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Der Bogen

Der Ursprung des Bogens (franz. arc, engl. bow, ital. und span. arco, lat. arcus) reicht weit in die vorhistorischen Perioden zurück, wie wir aus den Steinfunden ersehen, unter welchen die Pfeilspitzen nicht selten sind. Wir begegnen demnach auch dieser einfachen und, wie wir vorausbemerken, vorzüglichen Waffe schon in den ältesten bildlichen Darstellungen des Mittelalters. Diese Tatsache ist allenthalben bekannt, nur muss dazu bemerkt werden, dass in der großen Veränderung der Taktik, welche die Völkerwanderung herbeiführte, der Bogen eine erhöhte Bedeutung erlangte. In den wilden Heerhaufen der von Osten herdrängenden Völker wurden die Bogenschützen zum Schutz der Flügel und zur Einleitung des Gefechtes verwendet. Ihnen folgten die geschlossenen Körper des mit Schild und Speer bewaffneten Fußvolkes, den Kern des Ganzen aber bildete die Reiterei, sie war die ausschlaggebende Waffe. Das war eine vollständige Umänderung altrömischer Taktik, aber es war auch damals nicht das erste Mal, dass eine allgemeine Veränderung in der Streitweise durch die ungebildetsten Völker herbeigeführt wurde.

 

Es ist ein Beweis von einer gewissen Durchbildung des Kriegswesens, dass wir schon inmitten der Periode der Völkerwanderung den Bogen in der Verwendung zu Pferd und zu Fuß antreffen und dass wir die Vorteile dieser Waffe bewundernswert ausgenützt finden. In dem reitenden Bogenschützen ist der erste leichte Reiter zu erblicken; als solcher steht er im vollen Gegensatz zu den Anschauungen des feudalen Adels, der jeden Leichtgerüsteten für unebenbürtig hielt. Daraus ist auch die Missachtung zu erklären, die der Bogenschütze in der französischen Ritterschaft fand.

 

Im Vergleich der Wirkung zu der Einfachheit der Herstellung erscheint der Bogen als die vorteilhafteste Waffe: eine Rute, ein biegsamer Stab aus Holz oder Horn, dessen äußerste Enden mit einer Schnur, der „Sehne“, verbunden sind, welche angespannt die Schnellkraft des Stabes oder „Bogens“ so weit in Anspruch nimmt, um damit einen leichten Pfeil auf 200, ja selbst 250 Schritte mit aller Treffsicherheit abzuschnellen, darin liegt die ganze Mechanik dieser Waffe, die den Ruhm der erfolgreichsten Verwendung in Jahrhunderten in Anspruch nehmen darf.

 

Das flaschenförmige Goldgefäß aus dem Fund von Nagy-Szent-Miklós, dem sogenannten Schatz des Attila, welches aus dem 5. Jahrhundert datiert, zeigt ein Relief, in welchem ein sarmatischer Reiter dargestellt ist, der, nach rückwärts gewendet, im Begriff ist, einen Pfeil von einem kleinen Bogen abzuschnellen, vielleicht, wenn man vom Altertum absieht, die älteste Darstellung eines Bogenschützen, die uns erhalten ist. (Fig. 466.)

 

Fig. 466. Sarmatischer Bogenschütze zu Pferd. Relief aus dem Goldfund von Nagy Szent-Miklós. 5. Jahrhundert.

 Fig. 466. Sarmatischer Bogenschütze zu Pferd. Relief aus dem Goldfund von Nagy Szent-Miklós. 5. Jahrhundert.

