im Namen des Heiligen Geistes. Dann erst beginnt er recht und die Saat gerät gut.


32. Wenn Kälber bei abnehmenden Mond angebunden werden, so nehmen sie selbst ab.


33. Geht man in ein Haus, so muss man sich setzen, sonst trägt man beim Gehen den Leuten den Schlaf hinaus.


34. Wenn d´ muotiseel (Wuotis-Heer) in der Luft trommelt, so lege man sich mit dem Gesicht auf die Erde oder stecke den Kopf zwischen ein Rad.


35. Zieht man über einen träumenden einen Schurz und zieht ihn über die Brust an, so antwortet er auf alle Fragen.


36. Wenn ein Zahn herausgeht, so sagt man: "Wolf, Wolf, du hast an Zahn, gibt mer an andre dra, naun koan biberzahn."

 

Textquelle: Zeitschrift für Deutsche Mythologie und Sittenkunde. Band 4, Göttingen 1859

Bildquelle oben: 'Les Races Humaines ... Ouvrage illustré de 334 gravures dessinées sur bois, et de 8 chromo-lithographies, etc' Paris, 1872

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