Erster Saal
Der Plafond des ersten Waffensaales stammt aus dem nicht mehr vorhandenen Speisesaale des Hochschlosses, welcher ober den Küchen an der Stelle des jetzigen Terrassenbaues und gleich diesem freistehend zur Linken des Eingangsportales errichtet war. Die Malereien sind in Öl auf Holz ausgeführt. Ihr Urheber ist Giovanni Battista Fontana, aus Ala in Südtirol, nach anderen aus Verona gebürtig, welchen Erzherzog Ferdinand als Maler und Zeichner beschäftigte. In letzterer Hinsicht entwarf er z. B. seit 1582 die Zeichnungen zu den von Dom. Custos gestochenen Tafeln in dem Heldenbuch, welches auf Befehl des Fürsten dessen Geheimschreiber Schrenckh von Notzing veranstaltete.
Der Plafond stellt ein originelles Sujet auf originelle Weise dar. Das oblonge Hauptfeld wird an beiden Schmalseiten durch Querbilder eingeschlossen, welche die sieben Hauptplaneten als Götter in kolossalen Gestalten vorstellen. Das Feld über dem Eingange zeigt Jupiter, Venus (mit Amor) und Saturn, jenes bei der Ausgangstür des Saales: Mars, Merkur, Helios und Luna. Den Innenraum des Hauptfeldes umschließt ein weißes Band, der Zodiakus mit den Zeichen desselben. In den außerhalb dieses Ovales entstehenden Zwickeln sind die Figuren der Elemente in lagernden Stellungen angebracht, die schönsten im ganzen Werke. Namentlich die „Erde“ zeichnet sich durch die edle Erscheinung der Gestalt aus und beweist den Einfluss der gleichzeitigen venezianischen Meister auf unseren Künstler in der deutlichsten Weise.
Das Innere des Ovales nehmen auf azurnem Himmelsgrund die Darstellungen der Sternbilder ein, welche Fontana auf naive Art, der seit Alters üblichen Zeichnung auf den Himmelsgloben entsprechend, ins Natürliche und Figürliche übersetzte, sodass z. B. Auriga als Tiroler Fuhrmann mit der Peitsche, die Locke der Berenike als Frauenhaarschopf etc. erscheint. Als Vorlage diente dem Künstler offenbar der in den Sammlungen des Hochschlosses (II. Stock, Saal IV, Nr. 65) bewahrte, mit Kupferstichen überklebte Globus, dessen Darstellungen mit den hiesigen übereinstimmen.
Das seltsame Werk ist ein interessanter weiterer Beleg für die hohen wissenschaftlichen Bestrebungen des Erzherzogs, welcher auch dem damals erwachenden Studium der Astronomie rege Aufmerksamkeit zuwendete. Nach den vorhandenen urkundlichen Nachrichten vollendete Fontana diese Deckengemälde in den Jahren 1583–84. Der Tod des Künstlers ereignete sich am 25. September 1587.
An der Türwand, links vom Eingange
An der hölzernen Wand darunter:
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Eine Kollektion von Hakenbüchsen, vom Anfang des 16. Jahrhunderts, darunter:
Halbhaken mit einfacher Luntenabfeuerung ohne Schlossvorrichtung. Derselbe ist nicht geschäftet, sondern wird durch einen vom Stoßboden auslaufenden eisernen Fortsatz regiert. Länge 163 cm, Kaliber 23 mm. Um 1520.
2–5. Vier schwere Doppelhaken mit Luntenschlössern, den sogenannten „Schwamengelassen“. Anfang des 16. Jahrhunderts.
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Hakenbüchse mit Luntenschloss. Anfang des 16. Jahrhunderts.
7 und 8. Halbhaken mit Luntenabfeuerung, der letztere ohne Schlossvorrichtung. Um 1530.
Die Hakenbüchsen waren vom 15. bis ins 17. Jahrhundert im Gebrauch. Sie tragen ihren Namen von dem hakenförmigen Ansatz am Vorderende des Laufes, welcher zur Schwächung des Rückstoßes an die Außenseite der Brustmauer angelegt wurde. Die Schäftung ist aus weichem Holze mit geradem Kolben, die Läufe sind roh geschmiedet. Ältere Rohre haben das Zündloch oberhalb, jüngere an der Seite gebohrt. Später wurde die Pfanne hinzugefügt und diese zum Schutze des „Zündkrautes“ vor der Nässe mit einem schiebbaren Deckel geschlossen.
Oberhalb:
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Deutsche Schallern. Die Schaller bildete im Allgemeinen die Kopfbedeckung des Kriegers im 15. Jahrhundert. Mit Visier und Sehspalten versehen, somit den oberen Teil des Gesichtes deckend, sind sie gemeinhin die Kopfbedeckung des Kürissers. Das vorliegende Exemplar hat die Form der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Es besitzt kein Aufschlagvisier, sondern hat die Sehspalte in die Schaller selbst geschnitten. Den unteren Teil des Gesichtes deckte der an der Brust befestigte „Bart“. Die Schaller trägt das Plattnerzeichen u und als Zeichen der behördlichen Beschau das geteilte Nürnberger Wappen, wodurch deren Provenienz klargestellt ist. Um 1480.
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Bruststück eines Landsknechtharnisches vom Ende des 15. Jahrhunderts, mit gerade laufendem, gewulstetem Oberrande und leichtem Grat in der Brustmitte. Um 1490.
In der oberhalb im Mittelfelde angebrachten Waffengruppe sind folgende Stücke zu bemerken, und zwar in der Mitte:
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Schweres Panzerhemd aus der Mitte des 15. Jahrhunderts. Solche wurden unter den Plattenharnischen hauptsächlich zum Schutze der durch letztere unbedeckten Stellen getragen. Sie erhalten sich, wenn auch mit allmählich feineren Ringen, bis zum Dreißigjährigen Kriege, in Ungarn noch länger. Von höheren Persönlichkeiten werden sie noch bis ins 18. Jahrhundert hinein getragen.
Oberhalb in der Mitte befindet sich eine Partisane, zu deren Seiten vier Runka, Ronsards oder Friaulerspieße. Unterhalb in der Mitte ein geflammtes Schwert mit Messinggriff, diesem zunächst zwei Reiterschwerter und zwei Haudegen aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts.
Rechts von der Gruppe:
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Kleine Doppelbrust von einem Knabenharnisch vom Ende des 15. Jahrhunderts.
In der Ecke:
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Tartsche vom Ende des 15. Jahrhunderts, von ungarischer Form. Dieselbe ist aus Holz gefertigt, mit Leder überzogen und vergoldet. Die in der Art spanischer Ledertechnik mit Meißeln aus freier Hand dargestellten Ornamente zeigen noch deutlich Anklänge an die Gotik. Derlei Tartschen wurden ebensowohl von ungarischen Reitern wie bei den Turnieren und Mummereien, den Maskenfesten des 15. Jahrhunderts, getragen. (Abbildungen von solchen ungarischen Tartschen finden sich schon in den Zeughausbüchern Kaiser Maximilians I., im Theuerdank wie in den Abbildungen zum Weißkunig von H. Burgkmair.)
Das Unterschloss. Die Waffensammlung.
An der Langwand
Erste Hälfte
Unterhalb:
Zunächst des Einganges eröffnen die Turnierwaffen vom Ende des 15. Jahrhunderts die lange Reihe von Schutz- und blanken Waffen dieses Saales. Im Allgemeinen teilte sich das Turnier in jener Periode in das Gestech, das Rennen, das Freiturnier, den sogenannten deutschen Fußkampf, und diese wieder in mannigfache Unterabteilungen, je nach der Streitmanier oder der besonderen Ausrüstung und Bewaffnung.
Das Gestech kann als die älteste Turnierform angesehen werden. Die Ausrüstung hierzu lässt klar erkennen, dass ihre Formen sich an die ältere Feldausrüstung im schweren Topf- oder Kübelhelm anschließen. In den Formen unterscheidet man die Ausrüstungen für das deutsche und welsche Gestech.
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Schwerer deutscher Stechzeug. Derselbe ist am Rücken und am Scheitel des schweren Stechhelmes geriffelt. Am Scheitel des Helmes bemerkt man die Löcher für das Zimier oder Helmkleinod. Charakteristisch ist an Stech- und Rennzeugen der gewichtige Rüst- und Rasthaken, in welchen die Stechstange mit dem dreispitzigen „Krönig“ oder die Rennstange mit spitzig geformtem Renneisen eingelegt wurde. Im Innern des Stechhelmes befindet sich noch die originale „Harnaschkappe“ oder „Turnierhaube“ aus Zwilch mit Lederbesatz. Die Schnüre derselben wurden durch an dem Stechhelme angebrachte Löcher gesteckt, um die Kappe bequemer richten zu können, ohne den schweren Helm abschrauben zu müssen. Der Helm zeigt noch viele Spuren von Stößen des Krönigs, somit eines oftmaligen Gebrauches. Um 1480.
Schwere Brechscheibe. Durch dieselbe wurde die Stechstange gesteckt, wodurch die ohne Eisenhandschuh versehene Rechte gedeckt wurde.
Stechtartsche. Dieselbe ist von Holz, mit Leder überzogen und in Form eines Wappenschildes unten abgerundet. Sie bildete das Ziel des Stoßes des Gegners und wurde an der linken Seite der Brust mittels starker Hanfstricke befestigt. Das Original eines solchen gezöpfelten Hanfstrickes ist, durch die hierzu bestimmten Löcher gezogen und geknüpft, an dem vorbeschriebenen Stechzeuge sichtbar.
Geblendete Rossstirne. Dieselben wurden an den Vorderteil des Pferdekopfes geschnallt und dienten zur Sicherung des Pferdes beim Anprall. Um das Ausbrechen der Pferde beim Anrennen zu hindern, waren die Augen derselben geblendet; doch wurden auch bei manchen Gestechsarten Rossstirnen verwendet, welche an den Augen ausgeschnitten waren und dem Pferde das Sehen gestatteten. Bei dieser nahezu kompletten Stechzeugausrüstung befindet sich auch der originale Schraubenschlüssel.
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Stechsattel „im niederen Zeug“, mit hohem eisernen Vorderstege, ohne Hintersteg. Die Polsterung besteht aus starkem braunem Kalbleder; dabei befinden sich breite Stegreife und einzelne Teile eines Kopfgestelles mit Stange zur Ausrüstung für den Turnierhengst.