 

Ungeachtet seiner Wichtigkeit im Gefecht war der Bogen des Fußstreiters doch nur eine Waffe der niederen Klassen; so finden wir die Bogenschützen im Teppich von Bayeux als ein besonderes Korps, nach der Methode der Ikonographie, das minder Bedeutsame nur anzudeuten, kleiner dargestellt. Ihr Anführer ist im Harnisch, die Schützen aber sind leicht gekleidet und mit etwa 1,50 m langen Bogen bewaffnet; die Formen der Köcher sind deutlich dargestellt. (Fig. 467.) Bogenschützen zu Pferde gehörten schon einer höheren Gesellschaftsklasse an, wie wir aus Miniaturen in einem Manuskript aus der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts ersehen, in welchen selbst ein König, den Bogen abschnellend, dargestellt ist. (Fig. 468.) Joinville bestätigt, dass der Bogen in den Kreuzzügen bei den Orientalen im Gebrauch war. In Frankreich wurde die Waffe von den Lehensherren missachtet und unterdrückt. Dafür wurde sie in Brabant und in England gepflegt und dort wurden die ersten regulären Bogenschützenkorps errichtet, die ihrer außerordentlichen Ausbildung halber berühmt waren. Der englische oder schottische Bogenschütze war verachtet, der nicht in der Minute 10—12 Pfeile abschießen konnte und dabei sein mehrere Hundert Schritte entferntes Ziel auch nur einmal verfehlt hätte. Während im 13. Jahrhundert der Bogen in Deutschland und selbst in Italien allgemein in den Heeren geführt wurde, entschloss man sich in Frankreich erst 1356 nach der Schlacht bei Poitiers, eigene Bogenschützenkompanien aufzustellen. Und wiewohl sich schon um 1300 berittene Bogenschützen freiwillig ins Heer stellten, so wurden doch erst 1450 ständige Bogenschützen zu Pferd in Frankreich üblich. (Fig. 469.)

 

Fig. 467. Bogenschütze mit daneben gestelltem Pfeilköcher. Aus der Tapete von Bayeux. Ende 11. Jahrhundert.

Fig. 467. Bogenschütze mit daneben gestelltem Pfeilköcher. Aus der Tapete von Bayeux. Ende 11. Jahrhundert.

 

Fig. 468. Französischer König, dargestellt zu Pferde, einen Bogen abschnellend. Aus einem Manuskript aus der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts der Nationalbibliothek in Paris. Nach Jaquemin.

 Fig. 468. Französischer König, dargestellt zu Pferde, einen Bogen abschnellend. Aus einem Manuskript aus der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts der Nationalbibliothek in Paris. Nach Jaquemin.

 

In Betreff der Form und Wirksamkeit war im Mittelalter der englische Bogen stets als ein unübertreffliches Muster angesehen. Die französischen Bogen hatten im 13. Jahrhundert nur eine Länge von etwas über 130 cm, während die englischen stets bis über 2 m Länge maßen. Ihr Material war das Holz der Eibe oder des Ahorns, die Pfeillänge betrug nicht ganz 1 m. Die Sehne bestand aus gedrehtem Hanf oder Seide. Die vorzügliche Brauchbarkeit englischer Bögen beruhte darauf, dass die Spannkraft des Bogens in seiner ganzen Länge ausgenutzt wurde, dass sie somit eine größere Spannhöhe gestatteten; von letzterer war, nebenher bemerkt, die Länge der Pfeile abhängig.

 

Fig. 467. Berittener Bogenschütze aus einer Miniatur der französischen Handschrift Histoire universelle. Um 1310. Nach Hewitt.

 Fig. 467. Berittener Bogenschütze aus einer Miniatur der französischen Handschrift Histoire universelle. Um 1310. Nach Hewitt.

 

