A
Abakus, die Deckplatte eines Säulenkapitäls.
abfasen, abschmiegen = brechen einer scharfen Kante, besonders an senkrechten Baugliedern. Vergl. Abschrägung.

Ablauf heißt das aus einer halben Hohlkehle, bestehende Glied, welches den Säulenschaft zu seinem Kapitäl überleitet. Siehe Anlaut.
Abominariuin, siehe Ritualbuch.
Abputzen, mit Kalkmörtel überziehen.
Abschrägung = Abfasung, Fase, Schmiege oder Wasserschlag; vorzugsweise von waagerechten Baugliedern gebraucht.
Abseite = Seitenschiff einer Kirche.
Absis = Apsis.
Abtei-Kirche heißt die Kirche eines Klosters, an dessen Spitze ein Abt steht.
Abtei, ein von einem Abt regiertes Kloster.
abwalmen, eine senkrechte Giebelwand durch ein schräg abfallendes Dach ersetzen.
Abwässerung, Abschrägung zum Zweck des Wasserabflusses.

Achtort nennen die Steinmetzen die in und übereinander gezeichneten Grundrisse einer aus zwei sich durchkreuzenden Grundquadraten konstruierten gotischen Spitzsäule in ihren
verschiedenen Geschossen.
Ädicuta, jedes kleine Gebäude.
Adlerpult, ein zum Vorlesen des Evangeliums bestimmtes Lesepult, dessen wesentlichster Teil die Form eines Adlers mit ausgebreiteten Flügeln hat.
Adlerpult, ein zum Vorlesen des Evangeliums bestimmtes Lesepult, dessen wesentlichster Teil die Form eines Adlers mit ausgebreiteten Flügeln hat.
Agende, siehe Ritualbuch.
Agnus Dei, Gotteslamm, ursprünglich das Lamm mit der Siegesfahne ; daun ein
Agraffe = Spange, Fibel

Akanthus, eine Pflanze, deren Blätter in stilisierter Umbildung den Schmuck des korinthischen Kapitals und mehrere anderer Bauglieder bildet.

Akroterion heißt in der antiken Baukunst der auf der Spitze und auf den beiden Enden des Giebels befindliche ornamentale oder figürliche Aufsatz-Alba, siehe liturgische Gewänder.
Allegorie heißt die anschauliche Darstellung eines abstrakten Begriffes oder eines ganzen Gedankens durch verwandte sinnliche Bilder. Im Mittelalter sind die Allegorien entweder
dem Formenkreise des klassischen Altertums entnommen oder biblischen Inhaltes; in der Zeit der Renaissance wurden sie oft willkürlich erfunden.
Allelujarium, siehe Ritualbuch.
Allianzwappen, ein aus mehren einfachen Wappen zusammengesetztes Wappen.
Almerei = Sakristei.
Alt und Jung heißt in der Sprache der mittelalterlichen Steinmetzen stark und schwach und wird besonders von den Pfosten eines Fensters und den Diensten (Säulen)
eines Bündelpfeilers gesagt.
Altamische = Apsis.
Altan, ein nicht überdeckter Austritt, welcher (nicht wie ein Balkon auf Kragsteinen, sondern) auf Säulen, Pfeilern oder Wänden ruht, dessen Fußboden also zugleich die Decke
eines darunter befindlichen Raumes bildet.
Altar, der Messopfertisch in der katholischen und der Abendmahlstisch in der evangelischen Kirche. Er hat in einzelnen Fällen, auf Säulen oder Pfeilern ruhend, die Gestalt eines
Tisches beibehalten, bildet gewöhnlich jedoch ein viereckiges Prisma. Er steht in der katholischen Kirche entweder auf dem Grabe eines Heiligen oder enthält die Reliquien eines solchen. — Da der
Altartisch (mensa) oft mit einem durch Bildwerk geschmückten Aufsatz versehen ist, wird uneigentlich auch der Altaraufsatz oder das Altarbild Altar genannt.
Altaraufsatz heißt der auf der Rückseite des Altars sich erhebende, architektonische, aus Holz oder aus Stein gebildete, mit Skulptur oder Malerei mehr oder minder reich
geschmückte Aufsatz.
Altarblatt = Altargemälde.
Altarflügel, beweglicher Seitenteil eines Flügelaltars.
Altargefäße sind: Kelch, Patene, Hostienkapsel und Weinkännchen.
Altargeräte sind sämtliche Altargefäße, außerdem das Kruzifix, die Lampen, Leuchter, Rauchfässer, Messglöckchen, Reliquienbehälter u. a.
Altarhaus (gewöhnlich Chor genannt), ist der von dem für die Gemeinde bestimmten Raum abgesonderte, für die Priester reservierte Teil einer Kirche, in welchem der Hauptaltar
seine Stelle hat und woselbst die gottesdienstlichen Handlungen vorgenommen werden. Er ist gewöhnlich um eine oder mehre Stufen erhöht und durch den Triumphbogen sichtlich von den übrigen Teilen
der Kirche geschieden.
Altarplatte, die obere Platte des Altartisches.
Altarschranke, das Gitter, welches den Altar umgibt.
Altarschrein, der mittlere Hauptteil eines Flügelaltars, wenn derselbe schrankartig gebildet und mit Skulpturen geschmückt ist.
Altartafel, entweder = Altaraufsatz oder = Antipendium.
Altartisch, siehe Altar.
Altartücher, Leinentücher zur Bedeckung des Altartisches.
Altchristliche Bauweise nennt man die erste Ausbildungsstufe der kirchlichen Baukunst, von dem Beginne der christlichen Bautätigkeit bis zum Ende des ersten
Jahrtausends. Als Formen des christlichen Kirchengebäudes werden vorzugsweise die Basilika und in einzelnen Fällen auch Zentralbauten angewendet.
Ambonen heißen in den altchristlichen Basiliken die beiden, an den Seiten des Chores, neben oder in den (cancelli genannten) Schranken errichteten, um einige Stufen erhöhten und
mit Brüstung versehenen Lesepulte, von welchen das größere an der Nordseite zur Vorlesung der Evangelien, das kleinere an der Südseite zur Vorlesung der Episteln diente. Aus denselben
entwickelten sich später die Kanzel und der Lettner.
Amictus, siehe liturgische Gewänder.
Ampulla = Ölfläschchen.
Amulett, ein Gegenstand, welchem die Kratt beigelegt wird, vor Gefahren, Krankheiten, Zauberei etc. zu schützen, und welchen man deshalb stets bei sich trägt. Als Amulett dienen
Reliquien, aber auch Steine, Teile von Pflanzen oder Tieren, Sprüche auf Pergament geschrieben u. a. Sie befinden sich oft in kunstvoll ausgeführten Fassungen.
Anagramm, ein Wort, welches rückwärts und vorwärts gelesen einen Sinn gibt, wie z. B. Roma — Amor, Eva — Ave.
Andreaskreuz, ein Kreuz mit schrägen Armen (X-förmig), das Attribut des Apostels Andreas.
Anfänger, Anfangsstein, der erste, unmittelbar auf dem Kämpfer ruhende Stein einer Wölbung.
Anker, eine Stange von Holz oder Eisen, welche zum Zusammenhalten (zur Verankerung) von Zimmer- oder Mauerwerk dient.
Ankerbalken, ein Balken, welcher als Anker dient.

