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Trachten des 15. Jahrhunderts Teil 3

Bildnisse der Münchner Patrizierfamilie Pötschner vom Jahr 1477.
Bildnisse der Münchner Patrizierfamilie Pötschner vom Jahr 1477.
Bildnisse der Münchner Patrizierfamilie Pötschner vom Jahr 1477.
Bildnisse der Münchner Patrizierfamilie Pötschner vom Jahr 1477.

 

Bildnisse der Münchner Patrizierfamilie Pötschner vom Jahr 1477. Dieselben sind aus dem Altargemälde, welches sich noch in der ehemaligen Hauskapelle dieser Familie befindet.

 

Ein Eberhard Pötschner wird schon im Jahr 1318 als Bürger und Stadtrat von München genannt.

 

Sie führen im Wappen eine „Pötsche“ d. h. ein hölzernes Gefäß im Allgemeinen und in diesem speziellen Fall eine gewisse Art von Salzbehälter, wohl Bezug habend auf den Salzzwischenhandel, welchem München sogar seine Entstehung zu verdanken hat; der Ausdruck Pötsche, Pitschett ist bis in die Jetztzeit noch im Volksmund gebräuchlich. Dieses Wappenbild führt schon Ulrich Pötschner im Jahr 1366. Die Familie errichtete viele fromme Stiftungen und schuf bedeutende Kunstwerke, u. a. zu St. Peter das schöne Marmorgrabmonument des Balthasar Pötschner (gest. 1505), mit seiner Frau, darüber die Messe des Heiligen Gregorius und in der Frauenkirche Glasgemälde mit dem Pötschnerschen Wappen usw. Das Geschlecht starb 1556 aus; sein altes Pötschnerische Stammhaus befindet sich noch in seinen wesentlichen Bestandteilen in München auf dem Rindermarkt Nr. 8. In dem Hof desselben, welcher an die einstige Ringmauer der Stadt anstößt, ist zur Linken ein hoher viereckiger Turm, ein sogenannter „Lug ins Land“ und zur Rechten der Eingang in besagte Kapelle; dieselbe, ursprünglich gotisch, erlitt in späterer Zeit vielfache ungünstige Veränderungen. Das alte Gemälde, welches den Altar zierte, hängt nun an einer Seitenwand und ist durch ein Bild des 18. Jahrhunderts ersetzt.

 

Unser Gemälde, ein Flügelaltar oder Triptychon, von einem oberbayerischen unbekannten Meister, zeigt in dem Haupt- und Mittelbild in reicher Komposition die Anbetung der drei Weisen aus dem Morgenland. Jede der beiden Flügeltüren enthalten übereinander zwei verschiedene Darstellungen. Jene heraldisch rechts im Oberteil, Antonius den Eremiten und St. Onuphrius; jene links Johannes den Täufer und Johannes den Apostel; in den Unterteilen, kniend und betend als Donatoren das Ehepaar Pötschner mit ihren fünfzehn Kindern, und zwar links, Georg Pötschner in der vollen Rüstung seiner Zeit, hinter ihm seine acht Söhne, und zwar Kaspar, Balthasar und Melchior als die drei Ältesten in Halbrüstung mit Panieren, worauf die Abzeichen der drei Könige.

 

Im Original steht neben dem Vater der Heilige Georg, welcher Heiliger, wie häufig im Gegensatz zu den irdischen Personen in übernatürlicher Größe erscheint; er trägt dieselbe Rüstung wie der Ritter, darüber einen roten Mantel und auf dem lockigen Haar die Sendelbinde.

 

Diese Rüstungen gehören zu den ersten jener Art, welche schon den Körper bis auf die Füße mit blankem Eisen (Plattenrüstungen) umschließen, eine Vollständigkeit, welche sie erst um die Mitte des 15. Jahrhunderts erhielten und dann sich weiter bis in die ersten Jahre des 16. Jahrhunderts entwickelten. (Wir lassen alsbald alle Details dieser Rüstung nach noch erhaltenen Originalteilen folgen.) Der kniende Ritter hat hier vor sich, auf dem Boden stehend, den Reiterschild unter der verhältnismäßigen Größe und darin die besagte Pötsche. Die Helmzierde, in ungewöhnlicher Höhe auf dem Heim (Schaller), zeigt ebenfalls die Pötsche von zwei Armen getragen, ähnlich der bei Herzog Ludwig von Bayern (gest. 1429), auf Tafel 267 erscheinenden Helmzierde.