Gleich dem Schleuderer und dem Armbrustschützen war auch der Bogenschütze überall leichter als alle übrigen Truppen ausgerüstet. Im 15. Jahrhundert trug der Bogner zu Fuß die Brigantine, den Korazin oder ein leichtes Panzerhemd. Die Ausrüstung für die Handhabung war sehr einfach und bestand in England in einer eisernen Schiene, welche an den linken Unterarm zum Schutz vor der längs desselben schnellenden Sehne mittelst Schnüren befestigt wurde (Fig. 470), und in einem starken Lederhandschuh für die linke Hand, über deren Zeigefingerknöchel hinweg der Pfeil streifte. In Europa hat sich der Bogen als Waffe für den Krieg bei den Engländern am längsten — bis ins 17. Jahrhundert — erhalten. Bei ihrer staunenswerten Geschicklichkeit blickten die Bogenschützen mit Verachtung auf die Büchsenschützen mit ihren schwerfälligen Feuerrohren, die bei Regenwetter oft ganz unbrauchbar wurden und auch sonst an Treffsicherheit noch vieles zu wünschen übrigließen. Kaiser Maximilian I., der für alles im Leben und insbesondere für das Kriegswesen in anderen Ländern ein achtsames Auge hatte und in den Niederlanden persönlich von den Vorzügen des Handbogens sich überzeugen konnte, organisierte eigene Abteilungen, die er mit englischen Bögen bewaffnete. In den Zeughäusern zu Innsbruck und Wien wurden noch 1500 erhebliche Mengen dieser Bögen aufbewahrt; sie sind in Maximilians Zeugbüchern in der wünschenswertesten Genauigkeit abgebildet. (Fig. 471.) Wie dort selbst das geringfügigste Kriegsgerät mit aller Sorgfalt abgemalt ist, so finden wir darin auch die zugehörigen Köcher abgebildet, welche nach altem deutschen Gebrauch mit langhaarigem Pelzwerk überzogen waren. (Fig. 472.) Man nannte dieselben Rauchköcher. Bogen aus Stahl, wie sie im 15. und bis ins 16. Jahrhundert die Italiener führten, wurden in besonderer Güte in Seravalle, Brescia und Mailand gearbeitet. In Deutschland wurden stählerne Bogen nur sehr vereinzelt geführt, daher auch in größeren Mengen kaum erzeugt.

 

 

Fig. 470. Schiene für den linken Unterarm eines Bogenschützen aus Eisen mit schwarzgeätzten Verzierungen. England, um 1570. Ehemalige Sammlung Meyrick.

 Fig. 470. Schiene für den linken Unterarm eines Bogenschützen aus Eisen mit schwarzgeätzten Verzierungen. England, um 1570. Ehemalige Sammlung Meyrick.

 

Im 15. und 16. Jahrhundert pflegten jene christlichen Nationen, welche im Orient ihre Wohnsitze aufgeschlagen hatten, mit den dortigen Völkern häufiger in Verkehr kamen, sich der orientalischen Streitweise anzubequemen. So führen im 15. Jahrhundert die Johanniter zu Rhodus, die christlichen Griechen, die slavischen Völker an der albanesischen und dalmatinischen Küste ebenso die Venetianer Bogen und Pfeile, die vollständig den arabischen nachgebildet waren. Besonders bei den letzteren legte man einen großen Wert auf die Leistung der Bogenschützen im Gefecht und vermehrte dieselben stetig. Über die Ausrüstung der venezianischen Bogenschützen um die Wende des 15. Jahrhunderts belehren uns die Gemälde des Gian Bellini und des Vittore Carpaccio in der Academia zu Venedig. (Fig. 473.)

 

Fig. 471. Landsknecht mit englischem Handbogen. Aus den Zeugbüchern des Kaisers Maximilian I. Zeug Tirol. Um 1510.

 Fig. 471. Landsknecht mit englischem Handbogen. Aus den Zeugbüchern des Kaisers Maximilian I. Zeug Tirol. Um 1510.

 

Für den Gebrauch des Bogens im Orient besitzen wir für die älteren Zeiträume nur äußerst wenige bildliche Belege. Zwar findet sich der Bogen in persischen Miniaturen ziemlich häufig abgebildet, allein es sind daraus keine Details zu entnehmen. Erst im Anfang des 15. Jahrhunderts finden sich einige spärliche Nachrichten in Manuskripten, welche darauf schließen lassen, dass die Formen wie der Gebrauch des Bogens im Orient sich von jeher gleichgeblieben sind. Erst am Anfang des 16. Jahrhunderts werden die Beschreibungen in Büchern deutlicher und eingehender, es kommen aber aus dieser Zeit auch schon Originale vor, welche ein vollkommeneres Studium gestatten.

