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Hortuno de Aguirre

 

Meister der Waffenschmiedekunst vom 14. bis ins 18. Jahrhundert

 

Hortuno de Aguirre

 

Wie von den meisten spanischen Waffenschmieden, so ist auch von den Lebensverhältnissen dieses zu den besten zahlenden Meisters spanischer Waffenschmiedekunst nichts bekannt geworden und wir sind leider nur auf dessen Werke in den verschiedenen Sammlungen allein angewiesen, die uns durch verschiedene Merkmale und Bezeichnungen wenigstens einige Daten verraten1. Zunächst bemerken wir, dass es scheint, als sei mit dem Namen Aguirre der Ort der Herkunft des Meisters bezeichnet, wiewohl wir in den neuen geographischen Lexika keinen Ort dieses Namens finden. Immerhin lässt die Beisetzung des Wortes „de“ dieses vermuten.

 

Ungeachtet die spanischen Klingenschmiede schon im Mittelalter durch eine bedeutende Leistungsfähigkeit sich auszeichneten und auch ansehnlichen Rufes sich erfreuten, gelang es diesem Zweig doch erst um die Mitte des 16. Jahrhunderts, den Weltmarkt zu erobern, und es ist auch die Periode von da, bis etwa in die Hälfte des 17. Jahrhunderts, als seine Blütezeit zu betrachten. Schon im Jahre 1531 begegnet uns ein Goldschmied Pedro de Aguirre in Toledo arbeitend. Es ist dieses Zusammentreffen darum bezeichnend, weil in Italien, wie in Spanien, die Goldschmiede (doradores) und die Erzeuger von Degenklingen in einer gewissen Geschäftsverwandtschaft standen, erstere erzeugten die Griffe und die Scheidenbeschläge. Sind wir auch bis jetzt nicht imstande, ein Werk Hortunos aus dem 16. Jahrhundert aufzuweisen, so unterliegt es jedoch keinem Zweifel, dass ein bedeutender Teil seiner Tätigkeit noch in dieses fällt, denn zu Anfang des 17. Jahrhunderts besitzt er bereits den in Spanien ansehnlichen Rang eines „Espadero del Rey“ oder königlichen Schwertfegers. Zu seinen älteren Arbeiten zählen vorwiegend Haudegen. Die älteste Klinge, welche dem Verfasser bekannt geworden ist, findet sich in der Armeria Real zu Madrid vom Jahre 1604. Es ist eine Raufdegenklinge ohne Marke und enthält in jener den spanischen Schmieden eigentümlichen Schrift, die erst studiert werden muss, um sie ohne Schwierigkeit lesen zu können, die Inschrift:

 

DE . HORTVNO . DE . ANO

 

AGVIR . EN . TOL . ANO . 1604

 

1 Wie wir aus sicherer Quelle vernehmen, ist im Augenblick ein Werk über die Marken der Waffenschmiede Spaniens von dem Chef der Armeria Real zu Madrid, dem Grafen Valencia de Don Juan in Vorbereitung.

 

Schwert Punze Toledo Spanien Hortuno de Aguirre Klingenschmied
Fig. 1 Toledaner Marke
Schwertmarke Toledo Spanien Hortuno de Aguirre Klingenschmied
Fig. 2 Punze aus Toledo

Aus dem gleichen Jahr stammt ein Schwert in der königlichen historischen Waffensammlung zu Kopenhagen. Es führt dessen Klinge die gleiche Inschrift, dazu aber noch ESPANDERO . DEL . REI. (132.)