Anlauf heißt das aus einer Einziehung bestehende Verbindungsglied zwischen der Basis und dem Schaft einer Säule. Vergl. Ablauf. Anniversarium, siehe Ritualbuch.
Anschwellung = Entasis.
Anten heißen jene Wandpfeiler der antiken Tempel, welche die Endigung der bis zur Säulenflucht am Giebel vortretenden Seitenmauern der Cella bilden und mit besonderem Fuß- und
Deckgesimse versehen sind. - Mit den Anten verwandt sind die später als selbständige Mauerpfeiler auftretenden Pilaster.
Antikaglien, kleine Gegenstände antiker Kunst und Gewerbtätigkeit.
Antipendium, eine Tafel aus Holz, Stein oder edlen Metallen, welche zum Schmuck der Vorderseite des Altartisches dient. Später werden zu demselben Zwecke auf
Rahmen gespannte, gemusterte, gewebte oder gestickte Stoffe verwendet.
Antiphonarium, siehe Ritualbuch.
Antitypus, siehe Typus.
Antoniuskreuz, ein T-förmiges Kreuz. Attribut des Eremiten Antonius.
Apocalypsis, Offenbarung des heil. Johannes.
Apokalyptische Gestalten heißen die aus der Offenbarung Johannis entnommenen kirchlichen Darstellungen.
Apostelkrug, ein Krug aus gebranntem und glasiertem Ton mit Darstellung der 12 Apostel. Solche Krüge wurden im 16. Jahrhundert in Kreussen bei Bayreuth gefertigt.
Apostolicum, siehe Ritualbuch.
Apsis oder Apside, eine im Grundriß halbrunde, zuweilen auch polygone, stets überwölbte Nische an der Ostseite des Altarhauses, in welcher der Altar steht. Dieser Hauptapsis
entsprechend sind in den deutsch-romanischen Kirchen oft noch kleinere Nebenapsiden an der Ostseite der Kreuzarme angeordnet.
Aquamanile, ein romanisches Gießgefäß aus Bronze in Gestalt eines Löwen oder anderen Tieres, welches das zum Händewaschen des Priesters bei der Messe erforderliche Wasser
enthält.
Aquatinta, eine Art Kupferstich, welcher eine getuschte Zeichnung nachahmt.
Arabesken, phantastische Ornamente, gebildet aus vielfach verschlungenen Linien mit Motiven aus dem Pflanzenreich. Der Name bezieht sich auf die arabische Kunst, welche
dergleichen Ornamente mit Vorliebe angewendet hat.
Arabischer Baustil, die von dem Auftreten Muhameds bis gegen Ende des 9. Jahrhunderts von den mohammedanischen Völkerschaften angewendete Bauweise. Derselbe
erhebt sich in seinen Grundlagen nicht über die Stufe des altchristlichen Baustils und charakterisiert sich durch phantastische Bogenformen und völlige Bedeckung der ungegliederten Mauerflächen
mit Ornamenten.
Archidiakonus, ein höherer Rang des Diakon.
Archiepiscopus = Erzbischof.
Archivolte (im Bogen gelegter Architrav) heißt die mit einem Deckglied oder auch reicher ornamentierte Vorderansicht eines Bogens.
Arena, Kampfplatz im Amphitheater; später Bezeichnung des ganzen Gebäudes.
Arkaden, Bogenstellung, Reihe von Säulen oder Pfeilern, welche durch Bogen miteinander verbunden sind.
Arkaturen nennt man kleine Blendarkaden, deren Säulenschäfte zur Hälfte in oder dicht an der Wand stehen.
Armarium, ursprünglich Waffenschrank; dann auch jeder andere Schrank, besonders auch der Bücherschrank.
Armatur = Beschlag, Armierung.
Armbrust, eine am Anfang des 12. Jahrhunderts durch die Kreuzfahrer in Europa bekannt gewordene und daselbst später allgemein benutzte Schusswaffe für Bolzen oder Pfeile. Sie besteht aus einem Bogen oder Bügel aus Holz, Fischbein oder Stahl dessen Enden durch eine Sehne
verbunden sind, und einem hölzernen Schaft welcher oft kunstvoll in Elfenbein und Metall etc. ausgelegt wurde. Je nach dem zum Spannen angewendeten Werkzeuge oder sonstigen Eigentümlichkeiten
unterscheidet man die Geißfußarmbrust, die Windenarmbrust, die große Flaschenzugarmbrust, die Stein- oder Kugelarmbrust,
die Rinnenarmbrust und die chinesische Armbrust.
Armenbibel, ein Holzschnittwerk aus dem 15. Jahrhundert zur Belehrung der Unwissenden (pauperes) durch Bilder. Es besteht aus vierzig Blättern, deren jedes in der Mitte eine
Darstellung aus dem neuen, zu den beiden Seiten zwei darauf bezogene Darstellungen aus dem Alten Testament enthält.
Armenstock = Almosenstock, ein Kasten oder eine Büchse mit Fuß, häufig aus einem Stück Holz oder Stein gearbeitet, zur Aufnahme von Geld bestimmt.
Armsäule — Wegsäule, Wegweiser.
Armschienen, Teile einer Plattenrüstung, welche zum Schutz der Arme dienen.
Arrazzi, die in Arras und Flandern überhaupt gewebten Teppiche, vorzugsweise mit figürlichen Darstellungen, mit welchen man die Wandflächen des Chores der Kirchen bedeckte.
Artushof oder Junkerhof hieß im Mittelalter ein Gebäude, in welchem die Vornehmen ihre Trinkgelage hielten.
Aschenkrüge, Aschenurnen, Beinurnen, Gefäße aus ungebranntem oder leicht gebranntem Ton, oft durch eingekratzte Linien primitiv ornamentiert, welche in vorhistorischer Zeit zur
Aufnahme der Überreste verbrannter Leichname dienten und jetzt oft in heidnischen Grabstätten gefunden werden.
Aspergill, Sprengwedel, Weihwedel. Siehe Weihkessel.

Astragal, ein Rundstab von geringen Dimensionen, als oberer und unterer Abschluss eines Säulenschaftes.
Astwerk, spätgotisches Ornament, welches knorrige Äste in naturalistischer Bildung nachahmt.
Asyl, Freistätte, Zufluchtsort für Übeltäter, an welchem sie frei von Strafen waren. Als Asyl dienten vorzugsweise Kirchen, Klöster und deren Bezirke.
Atlanten oder Telamonen heißen männliche Gestalten, welche an Stelle von Säulen oder Pfeilern ein Gebälk tragen.
Atrium heißt der von Säulen umgebene Hof des antiken Wohnhauses; dann auch der in gleicher Weise ausgebildete Vorhof der altchristlichen Basilika.
Attika heißt in der Architektur des klassischen Altertums und demgemäß auch in jener der Renaissance ein Halbgeschoss über dem Hauptgesims zur Maskierung des Daches. In der
mittelalterlichen Architektur wird derselbe Zweck durch Gallerten erfüllt.
Attische Basis heißt ein auf rechteckiger Platte ruhender Untersalz des Säulenschaftes, welcher im wesentlichen aus zwei Rundstäben und dazwischen liegender Hohlkehle
besteht.
Attribute heißen die Beigaben der Heiligen und allegorischen Gestalten, welche zum Erkennen und Unterscheiden derselben dienen. Sie beziehen sich meisten auf das Martyrium der
Heiligen (St. Lorenz hat einen Rost, St. Katharina ein Rad) oder auf Stand und Beruf derselben (Könige und Bischöfe sind mit ihren Insignien, Kirchenlehrer mit einem Buch versehen).
Ätzdruck, erster Abdruck einer radierten und geätzten Kupfer- oder Stahlplatte ätzen, eine radierte Kupfer- oder Stahlplatte mit Ätzwasser (Säure)
behandeln.
Ätzgrund heißt die aus Wachs und Asphaltmastix bestehende Masse, mit welcher der Kupferradierer die Platte überzieht, bevor er die gewünschte Zeichnung mit einer Nadel
hineinradiert.
Auftritt, Trittfläche, Oberfläche einer Treppenstufe.
Augenhöhe wird in einer perspektivischen Zeichnung die Höhe des Augenpunktes über der Grundebene genannt.
Augustiner, einer der vier Bettlermönchsorden, gestiftet um das Jahr 1150 von Wilhelm Herzog von Aquitanien. Ordenstracht: schwarze Kutte, weißes Skapulier und lederner
Gürtel.
Aureola = Heiligenschein, Glorie.
Auskragung heißt eine Ausladung, welche mittels Aufsetzens auf vorgekragte Steine erreicht ist.
Ausladung heißt der Vorsprung eines Bauteiles über den zurückstehenden Teil.
Auslaufen, allmählich endigen.
ausschweifen, bogenförmig, überhaupt in geschweiften Linien ausschneiden.
Außenwerke nennt man die Gesamtheit aller jener Festungswerke, welche außerhalb des Hauptgrabens liegen.
Avers = Bildseite, die Hauptseile einer Münze oder Medaille.
B
Baldachin heißt ein aus gewebten Stoffen hergestelltes, über dein Ehrensitz von Königen. Bischöfen etc. angebrachtes, oder bei Prozessionen über der Monstranz, auch bei
feierlichen Einzügen über Fürsten und Bischöfen getragenes Schutzdach (Traghimmel). Dann helfet Baldachin auch das architektonisch ausgebildete, häufig turmartig gestaltete Schutzdach über
Heiligenstatuen, anfangs nur im Freien, dann aber auch im Innern von Gebäuden und auch über Altären, Grabmälern etc., selbst über Kanzeln angewendet.
Ballista, Balliste, eine zum Schleudern großer Pfeile bestimmte Kriegsmaschine.
Balken heißt in der Heraldik ein durch die Mitte des Schildes gehender Querstreifen, wenn er ein Drittel des Schildes breit ist.
Balester, siehe Schnepper.