 

Der Bogen der Araber unterschied sich von jenen der asiatischen Türken durch seine größere Länge, er ähnelte mehr jenen der Griechen, der Tartaren und Wallachen. Die Kretenser führten Bogen von zweierlei Materiale und Herkunft, jene aus Sphagia waren aus Steinbockhorn, während die aus Candia kommenden aus Büffelhorn gefertigt wurden. Die türkischen Bogen waren bedeutend kleiner, stärker aufgebogen und gekrümmt und steif besehnt. Die Pfeillängen waren eigentümlicherweise bei den türkischen wie bei den arabischen Bogen ziemlich gleich. Der große Bogen heißt im türkischen perwânè kemân, d. h. Schmetterling, der kleinere jaj.

 

Alle orientalischen Bogen wurden ohne Armschienen und Handschuhe gehandhabt, im Gegensatz zu den von okzidentalen Nationen geführten hölzernen Bogen, die bei größerer Länge leicht nach der Seite schnellten. Als Auflager für den Pfeil bedienten sich die Orientalen eines Ringes, der oberhalb ein kleines Zäpfchen hatte und am linken Daumen getragen wurde. Diese Ringe waren je nach dem Vermögen der Eigner aus Ochsenhorn, Elfenbein, Silber oder Gold, tauschiert und selbst mit kostbaren Steinen besetzt. Das war im 16. Jahrhundert, woher uns die Kunde klingt, keine neue Mode, sondern ein Gebrauch von alters her1.

 

In den kaiserlichen Sammlungen zu Wien wird eine ansehnliche Zahl orientalischer Bogen bewahrt, welche aus der Kriegsbeute der Feldzüge von 1556 und 1566 stammen und an Erzherzog Ferdinand von Tirol gelangten. Aus dieser Sammlung bringen wir hier einen größeren, arabischen oder tatarischen Bogen, sowie einen kleinen türkischen. Diese beiden Beispiele dürften genügen, um den Unterschied in ihrer Konstruktion wahrzunehmen. (Fig. 474 und 475.)

 

1Belon, Singularités 1553. I. 2. Kap. 89. Gaye V. Gloss. archéol. Arc.

 

Fig. 472. Köcher für Handbogenpfeile mit Pelzwerk überzogen. Sogenannter Rauchköcher. Zur Ausrüstung der kaiserlichen Bogenschützen gehörig. Aus den Zeugbüchern des Kaisers Maximilian I. Zeug Tirol. Um 1510.

 Fig. 472. Köcher für Handbogenpfeile mit Pelzwerk überzogen. Sogenannter Rauchköcher. Zur Ausrüstung der kaiserlichen Bogenschützen gehörig. Aus den Zeugbüchern des Kaisers Maximilian I. Zeug Tirol. Um 1510.

 

Es ist aus den beiden Figuren 474 und 475 deutlich ersichtlich, welcher wesentliche Unterschied zwischen einem europäischen und einem orientalischen Bogen bezüglich der Konstruktion besteht. Betrachten wir den unbesehenen türkischen Bogen (Fig. 475), so finden wir denselben stark nach aufwärts gekrümmt. Wird die Sehne angelegt, so muss der Bogen stark nach abwärts bis a′ gezogen werden, wodurch seine Spannkraft bereits in Verwendung genommen wird. Wird nun überdies die Sehne zum Abschnellen des Pfeiles angezogen, so tritt eine noch vermehrte Abbiegung des Bogens bis a″ ein, wodurch seine relative Festigkeit einen Moment lang aufs äußerste in Anspruch genommen wird. Nur durch die raffinierteste Ausnützung des Materiales ließ sich eine so bedeutende Aufzughöhe erzielen und dadurch erklärt sich auch die nahezu unglaubliche Leistungsfähigkeit der orientalischen Bogen bezüglich ihrer Tragweite und Treffsicherheit.

 

Fig. 473. Venezianischer Bogenschütze aus einem Gemälde des Vittore Carpaccio von 1493 in der Galerie der Akademie zu Venedig. (Saal VIII, 27.) Nach Jacquemin.

 Fig. 473. Venezianischer Bogenschütze aus einem Gemälde des Vittore Carpaccio von 1493 in der Galerie der Akademie zu Venedig. (Saal VIII, 27.) Nach Jacquemin.

