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Der Harnisch für den Mann in seiner Gesamtheit. Teil 3

Um 1420 ist der Plattenharnisch als vollends ausgebildet zu betrachten, alle nachfolgenden Veränderungen desselben erscheinen nur als partielle Verbesserungen oder als Launen der Mode, die nun einen allmählich entschiedeneren Einfluss auf die Bewaffnung nimmt.

 

Die Veränderungen in der Harnischform erscheinen zuweilen drastisch und machen oft schon nach wenigen Jahren anderen Platz; dabei machen sich nationale Eigenformen merklich, die die Übersicht im Formenwesen sehr erschweren. (Fig. 158.)

Fig. 158. Holzstatuette Herzog Philipps des Guten von Burgund (1419—1467). Kopie einer Statue vom Ende des 15. Jahrhunderts am Stadthaus zu Amsterdam, die 1652 beim Brand zerstört wurde. Arbeit des Artur Quellinus. Nach van der Kellen, Nederlands Oudheden

Fig. 158. Holzstatuette Herzog Philipps des Guten von Burgund (1419—1467). Kopie einer Statue vom Ende des 15. Jahrhunderts am Stadthaus zu Amsterdam, die 1652 beim Brand zerstört wurde. Arbeit des Artur Quellinus. Nach van der Kellen, Nederlands Oudheden.

 

Um 1450 reicht die kugelförmige Brust um etwas tiefer, diese Vergrößerung bewirkte, dass dieselbe in zwei Stücken gefertigt wurde. Dadurch entsteht die geschiftete Brust. Der obere Schiftteil wird in Italien mit Stoff bedeckt, sodass das Ganze aussieht, als säße der untere Schiftteil (bruech) über einem Lentner. Die Achseln werden groß, bis zu einer oft riesigen Dimension aber wachsen die Armkacheln an. Die Beintaschen werden spitz (tuiles), neben ihnen an den Seiten nehmen derlei kleinere (tuilettes) Platz, die Handschuhe erhalten spitzgeschnittene Stulpen. Das Haupt bedeckt ein Kugelhelm oder die demokratische Schallern, die Schnabelschuhe wachsen bis zu 36 cm an. (Fig. 159 und 160.)

 

Das ist um 1450 die Harnischtracht des Vornehmen, die ritterliche Tracht, unter den Geringeren zeigen sich noch die mannigfachsten veralteten Formen bis zum alten Haubert herab mit den unterschiedlichsten Verstärkungen durch Platten. Die Kopfbedeckung des gemeinen Spießknechtes ist der alte Eisenhut, die Beckenhaube und die Hundsgugel, noch bis 1480 wird die Helmbrünne getragen. Sie verwandelt sich mit geringen Veränderungen in den Panzerkragen, der unter den Landsknechten sich großer Beliebtheit erfreute. In Italien tragen die Bogen- und Armbrustschützen eine eigene Art von Harnischen, die sich als ein Mittelding von Stoffwams und Harnisch darstellt, ihren Ursprung aber zweifelsohne im Lentner gefunden hat, den Korazin. Schwertträger finden sich häufig in Schuppenwämsern, Brigantinen oder nur mit Panzerhemden, Jazerins, (maglia ghiazzerina), ausgerüstet, wie denn in Italien immer eine innigere Annäherung an alte Formen wahrzunehmen ist und selbst Reminiszenzen an die Antike nicht erst von der Renaissanceperiode her datieren, vielmehr stets lebhaft gewesen sind. Sicher ist das eigentliche Schuppenhemd, die Brigantine, aus der römischen lorica squamata erwachsen und auch die Anordnung der Schuppenlagerung ist bei Korazins dieselbe, wie sie bei genannten loricas mit Bronzeplättchen vorkommt. Was Tacitus bei Erwähnung der Bekleidung Kaiser Othos als tunica ferrea bezeichnet, ist ohne Zweifel ein ähnlich schmiegsames, eisernes Waffenkleid gewesen. Um die Mitte des 15. Jahrhunderts besteht die Panzerung der Korazins und Brigantinen nicht nur aus kleinen Plättchen, sondern an den oberen Brustteilen und am Rücken auch aus größeren Platten, an welche sich kleinere an den Weichteilen des Körpers reihen.