Ballenblume, heißt ein schellenförmiges Blumenornament, welches einzeln aneinander gereiht, zuweilen den Schmuck von gotischen Hohlkehlen bildet.
Baluster, eine Zwergsäule mit stark ausgebauchtem Schaft.
Balustrade, Dockengeländer, heißt eine im wesentlichen aus Balustern gebildete Brüstung.
Bambino (d.h. Kindlein) ist die italienische Benennung Ihr die in Windeln gewickelte Puppe des Jesuskindleins.
Band heißt in der Zimmermannssprache ein in schräger Richtung angebrachtes Holz zur festeren Verbindung von senkrechten und waagerechten Hölzern.
Bandrolle = Spruchband. Flatterndes Bund mit Inschrift.
Banner, quadratische Fahne mit Wappen.
Baptisterium, ein Gebäude zur Erteilung der Taufe, wie dergleichen, ursprünglich getrennt von den Kirchen, und zwar, weil nur die Bischöfe das Recht des Taufens hatten, nur neben
den Kathedralen, vorkommen. Sie sind gewöhnlich von runder oder achteckiger Grundform und regelmäßig Johannes dem Täufer gewidmet. In ihrer Mitte befand sich, um einige Stufen niedriger, der
Wasserbehälter, in welchen der Täufling getaucht wurde.
Baptisterium, siehe Ritualbuch.
Barbacan, ein mit einem Tor zusammenhängendes rundes Außenwerk, welches der Besatzung gestattete, auf einem ausspringenden Punkt sich zu sammeln, einen Ausfall zu machen, einen
Rückzug zu decken, Hilfstruppen einzulassen etc. Der Barbacan bestand aus Holz oder aus Erde und Mauerwerk, war mit breitem Graben und äußeren Palisaden umgeben, lag dem Tor schräg gegenüber und
war mit diesem durch zwei parallele Mauern verbunden.
Barett, siehe liturgische Gewänder.
Barockstil nennt man die späteste, durch großen Reichtum und Üppigkeit der Formen ausgezeichnete Ausartung des Renaissancestils; ihre Formen sind lediglich auf malerische Wirkung
hin und ohne Rücksicht auf die konstruktiven Bedingungen gewählt.
Barthaube heißt ein auf der Brustplatte des Harnisches festgeschraubter, Kinn und Hals bedeckender Teil eines Helmes, welcher besonders im 15. Jahrhundert üblich war.
Base, Fuß, heißt der unterste Teil einer Säule. Sie besteht gewöhnlich aus mehren Gliedern und dient dem Säulenschafte als Auflager. Die Form der Basen ist im Laufe der
Jahrhunderte verschieden ausgebildet worden; am häufigsten und bekanntesten ist die attische Basis (s. d.).
Basilika, ursprünglich königliche Halle, Amtssitz des Archon-Basileus der alten Athener, ist die Bezeichnung einer Gebäudegattung, welche bei den antiken Römern zu eigentümlicher
Ausbildung gekommen und dann auf eine besondere Art des christlichen Kirchengebäudes übertragen worden ist. Die Basiliken des Altertums dienten gleichzeitig dem kaufmännischen Verkehr und der
bürgerlichen Rechtspflege. Sie bestanden aus zwei Hauptteilen, dem Tribunal (Apsis), welches, von halbkreisförmiger Grundform, die Sitze der Richter enthielt und dem Raum für das Publikum,
welcher meist eine oblonge Grundfläche hatte und mit Säulenhallen umgeben war. Der Haupteingang befand sich gewöhnlich gegenüber der Apsis. Solche Gebäude waren im römischen Reich sehr häufig:
doch haben sich nur geringe Reste davon (am besten zu Pompeji und Rom) bis auf die Gegenwart erhalten. Basiliken hießen auch gewisse Säle in den größeren Wohnhäusern der Römer, welche eine den
Gerichtsbasiliken ähnliche Anlage hatten. Dieselben wurden von den ältesten Christen zu ihren heimlichen Versammlungen benutzt und dienten dann, weil zur Aufnahme von Versammlungen in hohem Grad
geeignet, als Vorbild für die Anlage der ersten christlichen Kirchengebäude. Charakteristisch für alle Basiliken, auch der späteren christlichen, ist die Höherführung des Mittelschiffes und die
dadurch ermöglichte Beleuchtung desselben durch hohes Seitenlicht, im Laufe der Jahrhunderte wurde diese ursprüngliche Form natürlich, den erweiterten Bedürfnissen entsprechend, vielfach
umgestaltet und künstlerisch weiter ausgebildet. Die Grundzüge einer christlichen Basilika sind: Einteilung des Raums für die Gemeinde in mehrere Schiffe durch Säulen- oder Pfeilerreihen und
besonderer Raum für den Altar und die Priesterschaft (Apsis, Chor). Oft ist dann ein mit Säulenhallen umgebener Vorhof mit Brunnen und eine Vorhalle vorgelegt. Später wurde neben der Basilika
(nicht in direkter Verbindung mit derselben) auch ein Glockenturm erbaut. Die Decken waren von Holz und ließen meist die Dachkonstruktion sichtbar. — Aus der altchristlichen Basilika entwickelte
sich durch weitere architektonische Ausbildung, besonders des Chorbaues, die romanische Basilika, deren Decke ebenfalls anfangs von Holz war, später aber durch Kreuzgewölbe ersetzt wurde und
durch noch weitere Ausbildung, namentlich in konstruktiver und dekorativer Beziehung, die gotische Basilika. Fehlt das charakteristische Merkmal der Oberfenster, so nennt man das Gebäude eine
scheinbare Basilika; fehlt auch die Höherführung des Mittelschiffes, so entsteht die Hallenkirche.
Basis = Base.
Basrelief — Flachrelief.
Bastei ist ein Bollwerk mit ausspringenden Ecken.
Bastion — Bastei.
Bauhütten sind zunftmäßig geregelte Genossenschaften von Bauhandwerkern, besonders Steinmetzen, welche im Mittelalter über ganz Mitteleuropa sich ausgebreitet hatten. Die
Haupthütten, von welchen die anderen abhängig waren, waren jene zu Straßburg, Köln. Wien und Zürich.
Baustil heißt eine nach bestimmten Gesetzen in betreff der Konstruktion und der Ornamentierung durchgebildete Bauweise. Die Baustile waren bei verschiedenen Völkern und Zeiten
verschieden. Charakterisierung derselben und Darstellung ihrer Entwickelung ist Aufgabe der Geschichte der Baukunst. Die wichtigsten Baustile sind in historischer Folge; der ägyptische, der
griechische, römische, altchristliche byzantinische, romanische, gotische, der Renaissance- und seinen Abarten, der Barock-, Rokoko-, Zopfstil. - Wir bauen zur Zeit in keinem bestimmten Stil - es
kommen vielmehr ziemlich alle historischen Baustile zur Verwendung teils in rein historischer Auffassung, teils mehr oder weniger individualisiert und beeinflusst durch moderne
Empfindungsweise.
Becher heißt ein Trinkgefäß ohne besonders ausgebildeten Fuß.
Beffroi = Bergfried.
Beichtstuhl, ein seit dem 14. Jahrhundert bekanntes Kirchenmöbel, meist aus Holz, welches beim Abnehmen der Beichte benutzt wird. Er besteht aus einem vergitterten Sitz für den
Geistlichen und zwei seitlichen Plätzen für die Beichtenden.
Beinglas = Milchglas
Beinhaus, ein entweder selbständiges oder an eine Kirche angebautes, kleines Gebäude auf einem Kirchhof zur Aufnahme der beim Gräberauswerfen aufgefundenen menschlichen
Gebeine.
Beischlag, ein terrassenförmig erhöhter Vorbau an der Fassade, meist vor dem Hauptportal, eines städtischen Wohnhauses, aus Holz oder Stein, oft mit reich geschmückter Brüstung.
Zu demselben führt von der Straße eine Treppe hinauf; unter demselben befindet sich gewöhnlich der Eingang zum Keller. Solche Beischläge waren besonders häufig in den norddeutschen Hansestädten
(Danzig) und dienten daselbst, von Bäumen beschattet, als Familiensite und gaben in ihrer Gesamtheit den Straßen ein eigentümliches, höchst malerisches Ansehen, sind jetzt aber meist
beseitigt.
Bekrönung, oberer Abschluss eines Bauwerkes oder Gerätes oder eines Teiles derselben.
Bema, ein erhöhter Tritt, daher — Rednerbühne und hoher Chor der griechischen Kirche. In den Kirchen des Abendlandes ist Bema die Erhöhung für den Thron des Bischofs.
Benedictionale, siehe Ritualbuch.
Benediktiner, ein Mönch des vom heiligen Benedikt von Nursia im Jahre 529 auf dem Monte Casino bei Neapel gestifteten geistlichen Ordens, dessen Regel später sehr allgemein
wurde. Die Benediktiner waren die Verkündiger des Christentums in einem großen Teil des nördlichen Europa, waren Inhaber der Gelehrsamkeit und der Kunstübung, schrieben die Bücher des klassischen
Altertums und die Heiligen Schriften ab und förderten den Ackerbau. Ihre Tracht besteht in einer langen schwarzen Tunika mit langen Ärmeln, Gürtel, Kapuze und Sandalen.
Bergfried, Donjon, der meist runde Hauptturm und wichtigste Teil einer mittelalterlichen Burg, auf dem höchsten Punkt mitten in derselben belegen. Er diente zur Rundschau und zur
letzten Zuflucht der Besatzung im Falle der Not, war daher von oben her verteidigungsfähig und nur vom ersten Stock aus, mittels einer Leiter zugänglich. Zur Wohnung diente er nur in Fällen der
Not.
Betsäule, Säule oder Pfeiler mit Baldachin, unter welchen sich ein Heiligenbild befindet.
Biberschwanz helfet ein aus gebranntem Ton gefertigter, ebener, unten abgerundeter, oben mit einer Nase zum Aufhängen an der Dachlatte versehener Dachziegel.
Bilderdach = Baldachin über einem Bildwerke.
Bilderhandschrift, eine mit Miniaturgemälden oder Zeichnungen geschmückte Handschrift.
Bilderhaus, eine mit einem Baldachin überdeckte Nische zur Aufnahme einer Heiligenstatue.
Bilderstürmer werden diejenigen byzantinischen Machthaber genannt, welche im 8. und 9. Jahrhundert die Verehrung der christlichen Bilder unterdrückten, sowie jene Fanatiker des
16. Jahrhunderts, welche unter Garlstedts Leitung in vielen Kirchen die Bildwerke zerstörten.
Bildnerei = Plastik, ist diejenige bildende Kunst, welche organische Naturformen in Wachs, Ton, Gips, Stein, Metall oder ähnlichem körperlich nachbildet.
Bildstock = Betsäule oder Bilderhaus.
Binder heißt, im Gegensatz zum Läufer, ein Mauerstein, welcher mit seiner Länge rechtwinklig gegen die Richtung der Mauerflucht liegt. Binder und Läufer oder Strecker werden nach
gewissen Gesetzen abwechselnd versetzt, um der Mauer mehr Festigkeit zu geben.
Binderschicht, eine Schicht von Bindersteinen.

Birnstab, ein im Querschnitt birnenförmig gestaltetes Glied an gotischen Pfeilern, Rippen und anderen Gliederungen.
Bischofstab heißt der meist aus kostbarem Material gebildete und künstlerisch oft reich geschmückte Amtsstab eines Bischofs, wodurch derselbe symbolisch als Hirt bezeichnet wird.
Er ist gegen 1,5 Meter hoch und läuft oben nach Art der Schafhirtenstäbe in eine Krümmung aus, wird deshalb auch Krummstab genannt. Oft ist an demselben unter dem Hacken ein Schweißtuch
befestigt. Auch die Äbte haben einen Krummstab.
Bischofstuhl, der oft aus kostbarem Material gebildete, künstlerisch reich geschmückte Amtssitz des Bischofs in der Mitte des Chors in der Nähe des Altars einer Kathedrale.
blasonieren, ein Wappen nach den Regeln der Heraldik genau und deutlich beschreiben.
Blendarkade, eine Arkade, welche, nur aus Halbsäulen bestehend, dekorativ auf einer Wand angeordnet ist.
Blende = flache Wandnische.
Blendsteine heißen Werkstücke und Ziegel, welche, abweichend von dem inneren Mauermaterial, an der äußerlich sichtbaren Seite dieser Mauer verwendet sind, um derselben ein
besseres Ansehen zu geben oder sie gegen die Witterung widerstandsfähiger zu machen.
Blide, große Schleudermaschine zur Verteidigung, mittels welcher man von Mauern und Türmen aus schwere Steine u. a. auf die Belagerer warf.
blind = nur zum Schein gemacht, z. B. Fenster, Türen, Arkaden.
Bock, ein hölzernes Gestell auf drei oder mehr Füßen, um etwas darauf zu stellen.
Bogenfries, ein Fries, dessen wesentlichstes Ornament durch eine fortlaufende Reihe kleiner Bogen gebildet ist. Man unterscheidet Rund- und Spitzbogenfriese.
Bogenstellung = Arkade.
Bollwerk heißt in der Befestigungskunst ein dicker, niedriger Turm, von welchen aus man zwei Mauerstrecken übersehen und verteidigen (bestreichen) kann.
Bombarde oder Donnerbüchse, eine Feuerwaffe des Mittelalters.
Borte, ein friesartiges, fortlaufendes Ornament am Rande eines Gegenstandes, besonders bei gewebten Stoffen.
Böschung heißt die schräge Seitenwand eines Grabens, eines Walles oder einer Mauer, welche bei losem Erdreich notwendig ist, um das Einstürzen dieser Wand zu verhindern. — In der
Festungsbaukunst heißt die dem Innern des befestigten Platzes zugewendete Böschung eines Grabens Escarpe, die dem Feind zugewendete Contreescarpe.
Bossage, Bossenwerk, Mauerwerk aus rau behauenen Steinen.
Bosse, Buckel, heißt der außen sichtbare, rau gelassene Teil eines vermauerten Werksteines.
Boule-Arbeit heißt die zuerst von dem Schreiner A. Ch. Boule in Paris angewendete Furnierung der Möbel mit Schildkrot und Messing in eingelegter Arbeit.