 

Sämtliche Söhne haben die Kopfbedeckung, die zu gleicher Zeit umgekehrt mit herabgeschlagener Krempe die Unterlage des Helmes bildete. Der vorderste, Kaspar, trägt auf dem Beinkleid einen Streifen aus Kettengeflecht, was, wenn auch selten, noch im 16. Jahrhundert vorkommt.

 

Die Mutter kniend, hat als geborene Fröschel vor sich das Wappenschild mit einem Frosch. Sie trägt das mit Pelz verbrämte lange Überkleid und das den Kopf umhüllende „Rissentuch“. Die sieben Töchter haben nach Art der Jungfrauen in dem starken geflochtenen Haar mit Perlen besetzte Kränze aus grüner Seide, deren Schleifen nach hinten herabhängen. Als Gegenstück zum heiligen Patron Georg hat die Frau im Original zur Seite den Heiligen Christoph mit dem Jesukind.

 


Pergament-Miniaturmalereien aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts.
Pergament-Miniaturmalereien aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts.

 

 

A. Karl der Kühne (gest. 1477), nach dem Miniaturgemälde eines in der großherzoglich-hessischen Bibliothek zu Darmstadt befindlichen Manuskriptes. Dasselbe enthält die Geschichte Frankreichs von Froissard und unsere Abbildung, welche einen Teil des Titelblattes gibt, stellt die Szene dar, wie der Verfasser sein Werk kniend Karl dem Kühnen, Herzog von Burgund überreicht; dieses spricht auch die Dedikation unter dem Bild aus.

 

Der Herzog erscheint hier in dem einfachen schwarzen Hauskleid, mit hoch aufgepufften Ärmeln auf den Schultern und dem kleinen Hut. Seine Würde ist nur durch das goldene Vließ bezeichnet. Der Kniende trägt nach vorherrschend französischer Weise seine Kopfbedeckung an einer vorn lang herabhängenden Sendelbinde und eine Tasche an dem Gürtel. An den dahinter Stehenden ist bezeichnend für die französische Tracht die Art der Kopfbedeckung und die kurze eng anliegende Jacke mit aufgeschnittenen herabhängenden Ärmeln. Das hier sichtbare Stück der das ganze Blatt umgebenden Randverzierung charakterisiert den damals in Frankreich herrschenden Ornamentenstil in der Miniaturmalerei, welcher aus leicht hingeworfenem Laubwerk und Blumen besteht, bei denen weniger die Zeichnung und natürliche Verbindung, wie sie damals in Deutschland war, als eine gefällige Dekorierung berücksichtigt ist.

 

B und C sind Teile der Randverzierungen aus einem reich mit Malereien geschmückten Missale, Gebets- oder Messbuch in Folio, welches sich auf der, an ähnlichen Kunstschätzen so reichen Schlossbibliothek zu Aschaffenburg befindet. Dieses Buch, das sich in dem figürlichen Bildwerk, wie in den Initialen durch eigentümlichen und besonders strengen gotischen Stil auszeichnet, wurde im Auftrag Adolph II. von Nassau (dem fünfzigsten Erzbischof und vierunddreißigsten Kurfürst zu Mainz, gest. 1475) gefertigt.

 

Wir wählten diese einzelnen Teile daraus, vorzüglich um eine Probe zu geben, wie die Maler und besonders die Mönche jener Zeit, die Heraldik mit figürlichen Darstellungen und der Ornamentik in Zusammenhang zu bringen wussten. Dem Wesen nach zeigt sich hier auch in unserer Zusammenstellung der Gegensatz der deutschen zu der französischen Ornamentik.

In dem Teil der Randverzierung unter B erscheint ein Engel mit dem Wappenschild von Nassau, ein goldener Löwe in blauem Feld und jenem von Baden, ein roter Schrägbalken in goldenem Feld. Darunter ein Ritter mit den Wappenschilden: im roten Feld ein silbernes Kreuz (die Herrschaft Aspermont), im roten Feld ein goldenes Kreuz und in jedem Winkel fünf goldene Kreuzlein (die Herrschaft Westerburg).