 

Fig. 159. Ganzer Harnisch Friedrichs des Siegreichen, Pfalzgrafen am Rhein (1425—1476). Arbeit des Mailänder Plattners Tomaso da Missaglia um 1450. Vorderseite.

 Fig. 159. Ganzer Harnisch Friedrichs des Siegreichen, Pfalzgrafen am Rhein (1425—1476). Arbeit des Mailänder Plattners Tomaso da Missaglia um 1450. Vorderseite.

 

Wir ersehen dieses an der Brigantine Maximilians I. von Bernardino Cantoni von ca. 1510 in Madrid und am Korazin des Jacob von Embs von ca. 1500 in Wien. Die ersten Feuerschützen waren und blieben stets Feinde einer schweren Ausrüstung. Hakenschützen tragen wohl geschiftete Bruststücke, aber durchweg nur leichte Hauben. Fußknechte insgemein nur Hauben aus geschlagenem Eisenblech, die lebhaft an die Helme der römischen Fußsoldaten erinnern; aus ihnen entwickelt sich rasch darauf die Sturmhaube.

 

Fig. 160. Ganzer Harnisch Friedrichs des Siegreichen. Rückseite.

Fig. 160. Ganzer Harnisch Friedrichs des Siegreichen. Rückseite.

 

 

Wir nähern uns nun um 1450 einer Periode in der Harnischtracht, die eine eigentümliche Erscheinung aufweist. Der Adelige, das ist der zu Ross erscheinende Lehensmann, konservativ in seinem ganzen Wesen, tritt in dem Reiterharnisch auf, wie sich dieser vom Anfang des Jahrhunderts herausgebildet hatte. Die Umbildungen desselben waren unwesentlich, es war schon ein Großes, dass der ritterliche Mann die Schallern willig annahm, weil ihm die Beckenhaube unbequem wurde. Zum Schutz des Gesichtes fügte er den Bart hinzu, der, an das Bruststück angeschraubt oder um den Hals geschnallt, dasselbe bis zu den Augen deckte. Diese Form findet sich vorwiegend in Frankreich und Deutschland. In Italien, woselbst die Renaissance schon ein Jahrhundert früher die Formen beeinflusste, treten auch andere Kopfbedeckungen auf, die in ihrer Gestalt sich mehr an die Antike anlehnen. (Fig. 161 und 162.)

 

Um 1470 ist der ritterliche Harnisch mit Schallern in seiner ganzen Erscheinung ein Muster von Ebenmaß und Eleganz. Weder vorher noch später wurden die Anforderungen an Schönheit und an eine geschmackvolle Ausführung so voll erreicht, als in dieser Zeit, die als der Höhepunkt des Plattnerwesens bezeichnet werden kann. Was später Anspruch auf Bewunderung machen kann, ist nur eine zuweilen staunenswerte dekorative Auszierung, nicht aber die Gesamtform, der Zuschnitt und das Verhältnis der einzelnen Teile. (Fig. 163.)

 

Man nennt heute diese Harnische, gewiss durch einzelne Detailformen veranlasst, die den Stil des Mittelalters erkennen lassen, „gotische“. Die Form jedoch ist der italienischen und speziell florentinischen Tracht entlehnt, die um die Mitte des 15. Jahrhunderts als Mode ihren Rundgang über alle Welt machte und allenthalben als Hoftracht üblich wurde.

 

Um diese Zeit hatte sich eine bedeutende Veränderung im Heereswesen ergeben. Aus dem alten Lehensheer war allmählich das Söldnerheer entstanden, geworbene Truppen; eine Veränderung, der die Ritterschaft anfänglich fremd gegenüberstand. Die Art der Bildung musste naturgemäß Berufsleute heranziehen, die ihre Ausrüstung und Bewaffnung vom Gesichtspunkt ihrer Fechtweise, ihrer Gewohnheiten, ihrer Erfahrung und auch des Geschmackes ihres hochgehaltenen Standes betrachteten. Blieb auch anfänglich das Werbesystem auf die Fußtruppe und das Geschützwesen beschränkt, so bewirkte doch das moralische Gewicht, das diese zahlreichen Scharen in die Waagschale warfen, eine vollständige Umformung ihrer Ausrüstung. Damit scheidet sich von dem ritterlichen oder reisigen der knechtische oder Fußknechtharnisch ab, die beide in ihren Formen wesentliche Verschiedenheiten erkennen lassen.