Eine weitere Turnierform, eine jüngere, war das Rennen. Ebenso wie sich die Ausrüstung für das Gestech aus der schweren Bewaffnung im Kübelhelm herausbildete, fand das Rennzeug sein Vorbild im leichteren Plattenharnisch des 15. Jahrhunderts, mit Schaller und Bart. Immerhin war das Rennen gegenüber dem Gestech als eine Verfeinerung und Verzierlichung anzusehen, wenn auch die persönliche Gefahr dabei zuweilen nicht geringer war. Der Stoß des Gegners erfolgte nicht wie beim Gestech gegen die linke Seite, sondern auf die Mitte der Brust.
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Alter Rennzeug zum Scharfrennen. Derselbe besteht aus dem „Rennhut“, dem steifen Bart, der Brust mit Rüst- und Rasthaken, den an die Brust geschäfteten Bauchreifen, endlich den beiden steifen Schößen. Arm- und Beinzeug wurde beim Rennen gemeinhin nicht getragen, da die Extremitäten durch stark gepolsterte Kleider gedeckt wurden. Um 1480.
Ein Paar Dilgen oder Schenkelwehren, welche, über dem Sattel an Riemen hängend, die Oberschenkel des Renners zu decken bestimmt waren.
Schwere Renntartsche. Dieselbe ist aus Holz, mit Leder überzogen und wurde mittels starker Schrauben an Brust und Bart des Rennzeuges befestigt. Sie bildete das Ziel des Stoßes des Renneisens.
Leichter Brechschild. Derselbe wurde an der Rennstange zunächst des Handgriffes angeschraubt und war dazu bestimmt, nicht nur die Faust des Renners, sondern auch die entsprechende Achsel desselben zu decken. Außerdem dienten zum Schutze der Hand noch die „Stutzen“.
Geblendete Rossstirne, gleich der vorbeschriebenen. Diese erwähnten Gegenstände bilden die vollständige Ausrüstung eines Renners. Zur Versinnlichung der Anwendung der Rennstange wurde diese mit dem Brechschild ausgerüstet und in die Rüst- und Rasthaken eingelegt.
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Kleiner Rennsattel. Derselbe besteht nur aus dem Gestell ohne Stege, welches mit Leder überzogen ist.
Zwischen den Nischen:
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Reiterschwert zu anderthalb Hand. Dieses seiner zierlichen Form halber interessante Schwert besitzt einen Griff von ausgezeichneter Feilarbeit in Eisen. Der gedrückte Knauf ist von gotischer Form. An der feinen geraden Parierstange sind kleine Wappenschildchen symmetrisch angeordnet. Die breite, schöne Klinge von 109 cm Länge zeigt als Stempel ein gekröntes A, ferner S. Um 1470.
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Reiterschwert mit birnförmigem Knauf, gerader eiserner Parierstange und Faustschutzbügel.
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Zweihänder. Diese mächtige Waffe wurde in der Landsknechttruppe von Doppelsöldnern geführt, welchen hauptsächlich der Schutz der Fahne anvertraut war. Sie wurden zum Kurzgewehr gerechnet und mussten daher stets von Spießen gedeckt werden. Jeder Landsknecht, der für das „Schlachtschwert“ geworben wurde, musste sich, als in dessen Führung bewandert, durch ein Zeugnis eines „Meisters vom langen Schwert“ ausweisen. Das vorliegende Exemplar hat einen belederten Griff und einfache eiserne Parierstange. Die Klinge, nach der Spitze zu etwas breiter, besitzt zwei kurze Parierhaken. Der Ansatz der Klinge, welcher auf der Schulter des Trägers ruhte, ist mit Leder überzogen. Um 1520.
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Reiterschwert, ähnlich wie Nr. 51.
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Reiterschwert zu anderthalb Hand. Der Knauf von Eisen ist birnförmig und gewunden. Die gerade Parierstange besitzt einfachen Faustschutzbügel. Die bedeutend ältere, wertvolle Klinge von 111 cm Länge trägt einen mit Messing tauschierten Klingenschmiedstempel und eine eingeschlagene Lilie. Um 1490.
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Landsknechtbrust.
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Italienische Helmbarte. Um 1480.
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Schwerer Knebelspieß. Die gemeine Spießwaffe aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Der Knebel fehlt.
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Gläfe, mit vorzüglich gezeichneten Ätzungen auf der Klinge. Auf der einen Seite ist ein Pfau, unter diesem ein Landsknecht und ein zum Grimmen geschickter Löwe, auf der Kehrseite eine Bürgersfrau im Kostüm der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts dargestellt. Die Blattornamente sind von anderer, doch nicht minder geschickter Hand. Die Ätzung ist durch unverständiges Reinigen stark verwischt. Zeichen:
Der Schaft ist original, jedoch verstümmelt. Die Handschutzscheibe fehlt.
153. Deutscher Haudegen mit birnförmigem Knauf und nach abwärts gerichteter Parierstange. Die Klinge führt in Messing tauschiert ein einem Bischofsstab ähnliches Zeichen, das wahrscheinlich einer Passauer Werkstätte angehört. — 154. Italienischer Haudegen, gleich den vorerwähnten, mit dem Worte „Mailand“ auf der Klinge. — 155. Venezianisches Zeremonienschwert aus der Periode der Regierung des Dogen Andrea Gritti (1523 bis 1539). Der Knauf und die abwärts gebogene Parierstange sind aus Bronze gegossen und mit Reliefs in guter italienischer Renaissance geziert. Das Griffholz ist mit rotem, nun vergilbtem Samt belegt. Die lange, spitz zulaufende Klinge mit leichtem Grat trägt in roher Gravierung auf einer Seite die Justitia, auf der anderen den Markuslöwen mit dem Wappen der Familie Gritti in den Pranken.
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158. Bruststück eines Maximilianharnisches. Diese Art Harnische, welche sich durch feine Riffelungen erkennbar machen, sind eine Erfindung Kaiser Maximilians I., welche den Zweck hatte, bei leichterem Eisen dem Hieb und Schlag von Schwertern, Streithämmern, Kürissbengeln etc. größeren Widerstand entgegenzusetzen. Sie erscheinen bald am Beginn des 16. Jahrhunderts und verschwinden um 1530.
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159. Geätzte Helmbarte aus der Zeit des Kaisers Ferdinand I. An beiden Seiten findet sich der Reichsadler und die Initialen K. F. (Kaiser Ferdinand), am Haken die Jahreszahl 1563 eingeätzt. Spuren von Vergoldung. An einer Seite der Stoßklinge ist das Monogramm des Ätzmalers H. P. ersichtlich. (Leitner, Hof-Waffenmuseum, T. XXX.) Diese Helmbarten sind Innsbrucker Fabrikat. Nach den Aufzeichnungen Dr. David Schönherrs hat in diesem Jahre der Innsbrucker Maler Hans Polhammer für den Hof „Partisanen“ geätzt und dafür Bezahlung erhalten.
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160. Geätzter Trabantenspieß, gleich dem vorherbeschriebenen.
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161. Geätzte Helmbarte aus der Zeit des Kaisers Maximilian II. Unter dem Ätzwerk erblickt man den Doppeladler mit dem spanisch-burgundischen Wappen, darüber den Wahlspruch DOMINUS PROVIDEBIT, das Monogramm des Kaisers (Maximilian Maria) und die Jahreszahl 1564, das Jahr seiner Thronbesteigung.
162. Halber Landsknechtharnisch. Die Sturmhaube mit drei Kämmen ist gleich der vorigen. Die Brust ohne Rüsthaken hat ausgesprochenen Tapul. Die Beintaschen sind nur viermal geschoben. Die Achseln besitzen steife Flüge. Die Handschuhe sind gefingert. Alter ca. 1540.
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163. Ganzer leichter Feldharnisch, an allen Teilen seicht gekehlt. Der Helm ist einer Sturmhaube ähnlich geformt und besitzt ein in die Spitze getriebenes Scheitelstück. Das abschlächtige Visier ist an den Augenstellen tief ausgeschnitten. Die Brust ist mit Tapul versehen, am Oberrand derselben erblickt man den Nürnberger Beschaustempel, an einem Handschuh ein nicht mehr erkennbares Zeichen.
Vorne zwischen den Harnischen sind vier schwere Turniersättel zum deutschen Gestech aufgestellt.
In den an der Wand angebrachten fünf Gruppen sind die folgenden Stücke hervorzuheben, und zwar:
I. Gruppe. Oberhalb in der Mitte eine Runka mit starken, spitz zulaufenden Ohren, zu deren Seiten je zwei Helmbarten aus der Zeit Kaiser Maximilians I. mit geraden Beilschneiden und starken kurzen Stoßklingen, diesen zunächst je eine Runka mit rund auslaufenden Ohren. Unterhalb in der Mitte ein Zweihänder älterer Form. Die Klinge desselben besitzt keinen Parierhaken und hat einen Turm als Klingenschmiedzeichen eingestempelt. Überdies trägt dieselbe das Zeichen des „Wolfes“ in Messing tauschiert, welches ziemlich sicher auf eine Passauer Werkstätte schließen lässt. Um 1480. Zu dessen Seiten sind sechs deutsche Reiterschwerter gruppiert.
II. Gruppe. Oberhalb in der Mitte ein gemeines Spießeisen, zu dessen Seiten zwei Helmbarten, diesen zunächst zwei Spetums oder Wolfseisen mit hakenförmigen Ohren. Unterhalb um einen Zweihänder gruppiert finden sich vier deutsche Reiterschwerter und zwei spanische Haudegen.
III. Gruppe. Um eine gemeine Partisane reihen sich zwei Helmbarten, zwei Spetums verschiedener Form, endlich wieder zwei Helmbarten. Unterhalb ein Zweihänder mit geflammter Klinge, sogenannter „Flammberg“. Diesem zunächst zwei gemeine deutsche Reiterschwerter und an diese gereiht vier spanische Haudegen.
IV. Gruppe. Oberhalb eine Partisane mit langer Stoßklinge, an deren Seiten zwischen je zwei Helmbarten eine Runka. Unterhalb ein Zweihänder mit geflammter Klinge; um diesen gruppiert vier Reiterschwerter und zwei italienische Haudegen.
V. Gruppe. Um eine Partisane gruppieren sich vier Helmbarten und zwei Runken. Die Helmbarten verändern allmählich ihre Form. Die Beile werden schwächer, deren Schneiden konkav eingebogen. Das Beil verliert allmählich an Wert, desto mehr Wichtigkeit gewinnt die Stoßklinge, welche sukzessive bedeutendere Länge erhält und in scharfer Spitze geformt wird.