 

C. Der Teil einer unteren Randverzierung dieses Buches mit den Wappen von Kurmainz und Nassau zu einem Wappen vereint.

 


Männertracht aus dem 15. Jahrhundert
Männertracht aus dem 15. Jahrhundert
Männertracht aus dem 15. Jahrhundert
Männertracht aus dem 15. Jahrhundert

 

Männertracht aus dem 15. Jahrhundert, nach den kolorierten Federzeichnungen jenes Manuskriptes in dem Staatsarchiv zu Dresden, welches wir bei Tafel 298 schon beschrieben.

 

A ein junger Mann in der Tracht eines Landsknechtes mit Schwert und Hellebarde, wie sie häufig von Vornehmen bei Waffenübungen und ähnlichen Gelegenheiten getragen wurden.

 

B, E und F junge Männer in Haustracht.

 

C ein solcher in Halbrüstung mit Filzhut, welcher oft statt des Helms diente und D einer in Jagdkleidung, mit dem Falken und Falkenhandschuh, er trägt vorne breite Überschuhe, welche im 15. Jahrhundert, wo die Schnabelschuhe allgemein waren, nur als Seltenheit in Deutschland erscheinen, während solche in Frankreich in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts neben den spitzen Schuhen häufiger vorkommen.

 


Trachten aus der Mitte des 15. Jahrhunderts, nach einem Ölgemälde.
Trachten aus der Mitte des 15. Jahrhunderts, nach einem Ölgemälde.

 

Trachten aus der Mitte des 15. Jahrhunderts, nach einem Ölgemälde, welches sich im Besitz des Herrn Ober-Tribunal-Prokurators Abel in Stuttgart befand; unsere Abbildung hat die halbe Größe des Originals. Dieselbe stellt einen wohlhabenden Bürger, etwa einen Künstler dar, welcher mit seiner Frau im Gebet begriffen ist. Wenn auch dieses Gemälde der Tracht und Behandlung nach der niederländischen Schule anzugehören scheint, so zeigt sich doch damals ganz ähnliche Tracht in Deutschland und Frankreich, wie an den Gemälden und Stichen des Israel von Meckenen und ähnlichen Meistern zu finden ist.

 

Der Mann trägt an der Binde, welche über die rechte Schulter läuft, eine zweite Mütze auf dem Rücken, den oben an den Schultern breiten und unten kurzen Scheckenrock, und den langen Dolch vorn, dessen Griff sichtbar ist. Das aufgeschlagene Buch ist mit Miniaturmalerei geziert und hat nach damaliger Art einen samtenen Umschlag.

 


Agraffe aus der Mitte des 15. Jahrhunderts, nach dem, im großherzoglichen Museum zu Darmstadt befindlichen Original
Agraffe aus der Mitte des 15. Jahrhunderts, nach dem, im großherzoglichen Museum zu Darmstadt befindlichen Original

 

Agraffe aus der Mitte des 15. Jahrhunderts, nach dem, im großherzoglichen Museum zu Darmstadt befindlichen Original, in gleicher Größe abgebildet. Diese Agraffe, auch Monile genannt, diente zum Zusammenhalten eines Pluviales oder Chormantels über der Brust und enthielt in der Regel die Darstellung des Schutzheiligen der Kirche, für welche dieselbe bestimmt war.

 

Bereits in den frühesten christlichen Zeiten kommen diese Monile in den mannigfaltigsten und reichsten Formen vor, deren noch manche in den Domschätzen und Schatzkammern aufbewahrt sind.

 

Das hier mitgeteilte Monile ist aus Kupfer gefertigt, bloß die Zange, das Marterinstrument, in der Hand der Hl. Agathe, besteht aus Silber. Die beiden Engel sind in einer Form gegossen und wie die in der Mitte stehende Heilige ziseliert. Die vier aus farbigen Steinen bestehenden Verzierungen im äußeren Rand, wie das Blattwerk mit den runden Beeren im inneren Raum, waren abgebrochen und sind hier nach den vorhandenen Spuren ergänzt. Auf der Rückseite befinden sich zwei Haken zum Befestigen der Agraffe.

 


Trachten des 15. Jhd. Teil 2

Trachten des 15. Jhd. Teil 1

Waffen des 15. Jhd. Teil 1



 

Quelle Text und Bild: Trachten, Kunstwerke und Gerätschaften vom frühen Mittelalter bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts nach gleichzeitigen Originalen (Bd. 5)

 


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