 

 

Fig. 161. Ganzer Harnisch mit bemalter Schallern des Robert von Sanseverino, Grafen von Gajazzo (starb 1487). Arbeit des Mailänder Plattners Antonio da Missaglia, um 1480. Vorderseite. Fig. 162. Ganzer Harnisch des Robert von Sanseverino. Rückseite.

 Fig. 161. Ganzer Harnisch mit bemalter Schallern des Robert von Sanseverino, Grafen von Gajazzo (starb 1487). Arbeit des Mailänder Plattners Antonio da Missaglia, um 1480. Vorderseite.

 Fig. 162. Ganzer Harnisch des Robert von Sanseverino. Rückseite.

 

Die ersten Anfänge der Bildung eines Harnischtypus für den Fußknecht sind in Italien schon im 14. Jahrhundert merkbar. Für sich entwickelt sich dieses Bestreben unter den Schweizern, in denen das Berufsgefühl ungemein rege war und deren eigene Fechtweise auch eine ganz eigenartige Ausrüstung in Harnisch und Handwaffe erforderte; von ihnen aus verbreitete sich das Streben nach besonderer Bewaffnung des Fußvolkes über alle Heere.

 

Fig. 163. Ganzer Harnisch Kaiser Maximilian I. (1459—1519) mit Schallern und Bart. Blank mit messingenen Randverzierungen. Nürnberger Arbeit, um 1475. Fig. 164. Ganzer Maximiliansharnisch mit schwarz geätzten Strichen des Otto Heinrich, Pfalzgrafen am Rhe

 Fig. 163. Ganzer Harnisch Kaiser Maximilian I. (1459—1519) mit Schallern und Bart. Blank mit messingenen Randverzierungen. Nürnberger Arbeit, um 1475.

 Fig. 164. Ganzer Maximiliansharnisch mit schwarz geätzten Strichen des Otto Heinrich, Pfalzgrafen am Rhein (1502—1559). Deutsche Arbeit von 1523.

 

 

Der deutsche Landsknecht, der geworbene Berufssoldat im vollen Sinne des Wortes, trug in der ersten Zeit einen ganzen Harnisch, der sich von dem in der Ritterschaft üblichen nicht wesentlich unterschied1, später um 1520 die Sturmhaube nach spanisch-italienischem Muster, den Brust- und Rückenharnisch mit Bauchreifen, Beintaschen oder auch mit Schößen, den eisernen, geschobenen Kragen mit kurzen, geschobenen Achselstücken, die Spangeröls, die nur den Oberarm bedeckten. Unter dem Harnisch trug er das Kettenhemd, nach 1530 auch den Panzerkragen über den Schultern. So entstand der Landsknechtharnisch, in Frankreich allecret, in Italien armatura alleggiata benannt.

 

Betrachten wir die Harnischform im Detail, so bemerken wir, dass gerade um die Zeit des Entstehens eigener knechtischer Harnische der ritterliche durch den Einfluss der Renaissance eine Umgestaltung erleidet.

 

Aus der Schallern bildet sich der geschlossene Helm mit Hals- und Nackenschirm, der geschobene Kragen reiht sich nun dem System ein und fast gleichzeitig tritt der burgundische Helm auf, der in fester Verbindung mit dem Kragen steht und nur eine Bewegung des Kopfes nach den Seiten gestattet. Die Brust wird breit und kugelförmig, der stark aufgeworfene Oberrand läuft horizontal, die Beintaschen werden breiter. Schon um 1460, bei Turnierzeugen noch etwas früher, kommt der Rüsthaken in Aufnahme, der über ein Jahrhundert in Gebrauch bleibt. Der Reisige war nicht mehr imstande, die schwerer gewordene Reisspießstange frei unter der Armhöhle zu halten. Noch reichen die Oberdiechlinge bis an die Leisten hinauf, die Kniebuckel aber werden halbkugelförmig, gleich den Mäuseln. Und die Armkacheln und Kniebuckel werden größer.

 

Die bedeutendste Veränderung erleiden die Schuhe. Früher schmal, spitz und nicht selten mit langen Schnäbeln, werden sie nun übermäßig breit und plump. Sie zeigen Ähnlichkeit mit den schweren, gepolsterten Schuhen, die beim Rennen getragen werden. Diese Veränderung tritt so plötzlich auf, dass sie unmöglich als eine natürliche Umbildung, sondern nur als das Ergebnis eines bestimmten Willens erscheinen kann.