In der Mitte sämtlicher Gruppen sind Landsknecht-Bruststücke mit ihren Bauchreifen angeordnet, welche, nach ihrem Erzeugungsalter gereiht, die Formenwandlung dieser Schutzwaffe ersichtlich machen. Bis gegen die Mitte des 16. Jahrhunderts sind dieselben kurz kugelförmig ausgebaucht, zuweilen mit leichtem Grat ausgestattet. Der Oberrand läuft gerade horizontal. Die Beintaschen sind nicht geschoben und zuweilen stark nach auswärts geschwungen.
Zwischen den Gruppen sind je vier Brechscheiben angeordnet, welche, wie erwähnt, an die Turnierstangen und Spießschäfte zum Schutze der Hand gesteckt wurden. Auch diese sind nach ihrem Alter gereiht.
In der Mitte der Wand
182. Ganze Kaperation, aus verschiedenen Stücken zusammengesetzt und auf einer hölzernen Pferdefigurine aufgestellt. Ganzer Rosskopf von dem Rosszeug eines Maximilianharnisches, blank mit gereiften Zügen. Die Augenlöcher sind vergittert. In der Stirnmitte ein breiter Schild, aus dessen Mitte eine eiserne Spitze hervorragt. Kürisssattel. Die eisernen hohen Sattelstege haben geätzte und vergoldete Randstreifen. Der Sitz und die Blätter sind mit gelbem Samt überzogen. Bemerkenswert sind die Schenkelwülste zunächst der Hinterstege. Die vergoldeten Steigbügel besitzen die Form der Mitte des 16. Jahrhunderts.
Kaperation. Dieselbe besteht aus zierlich konturierten Eisenplättchen, die der Beweglichkeit wegen mit Draht verbunden und gleich dem Sattel mit gelbem Samt überzogen sind. Dieselbe besteht aus dem vorderen Teile: dem „Fürbug“, der Halsbedeckung: „Kanz“ und dem hinteren Teile: „Gelieger“. Das Kopfgestell, mit gelbem Samt überzogen, ist späteren Ursprungs. Die leichte „Stange“ ist mit schönen vergoldeten und versilberten Ornamenten in tauschierter Arbeit geziert.
183, 184. Zwei bemalte Fahnenstangen, mit Kehlungen und vergoldeten Arabesken geziert, aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Dahinter erblickt man eine Gruppe von Waffenstücken der Mitte des 16. Jahrhunderts: oberhalb ein burgundischer Helm, zunächst darunter ein Bruststück eines Landsknechtharnisches aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Die übermäßig starke Ausbauchung kennzeichnet den bizarren Geschmack dieser ebenso brauchbaren als übermütigen Truppe. Das Bruststück ist mit einem gravierten Ornament von hübscher Zeichnung geziert.
Rechts davon 189, eine Tartsche für das Realgestech. Sie wurde an die linke Achsel geschraubt und bildete das Ziel der Stechstange; die aufgenieteten Drähte sollten das Ausgleiten des Krönigs verhindern. Das Realgestech entwickelte sich aus dem alten welschen Gestech über den Schranken (Pallia, Dill - Auch Pallia, worunter die Planke zu verstehen ist, welche die Turnierenden trennte. Die Gestechart ist italienischen Ursprungs.); es ist um 1547 eine noch neue Gestechsart und tritt bald nach der Einführung des neuen Gestechs über das Dill auf, als man sich im Turnier nur mehr der verstärkten Feldharnische und immer weniger der schweren Stechzeuge bediente. Rennzeuge standen, wiewohl allmählich seltener, doch länger im Gebrauch.
Links vom Bruststücke eine Verstärkung für die linke Achsel. Dieselbe fand ihre Anwendung zumeist im Turnier, nicht selten aber auch im Felde. Sie wurde an das Bruststück und die Achsel des Harnisches angeschraubt.
Unterhalb gruppieren sich drei halbe Rossstirnen. Dieselben fanden ihre Anwendung zur Bedeckung des Pferdekopfes bei leichtem Rosszeug. An der Stirn ist ein Wappenschildchen befestigt, das zuweilen mit dem Wappen des Eigentümers bemalt war, öfter aber geätzte Embleme besaß. Oberhalb des Schildchens ist die Hülse für den Federschmuck befestigt.
In der nächst oberen Gruppe erblickt man oberhalb einen burgundischen Helm oder „Bourgignot“ aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, zunächst darunter ein Bruststück eines Landsknechtharnisches mit schön gezeichneten Randätzungen. In der Mitte ist mittels des Grabstichels und der Kupferstecherwiege Christus am Kreuz in minderer Zeichnung dargestellt. Letztere Darstellung ist eine spätere Arbeit des 17. Jahrhunderts. Zu beiden Seiten ist je eine Verstärkung für die linke Achsel angebracht.
Unterhalb eine ganze Rossstirne, welche den Pferdekopf bis an die Nüstern deckte. An die Stirnmitte ist ein Schildchen geschraubt, oberhalb derselben eine hübsch ornamentierte Federhülse genietet. Zu deren Seiten gruppieren sich vier Brechscheiben.
In der obersten Gruppe bildet die Mitte oberhalb eine Runka, zunächst derselben zwei Cousen und an diesen zwei Trabantenspieße, sämtlich aus der Zeit Kaiser Ferdinands I. Außerhalb sind zwei Runken angeordnet. An der unteren Seite der Gruppe ist in der Mitte ein Schwert zu anderthalb Hand angeordnet, zu dessen Seiten zwei italienische Haudegen mit doppelten Faustschutzbügeln und Spangenkörben, endlich außerhalb vier italienische Haudegen ohne Körbe.
In der Mitte der Gruppe befindet sich ein geschlossener Helm aus der Mitte des 16. Jahrhunderts, darunter ein Bruststück mit Beintaschen eines Kürisserharnisches, ungefähr vom Jahre 1515. Der Rüsthaken hat noch die ältere hornähnliche Form.
An der Langwand
Zweite Hälfte
122. Blanker halber Harnisch. Der Helm fehlt; die Brust mit Tapul trägt am Oberrande die eingeschlagenen Zeichen X R. Die steifen Beintaschen sind an die Bauchreifen mittels Riemen geschnallt. Die Handschuhe sind ungefingert. Der Harnisch wurde in neuerer Zeit neu zusammengestellt; er wurde um 1540 geschlagen.
123. Ganzer leichter Feldharnisch. Der burgundische Helm hat einen niederen Kamm. Stirnstulp und Visier sind aus einem Stück; in demselben sind die Sehspalten eingeschnitten. Die
Brust mit Grat ist weit spitzig vorgetrieben, um die Projektile des Feuergewehres abgleiten zu machen (Tapulbrust, Allecret). Die Achseln sind geschoben. Der Harnisch ist, wie das Beschauzeichen
– der Bindenschild – erweist, Wiener Erzeugnis. Die eingravierten Buchstaben I W auf der Brust und H M am Rücken deuten auf den Träger. Alter ca. 1540.
Zwischen den Nischen:
250. Italienischer Haudegen mit doppeltem Faustschutzbügel.
251. Französischer Haudegen aus der Zeit König Franz I. Die Klinge trägt auf einer Seite das französische Lilienwappen eingeätzt; auf der anderen Seite liest man die Worte: „Vive
le Roy.“
252, 253. Zwei Handbüchsen aus der Zeit Karls V. Dieselben besitzen schwere Läufe von 2 cm Kaliber und 93 cm Länge. Der schöne Schaft aus Nussbaumholz mit Linieneinlagen aus Elfenbein hat im Kolben die nach abwärts geschweifte Form der gleichzeitigen spanischen Büchsen. Die Zündpfanne ist mit Feuerschirm versehen. Der Luntenhahn funktioniert noch bei beiden. Alter ca. 1530.
254, 255. Zwei italienische Haudegen.
Oberhalb: Rückenstück eines Maximilianharnisches. Derselbe gehört zu dem unter Nr. 158 erwähnten Bruststücke.
256. Trabantencouse aus der Zeit Kaiser Maximilians II. Auf der einen Seite findet sich der kaiserliche Reichsadler mit der Jahreszahl 1564 und den beiden verschlungenen M
(Maximilian-Maria), auf der anderen Seite des Kaisers Wahlspruch: „Dominus providebit“ und die Insignien des Vliesordens eingeätzt.
257. Geätzte Helmbarte eines Hatschiers des Kaisers Maximilian II. Dieselbe ist an beiden Seiten mit sehr geschmackvoll gezeichneten Emblemen geziert. Am Beil zeigt sich der
Reichsadler mit dem Wahlspruch: „Dominus providebit“; am Haken die Jahreszahl 1564; auf der Stoßklinge die verschlungenen M, von der Kaiserkrone bedeckt.
258. Geätzte Trabantencouse des Erzherzogs, späteren Kaisers Maximilian II. Die Ätzungen sind gleich der vorerwähnten, nur trägt sie die Jahreszahl 1551 und den Wahlspruch: „Deus
providebit“.
259. Ganzer Landsknechtharnisch aus dem vierten Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts. Sturmhaube mit drei Kämmen, Brust mit spitzem Tapul, steifen Vorder- und Hinterflügen an den
Achseln. Die Eisenschuhe fehlen oder waren nie vorhanden. Der Harnisch führt den Wiener Beschaustempel W und das Zeichen:
260. Halber blanker Landsknechtharnisch, ähnlich dem vorbeschriebenen. Er trägt das Zeichen der Nürnberger Beschau. Derselbe besitzt keine Beintaschen.
287, 288. Zwei italienische Haudegen.
289. Zweihänder. Die Klinge mit mächtigem Parierhaken verbreitert sich gegen die Spitze zu, um die Hiebwucht zu verstärken. Darüber 290: Armbrust aus der zweiten Hälfte des XVI. Jahrhunderts. Der Bogen aus Birkenholz ist mit Pergament überzogen; ehemals bemalt, ist derselbe nun geschwärzt. Die Verankerung an der Säule wie die Sehne sind original. Die Säule ist aus Hirschhorn, die Nuss läuft im Faden. Zwei kurze Querstangen bilden den Ansatz für den Armbrustspanner.
291, 292. Zwei italienische Haudegen aus der Mitte des XVI. Jahrhunderts. Die Klinge des letzteren trägt den Namen des berühmten italienischen Klingenschmieds Antonio Piccinino.