Bracke heißt in der Heraldik ein Hund mit herabhängenden Ohren und Lefzen. Ein Brackenhaupt ist ein beliebtes Helmkleinod.
Brakteat, Schüsselmünze, eine mittelalterliche, sehr dünne, nur auf einer Seite geprägte und daher schüsselförmige Münze, meist aus Silber.
Brauttür oder Ehetür heißt diejenige Tür einer Kirche, durch welche die Brautpaare vor der Trauung in die Kirche einzutreten pflegen.
Bresche, Mauerbruch, eine vom Feind vermittelst der Mauerbrecher oder durch Geschosse in einer Mauer oder einem Wall gemachte Öffnung, durch welche der Feind in den belagerten
Ort einzudringen beabsichtigt.
Breviarium, siehe Ritualbuch.
Briefdrucker hießen in alter Zeit die Holzschnittdrucker.
Briefmaler hießen im Mittelalter Leute, welche die geschriebenen Bücher mit Bildern ausschmückten, später auch Holzschnitte illuminierten.
Brokat, seidener Stoff mit gestickten, später gewebten Ornamenten. Wenn der Stoff mit Gold- oder Silberfäden durchwirkt ist, heißt er Gold- oder Silberbrokat.
Bronze, ein Gemisch von Kupfer und Zinn, welches zur Herstellung von Geräten aller Art und zu Kunstwerken häufig benützt wird.
Bronzezeitalter, Bezeichnung einer von den Archäologen angenommenen Periode der vorhistorischen Zeit, während welcher die Waffen und Geräte, da man das Schmieden des Eisens noch
nicht verstand, vorzugsweise aus Bronze gegossen wurden.
Brotseite = Evangelienseite.
Brückenkopf, befestigtes Werk am Ende einer Brücke zum Schulz derselben.
Brückentürme heißen jene Tortürme, welche den Zugang zu einer Brücke beherrschen. Sie stehen gewöhnlich an den Endpunkten, zuweilen auch in der Mitte der Brücke.
Brunnenhaus heiß ein kleines Gebäude, welches über einem Brunnen zum Schutz desselben und zur Aufnahme der Aufzugvorrichtung erbaut ist. Brunnenhäuser kamen besonders in Burgen
(Heidelberg) und in Klöstern (Oliva, Magdeburg) als Ausbau des Kreuzganges vor.
Brustkreuz = Pekloralkreuz, heißt das meist, goldene, gewöhnlich Reliquien enthaltende Kreuz, welches von den Bischöfen an einer Kette oder einem Band auf der Brust getragen
wird.
Brustwehr, Brüstung, heißt eine bis zur Brust reichende Wand, welche einen erhöhten Raum abschließt.
Buckelsteine heißen Bausteine mit Buckeln, Bossen (s. d.).
Bulla, Bulle, heißt ein Siegel aus Metall, gewöhnlich Blei, dann in übertragenem Sinne auch die Urkunde, welche mit einem solchen Siegel versehen ist.
Bund- oder Bindersparren heißen, im Gegensatz zu den Leersparren, die Haupt-Sparren, welche wesentlich die Festigkeit eines Daches bedingen, und welche mit dem Dachstuhl verbunden sind.

Bündelpfeiler heißt diejenige Stütze in der mittelalterlichen Baukunst, welche aus mehren, enge miteinander verbundenen Säulen besteht, oder in technischer Sprache ein mit
Diensten besetzter Pfeiler.
Burg, ein festes Haus. Sie ist gewöhnlich an einem schwer zugänglichen Orte, also entweder auf einer Bergspitze, oder in einem Sumpf oder Wasser angelegt und besteht im
wesentlichen aus einem festen, verteidigungsfähigen Turm, dem Bergfried, und einem Wohngebäude, dem Palas. Größere Burgen, Hofburgen, bestehen aus mehreren Gebäuden, welche ein oder mehre Höfe
umschließen, auch mehren Türmen, darunter auch befestigten Toren. Häufig ist die Burg von einer inneren und einer äußeren Ringmauer umgeben, von denen die äußere, falls sie nicht auf einem
Bergabhang steht, meist durch einen Burggraben unzugänglich gemacht ist. Über den Graben führt die Zugbrücke durch das mit Fallgatter gesicherte Burgtor. Der Raum zwischen beiden Ringmauern heißt
Zwinger.
Burgstall heißt eine kleine Burg, welche wesentlich Zwecken der Ökonomie dient.
Burgverließ heißt der unterste, meist nur durch ein Loch in seiner Decke zugängliche, oft völlig dunkle Raum im Bergfried (s. d.).
Burgwall heißt der Wall einer Burg und vorzugsweise jene Wälle, welche als einzige Reste der ältesten, nur aus Erde und Holz bestehenden befestigten Plätze, uns noch erhalten
sind.
Bursa heißt das (meist künstlerisch geschmückte) Behältnis zur Aufbewahrung des Korporale (s. d.).
Busen heißt die Ausbauchung der Gewölbekappen, wodurch deren Spannung zwischen den Gewölberippen vermehrt wird.
Bußkreuz, ein öffentlich aufgestelltes, gewöhnlich steinernes Kreuz, vor welchem die Büßenden ihre Andacht verrichteten.
Busung = Busen.
Butzenscheiben heißen die runden, meist grünlichen Fensterscheiben, welche in der Mitte eine ziemlich starke Erhöhung und einen umgebogenen Rand haben. Sie wurden, in Blei
gefasst, die Zwickel mit gewöhnlichem Glas ausgefüllt, zu Fensterscheiben vereinigt.
Byzantinischer Stil heißt die Kunstweise, welche im Oströmischen Reich aus der antiken römischen Kunstweise sich entwickelte und deren charakteristische Merkmale in der
Architektur der Kuppelbau, in der Skulptur und Malerei starre, streng stilisierte Formen sind. Die byzantinische Kunst liebt Pracht des Materials: Gold, Email, Edelstein, Elfenbein, Bronze etc. —
Unrichtig wird auch der romanische Stil häufig byzantinisch genannt.
C
Caineo, ein Edelstein mit erhaben geschnittener figürlicher Darstellung.
Calandsbrüderschaft, eine mittelalterliche Verbindung, welche es sich zur Aufgabe gestellt hatte, dafür zu sorgen, dass die Armen, besonders arme Priester in ihrer Sterbestunde
nicht ohne geistlichen Trost blieben und ohne kirchliche Einsegnung begraben wurden.
Calefactorien, Gefäße zur Erwärmung der Hände bei dem Altardienst im Winter. Sie haben meist die Form eines metallenen, hohlen, durchbrochen gearbeiteten Apfels, in welches
glühende Kohlen gelegt wurden.
Calvarienburg heißt die plastische Darstellung der drei Kreuze auf Golgatha.
Camaldulenser, Mönch des um das Jahr 1018 im Tal Camalduli bei Arezzo gestifteten Ordens; Kleidung weiß.
Campanile = Glockenturm, der als Glockenträger, getrennt von der Basilika der altchristlichen Baukunst, errichtete Turm.
Camposanto heißt in Italien ein von Mauern umschlossener, oft auch von Hallen umgebener Begräbnisplatz.
Cancelli heißen die Brüstungen, welche in den altchristlichen Basiliken den Raum der Priester von dem Raum der Gemeinde trennen. Mit denselben waren die Ambonen verbunden.
Canevas, Stramin, weitmaschiges Gewebe, auf welchem Stickereien ausgeführt, werden.
Canonicus = Chorherr.
Canouicale siehe Ritualbuch.
Capa, siehe Cappa.
Capital, siehe Kapital.
Caput ecclesiae = Chorhaupt, Chorschluss.
Capuze siehe Kapuze.

Cartouche, künstlerisch reich ausgebildete Umrahmung eines kleinen Feldes.
Casula, Casel, siehe liturgische Gewänder.
Cathedra, siehe Kathedrale.
Cavalier heißt in der Festungsbaukunst eine Erdaufschüttung mit Brustwehr.
Cella, der innere, zur Aufstellung des Götterbildes bestimmte Raum eines antiken Tempels.
Cenotaphium, ein Denkmal zu Ehren eines Verstorbenen, welches nicht über dem Grab selbst errichtet ist.
Cherub oder Cherubim, ein Engel mit vier Flügeln.
Chisma oder Chrisam, geweihtes Salböl.
Chlamys, der leichte, auf der Schulter von einer Agraffe zusammengehaltene Mantel der altgriechischen Jünglinge.
Chor, siehe Altarhaus. In einigen Gegenden Deutschlands gebraucht man den Ausdruck »Chor« im Sinne von Empore.
Chorgestühl, Chorstühle, Sitzbänke für den Chordienst der Stifts- und Klostergeistlichen, welche in zwei oder mehren Parallelreihen an den Wänden des Chors aufgestellt sind. Sie
bestehen aus gesonderten, aneinander gereihten Stühlen, deren Sitzbretter zum Aufklappen eingerichtet sind, und welche untere und obere Seitenlehnen zum Auflegen der Arme beim Sitzen und Stehen
haben. Vor jeder Sitzreihe ist ein Kniepult angebracht. Die Rücklehnen der hinteren Reihe sind meist reich geschmückt und mit baldachinartigem Oberbau versehen.
Chorhaupt — Chorschluss (s. d.).
Chorhemd, ein weites, leinenes, bis zu den Knien herabreichendes Überkleid, welches von der niederen katholischen Geistlichkeit bei den meisten kirchlichen Funktionen getragen
wird.
Chorkappe, Chormantel = Cappa (s. d.).