 

Fig. 474. Arabischer Bogen ohne Sehne mit feinen Arabesken in Gold auf grünem Lackgrund, in allen Teilen bemalt. Kriegsbeute aus einem der türkischen Feldzüge 1556 oder 1566.

 Fig. 474. Arabischer Bogen ohne Sehne mit feinen Arabesken in Gold auf grünem Lackgrund, in allen Teilen bemalt. Kriegsbeute aus einem der türkischen Feldzüge 1556 oder 1566.

 

Selbst die einfachsten orientalischen Bogen sind meist an den oberen Seiten und an den Handgriffen mit feiner Lackmalerei in oft reizenden Zeichnungen verziert; jene der Vornehmeren aber erregen durch ihre reiche Ausstattung in Goldmalerei auf farbigem Grund unsere volle Bewunderung. Die Sehne orientalischer Bogen (jaj kirischì) besteht aus fünf bis sechs starken Fäden aus Schafwolle, welche dicht mit gedrehten Seidenfäden von verschiedener Farbe übersponnen sind.

 

Die Pfeile der Normannen, der Engländer wie der Franzosen des 11. Jahrhunderts waren der Länge der Bogen entsprechend von einer Länge nicht über 70 cm, anscheinend mit Federposen befiedert und besaßen bärtige oder auch lanzettförmige Spitzen mit kleinen Knöpfen am Ansatz.

 

Fig. 475. Türkischer Bogen aus Büffelhorn mit feinen Goldarabesken auf rotem Lackgrund, an der Oberseite und am Handgriff bemalt. Kriegsbeute aus einem der türkischen Feldzüge 1556 oder 1566. Derselbe ist zwar unbesehnt, hier aber in der Stellung des Boge

 Fig. 475. Türkischer Bogen aus Büffelhorn mit feinen Goldarabesken auf rotem Lackgrund, an der Oberseite und am Handgriff bemalt. Kriegsbeute aus einem der türkischen Feldzüge 1556 oder 1566. Derselbe ist zwar unbesehnt, hier aber in der Stellung des Bogens besehnt und zum Abschnellen gespannt dargestellt.

 

Die Pfeile der englischen, französischen und deutschen Bogen des 15. Jahrhunderts und der Folgezeit hatten eine durchschnittliche Länge von 110 cm bei 1,5—1,8 cm Querschnitt. Sie waren für den Kriegsgebrauch gemeiniglich mit Pergament befiedert, das mit grellen Farben bemalt wurde; die Spitzen waren lanzettförmig mit kurzen Dillen. Über die Lage des Schwerpunktes konnte der Verfasser keine Versuche anstellen, indem ihm noch kein originaler Pfeil eines deutschen oder englischen Bogens in Sammlungen vor Augen gekommen ist. Schwerlich dürfte sich auch noch ein echtes Exemplar finden. Selbst die Sammlung Meyrick besaß nur Pfeilspitzen.

 

Fig. 476. Pfeilformen orientalisch.  B. Tatarischer Pfeil. —  B. Türkischer Pfeil mit Befiederung, der Schaft mit feiner Lackmalerei geziert. — C. D. E. Arabische Pfeile. —  F. Türkischer Pfeil. —  A. bis E. Mitte 16. Jahrhundert. —  F. 17. Ende Jahrhunde

 Fig. 476. Pfeilformen orientalisch.

 B. Tatarischer Pfeil. —

 B. Türkischer Pfeil mit Befiederung, der Schaft mit feiner Lackmalerei geziert. —

 C. D. E. Arabische Pfeile. —

F. Türkischer Pfeil. —

A. bis E. Mitte 16. Jahrhundert. —

F. 17. Ende Jahrhundert.

Fig. 477. Tatarischer Pfeilköcher, um den Leib zu schnallen von Rehleder mit Applikationen von farbigem Ziegenleder und mit vergoldeten Beschlägen. Mitte 16. Jahrhundert.