293. An der Wand hinter den erwähnten Stücken sind 22 Armbrustbolzen aus der zweiten Hälfte des XVI. Jahrhunderts ersichtlich. Dieselben sind aus Holz, mit schweren geschmiedeten Eisenspitzen und mit dünnen Holzblättchen befiedert. Die Bemalung ist spätere Mache. — Oberhalb des Bruststückes eines Landsknechtharnisches befinden sich:
295. Geätzte Helmbarte eines Hatschiers des Erzherzogs, späteren Kaisers Maximilian II. Sie trägt in flüchtiger und wenig korrekter Zeichnung das Wappen nebst dem Monogramm des Erzherzogs.
296. Partisane des Erzherzogs Ferdinand von Tirol (1529–1595). An beiden Seiten sind das österreichisch-burgundische Wappen, der Name FERDINANDVS und die Jahreszahl 1576 eingeätzt.
297. Geätzte Helmbarte aus der Zeit des Kaisers Maximilian II. Am Beil das österreichisch-ungarische Wappen, das Monogramm (Maximilian–Maria) und die Jahreszahl 1571.
An der Dülle das Ätzmalerzeichen:
299. Ganzer lichter Feldharnisch aus der Mitte des XVI. Jahrhunderts. Der geschlossene Helm mit hohem verlaufendem Kamm besitzt den Stirnstulp mit Sehschlitzen und ein
aufschlächtiges, schräg gelochtes Visier. An der rechten Seite befindet sich eine Visieraufspreizstange. Die Brust mit flachem Grat ist lang und neigt sich bereits der späteren Gansbauchform zu.
Der Rüsthaken neuer Form ist steif. Der rechte Achselflug ist zur leichteren Führung des Spießes ausgeschnitten. Der linke Mäusel hat ein Verstärkungsstück aufgeschraubt. Die Eisenschuhe nähern
sich bereits der natürlichen Fußform.
300. Ganzer Turnierharnisch für das Realgestech und das Freiturnier. Der geschlossene Helm hat einen hohen Kamm. Der Stirnstulp, in welchem die Sehspalten geschnitten sind, sowie
das fein gelochte Visier sind aufschlächtig. Die Brust ist zweimal geschoben, mit schwachem Grat, und mit steifem Rüsthaken ausgestattet. Die Diechlinge sind zum Abstecken eingerichtet. Die
Eisenschuhe sind ziemlich spitz getrieben. Alter ca. 1545.
326. Italienischer Haudegen.
327. Breites Reiterschwert. Die schöne Klinge mit kurzen Blutrinnen und dem Zeichen des Wolfes ist roh graviert. Der Griff aus vergoldetem Messing ist jüngeren Datums.
328. Zweihänder.
329. Richtschwert vom Anfang des XVI. Jahrhunderts. Die breite Klinge zeigt an der einen Seite einen Galgen, an der anderen ein Rad in Messing eingelegt; ferner den Namen: IACOB WACKER VON GOTA eingestempelt.
330. Italienischer Haudegen.
Das oberhalb aufgestellte Bruststück eines Landsknechtharnisches mit Tapul hat das Wiener Beschauzeichen und die Buchstaben P M eingestempelt. Oberhalb desselben finden sich:
332. Geätzte Helmbarte aus der zweiten Hälfte des XVI. Jahrhunderts mit blattförmiger Stoßklinge und kleinem Beil. Auf der Stoßklinge sind die Gestalten zweier Türken, am Beil und Haken in Medaillons Kriegerköpfe dargestellt. Die Ornamente sind von schöner und korrekter Zeichnung.
333. Geätzte Helmbarte aus der zweiten Hälfte des XVI. Jahrhunderts, ähnlich der vorigen. Auf der Stoßklinge ist ein Landsknecht in der Tracht der Zeit Karls V. geätzt; die Zeichnung ist in der Art des H. Lautensack. Das Exemplar besitzt noch ein Stück des originalen „gepickten“ Schaftes.
334. Geätzte Helmbarte, ähnlich der vorigen. Auf der Stoßklinge ist ein Landsknecht in der Tracht um die Mitte des XVI. Jahrhunderts mit einem Becher in der Hand dargestellt. Die Verzierungen bestehen aus hübschen Blattornamenten. Ein Teil des Schaftes ist original.
Alle drei vorbeschriebenen Helmbarten zeigen Spuren ehemaliger Vergoldung.
336. Ganzer Feldharnisch mit schwarz geätzten Strichen. Das Scheitelstück des geschlossenen Helmes läuft in eine krumme Spitze aus. Das Visier ist absteckbar. Am rückwärtigen
Ätzstrich des Scheitelstückes zeigt sich wiederholt die Jahreszahl 1549. Die Brust mit schwachem Grat trägt einen steifen Rüsthaken neuer Art.
337. Waidpraxe oder Parmesser. Dieses Jagdgerät diente zum Servieren der Wildpretstücke beim Jagdessen an die Ehrengäste. Das Exemplar zeigt noch Spuren von seichter Gold- und
Silbertauschierung. Der Griff aus Eisen ist roh geformt.
338. Feldharnisch. Der geschlossene Helm hat breiten Stirnstulp, in welchen die Sehschlitze geschnitten sind. Das Visier ist fein gelocht. Die Brust besitzt tiefen Gansbauch. Die
Ellenbogen decken halbe Muscheln (eine damals bereits veraltete Form). Die Beintaschen sind geschoben. Das ganze Beinzeug fehlt.
361. Deutsches Reiterschwert mit geschwärztem Griff, vollem Spangenkorb und Faustschutzbügel. Die gerippte Klinge zeigt in Kupfer tauschiert das Wolfszeichen.
362. Italienischer Haudegen.
363. Flammberg zu anderthalb Hand. Der Griff mit gerader Parierstange und einfachem Faustschutzbügel besitzt spanische Form. Die Klinge trägt eine eingehauene, unlesbare Inschrift.
364. Italienischer Haudegen.
365. Schwerer Flammberg mit Scheide. Der Griff ist aus Messing und plump geformt, der Knauf kantig, die Parierstange nach abwärts gerichtet und geschweift. Die Scheide ist sehr schwer und plump gearbeitet.
Das zunächst oberhalb aufgestellte Bruststück eines Landsknechtharnisches mit Tapul besitzt die Nürnberger Marke; dabei sind angeordnet: drei niederländische Helmbarten aus der zweiten Hälfte des XVI. Jahrhunderts mit durchbrochenen Beilen. Die linksseitige besitzt noch ein Stück ihres „geknoteten“ Schaftes.
371. Ganzer blanker Feldharnisch. Der Bourgignot hat den Kamm stark zurückgezogen. Visier und Stirnstulp sind aus einem Stück getrieben. Die Handschuhe sind ungefingert
(Hentzen). Die Beinröhren sind nicht wie die älteren mittels Haspeln geschlossen, sondern werden an der Innenseite geschnürt. —
372. Ganzer blanker Turnierharnisch für das Gestech über das Dill.* Seine Form ist eine Verbindung der alten Stechzeugform mit jener des gewöhnlichen Feldharnisches; sie ist die
jüngste und letzte der Stechharnische. Der schwere Stechhelm besitzt ein Scheitelstück mit steifem Nacken und hohem Kamm; der aufschlächtige Stirnstulp hat die Sehspalten eingeschnitten. Der
Vorderteil des Helmes ist aufschlächtig, an den Seiten mittels Haspeln zu schließen, und verbreitet sich über den ganzen Hals, den oberen Brustteil und die ganze linke Achsel. Die rechte
Visierwand besitzt an der rechten Seite einen Luftgeber (Helmtürlein). Die Brust mit tiefem Gansbauch besitzt einen steifen Rüsthaken. Die rechte Achsel hat keinen Vorderflug. Das Armzeug für die
Zügelhand ist eigentümlich geformt; letztere ist durch eine steife schwere Hentze gedeckt, welche bis über den Ellenbogen und an die Achsel reicht.
Der Harnisch stammt aus dem Besitz des Freiherrn Carl Schurff von Schönwert und ist wahrscheinlich Innsbrucker Arbeit aus der Hand des Hofplattners des Erzherzogs Ferdinand von Tirol, Jacob Topff. — Drei spanische und vier italienische Haudegen. Vorne zwischen je zwei Harnischen sind ein Kürisssattel mit blanken Stegen sowie vier Turniersättel aufgestellt. Bemerkenswert an den letzteren ist der Einschnitt an der rechten Seite der Vorderstege. Er diente als Auflager für die Stechstange, wenn der Reiter die Stange aus dem Rüsthaken hob, um auszuruhen.
In den an der Wand angebrachten fünf Gruppen der zweiten Hälfte der Saalwand sind an den oberen Teilen Cousen und Helmbarten aus der Zeit Kaiser Maximilians II. angebracht; an den unteren Teilen Zweihänder, Reiterschwerter und Haudegen, zumeist deutscher Provenienz. Nur in der dritten, vierten und fünften Gruppe finden sich an den äußeren Seiten spanische und französische Haudegen, einige derselben mit Körben. In den Mittelfeldern setzt sich die Reihe der Landsknecht-Bruststücke in chronologischer Ordnung bis etwa 1530 fort. Zwischen den Gruppen erblickt man je vier Brechscheiben.
Bemalte ungarische Sturmhaube, sogenannte „Zischägge“.
Dieselbe hat die Form, wie sie etwa um 1560 in Ungarn getragen wurde, und stammt aus dem Besitz des Erzherzogs Ferdinand von Tirol. Gleich den später zu beschreibenden ungarischen Tartschen
diente sie bei den „hussarischen Turnieren“, wie jenen, die der Erzherzog 1549 und 1557 mit großer Pracht zu Prag abgehalten hatte. Die Bemalung ist renoviert. — Zwischen den Harnischen der
zweiten Hälfte der Saalwand sind auf den Sockeln bemalte eiserne Larven ersichtlich; dieselben dienten gleichfalls bei den festlichen Aufzügen und „hussarischen Turnieren“ am Hofe des
prunkliebenden Erzherzogs Ferdinand von Tirol in Prag, Pilsen und Innsbruck. Von solchen Aufzügen sind noch zeitgenössische Abbildungen vorhanden. Bei denselben Gelegenheiten dienten auch die
zunächst liegenden ungarischen Sporen aus Messing und Eisen mit breiten Stegen und Rädern, ferner die drei an den Sockeln aufgestellten Rennstangen. Letztere sind innen hohl, daher von sehr
geringem Gewicht.