Chörlein, in Süddeutschland übliche Bezeichnung für Erker an Wohnhäusern, weil dieselben Ursprünglich den Chor der Hauskapelle bildeten.
Chorschluss, der runde, polygone oder rechteckige Abschluss des Chors einer Kirche.
Chorschranken, hölzerne oder steinerne Brüstung oder Gitter, welche den für die Gemeinde bestimmten Raum einer Kirche vom Chor scheidet. Sie finden sich nicht nur um Westende des
Chors, sondern, wenn ein Umgang vorhanden ist, auch an den anderen Seiten desselben zwischen den Pfeilern.
Chortürme heißen die zuweilen zu den Seiten des Chors einer größeren Kirche angeordneten Türme.
Chorumgang heißt das um den Chor herumgeführte Seitenschiff einer Kirche.
Chronogramm heißt eine Jahreszahl, welche aus den in einer Inschrift vorkommenden, ausgezeichnet geschriebenen Zahlbuchstaben gebildet ist.
Cinque-Cento, d. h. 500, Abkürzung für 15OO, heißt in Italien das 16. Jahrhundert.
Cinquecentisten werden die großen italienischen Künstler des 16. Jahrhunderts genannt.
Cippus, Denkstein, kurze Grabsäule, meist ohne Kapital.
Cista, Kasten, Schrank, Reliquienbehälter.
Ciugulum heißt der Gürtel, womit die Alba über den Hüften aufgegürtet wird; auch Wehrgehänge und Mauerkranz, Zingel.
Clause, Wohnung eines Einsiedlers, stets mit einer Kapelle oder wenigstens Betsäule verbunden.
Coeuaculum = Refektorium, Speisesaal eines Klosters.
Collectarium oder Collectare, siehe Ritualbuch.
Computus, siehe Ritualbuch.
Confessio, ein unter dem Altäre der älteren christlichen Kirchen befindlicher unterirdischer Raum mit einem Märtyrergrab; Ursprung der Krypta.
Confessionale, siehe Ritualbuch.
Consuetudinarium, Direct oriuin oder Ordinarium, siehe Ritualbuch.
Contreescarpe, siehe Böschung.
Coucha = Apsis.
Courtine heißl der Teil des Hauptwalles einer Festung, welcher sich zwischen zwei Bastionen befindet.
Cuppa oder Cupa, die Trinkschale eines Kelches.
Curia, Wohnhaus eines Domherrn; auch Kapitelhaus, Rathaus.
Cursus, siehe Ritualbuch.
D
Dachfirst = First.

Dachkamm, ein auf dem First hinlaufendes plastisches Ornament.
Dachpfannen sind Dachziegel von S-förmigem Querschnitt.
Dachreiter, ein auf dem Dachfirst aufsitzender kleiner Turm zum Zweck der Aufnahme einer Glocke.
Dachstuhl, ein aus Holz hergestelltes- Gerüst zum Tragen der Bundsparren.
Daktyliothek, eine Sammlung von Gemmen, dann auch von Abdrücken derselben.

Dalmatica, siehe liturgische Gewänder.
Damast, ein gemustertes Gewebe aus Leinen, Wolle oder Seide von bestimmter Struktur.
Damaszierung, eine besondere Struktur des Eisens, welche durch Zusammenschmieden und Durcheinanderwinden vieler einzelner Stäbe entsteht und durch Anätzen an der Oberfläche
sichtbar wird.
Danziger oder Danzk, eine nur im alten Ordensland Preußen vorkommende Art von Befestigungstürmen, welche in einiger Entfernung von der Burg isoliert stehen und
mit derselben durch einen auf Bogen ruhenden Gang verbunden sind. Ihr Zweck ist nicht ganz aufgeklärt. Sie gestatteten, den gegen die Burg stürmenden Feind im Rücken anzugreifen und dienten
zugleich als letzter Zufluchtsort zur Rettung der Besatzung, wenn die Burg vom Feind erobert war.
Darstellung oder Darbringung Christi im Tempel heißt die Szene, da Maria dem Simeon das Christuskind reicht und Joseph die Tauben trägt.
Deckfarbe heißt, im Gegensatz zur Lasurfarbe, jene Farbe, welche jede andere Farbe vollständig zu überdecken fähig ist.
Deckgesimse heißt das einen Bauteil abschließende Gesimse.
Dekan = Dechant, der Obergeistliche eines Stiftes; auch der Vorsteher einer Fakultät der Universitäten.
dekorativ nennt man, im Gegensatz zu konstruktiv, in der Architektur alles, was nur zum Schmuck dient.
Deutsche Renaissance heißt die im Anfang des 16. Jahrhunderts aus Italien nach Deutschland übertragene und daselbst im 16. und 17. Jahrhundert in eigentümlicher Weise
ausgebildete Renaissance, welche sich dadurch auszeichnet, dass die modifizierten antiken Kunstformen in dekorativer Weise mit den überlieferten gotischen Konstruktionsformen in zum Teil
unorganischer Weise verbunden sind.
Deutscher Baustil = gotischer Baustil.
Deutscher Orden, Deutsch-Herren-Orden, ein im Jahre 1190 im Heiligen Land gestifteter, geistlicher Ritterorden, welcher den Zweck hatte, kranke Pilger zu
pflegen, das Heilige Land zu verteidigen und das Christentum auszubreiten. Tracht: schwarze Unterkleidung, weißer Schultermantel mit einfachem schwarzem Kreuz. Berühmt wurde dieser Orden
besonders durch seine im Jahre 1230 unter Hermann v. Salza begonnene Eroberung des heidnischen Preußenlandes.
Devise, ein Sinnspruch, welcher zu einem Emblem in Beziehung steht.
Diakon, ein Beamter für bestimmte kirchliche, mehr untergeordnete Dienste. Seine Amtskleidung besteht aus Dalmatika, Manipel und Stola.
Diamantquadern heißen Quadersteine, deren Oberfläche nach Art der Diamanten mit Facetten versehen ist.
Dienst heißt eine gotische Halb- oder Dreivierlelsäule, welche mit einem Pfeiler oder einer Wand im Zusammenhang steht und die Rippen eines Gewölbes trägt.
Diptychon, eine Schreibtafel, welche aus zwei zum Zusammenklappen eingerichteten Tafeln aus Elfenbein, Buchsbaum oder edlem Metall besteht, auf den Innenseite» mit Wachs
überzogen, auf den Außenseiten mit Reliefs geschmückt ist. Solche» Schreibtafeln wurden von vornehmen Römern, besonders den Konsulen, beim Jahreswechsel an ihre Freunde verschenkt. Diese Diptycha
consularia wurden später, in der christlichen Zeit, als Deckel zum Einband von Büchern benutzt und dann auch zu diesem Zweck neu gefertigt. Diptycha und Triptycha wurden auch zum Schmuck auf
Altären aufgestellt; aus ihnen entwickelten sich allmählich die Flügelaltäre. Im übertragenen Sinne nennt man daher auch Altaraufsätze mit zwei und drei Flügeln Diptycha und Triptycha.
Direktorium = Consuetudinarium.
Disputa, Abkürzung von disputà del sacramento = Streit um das Abendmahl.
Diurnale, siehe Ritualbuch.
Docke = Baluster.
Dolch, eine dem Schwert ähnliche Stichwaffe von geringen Dimensionen.
Dom = Kathedrale, Bischofskirche.
Dominicale, siehe Ritualbuch.
Dominikaner, Mönch des vom hl. Dominicus de Guzman im Jahre 1215 gestifteten Predigerordens. Tracht : weiße Kutte und schwarzer Mantel mit spitzer Kapuze; das Skapulier
weiß.
Donjon = Bergfried.
Doppelchöre, d. i. zwei Chöre, im Osten und Westen an einer Kirche. Doppelkapellen heißen jene zweifach übereinander angelegten Kapellen in Burgen, welche durch eine Öffnung im
Fußboden der oberen miteinander verbunden sind. Dieselben stehen in demselben Verhältnis wie Krypta und Chor einer größeren Kirche, d. h. die untere Kapelle diente dem Totenkult, und war in den
meisten Fällen Mausoleum, die obere dem gewöhnlichen Gottesdienst.
Dorinent, der Gang längs der Zellen in einem Kloster.
Dormitorium, Schlafsaal in einem Kloster.
Dornitz, ursprünglich Herdstätte des Bauernhauses, dann ein großes, im Erdgeschoss gelegenes Zimmer in Burgen.
Dorsal, Rücklehnenteppich an den Chorstühlen, auch Rückenkissen.
Drehpfeil, ein spiralförmig befiederter und deshalb im Flug sich drehender Pfeil.

Dreiblatt heißt eine Figur des gotischen Maßwerks, welche aus drei Bogen besteht, welche innerhalb eines Kreises oder Dreiecks liegen.
Dreinase, ein gotisches Ornament, bestehend aus einem Kreise, innerhalb dessen an die Peripherie drei einander berührende Halbkreise gesetzt sind.

Dreipass, eine durch drei gleiche Dreiviertelkreise gebildete Figur, welche häufig im gotischen Maßwerk angewendet wird.

