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Gerätschaften des 15. Jahrhunderts Bd 6 Teil 10

Ritterhelm mit Zierde
Glasgemälde mit der Jahreszahl 1495.

Tafel 423.

 

Glasgemälde mit der Jahreszahl 1495. Es befindet sich mit mehreren derselben Periode in dem städtischen Museum zu Zürich, bekannt unter dem Namen die „Wasserkirche“. Mit der Hälfte des 15. Jahrhunderts begann die Glasmalerei weniger mehr den kirchlichen, als den Privatzwecken zu dienen, und spielte von da an bis in das 17. Jahrhundert, besonders in der Schweiz, eine hervorragende Rolle, indem sie daselbst nicht nur zum Schmuck der Ratstuben, der Schützen- und Handwerksgilden, sondern auch fast aller Privatwohnungen diente. Die dazu gewählten Darstellungen bestanden vorzüglich in den Wappen der betreffenden Familien, wobei Mann und Frau einzeln oder auch miteinander als Schild- oder Wappenhalter erscheinen.

 

So sieht man hier eine Frau in der Tracht des 15. Jahrhunderts, das Wappen haltend, einen Zaun als Schildbild und Helmzierde. (Die Bedeutung der bürgerlichen Wappen, wie jene der verschiedenen Gesellschaften ist schwierig nachzuweisen.)


Das Brustkreuz oder Siegeskreuz des Bildnisses Ulrich von Augsburg, vom Jahr 1494.
Das Brustkreuz oder Siegeskreuz des Bildnisses Ulrich von Augsburg, vom Jahr 1494.
Das Brustkreuz oder Siegeskreuz des Bildnisses Ulrich von Augsburg, vom Jahr 1494.
Das Brustkreuz oder Siegeskreuz des Bildnisses Ulrich von Augsburg, vom Jahr 1494.

Tafel 427 – 428.

 

Das Brustkreuz oder Siegeskreuz des Bildnisses Ulrich von Augsburg, vom Jahr 1494, aufbewahrt in der Sakristei der St. Ulrichskirche zu Augsburg. Es ist eine Tatsache, dass am 10. August 955 unter Kaiser Otto I. und dem Bischof Ulrich auf dem Lechfeld bei Augsburg die Hunnen besiegt wurden, wobei Ulrich sein Brustkreuz erhob, durch Hinweisung auf die Siegesgewalt des Gekreuzigten, die Kämpfer gegen die Barbarenhorde begeisterte und so zum Sieg beitrug. Nach der Sage brachte ihm ein Engel das Kreuz vom Himmel. Dieses eigentlich ursprüngliche Kreuz bestand aus einem Kreuzpartikel, der wohl in einer besonderen kreuzförmigen Umfassung aus Gold gewesen sein mag.

 

Dieser Kreuzpartikel wurde am Ende des 8. Jahrhunderts in eine Umhüllung, welche ebenfalls ein Kreuz bildete, eingeschlossen, mit einem Henkel versehen und von den Bischöfen auf der Brust getragen. Dasselbe ist auf Tafel 427 bei B von vorn gesehen, mit Beifügung eines Teils seiner Tiefe dargestellt, und Tafel 428 zeigt ebenfalls bei B die Rückseite desselben. Es ist aus Silber, vergoldet, vorn mit Christus am Kreuz und den Köpfen von Maria und Johannes graviert, auf schwarz emailliertem Grund. Die Rückseite zeigt in schwarzer Emaillierung mit einigen Abkürzungen die lateinische Inschrift, welche heißt: Siegeskreuz des Heiligen Ulrichs, Bischof von Augsburg.

 

Dieses wurde alsdann im Jahr 1494 wieder in ein prachtvolles Kreuz aus vergoldetem Silber eingeschlossen, welches den eigentlichen Gegenstand unserer Darstellung bildet, dessen Vorderteil auf Tafel 427 unter A und dessen Rückseite auf Tafel 428 auch unter A dargestellt ist. Erstere bildet einen überraschend prachtvollen Anblick. Die Fassung oder der Rand des Ganzen wird durch Äste von massivem Gold gebildet, von welchem feines zierliches Laubwerk freistehend ausläuft und die Grundfläche des Kreuzes überdeckt. In der Mitte des Kreuzes ist eine Rosette von Tafeldiamanten gebildet, welche von der ausgebogenen Goldfassung eingeschlossen ist; in ihrer Mitte sitzt ein Rubin in Gold gefasst, unter ihr stehen ringsum hellblaue emaillierte Blätter hervor, zwischen welchen sich traubenartige Beeren befinden, die alle ähnliche Rosetten und Blumen des Kreuzes umgeben. Zunächst dieser Diamantenrosette erscheinen in den Kreuzbalken vier Saphire von ungewöhnlicher Größe, in ähnlicher Bogenfassung, von weiß emaillierten Blättern umgeben. In der Mitte der kleeblattförmigen Ausladungen des Kreuzes sind ähnliche vier kleinere Rosetten von Tafeldiamanten, ebenfalls von gebogener Goldfassung, mit blau emailliertem Blattwerk umgeben.

 

Außerdem zeigen sich in der Umgebung aller dieser Rosetten vierzig orientalische Perlen und in Goldfassung zwölf Rubine. Aus den Winkeln der Balkenkreuzung sprießen aus grün emaillierten Blätterkelchen vier große Perlen hervor.