 

Eine neue Dekorationsart tritt auf, der Goldschmelz, die Schwarzätzung und die vergoldete Ätzung in ornamentierten Rändern und Streifen (Strichen). Von Italien aus tritt der Gebrauch auf, die Harnische zu schwärzen oder auch schwarze Röckchen über die Harnische zu ziehen. In Spanien und Italien werden auch reich gestickte, weiße und farbige Harnischröckchen getragen. Der Deutsche erscheint aber lieber in schön geziertem Harnisch aus blankem Eisen. Viel häufiger wird eine reich gezierte Jacke mit kurzen faltigen Schößchen unter dem Harnisch getragen, wo dann die letzteren unter dem Rücken hervorstehen. Später, um 1570, trägt man auch nur die Schößchen allein, die um den Leib geschnallt werden.

 

Am Beginn des 16. Jahrhunderts, der Periode der vollen Umbildung des gotischen Harnisches in die Form der Renaissance, begegnen wir einer Hinneigung der deutschen Ritterschaft, bei festlichen Anlässen, um würdevoll zu erscheinen, sich Harnische zu bedienen, welche nur beim Turnier üblich waren. Es ist, als wollte die Ritterschaft damit allenthalben ihre bevorzugte Stellung gegenüber dem aufstrebenden Landsknechttum darlegen, was sie nicht deutlicher bezeugen konnte, als durch den Hinweis auf ihre Turnierfähigkeit. Um diese Zeit wurden nun prächtig ausgestattete Kampfharnische mit langen Schurzen getragen, die nur bei Festlichkeiten gebraucht wurden. Bei derlei Anlässen war aber das Erscheinen zu Pferde meist bedingt. Um nun in diesem Turnierharnisch zu Pferde steigen zu können, wurden aus den Schurzen vorn und rückwärts bogenförmige Blätter ausgeschnitten, die, wenn der Mann zu Fuß erschien, wieder in die Ausschnitte mittelst Häkchen und Federzapfen eingefügt wurden. Überhaupt erschien der Adlige bis etwa 1530 bei Festlichkeiten lieber in seinem Turnierharnisch für das Gestech, als in einer Zusammenstellung für das Feld.

 

Viele Anzeichen deuten darauf hin, dass auf die Formbildung der ersten Harnische der Renaissanceperiode Maximilian I. einen nicht unbedeutenden, wenn nicht einen entscheidenden Einfluss geübt hatte. In mehreren Bestandteilen, wie in Brust und Rücken, den Bauchreifen und Beintaschen, erscheint der Landsknechtharnisch mit dem reisigen gleich gebildet, wie überhaupt auch späterhin die Formen der Bruststücke beider sich ziemlich gleichartig weiterbilden.

 

Um 1500 erblicken wir plötzlich eine besondere Art von Harnischen, welche in der allgemeinen Form zwar mit den vorher beschriebenen gleich gebildet sind, aber an allen Teilen ihrer Oberfläche mit Ausnahme der Beinröhren feine Kehlungen oder Riffelungen besitzen. Diese geriffelten Harnische (französisch armure cannellée, Maximilienne, italienisch armatura spigolata) nannten die älteren Archäologen im Fach „Mailänder Harnische“, eine auf keinerlei Beweise sich stützende Bezeichnung, die umso weniger stichhaltig ist, als sämtliche noch vorhandenen derlei Harnische deutsches, meist Nürnberger Fabrikat sind. (Fig. 164.) Sie treten gleichfalls so plötzlich vor Augen, dass wir auch hier wieder in ihrer Einführung imperative Impulse voraussetzen müssen. Alle Umstände treffen zusammen, sie als eine Erfindung Maximilians I. anzusehen, der durch die feinen Riffelungen eine Verstärkung des Harnisches zu erzielen gedachte, ohne das Harnischblech verstärken zu müssen. Neuere Schriftsteller nennen sie aus diesem Grund richtiger Maximiliansharnische. Gegen den Hieb hatte sich die Voraussetzung des Erfinders allerdings bewährt, nicht aber gegen die Geschosse der Fernwaffen. Der geringe Vorteil und die bedeutenderen Kosten waren Ursache, dass diese eigenartigen Formen um 1530 wieder verschwanden. Eine Variante dieser Maximiliansharnische ist in dem sogenannten „Pfeifenharnisch“ zu erblicken, der mit hohl ausgetriebenen Stäben (Pfeifen) ausgestattet ist. (Fig. 165.)