Dreischneuß heißt eine gotische Maßwerkfigur, bestehend aus einem Kreise oder Quadrat, welcher durch drei Schneußen oder Fischblasen ausgefüllt ist.
Dreisitz, ein auf der Epistelseite des Chores, meist in einer Mauernische angebrachter und architektonisch ausgebildeter Sitz für drei Personen, den Priester, den Diakon und den
Subdiakon, nebeneinander.
Dreiviertelsäule, eine Säule, welche um Dreiviertel ihres Durchmessers aus der Mauer hervorragt.
Drempel, ein niedriger Holzständer im Dachstuhl.
Drudenfuß = Pentalpha.
E
Ecce homo, Darstellung des dem Volk zur Schau gestellten, mit Dornen gekrönten, mit dem Purpurmantel bekleideten Christus mit Beziehung auf die Worte des Pilatus: Sehet, welch
ein Mensch.
Ecclesia, zusammenberufene Versammlung, Gemeinde. Dann, übertragen auf die Versammlungsstelle, die Kirche als Gebäude.
Echinus, Wulst, wesentlichster Teil eines dorischen Säulenkapitäls.

Eckblatt oder Eckknolle, heißt ein auf den vier Ecken des Plintus einer romanischen Säulenbasis zur Vermittlung zwischen Plinte und Wulst angebrachtes blatt-
oder knollenartiges Ornament.
Ehetür, siehe Brauttür.

Eierstab, ein mit eiförmigen Bildungen versehenes Ornament auf dem Echinus und den Viertelstäben der ionischen Architektur.
Eingelegte Arbeit, Marquetterie, Intarsia, nennt man eine eigentümlich behandelte Oberfläche der Schreinerarbeit, bei welcher Ornament und Grund verschiedenartigen Materialien,
z. B. hellem und dunklem Holz, Ebenholz und Elfenbein, Schildpatt und Messing bestehen. Sie wird in der Weise hergestellt, dass zwei oder mehr dünne Platten (Furnieren) der gewählten Materialien
aufeinander gelegt und nach den Konturen des aufgezeichneten Ornaments durchschnitten, dann gegenseitig ineinander geschoben und aufgeleimt werden.
Einhüftiges Gewölbe heißt ein solches Tonnengewölbe, dessen Widerlager ungleich hoch liegen.

Eisenhut, eine im 13. Jahrhundert übliche Art Helm mit rundem Kopf und breitem Rand, ohne Visier.
Eisenkappe, eine Art Hehn ohne Rand, aber oft mit Fangklappen und durchbrochenen Ohrsternen, Gehörrosen.
Eisenzeitalter, Bezeichnung der dritten der von den Archäologen angenommenen Perioden vorhistorischer Zeit, während welcher die Waffen und Geräte nicht mehr aus Bronze, sondern
vorzugsweise aus Eisen gefertigt wurden.
Emaille = Schmelz, ein Glas, welches auf Metall festgeschmolzen wird. Es gibt durchsichtige und undurchsichtige Emails. Man unterscheidet drei Arten: Bei dem Email cloisonnè
(Zellenschmelz) werden die Umrisse der Ornamente durch aufgelötete Metalldrähte hergestellt und die so umzogenen Zellen mit verschiedenfarbigem Schmelz ausgefüllt und aufgeschmolzen. Bei dem
Email champlevè (Grubenemail) werden in der Metallfläche Vertiefungen, Gruben, hergestellt und dieselben mit Email ausgefüllt. Das Maleremail (in Limoge zu hoher Vollendung ausgebildet)
überdeckt, ohne trennende Metallstäbe, die ganze Oberfläche des zu schmückenden Metallgerätes. Die Emailfarben werden dann, ähnlich wie bei der Ölmalerei, aufgetragen und wiederholt
geschmolzen.
Emblem = Sinnbild.
Emortuale, siehe Ritualbuch.
Empore, Gallerte über den Seitenschiffen der Kirche und Einbau in Kirchen zur Benutzung für Kirchenbesucher oder zur Aufnahme der Orgel.
Enkaustische Malerei = Malerei mit Wachsfarben.
Entasis — Schwellung der Säulenschäfte.
Entlastungbogen, ein in einer Mauer befindlicher Bogen, welcher den Zweck hat, das unter demselben befindliche Mauerwerk von dem Gewicht des darüber befindlichen zu entlasten. Er
wird besonders häufig über geradem Tür- und Fenstersturz angewendet.
Epigraphik, Wissenschaft von Inschriften.
Epistelseite oder Kelchseite heißt, im Gegensatz zur Evangelienseite, diejenige Seite (gewöhnlich die Südseite) einer Kirche und eines Älteres, auf welcher die Episteln
vorgelesen werden.
Epistolarium, siehe Ritualbuch.
Epitaphium, Grabschrift, aufrecht an einer Wand stehendes Grabdenkmal.
Erker, ein aus der Wand eines Gebäudes hervortretender überdeckter Ausbau, welcher nur von innen zugänglich, und zum Zweck der Ausschau mit Fenster versehen ist. Besonders häufig
finden sie sich an Straßenfassaden von Wohnhäusern (vergl. auch Chörlein).
Erzengel heißen die obersten Engel, welche den Thron Gottes tragen. Es gibt deren vier: Michael in ritterlicher Rüstung, bekämpft den Drachen, wiegt die Seelen der Verstorbenen;
Gabriel mit einer Lilie, verkündet die Geburt Simsons, Johannes des Täufers und Christi; Raphael als Wanderer, begleitet den Tobias, erscheint den Hirten von Bethlehem; Uriel mit Schrift oder
Buch, sitzt auf dem Grab Christi, geht mit den beiden Jüngern nach Emaus.
Erzstift, ein Stift höheren Ranges.
Escarpe, siehe Böschung.
Eselsrücken heißt in der Architektur eine besondere Art geschweiften Spitzbogens, dessen Schenkel aus entgegengesetzten Kurven, einer konkaven und einer konvexen, zusammengesetzt
sind.
Estrade, Fußbodenerhöhung im Innern eines Raumes, vor einem Fenster, Thron etc.
Estrich, ein aus Stuckmasse gefertigter Fußboden.
Etage — Geschoss, Stockwerk.
Eucharistie = Sakrament des Abendmahls.
Eurhythmie, Ebenmaß der Verhältnisse der einzelnen Teile eines Kunstwerks zum Ganzen.
Evangeliarium, siehe Ritualbuch.
Evangelienseite oder Brotseite heißt, im Gegensatz zur Epistelseite, diejenige Seite (gewöhnlich Nordseite) einer Kirche und eines Altares, auf welcher die Evangelien vorgelesen
werden.
Evangelistarium, siehe Ritualbuch.
Evangelistenzeichen oder Symbole der vier Evangelisten, sind die typischen, aus den Geschichten des Hesekiel entnommenen Zeichen, an welchen man die bildlichen Darstellungen der
Evangelisten erkennt. Sie werden über auch allein, statt der Evangelistenbilder selbst, angewendet. Es sind: ein Engel für Matthäus, ein Löwe für Marcus, ein Stier für Lucas und ein Adler für
Johannes.
Ex voto, Votivgeschenk, heißt jedes in Folge eines Gelübdes an einen heiligen Ort gemachte Geschenk. Dasselbe besteht oft in Nachbildungen von Teilen des menschlichen Körpers,
welche, wie man glaubte, durch die Fürbitte eines Heiligen von Krankheit geheilt worden.
Exedra = halbrunder Ausbau.
F
facettiert, nach Art eines geschliffenen Edelsteins mit vielen polygonen Flächen versehen.
Fachwerk oder Riegelwerk heißt eine Holzkonstruktion zur Herstellung von Wänden, bei welchen die Fächer zwischen den Riegeln meist mit Ziegeln aus gemauert werden. Eine solche
Wand ist zusammengesetzt aus der Schwelle, einem waagerecht liegenden Holz, welches im Untergeschosse auf der Sockelmauer, bei den oberen Stockwerken auf den Balken ruht, den in die Schwelle
mittels Zapfen eingelassenen senkrecht stehenden Ständern oder Stielen, den zur Verbindung der letzteren, sowie zur Herstellung der Fenster dienenden Riegeln und dem von den Ständern getragenen,
waagerecht liegenden Rahmenholz. Außerdem kommen in solchen Wänden noch vor: Bänder, schräg stehende Streben zur Verbindung der waagerechten Hölzer mit den senkrechten - man unterscheidet, je
nachdem sie am oberen oder unteren Ende des Ständers angebracht sind, Kopfbänder und Fußbänder — und Andreaskreuze, gebildet aus zwei sich kreuzenden Stielen oder Bändern. Das Holzwerk der
Fachwände wurde in alter Zeit oft durch Schnitzerei künstlerisch ausgebildet und mit Inschriften versehen.
Fallgatter, ein Gitter aus starken, unten zugespitzten, durch Querhölzer untereinander verbundenen Pfählen bestehend, welches in Burgtoren, befestigten Stadttoren und anderen
Öffnungen einer Stadtmauer (z. B. wo ein Fluss durch dieselbe fließt) aufgehängt ist und in Fällen der Gefahr leicht herabgelassen werden kann.
Fallschirm, eine Reihe von Pechnasen, welche einen auf Konsolen ruhenden, über die Wand eines Turmes vortretenden Mauerkranz bilden.

Faltstuhl, ein zum Zusammenfalten eingerichteter Stuhl, dessen Stützen x-förmig sich durchkreuzen.
Fase, die Abschrägung einer Kante.
Fassade, Ansicht eines Gebäudes.
Fasshelm = Topfhelm.
Fastentuch oder Hungertuch heißt ein greiser Teppich aus weißer, grauer oder violetter Leinwand, mit biblischen Darstellungen bemalt oder bestickt, welcher während der Fastenzeit
zur Verhüllung des Kreuzes vor dem Altar, zwischen Klerus und Allerheiligstem aufgehängt und nur während des Evangeliums, der Wandlung und des letzten Segens zurückgezogen wurde.
Faustschild, kleiner runder Schild mit oder ohne Nabel oder Stachel; war im 14. bis 16. Jahrhundert im Gebrauch.
Fayence heißt Geschirr aus nicht besonders hartem, ziemlich porösem, gebranntem Ton mit halb durchsichtiger Glasur.
Feld nennt man eine viereckige oder polygone, auch krummlinig umrahmte Fläche an Wänden, Decken und Gewölben, welche abgegrenzt ist um die größeren Flächen zu unterbrechen und zu
beleben.
Felderdecke oder Kassettendecke, eine aus sich kreuzenden Balken, zwischen welchen viereckige vertiefte Felder (Kassetten) sich befinden, hergestellte Decke eines umschlossenen
Raumes.