Querwand, linke Seite
402. Ganzer lichter Turnierharnisch zum Gestech über das Dill. Der Turnierhelm mit gezahntem Kamm ist wie der alte Stechhelm an Brust und Rücken geschraubt. Die aufschlächtige Visierwand besitzt rechts einen Luftgeber. Das linke Armzeug hat einen großen Stechmäusel aufgeschraubt. Die Brust hat tiefen Gansbauch und steifen Rüsthaken.
403. Modell eines ganzen Harnisches mit schwarz geätzten Strichen. Am geschlossenen Helm zeigt sich der Augsburger Beschaustempel. Die Brust hat tiefen Gansbauch. Alter um 1560.
404. Ganzer lichter Knabenharnisch. Der geschlossene Helm von gewöhnlicher Form ist im Visier groß gelocht. Die Brust besitzt scharf vorgetriebenen, tiefsitzenden Gansbauch. Die Eisenschuhe sind breit und kolbig, von einer Form, wie sie 40 Jahre vor Fertigung dieses Harnisches Mode waren. Alter ca. 1560. — Vor den Harnischen sind ein Turniersattel und ein gemeiner Kürisssattel aus der Mitte des XVI. Jahrhunderts aufgestellt. — An der Wand hinter den Harnischen finden sich schwere Doppelhaken aus der zweiten Hälfte des XVI. Jahrhunderts, teils mit Rad-, teils mit Luntenschlössern. Zwischen diesen sind eine Anzahl gemeiner Reiterschwerter und Haudegen angeordnet, wie solche bereits früher beschrieben wurden.
435. Große sächsische Partisane der Leibwache des Herzogs Johann Ernst von Sachsen (geb. 1521, gest. 8. Februar 1553). Links. Auf der Klinge das sächsische Wappen, ferner in einem Spruchband die Buchstaben: IEHZS.GG-VB (Joh. Ernst Herzog zu Sachsen, Gulich, Gleve und Berg). Schaft und Quaste sind eine spätere Beigabe. — Oberhalb der hölzernen Wand in der Mitte ist ein Landsknecht-Bruststück aufgestellt, darüber eine gemeine Sturmhaube, sogenannte Burgunderkappe, wahrscheinlich französischer Herkunft, dahinter drei Helmbarten vom Ende des XVI. Jahrhunderts. — In den beiden oben an der Wand angeordneten Gruppen befinden sich Partisanen, Helmbarten und Cousen aus der Zeit Maximilians II. und Rudolfs II., ferner Zweihänder, Reiterschwerter und Haudegen.
Oberhalb der Tür in den Saal II
Die Waffengruppe unmittelbar oberhalb der Tür enthält folgende bemerkenswerte Stücke: Burgundischer Helm, Bruststück eines Kürissharnisches, Verstärkung für die linke Achsel und den linken Ellenbogen nebst einer linken Hentze. Links von den Harnischteilen eine Armbrust, gleich jener unter 290 beschriebenen; rechts ein gemeiner Streitkolben. Der Kolben aus Eisen ist sternförmig gestaltet und grün angestrichen. Der Holzschaft gehört dem XVII. Jahrhundert an. — Zu beiden Seiten ist je eine ungarische Tartsche angeordnet. Beide aus Holz und mit Pergament überzogen, dürften um 1550 gefertigt sein. Gleich der erwähnten Zischägge stammen auch diese aus dem Besitz des Erzherzogs Ferdinand von Tirol und haben nachweislich bei den „hussarischen Turnieren“ zu Prag gedient. Die linksseitige hat im roten Feld einen sogenannten „Krallenflug“ gemalt, die rechtsseitige wurde in späterer Zeit übermalt und zeigt den Bindenschild. Zwischen beiden Tartschen befinden sich Armbrustpfeile. Unterhalb auf dem Türgesimse erblickt man drei halbe Rossstirnen und zu deren Seiten je eine Burgunderkappe. Die darüber in der Höhe der Wand symmetrisch verteilte Reihe enthält 24 französische Haudegen aus der Mitte des XVI. Jahrhunderts. In deren Mitte ein bemalter Holzschild mit dem Wappen von Tirol. Er stammt aus dem Ende des vorigen Jahrhunderts, ist keine Waffe, sondern lediglich Dekorationsgegenstand.
Die Eingangstür zum zweiten Waffensaal, in Intarsientechnik ausgeführt (Naturholz, gebeizt und gebrannt, Bindenschild unter dem Herzogshut), stammt aus der ehemaligen Einrichtung der Gemächer im Hochschloss und steht den Arbeiten des Innsbrucker Tischlers Conrad Gottlieb um 1570 bis 1580 nahe.
Zweiter Saal
Der kassettierte Plafond dieses Saales aus Zirbelholz (zweite Hälfte des XVI. Jahrhunderts) befand sich ursprünglich in den Räumen der Bibliothek.
(Von der Verbindungstür aus links schreitend.)
522. Ganzer lichter Knabenharnisch. Der geschlossene Helm hat einen niedrigen Kamm. Die kurze Brust hat tief angesetzten kleinen Gansbauch.
523. Lichter Harnisch zum welschen Gestech. Der Bourgignot hat ein Visier mit Luftgeber. Das linke Armzeug ist mit großem Stechmäusel verstärkt, der linke Handschuh ist ungefingert. Die Brust mit schwachem Grat hat einen Rüsthaken älterer Form. Der Harnisch trägt das Zeichen der Augsburger Beschau.
524. Ganzer lichter Turnierharnisch zum welschen Gestech. Der leichte Stechhelm ist vorne an die Brust geschraubt. Die rechte Achsel ist ohne Vorderflug. Das linke Armzeug ist am Ellenbogen verstärkt. Die Brust mit tiefem Gansbauch trägt einen doppelt gebogenen Rüsthaken älterer Form. Der Rücken reicht hoch in den Nacken hinauf. Die rechte Beintasche ist, wie dies bei den welschen Gestechen häufig vorkommt, kleiner und kürzer als die linke. Die Beinröhren sind zum Schnüren eingerichtet.
525. Ganzer lichter Feldharnisch. Der burgundische Helm besitzt ein aufgeschraubtes Stirnstulp-Verstärkungsstück. Die Achseln sind ohne Flüge (Spangröls). Das Unterarmzeug wird durch die hohen Stulpen der Handschuhe, welche bis an den Ellenbogen reichen, ersetzt. Die Brust mit tiefem Gansbauch hat keinen Rüsthaken mehr.
Hinter den Harnischen an der Wand ist eine Anzahl Helmbarten vom Anfang des XVII. Jahrhunderts aufgestellt. Die gelochten Beile und Haken sind sehr klein, die vierkantige Stoßklinge aber von ansehnlicher Länge. Die Arbeit ist roh und wenig sorgfältig. — Die beiden an dieser Wand oberhalb der erwähnten Harnische angebrachten Gruppen enthalten folgende bemerkenswerte Stücke: In der Mitte der oberen Hälfte befindet sich je eine Partisane, zu deren Seiten kleine Helmbart-Eisen mit kurzen blattförmigen Stoßklingen. Sie bildeten die Bewaffnung der Feld- und Gemeinweibel, später auch der Trabanten und Bürgermilizen. In der ersten Gruppe unterhalb, neben einem Zweihänder, deutsche und italienische Haudegen; in der zweiten Gruppe spanische Haudegen aus der Zeit Kaiser Rudolfs II. Die meisten derselben besitzen Klingen vorwiegend spanischer Meister und sind überhaupt von vorzüglicher Arbeit. — Im Mittelfeld beider Gruppen befinden sich blanke Rückenstücke, darüber je ein blanker Morion; ebenso sind zwischen beiden Gruppen Morions angeordnet. Diese Kopfbedeckung ist spanischer Provenienz und scheint mit den Heeren Karls V. aus Spanien gekommen zu sein. Sie gewann bald auch in Deutschland Beliebtheit und wurde später auch von deutschen Truppen bis ins XVII. Jahrhundert hinein mit Vorliebe getragen. Im Allgemeinen war der Morion die Kopfbedeckung der mit Stangenwaffen ausgerüsteten Knechte. Zunächst in der Ecke sind vier geschwärzte Gugeln oder Schützenhauben gruppiert; diese bildeten vom Ende des XVI. bis gegen die Mitte des XVII. Jahrhunderts die Kopfbedeckung der Hakenschützen, später auch der sogenannten Pikeniere.
Querwand
627. Einzelne Teile eines Harnisches für das Gestech über das Dill. Helm mit Bart, Doppelbrust mit steifen Beintaschen nebst dem zugehörigen linken Armzeug, mit steifer, bis an die Achsel reichender Hentze.
628. Ganzer lichter Knabenharnisch. Der Bourgignot, die lange, unterhalb spitz zulaufende Brust mit weit aufgetriebenen Bauchreifen, haben eine Form, wie sie um 1590 Mode war. Alle übrigen Teile, namentlich aber die breiten Schuhe, scheinen der ersten Hälfte des XVI. Jahrhunderts anzugehören.
629, 630. Zwei geschwärzte Reiterrüstungen. Die Bruststücke entstammen Landsknechtsharnischen von ca. 1540 und waren ehemals blank. Alle übrigen Teile, wie die deutschen Sturmhauben mit Naseneisen, welche noch die originale Fütterung besitzen, das ganze Armzeug, ferner die Schösse, gehören dem letzten Jahrzehnt des XVI. Jahrhunderts an. Ältere Bruststücke wurden bei den späteren Reiterharnischen häufig ihrer soliden Fertigung wegen benutzt.
— Zwischen letzteren Harnischen sind zwei gekrümmte Pulverhörner aus der ersten Hälfte des XVII. Jahrhunderts angeordnet. Sie gehörten zur Ausrüstung der Arkebusiere und Dragoner im Dreißigjährigen Krieg. Die rückwärts angebrachten Spangen dienten, um das Horn nach niederländischer Art in den Gürtel zu stecken. — In den oberhalb an der Wand befindlichen Waffengruppen befinden sich oben in der Mitte je zwei niederländische Helmbarten, zu deren Seiten je zwei Partisanen, an diese gereiht zwei Helmbarten mit blattförmigem Spiesseisen, endlich je zwei gemeine Spieße. Unterhalb, nebst Zweihändern, spanische Haudegen. — In den Mittelfeldern der Gruppen je zwei Rückenstücke und zwei blanke Morions.