 

Der Plattenharnisch war um 1500 zu allgemeiner Beliebtheit gekommen; er erschien von da an ebenso in der Schlacht, im Turnier, wie bei festlicher Gelegenheit und im bürgerlichen Leben. Unter solchen Verhältnissen bildete sich derselbe auch zum reich ausgestatteten Prunkkleid. Zunächst waren die Plattner bestrebt, ein und denselben Harnisch derart auszustatten, dass derselbe für das Feld, wie auch für die verschiedenen Turnierarten, wie nicht minder als knechtischer oder leichter Trabharnisch in Gebrauch genommen werden konnte. Dadurch bildeten sich ganze Harnischgarnituren, die durch Zusammenstellung der verschiedenartigsten Wechsel- und Verstärkungsstücke für alle Fälle zu verwenden waren. Die älteste derlei Garnitur, die dem Verfasser vor Augen gekommen ist, datiert von ungefähr 1510. Diese Garnituren gelangen um 1520 zu einer ungemeinen Beliebtheit. Einzelne gestatten die Bildung von höfischen Kleidern, die die Landsknecht- oder überhaupt irgendeine Modetracht darstellen, wie der prächtige Harnisch G. 23 im Artilleriemuseum in Paris oder der Harnisch des Wilhelm von Roggendorff mit den weiten bauschigen Ärmeln in der kaiserlichen Waffensammlung zu Wien, die zu den Meisterwerken der Plattnerkunst zählen. (Fig. 166.) Noch 1549 findet der Augsburger Plattner Matthäus Frauenbreys es nötig, einer Harnischgarnitur für Maximilian II. die Wechselstücke für einen Harnisch für den Fußkampf (mit kurzem Schurz) beizugeben, der längst außer Übung gekommen war.

 

Von 1500 bis 1530 etwa begegnen wir Helmen mit Visieren, die eine abschreckende Fratze darstellen, den sogenannten „Teufelsschembart“. Hier berührt sich deutscher Geschmack mit jenem der Japaner und Chinesen. Es war eben eine Zeit der Ungebundenheit, der lockeren Sitte über das deutsche Kriegsvolk gekommen, die sich auch in dem obszönen „Latz“ (latus) kennzeichnet, den der übermütige, rohe Landsknecht mit ebenso wenig Schamgefühl wie der turnierfähige Ritter trägt.

 

1So sehen wir sie auch noch in den Zeugbüchern Maximilians I., in deren Tafeln wiederholt verschiedene Ausrüstungsperioden vor Augen gestellt werden.

 

Fig. 165. Ganzer, sogenannter Pfeifenharnisch für einen Knaben, gefertigt für den Prinzen, späteren Kaiser Karl V. von Hans Seusenhofer in Innsbruck 1511 und unbekannter Umstände halber unvollendet geblieben.

 Fig. 165. Ganzer, sogenannter Pfeifenharnisch für einen Knaben, gefertigt für den Prinzen, späteren Kaiser Karl V. von Hans Seusenhofer in Innsbruck 1511 und unbekannter Umstände halber unvollendet geblieben.

 

Fig. 166. Zierharnisch, in welchem die geschlitzte Tracht der Zeit nachgeahmt wird, des kaiserlichen Feldhauptmanns Wilhelm von Roggendorf (1481—1541). Der Helm gehört zur Garnitur, aber nicht zum vorliegenden Harnisch, zu welcher eine Landsknechthaube be

 Fig. 166. Zierharnisch, in welchem die geschlitzte Tracht der Zeit nachgeahmt wird, des kaiserlichen Feldhauptmanns Wilhelm von Roggendorf (1481—1541). Der Helm gehört zur Garnitur, aber nicht zum vorliegenden Harnisch, zu welcher eine Landsknechthaube benutzt wurde. Deutsche Arbeit um 1515.

 

 

 

 

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Quelle: Wendelin Boeheims Handbuch der Waffenkunde


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