Felderfries, ein in der romanischen Baukunst vorkommender Fries, welcher aus einer Reihe viereckiger Tafeln von dunklem Schiefer in vortretenden Umrahmungen besteht.
Fetten heißen die dem Dachfirst parallel laufenden Hölzer des Dachwerks, auf welchen die Sparren liegen.

Fiale, Spitztürmchen, ein in eine Spitze frei endigender, gotischer Pfeiler. Eine Fiale besteht aus dem Fuß, dem Leib und dem pyramidalen Riesen, welcher oft an seinen Kanten mit
Krabben, an der Spitze mit einer Kreuzblume versehen ist.
Fibula, Heftel, Heftnadel, Agraffe, Fibel.
Filialkirche, Tochterkirche, eine Kirche ohne eigenen Pfarrer, welche einem Nachbarpfarrer mit übergeben ist.
Filialkloster oder Tochterkloster, ein von einem Mutterkloster aus gegründetes Kloster desselben Ordens.
Filigran, ein Ornament aus feinem, stellenweise zusammengeschmolzenem Gold- oder Silberdraht, welches auf eine Fläche aufgelötet, oder frei in einem festen Rahmen eingespannt
ist.
Fischblase nennt man eine bestimmte gotische Ornamentform, welche Ähnlichkeit mit der Blase eines Fisches hat.
Fischerring, das ursprüngliche Sekretsiegel (Siegelring) der Päpste, auf welchem der Apostel Petrus in einem Schiff als Fischer dargestellt ist.

Fischgrätenartig nennt man einen Ziegelverband, bei welchem die einzelnen Ziegel eine ähren- oder fischgrätenartige Stellung haben.
Flachbild = Relief.
Flachornament heißt dasjenige Ornament, bei welchem die Fläche als solche besonders betont, also jede Nachbildung des Runden vermieden ist.
Flachrelief, im Gegensatz zu Hochrelief, ein Relief, welches um weniger als die Hälfte der vollen Körperlichkeit aus der Fläche hervorragt.
Flammberg, ein Schwert mit geflammter oder gezackter Klinge, sehr langem Handgriff und weit ausladender, klingenwärts gebogener Parierstange. Es ist entweder einhändig oder
zweihändig.
Flanke, Seite eines Gebäudes, besonders einer Bastion.
flankieren heißt in der Befestigungskunst die Seite schützen.
Fliegenwedel, ein Fähnlein aus leichtem Stoff oder ein Fächer aus Federn zum Abwehren der Fliegen von den Abendmahls-Elementen auf dem Altar.
Fliesen, Platten aus gebranntem Ton oder Stein zum Belegen eines Fußbodens.
Flucht heißt in der Baukunst eine gerade Richtung: Flucht halten heißt die Richtung, besonders die Baulinie einhalten.