 

Die Rückseite besteht aus einer flachen vergoldeten Silberplatte, welche zugleich den sich öffnenden Deckel des Ganzen bildet. Auf dieser Platte zeigt sich in reich graviertem Bildwerk die Hunnenschlacht, in ihrer Mitte Bischof Ulrich zu Pferd, mit den Händen zu dem Kreuz emporgreifend, welches ihm der von Gott gesandte Engel vom Himmel bringt. Das Kostüm des Bischofs, wie jenes der ihn umgebenden Ritter, ist treu der Zeit entnommen, in welcher der Künstler lebte. Im unteren Schluss des Kreuzes zeigen sich zwei Engel, die bischöfliche Inful haltend, unter welcher die Wappenschilde zweier Bischöfe angebracht sind. Das Wappen heraldisch rechts ist das der Grafen von Dillingen, welches man im späteren Mittelalter dem Heiligen Ulrich zudachte, indem er aus diesem Geschlecht entstammte. Links das Wappen des Heiligen Bischofs Simpertus; dieses letztere Wappen wurde von allen Äbten von St. Ulrich und Afra als Hauptwappen geführt, in welches nur die eigenen Familienzeichen der einzelnen Äbte aufgenommen wurden. Unter diesen beiden Wappen befindet sich noch der Wappenschild des Abtes Johann von Giltlingen, durch dessen Pietät und Kunstsinn dieses Prachtkreuz entstanden ist.

 

Dieses Werk kann durch seine technische Vollendung zu allen Zeiten als Muster dienen und besitzt noch durch die reiche Gravierung der Rückseite einen besonderen Wert für die Kunstgeschichte, und zwar nicht nur wegen der sinnig verteilten und klarsprechenden Komposition des ganzen Bildwerkes, sondern auch dadurch, dass es den Beweis liefert, wie die deutsche Goldschmiedekunst die Vorgängerin der Kupferstechkunst war: denn man wird nicht leicht den Druck eines Metallstiches jener Zeit finden, welcher eine solche Reichhaltigkeit und in der Ausführung eine solche Feinheit zeigt. Aber auch abgesehen davon, ist es von hoher Bedeutung, da über seinen Ursprung nicht der geringste Zweifel besteht; es ist nämlich auf der Außenwand des Kreuzes, welche die Tiefe desselben von 0, 1, 5 bildet, folgende um das Ganze fortlaufende Inschrift in zwei Zeilen graviert: SACROSANCTAM HANC VICTORIAE CRUCEM AB ANGELO COELITUS DIVO UDALRICO PORTATAM D. JOHANNES DE GILTLINGE.

 

MONASTERIIS UDALARICI AFRAE ABBAS HIC CONCLUDI EXORNARI CURAVIT DICAVITQUE ANNO MCCCCXCIIII (1494) TSAWO.

 

In dem Inneren des Deckels auf dem Querbalken steht: FABRI-CATUM EST PER NICOL . SELD DE AUG.

 

Die „Seld“ waren eine berühmte Künstlerfamilie jener Zeit. Von Georg Seld stammt auch die herrliche Monstranz von 1494 in der Kreuzkirche zu Augsburg.


Johann von Eschbach und seine Gemahlin Anna von Pallant (gest. 1496).
Johann von Eschbach und seine Gemahlin Anna von Pallant (gest. 1496).

Tafel 429.

 

Johann von Eschbach und seine Gemahlin Anna von Pallant (gest. 1496), nach ihrem Grabstein in der Kirche zu Lorch am Rhein.

 

Diese Kirche kann noch jetzt wegen ihres wundervollen Hochaltares und mehrerer herrlichen Monumente ein kleines Museum mittelalterlicher Kunst genannt werden, obschon man mit den meisten Grabsteinen die Straßen pflasterte und die prachtvollen Glasgemälde seiner Zeit in den Besitz des Herrn von Zwirnlein größtenteils übergingen, welcher dafür weiße Scheiben einsetzen ließ.

 

Dieses Grabmal ist aus rotem Sandstein und war nie bemalt. Der untere Teil der Schrift mit dem Sterbejahr des Mannes ist nicht mehr sichtbar und wahrscheinlich eingemauert. Was noch zu lesen ist, heißt: „der vest. Johann von Eschbach, den Gott Gnad. amen. – 1496 stöbe (starb) dy keueste Anna von Eschbach geboren von Pallant.“ Merkwürdig ist, dass hier die Frau auf dem Monument ganz gegen die gewöhnliche Art des Mittelalters, nicht mit gefalteten Händen, nicht mit Rosenkranz und umhülltem Haupt erscheint, sondern in festlichem Putz, in freier Stellung, mit den Händen agierend dargestellt ist. Auch sieht man hier nicht wie gewöhnlich die symbolischen Tiere, den Löwen unter den Füßen des Mannes und den Hund unter denen der Frau. Der Mann trägt den Harnisch des 15. Jahrhunderts, über den wir schon öfter gesprochen haben; die Frau den hohen Kopfputz, welcher gewöhnlich weiß und mit Goldlinien gestickt war.

 

Ihre Haare sind mit Schnüren umflochten, welche hinten eine Art Quaste bilden. Das weit ausgeschnittene Oberkleid, dessen Falten sich vorn unter einem zierlichen Kopf vereinigen, wird durch einen Gürtel auf der Seite in die Höhe gehalten, wodurch sich das Unterkleid zeigt.

 

Auffallend ist, dass die Darstellung der Frau in ihrer Auffassung künstlerisches Verständnis zeigt, während die des geharnischten Ritters der Kunstentwicklung jener Zeit bedeutend nachsteht.