— Zwischen diesen Gruppen unter geschwärzten Gugeln erblickt man zwei geschwärzte Morions mit aufgetriebenen blanken Lilien an den beiden Seiten der Haube. Über die Herkunft dieser in den österreichischen und süddeutschen Waffensammlungen häufig vorkommenden Morions sind mannigfache Meinungen verbreitet. Alle Anzeichen weisen darauf hin, dass sie von jenem Heerhaufen herrühren, welchen Erzherzog Leopold V., damals Bischof von Straßburg, dem Kaiser Rudolf II. 1611 zu Hilfe sandte und der unter dem Namen des „Passauer Kriegsvolks“ bekannt ist. Die Lilien sind demnach keineswegs auf Frankreich, sondern als ein Symbol der Heiligen Jungfrau zu deuten.
In der Mitte der Querwand
682. Carl Schurff von Schönwert. (Carl Schurff von Schönwert, Mariastein und Niederbreitenbach, seit 1574 Erbjägermeister in Tirol, seit 1605 Freiherr, Pfandsinhaber der Herrschaft Imst, erzherzogl. Rath, Kämmerer und Hauptmann zu Kufstein, gestorben um 1628, war ein Sohn Wilhelms, kön. Rathes und Pflegers zu Rattenberg und Ambras, gestorben 1556). Ganzer lichter Turnierharnisch für das Gestech über das Dill. Der neue Stechhelm ist an Brust und Rücken angeschraubt. Die Achseln sind ohne Vorderflüge, die rechte ist vorne verstärkt. Die linke steife Hentze reicht hoch über den Ellenbogen. Die Brust besitzt nahe deren Mitte angeordnet einen mächtigen vergoldeten Rüsthaken.
Zu beiden Seiten dieses Harnisches unterhalb sind aufgelegt: Eine Kollektion von Ringelrenneisen, Lanzenspitzen zum Ringelrennen, wobei letzteres darin bestand, dass von bestimmten Reitern ein freihängender Ring mit langen Rennstangen getroffen werden musste.
Zu beiden Seiten des Harnisches befinden sich: links: 704, 705. Zwei Musketiergewehre mit Luntenschlössern. — 706, 707, 708. Drei italienische Haudegen, sämtlich noch dem XVI. Jahrhundert angehörig; rechts: 709, 710, 711. Drei spanische Haudegen vom Ende des XVI. Jahrhunderts. Die Klinge des ersten zur Linken mit der Marke (a) gehört dem Sebastian Hernandez dem Älteren (um 1570), die zweite mit dem Zeichen (b) dem Francesco Perez, die dritte (c) wahrscheinlich dem Ignazio Hernandez.
Den Schluss der Reihe bilden wieder zwei Musketiergewehre. Über diesen erwähnten Waffen sind fächerförmig zehn Arkebusiergewehre mit den zugehörigen Pistolen und Pulverhörnern gruppiert. Weiter nach oben blickend, in der Mitte: Bruststück eines Landsknechtharnisches mit spitzem Tapul. Auf demselben ist in Schwarzätzung Christus am Kreuz dargestellt, vor ihm ein knieender geharnischter Mann. Auf einem fliegenden Schriftband liest man: OGP«V-GVP-1553. Die oberste Waffengruppe besteht aus denselben Stücken wie die vorher beschriebene. In der Mitte findet sich ein Bruststück von ca. 1540 und eine deutsche Sturmhaube. Die beiderseits angeordneten Schützenhauben besitzen geschobene Ohrenklappen.
Rechte Seite
769, 770. Zwei geschwärzte Reiterharnische vom Ende des XVI. Jahrhunderts mit älteren Bruststücken. Dazwischen: zwei Arkebusier-Pulverhörner.
771. Ganzer lichter Feldharnisch. Der geschlossene Helm mit hohem Kamm besitzt starken Stirnstulp. Das Visier ist nur rechts gelocht, die Achseln sind geschoben, die rechte ist zur Führung des Spiesses stark ausgeschnitten und durch eine Schwebescheibe gedeckt. Die Brust mit tiefem Gansbauch besitzt noch den Rüsthaken. Die Beintaschen sind der Pluderhosen wegen stark aufgetrieben.
772. Ganzer lichter Turnierharnisch für das Gestech über das Dill. Der Stechhelm ist an Brust und Rücken geschraubt und deckt nebst der halben Brust auch die linke Achsel. Die rechte Visierwand besitzt ein Helmtürlein. Alle übrigen Teile haben die Formen von 1590. Die Zügelhand ist nicht steif, sondern mit gewöhnlichem Armzeug gedeckt. — Die oben an der Wand angeordneten Waffengruppen bestehen aus denselben Stücken wie die auf den analogen Gruppen zur linken Seite.
824. Eine Ringelrennstange. Das blattförmige Spiesseisen vergoldet, der Schaft aus Wacholderholz, besitzt die ansehnliche Länge von 5 m 53 cm. Dieselbe wurde, wie das Inventar von 1811 berichtet, von dem Statthalter Carl Philipp, Pfalzgraf bei Rhein (1661–1742), auf der Jagd gefunden. Der Handgriff der Stange ist mit rotem Samt belegt und mit Fransen geziert.
Langwand
Links vom Fenster
825. Ganzer lichter Knabenharnisch. Die deutsche Sturmhaube besitzt einen hohen Kamm und breite Backenstücke. Die Achseln haben steife Vorderflüge. Die Brust endet mit tiefem Gansbauch. Die Bauchreifen sind übermäßig hoch aufgetrieben. Das Beinzeug ist ohne Eisenschuhe zu tragen.
826. Busogany oder ungarischer Streitkolben aus Messing mit hölzerner Handhabe. Der Kolben hat acht scharfe Schlagblätter. Eine Besonderheit ist, dass der Messingschaft ein Feuerrohr darstellt, das mittels der Lunte abzufeuern ist.
827. Faustrohr. Der Lauf 32 cm lang, Kaliber 1,5 cm, trägt nebenstehende Marke und die eingeschlagene Jahreszahl 1595. Das Radschloss mit durchbrochenem, messingem Radgehäuse ist ohne Marke. Der Schaft aus Nussbaumholz sowie die übermäßig große Afterkugel sind mit graviertem Elfenbein eingelegt.
828. Partisane mit langer Stoßklinge und durchbrochen obergearbeiteten Ohren.
829. Trabantenspieß mit schön durchbrochenem Spiessblatt.
— In der oberhalb befindlichen Waffengruppe, oben in der Mitte: gemeiner Spieß, zunächst zwei kleine Helmbarten, anschließend zwei italienische Helmbarten, endlich zwei gemeine Spieße. Im unteren Teil: zwei deutsche und vier spanische Haudegen. In der Mitte: Bruststück eines Kürisserharnisches mit Rüsthaken von ca. 1560, darüber eine geschlossene deutsche Sturmhaube.
Unterhalb des Fensters
856. Armrust aus der zweiten Hälfte des XVI. Jahrhunderts. Der Bogen ist aus Stahl, die Säule mit durchsichtigem Horn belegt. Die Nuss läuft im Faden. Die Verankerung ist die originale.
858. Balläster. Darunter versteht man eine Gattung Armrüste, die zum Schießen von Stein- oder Tongkugeln eingerichtet ist. Der Bogen ist aus Stahl, die Sehne führt in der Rinne die Kugelschale. Die Säule ist aus Holz.
859. Armrust mit Spannvorrichtung, sogenannter „Schnepper“. Die Spannmaschine ist gebrochen, die „gespannte“ Sehne ist original. Das Backenstück des Kolbens ist aus Holz und mit einfacher Gravur geziert.
860, 860a. Ein Paar Faustrohre. Die Läufe sind Nürnberger Arbeit, 38 cm lang, Kaliber 1,4 cm. Das alte Radschloss mit gedecktem Rad trägt eine undeutliche Marke. Der Schaft aus Holz mit Afterkugel ist mit breiten Beineinlagen geziert; die Bügel sind spätere Machart.
861. Faustrohr mit Radschloss. Der Lauf trägt einige undeutliche Marken und die Buchstaben S S und R. Der schwarz gebeizte Schaft mit Afterkugel ist an einigen Stellen mit graviertem Bein belegt. Das Schloss besitzt eine einfache Züngelsperre.
862. Faustrohr. Der 28 cm lange Lauf, Kaliber ½ cm, ist Augsburger Arbeit. Das Radschloss zeigt eine tiefe Marke, in der eine Lilie dargestellt ist. Der gekörnte Schaft ist spärlich mit Bein belegt und graviert. Zwischen diesen Stücken sind eiserne Sporen vom Ende des XVI. Jahrhunderts gruppiert.
Fortsetzung der Langwand
868. Kriegsflöte aus Holz, mit Elfenbein eingelegt und mit Beschlägen aus zierlich graviertem Messing. Musikinstrumente aus den Heeren des XVI. Jahrhunderts sind eine große
Seltenheit.
869. Große Pulverflasche, trapezförmig, an den Seiten konkav geschweift, aus Holz, mit grober Leinwand überzogen und mit Eisenblech beschlagen. An den Seiten befinden sich Ringe
für Tragschnüre. Die Ausschüttröhre ist mit Pulversperre versehen, welche noch funktioniert. An die Hinterwand ist schiefstehend ein Gürtelhaken genietet.
870. Kleines Pulverhorn. Das Horngehäuse ist am Vorder- und Hinterrand mit durchbrochenen, vergoldeten Verzierungen von guter Zeichnung belegt. In der Mitte des Hornes ist ein
Reiter im Kostüm der zweiten Hälfte des XVI. Jahrhunderts im Relief dargestellt. Ausschüttröhre und Pulversperre sind ziemlich roh graviert. Rückwärts ist der übliche Gürtelhaken angenietet. An
den konvexen Seitenflächen befinden sich Ringe für die Tragschnur und Quasten.
871. Kleines rundes Jagdpulverhorn mit Pulversperre. Aus Fladerholz mit Eisenmontierung, datiert aus dem Anfang des XVII. Jahrhunderts.
872. Kleiner Dolch vom Ende des XVI. Jahrhunderts mit dreiseitiger Klinge. Der eiserne Knauf und die Parierstange sind vergoldet.
873. Ein Paar Sporen mit langen Hälsen aus Eisen, Ende des XVI. Jahrhunderts.
874. Steigeisen vom Ende des XVI. Jahrhunderts.
875. Faustrohr. Der kurze, an der Mündung aufgeworfene, 27 cm lange Lauf, Kaliber 1,5 cm, trägt außer dem Nürnberger Stempel noch die Marke S und eine weitere undeutliche Marke.