 

 

Eine sehr schöne Klinge des Meisters findet sich an einem Schwert im königlichen Zeughaus zu Berlin, welches aus der Sammlung des Prinzen Carl von Preußen stammt. Sie trägt die Inschrift: HORTVNO . DE . AGVIRE . EN . TOLEDO . ANO . 1606. An der Kehrseite: LIVERA . ME DOMINE . DE . INIM1CIS . MEIS. Auf dem Ansatz erblicken wir viermal die authentische Marke des Meisters, die wir hier wiedergeben und ebenso oft die Jahreszahl 1606. Auf den Seitenflächen: (ES)PADRE . (D)EL . REI und die Toledaner Marke (Fig. 1)

 

An einem anderen sehr zierlichen Rapier mit Elfenbeingriff und mit Email gezierten Bügeln erblicken wir eine Klinge mit schwacher Mittelrippe. In derselben steht die Inschrift: AGVIRE. DE. HORTUNO. EN. TOLEDO, auf dem Ansatz aber findet sich ein anderes als das obige Zeichen Fig. 2. Die Marke gehört sicher nicht dem alten, sondern dem jüngeren an.

 

Wir übergehen eine Klinge im Museum zu Stockholm, die, wiewohl sehr schön, doch undatiert ist, und wenden uns zweien anderen im Musée d' Artillerie in Paris zu. Beide finden sich an Rapieren (J. 239 und 240) und führen nebst der obigen Marke die Inschrift: DE. HORTVNO . DE . AGVIRE . EN . TOLEDO . 1613, die letztere auch Espadero del Rey.

 

Zahlreich ist Hortuno in der Sammlung zu Brüssel vertreten. Am Interessantesten ist unter des Meisters Werken der Degen (329), welcher auf der Klinge nebst dem Namen und der Marke des Verfertigers noch die Jahreszahl 1603 tragt. Ein leichter Degen (330) mit dem Namen Hortuno de Aguire wird in Brüssel an das Ende des 17. oder ins 18. Jahrhundert gewiesen, dann könnte derselbe nicht mehr von unserem Meister, sondern von Nicolas Hortuno herstammen.

 

Zum Schluss bringen wir noch die Inschrift auf einer Klinge des Meisters, welche sich im kaiserlichen Zeughaus der Eremitage zu St. Petersburg (B. 605) befindet; sie lautet: „HORTVNO . AQV1R . EN . TOLEDO ANO . 1610.“

 

Minder bedeutend als Meister erscheint der Sohn desselben, Domingo. Derselbe führte die oben angeführte Marke, ohne jene des Espadero del Rey. Der Sohn des Domingo, des alten Hortuno Enkel, Nicolas, führt als Marke den Phönix. Er ist mit einer schönen Klinge an einem prachtvollen Haudegen des Erzherzogs Leopold von Tirol (1586 — 1632) in den kunsthistorischen Sammlungen in Wien brillant vertreten. Siehe Fig. 3.

 

Fig. 3 Schwertmarke des Nicolas del Rey
Fig. 3 Schwertmarke des Nicolas del Rey
Fig. 4 Punze des Espadero del Rey
Fig. 4 Punze des Espadero del Rey

 

Ein spanischer Reiterdegen (316) in der Sammlung in Brüssel besitzt sicher eine Klinge von dem jüngeren Domingo Hortuno, wie auch an der Marke zu erkennen ist. Dagegen dürfte eine Klinge an einem deutschen Degen daselbst, dessen Fassung in die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts fällt, doch noch von unserem Meister herrühren. (382)1.

 

Im königlichen historischen Museum zu Dresden ist der Meister mit einer schönen Klinge vertreten, auf welcher die Marke etwas anders gestaltet ist als jene, welche auf dem Berliner Exemplar sichtbar ist. Sie ist gewiss älter als diese2. Sie trägt aber noch neben der Toledaner Beschaumarke und jener des Espadero del Rey noch den „Mond“ des Martinez. Diese Marke machte eben die Klinge leichter verkäuflich.

 

1 Vinkcroy. E. van. Catalogue des armes et armures au Musée Royal á Bruxelles 1885

2 Die Punzen der Marken nützten sich stark ab und mussten häufig durch neue ersetzt werden, welche Varianten in der Form aufweisen: es ist dies für den aufmerksamen Forscher ein willkommenes Mittel, altere von jüngeren Arbeiten zu unterscheiden.

 

Quelle: Meister der Waffenschmiedekunst vom XIV. bis ins XVIII. Jahrhundert von W. Boeheim. Berlin, 1897.

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