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Gerätschaften aus dem 15. Jahrhundert Teil 1

Rauchfass aus Silber, in der Kirche des Augustinerklosters zu Würzburg.
Rauchfass aus Silber, in der Kirche des Augustinerklosters zu Würzburg.

 

Nachdem wir bereits mehrere Rauchfässer im romanischen Stil mitgeteilt haben, geben wir dieses in zwei Drittteilen der Originalgröße perspektivisch gezeichnete, interessante Kunstwerk, welches die geschickte Anwendung der gotischen Architektur bei kleineren Gegenständen im Laufe des 15. Jahrhunderts zeigt.

 

Der obere Teil hat die Form einer reichverzierten, aus dem Achteck konstruierten Turmspitze von mehreren Stockwerken; der untere Teil ist pokalartig und zwischen buckelartigen Rundungen mit Eidechsen verziert. Leider fehlen durch unvorsichtige Behandlung an diesem Rauchfass die meisten Fialen und kleineren Engelsgestalten. In den Inventarien der Kirchengeräte im Mittelalter ist für Rauchfässer häufig die Benennung „turribulum“ gebraucht.

 

Ein ähnliches Rauchfass hat Martin Schongauer trefflich in Kupfer gestochen und ist davon in Heideloffs Ornamentik, Heft XIV, Tafel 5 eine Kopie gegeben.

 


Leuchter und Kannen aus Messing, aus der Mitte und gegen Ende des 15. Jahrhunderts.
Leuchter und Kannen aus Messing, aus der Mitte und gegen Ende des 15. Jahrhunderts.
Leuchter und Kannen aus Messing, aus der Mitte und gegen Ende des 15. Jahrhunderts.
Leuchter und Kannen aus Messing, aus der Mitte und gegen Ende des 15. Jahrhunderts.

 

Es ist unsere Absicht, in den hier dargestellten sechs Hausgeräten, welche zum häuslichen Gebrauch bestimmt waren, nachzuweisen, wie sich der Stil jener Zeit auch in den einfachsten und schmucklosesten Gewerbsgegenständen ausspricht. Sie sind alle gegossen und dann teils auf der Drehbank abgedreht, teils mit der Seite überarbeitet.

 

A Leuchter für zwei Kerzen, einst im Besitz des Buchhändlers K. Etlinger in Würzburg. Die beiden Büchsen daran zum Einstecken der Kerzen sind innen rund, außen achteckig. Zwei elastische Arme, welche unten vom Schaft ausgehen, greifen in diese beiden Büchsen ein, um die Kerzen darin festzuhalten, welche dadurch auf die Seite gedrückt und zugleich bei dem Abbrennen ausgelöscht werden. Beim Aufstecken der Kerzen werden diese beiden Arme oder Spangen zurückgezogen, zu welchem Zweck an ihrem Oberteil zwei Bügel zum Einlegen der Finger angebracht sind. Der Durchschnitt einer solchen Spange ist unter B im Umriss beigefügt. Der Untersatz des Leuchters, aus welchem sich der Schaft erhebt, besteht aus einer aufwärts stehenden Schale und aus einer umgekehrten, welche den Fuß bildet. Ähnlich sind auch die Untersätze bei den beiden folgenden Leuchtern.

 

C Leuchter für zwei Kerzen, aus der Fürstlich Hohenzollernschen Sammlung zu Sigmaringen. Der mittlere Schaft oder Stamm daran wird durch eine männliche Figur gebildet, in Tracht eines Landknechtes der zweiten Hälfte das 15. Jahrhunderts, welcher in den beiden Händen die Büchsen zum Einstecken der Kerzen hält. Ähnliche Leuchter, deren noch manche erhalten sind, gehörten fast zu einer jeden Hauseinrichtung, und zwar mit dem 14. Jahrhundert beginnend bis zum Schluss des 16. Jahrhunderts. Wenn auch in diesem Zeitraum im Stil des Ganzen keine wesentliche Änderung eintrat, so änderte sich doch in kurzer Zeit das Kostüm der Figur, nach welchem wir auch den Ursprung eines solchen, wenn gleichwohl ziemlich rohen Werkes auf zehn und zwanzig Jahre hin bestimmen können.