Das Radschloss mit durchbrochenem Radgehäuse führt in großer Marke eine mit Kreuz gekrönte Lilie und erneut den Nürnberger Schild. Der kurze Schaft aus Nussholz ist reich verbeint; die Ornamente
sind breit, jedoch von nicht unästhetischer Zeichnung.
876. Faustrohr mit Radschloss und gekörntem Schaft von Augsburger Arbeit.
877. Langes Faustrohr mit Radschloss und Züngelsperre. Der Schaft von zierlicher Form ist in Elfenbein eingelegt und sehr fein graviert. An der Anschlagseite winzige figurale
Darstellungen. Laufschmiedestempel, Kaliber 0,9 cm.
878. Halber Feldharnisch.
879. Ganzer lichter Turnierharnisch von den vorbeschriebenen Formen. Der Rüsthaken ist scharf gezahnt. Die Diechlinge sind geschoben, die Schuhe breit und scheinen älter als der
Harnisch zu sein.
914, 915. Zwei halbe Feldharnische.
943. Ganzer lichter Turnierharnisch von besonderer Schwere.
944. Ganzer Feldharnisch. Sämtliche sechs Harnische gehören dem Beginn des XVII. Jahrhunderts an.
969, 970. Zwei Musketiergewehre vom Beginn des XVII. Jahrhunderts.
971–976. Sechs spanische Haudegen der beschriebenen Formen. Die Klinge des dritten trägt das Zeichen (a) des Pedro del Velmonte, die des fünften Degens das Zeichen (b) des Juan
de Zabala, jene des sechsten das Zeichen (c) des berühmten Waffenschmiedes Sebastian Hernandez jun. (um 1637).
977. Kanonenrohr-Modell aus der ersten Hälfte des XVII. Jahrhunderts. Die Lafette ist späteres Erzeugnis.
978. Ganzer lichter Feldharnisch.
979–984. Sechs Haudegen. Die Klingen derselben führen folgende Zeichen:
-
des ersten: Pedro del Velmonte;
-
des zweiten (a): Alonso de Caba;
-
des dritten (b): Toledaner Zeichen, erscheint bei Klingen des Antonio Ruy (um 1520);
-
des vierten (c): Miguel Cantero (um 1564);
-
des fünften (d): Luis de Velmonte;
-
das sechste (e) ist wahrscheinlich das des Francesco Lurdi.
985. Dragonergewehr aus der ersten Hälfte des XVI. Jahrhunderts.
986. Musketiergewehr, gleich den beiden vorher beschriebenen.
987. Kanonenrohr-Modell aus der ersten Hälfte des XVII. Jahrhunderts. Die Lafette ist späteres Erzeugnis.
Oberhalb dieser Waffenstücke sind fächerförmig zwölf Reiterkarabiner gruppiert. Sie gehörten zur Ausrüstung der Dragoner in der ersten Hälfte des XVII. Jahrhunderts.
1022. Ganzer lichter Turnierharnisch von den zuvor beschriebenen Formen.
1023. Halber geschwärzter Reiterharnisch aus dem letzten Drittel des XVI. Jahrhunderts, Sturmhaube mit Naseneisen. Die Achseln sind ohne Flüge. Die Brust ist zur größeren
Beweglichkeit mehrmals geschoben (sogenannter halber Krebs).
1052. Halber geschwärzter Reiterharnisch. Geschlossener Helm. Achseln ohne Flüge. Die Brust besitzt einen übermäßig hoch aufgetriebenen Gansbauch. Sie ist am Vorderteil blank
gehalten; in diesem Bereich sind noch Spuren einer geätzten Darstellung von Christus am Kreuz mit Maria und Johannes zu erkennen, vor dem ein geharnischter Mann kniet. Die Darstellung ist
flüchtig und ohne besonderen Kunstwert.
1053. Halber geschwärzter Reiterharnisch, dem vorigen in der Form ähnlich, jedoch ohne bildliche Darstellungen.
1083. Halber lichter Feldharnisch.
1084. Ganzer lichter Feldharnisch. Geschlossener Helm mit großgelochtem Visier. Die geschobenen Achseln treten vorne bis über die Brustmitte vor.
1109. Langes Faustrohr mit Radschloss und sinnreicher Holz-Züngelsperre. Der Schaft ist sehr zierlich mit Elfenbein und Perlmutter eingelegt, Pflanzenornamente mit figuralem
Beiwerk enthaltend. Stark beschädigt.
1110. Faustrohr mit Radschloss und Züngelsperre. Der lichte Schaft ist verbeint, der Lauf trägt die Marke H S.
Die an der Wand oberhalb angeordneten sieben Waffengruppen enthalten zumeist bereits beschriebene Stoß- und Blankwaffen vom Ende des XVI. und Beginn des XVII. Jahrhunderts. Besonders bemerkenswert ist in der fünften Gruppe: ein Flammberg von anderthalb Faust Länge. Der Knauf aus Eisen ist kugelförmig, die gerade Parierstange hat doppelten Faustschutzbügel, welcher einfach durchbrochen und mit rohen Gravuren gerändert ist. Die 112 cm lange Klinge trägt ein altes spanisches Klingenschmiedzeichen. An einer Seite stehen die eingebauten Buchstaben: +V+E+N+E+C+I+A+, auf der anderen: IOHAN+H+S, daneben eine Lilie im gekrönten Schild gestempelt. Letzteres ist das Zeichen des „Espander del Rey“ und weist auf die Fabrik des Juan Martinez in Sevilla hin.
In der siebenten Gruppe befinden sich zwei niederländische Helmbarten mit durchbrochenen Beilen, in der achten Gruppe zwei gemeine Spieße. Unterhalb jeder Waffengruppe ist eine Sturmhaube für Arkebusiere und Dragoner angeordnet. Diese haben niedrige Scheitelstücke ohne Kämme, aufschlächtige Gesichtsschienen mit daran genieteten Visier-Spangen. Die Form erhielt sich bis nach dem Dreißigjährigen Krieg.
In der sechsten, siebenten und achten Gruppe befindet sich je eine schwere geschwärzte Rundtartsche. Der Gebrauch derselben zum Sturm beginnt bereits in der zweiten Hälfte des XVI. Jahrhunderts, allgemeiner wurde sie in der ersten Hälfte des XVII. Jahrhunderts. Besonders ausgewählte Leute, die „Rundtartschiere“ hießen, waren damit ausgerüstet. Noch in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts wird ihr Wert von hochangesehenen Kriegsmännern betont; dennoch verschwinden sie um diese Zeit aus den westlichen Heeren.
Am Sockel unterhalb der Harnische befindet sich:
1185. Eine Kopfrennstange aus Wacholderholz, welche ihrer immensen Länge von 7 Metern 35,5 cm halber eine naturhistorische Seltenheit darstellt. Die Stange besitzt eine eiserne, vergoldete Spitze, die in einen Knopf endet. Der Handgriff aus schwarzem Samt ist mit Fransen geziert und mit Goldschnüren in Soutache-Arbeit versehen; darin ist das gebesserte Wappen der Schurff, die Initialen C•S•F. (Carl Schurff, Freiherr), sowie die Jahreszahl 1608 dargestellt. Nach Angaben des Schlossinventars von 1811 ist diese seltene Wacholderstange zu Silz in Tirol gewachsen und am 10. Mai 1627 von dessen Sohn, Freiherr Ferdinand von Schurff (1625–1679), Erzherzog Leopold V. von Tirol verehrt worden.
In der Mitte der Langwand
Halber lichter Feldharnisch der Zeit um 1600.
1112. Ganzer geätzter und vergoldeter Reiterharnisch. Die Sturmhaube hat reich vergoldeten Kamm, ebenso Glocke und Backenstücke. Die Brust mit tiefem Gansbauch besitzt Striche
von vergoldeten Ornamenten im schwarzen Tupfgrund, daneben Füllornamente ins Feld hinaus. Der Rüsthaken ist übermäßig groß. Die gesamte Zusammensetzung und Beriemung ist spätere Arbeit. Um
1580.
1113. Halber lichter Feldharnisch, gleich dem vorerwähnten. Oberhalb der hölzernen Wand sind zunächst fächerartig, an beiden Seiten je zwei Radschlossgewehre für Fußschützen,
innerhalb Arkebusiergewehre, dazwischen Radschlosspistolen für Arkebusiere und Dragoner angeordnet. Weiter oberhalb eine kleine Gruppe Pikeneisen. Die größeren und schwereren datieren vom Ende
des XVI. und Beginn des XVII. Jahrhunderts. Später war man bestrebt, die Spiessschäfte immer länger zu machen, wodurch auch die Eisen immer leichter gehalten werden mussten. In der obersten
Gruppe sind verschiedene Stangenwaffen der Zeit um den Beginn des XVII. Jahrhunderts angeordnet.
In der zweiten Hälfte der Langwand
1192. Faustrohr, gleich dem zuletzt beschriebenen.
1193. Faustrohr mit Radschloss, Züngelsperre und gedecktem Rad. Der Lauf trägt die Marke G F., der Schaft ist spärlich verbeint.
1194. Ganzer lichter Feldharnisch der Zeit um 1600.
1195, 1225, 1226, 1255, 1256. Fünf halbe lichte Feldharnische aus derselben Zeit.
1281, 1282. Zwei Musketiergewehre mit Luntenschlössern aus der ersten Hälfte des XVII. Jahrhunderts.
1283–1288. Sechs spanische Haudegen. Die Meister der Klingen sind zumeist bekannt: der erste Miguel Cantero, der zweite Francesco Lurdi. Das Zeichen (a) des dritten führte um
1613 Meves Berns, wahrscheinlich ein Niederländer, um 1684 aber auch der Spanier Algora. Der vierte ist ohne Zeichen, das des fünften, eine Rosette, ist unbekannt, das des sechsten gehört Pedro
del Velmonte.
1289. Modell einer sogenannten Halbschlange (Serpentinelle) vom Beginn des XVII. Jahrhunderts. Die Lafette ist neuere Arbeit.
1290. Ganzer lichter Turnierharnisch.
1291–1293. Drei spanische Haudegen von den bekannten Formen. Die Klinge des ersten gehört dem jüngeren Sebastian Hernandez, die zweite mit dem Zeichen des Halbmondes (b) dem Juan
Martinez jun. in Toledo, Sohn des gleichnamigen Waffenschmieds (um 1607). Die dritte Klinge gehört wieder dem Hernandez.