 

Orientalische Pfeile (tîr) besitzen eine Länge von durchschnittlich 75 cm bei einer Stärke von nur selten über 7 mm. Die Befiederung ist in der Regel dreireihig und besteht aus Vogelfedern verschiedener Arten. Die Spitzen sind äußerst fein und sitzen häufig im Dorn auf dem Schaft, der dann am oberen Ende fein geschnürt und zuweilen mit äußerst dünnem Bast überklebt ist. Einige Sorten besitzen knapp unter der Spitze ungemein feine, kaum 1 mm breite Ringe aus Metall. Am rückwärtigen Ende ist bei reicher ausgestatteten Pfeilen ein kleines Füßchen aus Elfenbein angesetzt, welches am Ende einen kleinen Ausschnitt hat, in welchen beim Spannen die Sehne eingelegt wird. Gemeine Pfeile entbehren zwar eines solchen Ansatzes aus Bein, sie besitzen aber alle sorgfältig gefertigte Sehnenausschnitte. Der Schwerpunkt befindet sich gewöhnlich nur wenige Zentimeter über der Hälfte gegen die Spitze zu. Nahezu jeder der vorhandenen orientalischen Pfeile ist in schönen Mustern geziert, die zumeist in Lackmalerei mit Vergoldung hergestellt sind; seltener finden sich Einlagen, noch seltener Schnitzereien. (Fig. 476 a bis f.)

 

Fig. 476. Türkische Köcher.  A. Bogenköcher. B. Pfeilköcher, beide von grünem Korduanleder mit Stickerei in Silber und farbiger Seide und mit in kaltem Email gezierten Beschlägen. Der Bogenköcher ist über die Achsel zu hängen, der Pfeilköcher um den Leib

 Fig. 476. Türkische Köcher.

 A. Bogenköcher.

 B. Pfeilköcher, beide von grünem Korduanleder mit Stickerei in Silber und farbiger Seide und mit in kaltem Email gezierten Beschlägen. Der Bogenköcher ist über die Achsel zu hängen, der Pfeilköcher um den Leib geschnallt zu tragen. Mitte 16. Jahrhundert.

 

Der Orientale verwahrte seinen Bogen ebenfalls in einem Köcher; man unterscheidet demnach Bogenköcher (kemândân) und Pfeilköcher (tirkesch). Diese Behältnisse boten den orientalischen Kunsthandwerkern reiche Gelegenheit zur stilvollen Verzierung der Außenflächen derselben. Man findet auch in Köchern des 15. Jahrhunderts staunenswerte Proben orientalischer Kunst, besonders in Lederarbeit und Stickerei von wunderbar schöner Zeichnung. (Fig. 477 und 478 a und b.) Köcher des 17. Jahrhunderts bezeugen schon deutlich den Verfall der orientalischen Kunsttechnik, die bei aller hübscher Zeichnung das billigere Mittel des Gold- oder Silberbeschlages zu Hilfe nimmt, um eine entsprechende Wirkung zu erzielen. In den europäischen Heeren wurde der Bogen nie im Köcher geführt. Bei Regenwetter wurde in der Regel nur die Sehne in einer Tasche verwahrt. Die Pfeile jedoch steckten in langen kegelförmigen oder auch prismatischen Behältnissen aus Holz, die entweder geschnitzt oder mit Pergament überzogen und bemalt waren (Fig. 479). Es finden sich wie im Florentinischen auch zuweilen flache Köcher, die mit den orientalischen einige Ähnlichkeit hatten. (Fig. 473.)

 

Fig. 479. Köcher der venezianischen Bogenschützen, aus Holz geschnitzt mit vergoldeten Arabesken auf rotem Grund. Erste Hälfte 16. Jahrhundert. Kaiserliches Waffenmuseum in Zarskoë-Selo.

 Fig. 479. Köcher der venezianischen Bogenschützen, aus Holz geschnitzt mit vergoldeten Arabesken auf rotem Grund. Erste Hälfte 16. Jahrhundert. Kaiserliches Waffenmuseum in Zarskoë-Selo.

 


Nächstes Kapitel: Die Armbrust wird demnächst veröffentlicht.

 

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Quelle: Wendelin Boeheims "Handbuch der Waffenkunde".


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