 

D ein einfacher Leuchter zu einer Kerze, seinerzeit im Besitz des Malers Spengel zu München; er zeigt die wesentlichen Bestandteile des vorigen mit Hinweglassung der Figur.

 

E ebenfalls ein Leuchter für eine Kerze, im Besitz des Hofantiquars Pickert zu Nürnberg. Der Fuß ist durch einen Drachen gebildet, welcher auf zwei Füßen und dem Schweif ruht. Er zeigt in seiner Form noch ganz den romanischen Charakter, welcher sich bei untergeordneten Gewerbsgegenständen und besonders bei Gussarbeiten häufig bis in den Anfang des 16. Jahrhunderts erhalten hat. Die Büchse zum Aufstecken der Kerze ist hier, wie bei den zwei vorbeschriebenen Leuchtern, unten offen und hat auf der Seite eine Öffnung in Fensterform, zwecks der Reinigung.

 

Die in Messing gegossenen Kannen F und C, im Besitz des Kunsthändlers Drey zu München, sind ebenfalls Arbeiten aus der Werkstätte der Rotgießer und wurden in den Haushaltungen sowohl für Wein, wie für andere Flüssigkeiten gebraucht. Sie unterscheiden sich ungeachtet der großen Einfachheit ihrer Form wesentlich von der Eigentümlichkeit jener Gefäße der früheren romanischen, wie der späteren Renaissance Periode.

 

Der Hebel des Deckels an der Kanne G, welcher in zwei Eicheln endet, zeigt sich bei H von der Rückseite.

 


Ornamentierte Arbeiten in Holz und Leder aus dem 15. Jahrhundert.
Ornamentierte Arbeiten in Holz und Leder aus dem 15. Jahrhundert.

 

A Bruchstück aus der inneren Einrichtung einer französischen Brauttruhe mit flachen Ornamenten, auf wenig vertieftem Grund. Während die Umrisse derselben in die Tiefe geschnitten, sind die inneren Bestandteile als Figuren und einzelnes Blätterwerk mit der Feder und brauner Tinte darauf gezeichnet, eine damals besonders in Frankreich und Südtirol sehr beliebte Art, Möbel, z. B. Brauttruhen etc. und kleinere Utensilien zu verzieren.

 

B, C, D stellen das in Leder gepresste Futteral eines Gebetsbuches von vorn, hinten und oben gesehen dar. Dieses Futteral, eine deutsche Pressarbeit, zeigt in den Ornamenten auf der Vorderseite den Namen Jesu, auf der Rückseite den Mariens. An den Seitenflächen befinden sich Öhren aus Leder zum Durchziehen des Riemens, mittelst welchem das Futteral oder vielmehr dessen Inhalt an dem Gürtel getragen wurde.

 


Organist Conrad Paumann (gest. 1476), nach dessen Grabdenkmal
Organist Conrad Paumann (gest. 1476), nach dessen Grabdenkmal

 

Organist Conrad Paumann (gest. 1476), nach dessen Grabdenkmal, Basrelief aus rotem Marmor, eingesetzt in der südlichen äußeren Mauerseite der Frauenkirche zu München. Über demselben befindet sich eine Marmorplatte von fast gleicher Größe mit der Inschrift: „Anno Domini MCCCCLXXVI an S. pauls bekerung abent ist gestarben und hie begraben der kunstreichist aller instrament vnd der musica maister cunrad pawmann, Ritter, purtig von nurnberg und plinter geboren dem got genad.“

 

Die beiden Marmorplatten waren wie nicht zu zweifeln, aus dem Grab gelegen und haben teilweise durch das Darübergehen manchen Schaden gelitten, bis sie bei der allgemeinen Verlegung der Friedhöfe an die jetzige Stelle gebracht wurden. Conrad Paumann ist auf dem Denkmal sitzend, in der bürgerlichen Haustracht seiner Zeit, eine Schoßorgel (Portativ) spielend, dargestellt, von vier Musikinstrumenten umgeben.