1294. Richtschwert. Auf einer Seite der Klinge ist in Kupfer tauschiert ein Galgen, mit der Inschrift: „Wer ehrlich lebt, der ehrlich stirbt.“ Auf der anderen Seite ein Rad mit
der Inschrift: „Tue Recht und fürchte Niemand.“
1295, 1296. Zwei spanische Haudegen: der erste mit dem Zeichen des Hernandez, der zweite (c) mit dem Zeichen des Espartero del Rey, Meister unbekannt.
1297, 1298. Zwei Musketiergewehre, gleich den zuvor beschriebenen.
1299. Modell einer Kanone aus der ersten Hälfte des XVII. Jahrhunderts. Die Lafette ist neuere Arbeit.
Oberhalb des Turnierharnisches sind fächerförmig zwölf Reiterkarabiner gruppiert.
Bis zum Ende der Langwand folgen nun: 1334, 1335, 1365, 1366, 1393, 1394. Sechs halbe lichte Feldharnische von den bekannten Formen.
In den an den Wänden angebrachten Gruppen befinden sich Partisanen, Helmbarten und gemeine Spieße, wie bereits beschrieben. In den unteren Hälften sind neben den bekannten Zweihändern Haudegen mit Stichblättern und leichten Spangenkörben angeordnet. Die kurzen kolbigen Klingen tragen alle den gekrönten Mohrenkopf tief ins Gesenk eingeschlagen. Diese Marke erscheint bei spanischen Klingen bereits zu Beginn des XVI. Jahrhunderts. Außerdem ist auf den meisten Klingen eine Hand aus den Wolken, bewaffnet mit Türkensäbel, eingeätzt, zuweilen auch die Inschrift: „Consilio et Industria.“
1421. Modell eines ganzen lichten Harnisches. Die Sturmhaube besitzt ein Naseneisen, einen schmalen Sehschirm und niedrigen Kamm. Die kurze Brust hat tiefsitzenden Gansbauch. Die Achseln sind ohne Flüge. Schuhe gehörten der Form der Beinschienen nach nie zum Harnisch.
Querwand
1422–1425. Vier halbe lichte Feldharnische.
1483. Leichter Fechtdegen mit eisernem durchbrochenem Korb. Auf der feinen schmalen Klinge: „PETER • BVEGEL • ME • FECIT • SOLINGEN.“ Das Griffholz ist mit originalem Stoff
überzogen. Noch heute gelten Solinger Klingen als die besten Fechtklingen.
1484. Schwerer Korbsäbel aus dem XVII. Jahrhundert. Die breite Klinge von orientalisch-ungarischer Form ist der Marke nach älter.
1485. Spanisches Rappier mit rundem Korb und Solinger Klinge.
1486. Italienisches Rappier.
1487. Jagdarmrust aus der Mitte des XVII. Jahrhunderts. Der feine Stahlbogen ist teilweise vergoldet. Aufputz, Sehne und Verankerung sind original. Die Nuss hat bereits eine dem
Gewehrschloss ähnliche Form mit Feder. Auf der Sehnenführung ist die Zielvorrichtung angebracht. Der schöne Schaft aus Nussbaumholz ist verbeint und graviert. Ein Exemplar von seltener
Vollkommenheit.
1488. Spanischer Fechtdolch, sogenannte „Linke Hand“. Im Innern des breiten Korbes ist unter roh gezeichneten Arabesken der Doppeladler dargestellt. Die Lederscheide ist
original. In Italien und Spanien wurde im Zweikampf neben Degen oder Rappier auch der Dolch in der linken Hand geführt, hauptsächlich zum Parieren der Klinge des Gegners.
1489. Fechtrappier.
1490. Gemeiner Haudegen. Der Griff gehört noch dem XVI. Jahrhundert an. Die Klinge ist der zuletzt beschriebenen gleich.
1491. Reitertrompete aus der ersten Hälfte des XVII. Jahrhunderts. Gravierte Inschrift: „MACHT • JOHANN • WILHELM • HAAS • IN NURNBERG.“
1492. Modell einer sogenannten Nothschlange aus der ersten Hälfte des XVII. Jahrhunderts. Die Lafette ist neuere Arbeit.
1519. Partisane der Leibgarde Ferdinand IV., König von Ungarn und Böhmen (1633–1654). Der Schaft ist original.
1493. Halber Harnisch mit geätzten Emblemen und ornamentierten Strichen. Die Sturmhaube hat hohen Kamm und Backenstücke mit Gehörrosen. Am Kragen erblickt man den Nürnberger
Malerschild (drei kleine Schilde) und den Namen des Ätzmalers Georg Bronnauer, 1613. Auf der Brust Bordüre mit Doppeladler und Plattnerstempel A • K. Am Rücken gleiche Jahreszahl, Nürnberger
Schild und Wappen mit Stern. Die langen Schöße sind achtmal geschoben.
Zwölf Reiterpistolen mit Radschlössern, darunter in der oberen Reihe ein sechsläufiger Revolver aus der Mitte des XVII. Jahrhunderts. Das System ähnelt dem des Colt, die Trommeldrehung erfolgt
noch von Hand. Der Knauf des Kolbens ist mit Messingeinlagen geziert.
1506. Modell eines reich ornamentierten Kanonenrohres mit dem Wappen der Meüerl von Lobenberg, den Initialen A • V • M • V • L und der Jahreszahl 1627. Die Lafette ist neuere
Arbeit.
1521. Langer Schweinsstecher mit starkem Hirschhorngriff und 1 m 62 cm langer Klinge. Letztere ist mit Ätzungen versehen, die noch Spuren von Vergoldung zeigen. Sonne, Mond und
Sterne sowie Trophäen sind in roher Zeichnung dargestellt.
1507. Halber Harnisch, vollständig mit Ätzmalerei bedeckt. Die reich dekorierte Sturmhaube hat hohen Kamm und aufschlächtiges Vorsteckvisier. Die Brust trägt den Nürnberger
Stempel und Plattnerzeichen I • W. Unter den geätzten bildlichen Darstellungen: Saturn, Fama mit erklärenden Reimen, im Medaillon alter bärtiger Mann mit Inschrift: „Tuiscon aboriginarius
Germanorum“, daneben König und „Mannus primus Germanorum rex“, in der Mitte gekrönter Sieger über dem Erdball mit Umschrift: „Germania domitrix gentium“. Unterhalb Name des Ätzmalers: Johann
Häver fecit 1612. Achseln ohne Vorder- und Hinterflüge (sogenannte Spangröls). Die Schöße sind neunmal geschoben.
1508. Reitertrompete aus der ersten Hälfte des XVII. Jahrhunderts, gleiche Inschrift wie Nr. 1491.
1509. Haudegen vom Ende des XVI. Jahrhunderts, drei Fechtrappiere und ein Fechtdolch.
1514. Schellenspiel eines Spielmanns aus dem Beginn des XVII. Jahrhunderts. Die Feldmusik der Fußtruppen dieser Periode bestand aus Trommlern und Querpfeifern, teils begleitet
von Knaben mit Schellenspiel zur Taktgebung. Im „Künstlichen Fechtbuch“ des Jacob Sutor von Baden 1612 ist ein solcher dargestellt.
1515. Haudegen mit schwerem durchbrochenem eisernem Korb. Der Griff ist mit Fischhaut überzogen.
1516. Schwert. Der eiserne Griff ist eine spätere Nachahmung. Die Klinge stammt von einem der zuvor beschriebenen Haudegen.
Vorn
1517. Modell einer Nothschlange. Die Lafette ist neuere Arbeit.
1518. Maultrommel. Dieses seltene „Feldspiel“ dürfte von einer kroatischen irregulären Truppe stammen und dem Ende des XVII. Jahrhunderts
angehören.
1520. Partisane der Leibwache des Königs Ferdinand IV.
1568. Halber lichter Feldharnisch.
1569. Gemeine lichte Reiterrüstung. Deutsche Sturmhaube, lange Brust mit schwachem Grat und langen Schößen. Das gesamte Armzeug ist älter und
gehört nicht zum Harnisch.
1570. Halbe lichte Reiterrüstung mit gerissenen Strichen an den Enden. Der burgundische Helm hat einen kaum bemerkbaren Kamm. Die Brust zeigt an
der Herzseite ein Kugelmal (Probeschuss aus einem Halbhaken). Die Schöße sind sehr lang und zwölfmal geschoben.
1571. Lichte Reiterrüstung aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Sturmhaube mit Naseneisen, kurze Brust mit sehr langen Schößen, die bis über
die Knie reichen.
1624. Partisane der Leibwache des Königs Ferdinand IV.
Zunächst oberhalb der Wandverkleidung sind Stangen- und Feuerwaffen ersichtlich. Von links nach rechts sind folgende Stücke hervorzuheben:
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In der linken Ecke: Helmbarte aus der Zeit Ferdinand II. Am Beil ein geätztes Medaillon mit der Madonna und der Umschrift: „legitime certantibus“, am Haken die Jahreszahl 1620, an der Stoßklinge das Monogramm F.
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In der Mitte fächerförmig: elf Musketiergewehre, acht Reiterpistolen und sechs Piken.
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Nächste Gruppe: Couse der Leibwache des Erzherzogs Ferdinand Carl, Graf von Tirol (1628–1662). Auf dem Blatt noch Spuren von Ätzmalerei: Monogramm E F C, darüber 1646, das österreichisch-spanische Wappen mit Erzherzoghut und goldenem Vließ, an der Kehrseite das burgundische Kreuz.
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Rechte Ecke: Trabanten-Helmbarte aus der Zeit Kaiser Ferdinand III., ohne Verzierungen.
In den oberhalb an der Wand befindlichen Waffengruppen (erste, zweite, vierte und fünfte) befinden sich Waffen aus dem Bauernkrieg in Oberösterreich zu Beginn des XVII. Jahrhunderts: Sensen, Morgensterne, Spieße mit Kettenkugeln, spetumartige Spieße, Schiffshaken und Beile. Besonders bemerkenswert in der vierten Gruppe, oberhalb in der Mitte: ein Spieß mit Widerhaken, dessen oberer, verstärkter und mit Schnüren umwickelter Schaft spiralförmig mit sogenannten Mordschlägen versehen ist. In der Mittelgruppe sind gemeine Waffen aus dem Dreißigjährigen Krieg. Zwischen den Gruppen sieht man eine Anzahl blanker Hirnhauben. Diese halbkugelförmigen Eisenhauben wurden von Reitern unter den Hüten zum Schutz gegen feindliche Hiebe getragen.
Quelle: Albert Ilg und Wendelin Boeheim: Das k.k. Schloss Ambras in Tirol. Wien, 1882.
© Carsten Rau