 

Derselbe war blind geboren und der Sohn armer Eltern in Nürnberg, welche früh verstarben und den Knaben hilflos zurückließen. Der Nürnberger Patrizier Ulrich Grundherr hatte die Gelegenheit, die wunderbare Begabung des blinden Knaben für die Musik zu bemerken und nahm sich seiner deshalb an, indem er ihn unterstützte, sodass er sich in dieser Kunst ausbilden konnte.

 

Nach Ulrichs Tod 1423 setzte dessen Sohn Paul das edle Werk fort. Paumann wurde nun nicht nur ein ausgezeichneter Künstler auf der Orgel, der Violine, der Flöte, der Zither und der Trompete, sondern soll auch ein Meister in der Verfertigung von Blas- und Saiteninstrumenten gewesen sein. Noch als junger Mann wurde er als Organist an der Sebalduskirche zu Nürnberg angestellt, wobei er sich durch Urkunde vom Jahre 1446 verpflichtete, sich ohne Erlaubnis nicht von Nürnberg zu entfernen. Doch wurde ihm vom Rat gestattet, eine Kunstreise nach Italien zu unternehmen. An den dortigen kunstliebenden Fürstenhöfen erwarb er sich überall Anerkennung und reiche Belohnung; sein Ruf ging so weit, dass Kaiser Friedrich III. ihm die Ritterwürde erteilte und ihn mit einem golddurchwirkten Kleid, einem Schwert mit goldenem Gehänge und einer Kette beschenkte. Nach seiner Rückkehr von der Reise verheiratete er sich mit Margaretha Weichserin von Nürnberg, aus welcher Ehe mehrere Kinder entsprossen. Bald darauf erhielt er von dem kunstliebenden Herzog Albrecht III. von Bayern einen Ruf als Organist an der Frauenkirche in München, dem er mit Zustimmung des Rates von Nürnberg auch folgte. In dieser Eigenschaft bezog er einen Jahresgehalt von 80 Gulden rheinisch.

 


Tafelgeräte aus der Mitte des 15. Jahrhunderts.
Tafelgeräte aus der Mitte des 15. Jahrhunderts.

 

A Weinkanne aus Zinn, seiner Zeit im Besitz des Bildhauers Andreas Fortner zu München.

 

Diese Kanne, von beträchtlicher Größe, wie der beigefügte Maßstab angibt, zeigt bei großer Einfachheit eine Eigentümlichkeit der Form, wie sie in der Zeit besonders in Deutschland verbreitet war.

 

Das Ganze ist gegossen, auf der Drehbank abgedreht, mit einigen auf den Effekt gut berechneten Vorsprüngen und Linien versehen. Auf dem Deckel befindet sich eine doppelte Kreuzblume, unter E von vorn in Originalgröße dargestellt. Am unteren Teil des Henkels sind drei Drachenköpfe angebracht, zwei davon abwärts und einer aufwärts schauend, erstere unter C, letzterer unter D in Originalgröße.

 

Vorn am Bauch befindet sich ein Reiterschild (Tartsche) wie er von den Rittern um diese Zeit getragen wurde, schief stehend, mit Einschnitt zum Einlegen der Lanze; unter E ebenfalls in Originalgröße dargestellt.

 

F ein Salzfass, in Bronze gegossen, melonenartig gebaucht, mit einer gotischen Giebelblume, im Besitz des Bayrischen Nationalmuseums. Der obere Teil, welcher den Deckel bildet, wenn er geöffnet ist, hat seinen Ruhepunkt mit der Spitze auf der Tischfläche.

 

Ähnliche Salzfässer, wie auch die vorgenannte große Kanne erscheinen häufig auf den Gemälden dieser Periode, bei Darstellung von Gastmählern etc.

 


 

Quelle Bild und Text: Trachten, Kunstwerke und Gerätschaften vom frühen Mittelalter bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts nach gleichzeitigen Originalen (Bd. 5); Frankfurt am Main, 1884.

 


Trachten des 15. Jahrhunderts. Teil 2

Trachten des 15. Jahrhunderts. Teil 1


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