Flügelaltar, Klappaltar, ein Altaraufsatz in Form eines Schreins mit Flügeln. Im Schrein befinden sich gewöhnlich figürliche Darstellungen in Plastik. Die Flügel sind entweder
auf beiden Seiten oder nur auf der Außenseite bemalt, auf der Innenseite ebenfalls mit plastischen Darstellungen versehen. Die meisten Flügelaltäre haben nur zwei Flügel; es gibt deren jedoch
auch mit vier und mehr Flügeln. Der Schrein steht auf einem Untersatz, Predella, welcher gewöhnlich ebenfalls mit Flügeln versehen ist und hat einen durchbrochenen, meist architektonisch reich
ausgebildetem, baldachinartigen Aufsatz (Vergl. Diptychon).
Formschnitt = Holzschnitt.
Formstein heißt ein Ziegel, dessen Form von der gewöhnlichen rechteckigen Form abweicht.
Franziskaner, Mönch des im Jahre 1208 durch Franz von Assisi gestifteten geistlichen Ordens. Tracht: graue oder braune Kutte, grauer Knotenstrick als Gürtel, Kapuze, kein
Skapulier.
Frauenschiff heißt das nördliche Seitenschiff einer Kirche, weil dasselbe ursprünglich allein zum Aufenthalt für das weibliche Geschlecht während des Gottesdienstes bestimmt
war.
Fresken, Malereien al fresco, heißen Wandmalereien, welche auf frischem, nassem Kalkmörtel ausgeführt, deren Farben also in die Wand eingedrungen sind.
Freuden der Maria nennt man die folgenden sieben Vorgänge im Leben der Jungfrau Maria, welche zusammen oft Gegenstand künstlerischer Darstellung sind. Die Verkündigung, die
Heimsuchung, die Geburt Christi, die Anbetung der Weisen, die Auferstehung Christi, die Ausgießung des heiligen Geistes und die Krönung der Maria durch Gottvater und Christus.
Fries, ein bandartig fortlaufendes Ornament.
Frontale, Vorsetztafel für die Vorderseite eines Altars.
Frontispiz, Fronton, Giebel eines Gebäudes.
Fronton = Giebel.
Fugen, die Zwischenräume zwischen den Steinen eines Mauerwerks, welche mit Mörtel ausgefüllt zu sein pflegen. Man unterscheidet Lagerfugen die waagerechten, und Stoßfugen die
senkrechten.
Füllhorn, ein gewundenes Horn voll Früchte und Blumen, welches zuweilen als Attribut allegorischer Gestalten angewendet wird.
Füllwerk, Gussmauerwerk, heißt Mauerwerk aus unregelmäßigen, meist kleineren Stücken Stein oder Ziegel und vielem Mörtel ohne regelmäßigen Verband, welches zuweilen im Innern
sehr dicker Mauern, zwischen zwei äußeren Schichten regelmäßigen Mauerwerks, angewendet wird.
furnieren, Holzarbeiten mit dünnen Plättchen belegen.
Futtermauer, eine Mauer, welche den Zweck hat, den Druck des dahinterliegenden Erdreichs auszuhalten.
G
Gänsebauch heißt das vorn, unterhalb der Brust ausgestopfte Wams. Von den Kriegern wurde es als selbständiges Stück wie ein Brustpanzer vorgelegt.
Gebälk heißt in der antiken Baukunst die Gesamtheit der auf den Säulen ruhenden Architekturteile, welche im wesentlichen aus dem Architrav, dem Fries und dem Kranzgesims
bestehen.
Gehrung, das Zusammentreffen zweier Strecken eines Gesimses oder einer Gliederung, welche um eine Ecke läuft.
gekuppelt, paarweise nebeneinander gestellt, daher gekuppelte Fenster, wenn solche nur durch einen Pfeiler getrennt sind, gekuppelte Säulen, deren Basen und Kapitale sich
berühren oder aus einem Stein gefertigt sind.
Gemme heißt ein Edelstein, welcher in der Weise vertieft geschnitten ist, dass sein Abdruck ein Relief bildet. Er dient zum Siegeln. Vergl. Cameo. Im weiteren Sinn heißen Gemmen
auch geschnittene Edelsteine überhaupt, also einschließlich der Kameen.
Gerkammer, eigentlich der Ort, an welchem die Priesterkleidung aufbewahrt vom Priester angelegt wird; dann auch gleichbedeutend mit Sakristei.
Germanischer Stil = Gotischer Stil.
geschrotene Manier, siehe Schrotarbeit.
gesetzt oder überhöht heißt ein Bogen, dessen Schenkel nach unten zu senkrecht verlängert sind.
Gespärre = sämtliche Sparren eines Daches.
getrieben heißt ein Gefäß oder ein Relief, welches mittels Hammer und Punzen aus einem Metallblech herausgeschlagen ist.
Gewände heißt die seitliche Einfassung einer Tür oder eines Fensters.
Gewölbe heißt die bogenförmige Überdeckung eines Raumes, welche in künstlicher Weise durch kleine, sich gegenseitig stützende, meist keilförmige Steine hergestellt ist. Man
unterscheidet je nach der Form des Querschnitts, also des Bogens: scheitrechte Gewölbe, Stichbogengewölbe, Rundbogengewölbe, gedrücktes und überhöhtes Gewölbe, Spitzbogengewölbe etc., nach der
Form des Grundrisses oder vielmehr der Stellung der Widerlagslinie: steigendes Gewölbe, einhüftiges Gewölbe, liegendes Trichtergewölbe, Spindelgewölbe, Schneckengewölbe und in Bezug auf Lage und
Gruppierung der Gewölbeflächen: Tonnen- oder Kufengewölbe, Klostergewölbe, Kuppel, Muldengewölbe, Spiegelgewölbe, Kreuzgewölbe, Sterngewölbe, Muschelgewölbe oder Halbkuppel, Fächer- oder
Strahlengewölbe u. a.
Gewölbegrate heißen die scharfen Kanten, in welchen die Kappen eines rippenlosen Gewölbes zusammentreffen.
Gewölbejoch oder Travée heißt eine von zwei Hauptgurten begrenzte Abteilung eines längeren gewölbten Raumes.
Gewölbekappe heißt der einzelne Teil der im Allgemeinen sphärischen Flächen, aus welchen das Gewölbe gebildet wird.
Gewölberippe heißt das profilierte Glied, welches in den durch den Zusammenstoß von Gewölbekappen gebildeten Bogenlinien angeordnet wird.
Gewölbezwickel oder Pendentif heißt dasjenige Gewölbefeld in Form eines sphärischen Dreiecks, welches sich bildet, wenn über einem quadratischen Raum eine Kuppel sich erhebt; es
liegt daselbst zwischen den Schenkeln zweier benachbarter Gurtbogen und dem untern Kuppelrand.
Giebelblume = Krabbe.
Glasfenster heißt der aus Glas hergestellte Verschluss eines Fensters.
Glasfluss oder Glaspaste, Nachahmung eines Edelsteins aus farbigem Glas.
Glasgemälde heißt ein aus farbigem Glas bestehendes Bild. In älterer Zeit stellte man Glasbilder, nach Art der Mosaiken, aus vielen, meist kleineren Stücken verschiedenfarbigen
Glases her, welche durch Blei miteinander zu größeren Scheiben verbunden wurden, und auf welchen die Zeichnung und Schattierung durch mit dem Pinsel aufgetragenes und dann eingebranntes
Schwarzlot ergänzt wurden. In späterer Zeit malte man mit verschiedenen Metallfarben auf eine Glastafel und brannte die ersteren dann ein.
Glockenhaus oder Glockenstube heißt derjenige Raum in einem Turm, in welchem das Geläut befindlich ist.
Glockenspiel heißt die Vereinigung einer größeren Zahl harmonisch abgestimmter Glocken, welche mittelst eines besonderen Mechanismus in der Weise angeschlagen werden, dass sie
eine Melodie spielen.
Glockenstuhl heißt das Gerüst von Holz oder Eisen, auf welchem die Glocken aufgehängt sind.
Glockenturm, Campanile, der Turm einer Kirche, welcher die Glocken trägt.
Glorie, ein den ganzen Körper eines Heiligen umgebender Strahlenkranz.
Glücksrad, die symbolische Darstellung des Wechsels der menschlichen Schicksale in Gestalt eines Rades, auf welchem menschliche Figuren hinaufsteigen und hinabstürzen.
Glyptik, die Kunst figürliche Darstellungen in Edelsteine zu schneiden, also die Anfertigung von Gemmen und Kameen.
Gnadenbild, ein wundertätiges Heiligenbild.
goldener Schnitt nennt man die Teilung einer Linie in zwei ungleiche Teile, welchen der kleinere Teil, rücksichtlich seines Maises zum größeren sich ebenso
verhält, wie der größere zum Ganzen.
Goldgrund, der aus aufgelegtem Blattgold bestehende Hintergrund von Gemälden und Reliefs. Er ist gewöhnlich durch eingedrückte Striche und Punkte oder aufgetragene Zeichnung mit
einem Teppichmuster versehen.
Gotischer Stil heißt die im Abendland vom 13. — 16. Jahrhundert übliche Kunstweise, welche sich allmählich aus der romanischen Kunst entwickelt hat. Perioden
desselben unterscheidet man: den Übergangsstil, frühgotischen Stil 1200—1250, vollendet gotischen Stil 1250—1350 und spätgotischen Stil 1350—1500. Die Formen der Profanarchitektur in demselben
sind wesentlich verschieden von jenen der kirchlichen Architektur.
gotisierend werden solche Kunstwerke oder Bauteile genannt, an welchen einzelne Teile gotisch sind oder an das Gotische erinnern.
Gotteshütte = Sakramentshaus.
Gotteskasten — Opferstock.
Gotteslamm, agnus dei. Ein Lamm mit dem Kreuz, als Symbol des Selbstopfers Christi (mit Rücksicht auf Job. I, 29).
Gouachemalerei, Malerei mit Deckfarben, die in Wasser angerieben werden.
Graduale siehe Ritualbuch.
Gral, die aus einem Edelstein geschnittene Schüssel, aus welcher Jesus das letzte Osterlamm gegessen und in welche Joseph von Arimathia das Blut des Gekreuzigten aufgefangen
haben soll.
Granatapfel bildet das Motiv eines im 15. Jahrhundert sehr beliebten Flächen-Ornaments, welches an gewebten Stoffen, auf goldenen Hintergründen von Gemälden und Reliefs, auf
Bronzeplatten und bemalten Skulpturen, sehr häufig sich findet.
Grangie, Wirtschaftshof eines Klosters, besonders eines Zisterzienserklosters.
Graphik, allgemeine Bezeichnung der zeichnenden Künste.
Grat, scharfe Kante zweier zusammenstoßender Flächen.
Gratsparren heißen die Ecksparren eines Walmdaches.
Grau in Grau, Grisaille, Malerei in grauer Farbe.
gravieren, Zeichnungen mit dem Grabstichel in Metall eingraben, teils zum Schmuck eines metallenen Geräts, teils zum Zweck der Vervielfältigung von Zeichnungen, indem man die
gravierte Metallplatte, nachdem sie eingeschwärzt ist, auf Papier abdrucken kann.
Grede, Freitreppe zum Palas in einer Hofburg.
Greif, fabelhaftes Tier, halb Löwe, halb Vogel.
Gremiale, Schoßtuch, welches dem pontefizierenden Bischof, wenn er sitzt, über die Kniee gebreitet wird, ursprünglich um die kostbare Casel vor zufälliger Verunreinigung zu
bewahren.
Grisaille = Malerei Grau in Grau; besonders von Glasmalereien gebraucht.
Grotesk, ursprünglich nach Art der Grottengemälde, d. i. der Wandmalereien der im 16. Jahrhundert neu entdeckten, verschütteten und daher unterirdischen, antiken Gemächer, welche
in Ornament, mit phantastischen Menschen- und Tierfiguren bestehen: dann überhaupt phantastisch, wunderlich.
Grubenemail siehe Emaille.
Grund, Grundierung heißt diejenige Masse, welche auf eine zu bemalende Tafel oder Leinwand gestrichen wird, um dieselbe zur Aufnahme von Malerfarben geeignet zu machen.
Gugel, eine Mütze, welche Kopf und Hals schützt.
Gurt = Band.
Gurtgesimse, Gurtband, ein Gesimse, welches bei einem Gebäude die Scheidung der Stockwerke andeutet.
Gussmauerwerk siehe Füllwerk.
Gynäzeen heißen die für die Frauen bestimmten Emporen über den Seitenschiffen der morgenländischen Kirchen.
H
Hahnbalken heißen in sehr hohen Dächern die oberhallt der Kehlbalken angebrachten, die Sparren verbindenden Querhölzer.
Halbdach — Pultdach.
Halbgeschoß = Zwischengeschoß.
Halbkuppel heißt die viertelkugelförmige Überwölbung eines halbkreisförmigen Raumes, z. B. einer Apsis.
Halbsäule, eine Säule, welche mit einer Mauer verbunden, um die Hälfte ihrer Stärke aus derselben hervorragt.
Hallenkirche, eine mehrschiffige Kirche, deren Schiffe sämtlich von gleicher Höhe sind.
Hals heißt der obere, unmittelbar unter dein Kapitäl befindliche, Teil eines Säulenschaftes, wenn derselbe durch einen oder mehre Ringe von dem übrigen Teile des Schaftes
gesondert ist.
Halsberge, Ringkragen, der oberste, den Hals schützende Teil einer eisernen Plattenrüstung.
Hängeplatte, die weit vorragende und mit Wassernase versehene Platte, welche den wesentlichsten Teil des antiken Hauptgesimses bildet.
Hängesäule, Säule eines Hängewerks.
Hängewerk, eine Zimmermannskonstruktion, welche den Zweck hat, lange Balken (ohne Unterstützung) über einem weiten Raume frei tragend zu erhalten. Dasselbe besteht gewöhnlich aus
Hängesäule, Streben und Spannriegel.
Harnisch, allgemeine Bezeichnung für die Hauptteile einer eisernen Ritterrüstung. Man unterscheidet Brustharnisch, Armharnisch, Beinharnisch etc.
Haubengewölbe = Klostergewölbe.
Hauptschiff — Mittelschiff einer Kirche.
Hausmarke, ein aus einfachen Linien gebildetes Zeichen (Monogramm), welches in alter Zeit einen Namen bezeichnete und die Stelle des Wappens bei nicht adeligen Familien vertrat.
Es wurde an Häusern und Geräten angebracht, um die Besitzer derselben zu bezeichnen.
Hautrelief = Hochrelief.
Heiligenhäuschen — Bilderhaus, Betsäule.
Heiligenschein, eine meist goldene Scheibe, später nur Ring, hinter oder über dem Haupt eines Heiligen zur Charakterisierung eines solchen.
Heiliges Grab, plastische Darstellung der Grablegung Christi; auch verkleinerte Nachbildung der Kirche des heiligen Grabes zu Jerusalem.
Helldunkel nennt man die Klarheit und Durchsichtigkeit der dunklen Teile eines Gemäldes.

Hellebarde, Helmbarte, eine eiserne Waffe in Form eines mit einem Beil versehenen Spießes an hölzerner Stange.
Helm, die aus Eisen oder Eisen und Leder bestehende Kopfbedeckung eines gerüsteten
Kriegers.
Helm, ein spitzes Turmdach, mag dasselbe aus Stein oder aus gedecktem Zimmerwerk bestehen.
Henkelkelch, ein Abendmahlskelch, welcher an seiner Cupa mit zwei Handhaben versehen ist.
Heraldik = Wappenkunde.
Herme, ein viereckiger Pfeiler, welcher oben in eine Büste ausläuft.
Herrgottsbild = Kruzifix.
Herrgottshäuschen = Sakramentshäuschen.
Hexenfuß = Pentalpha.
Himmelsleiter, Darstellung des bekannten Traumes des Jakob.
Hirtenstab = Bischofstab.
Hochaltar = Hauptaltar.
Hochburg heißt, im Gegensatz zur Wasserburg, eine hoch auf einem Berg gelegene Burg.
Hochrelief, im Gegensatz zu Flachrelief, ein Relief, welches um mehr als die Hälfte der vollen Körperlichkeit aus der Fläche hervorragt.
Hofburg siehe Burg.
Hofmarke = Hausmarke.
Hohlkehle, ein architektonisches Glied, dessen Profil einen konkaven Bogen bildet. Eine halbe Hohlkehle heißt Hohlleiste.
Hohlziegel, ein Dachziegel, dessen Profil ein Halbkreis ist.
Holzschnitt, Papierabdruck eines hölzernen Models, in dessen Oberfläche eine Darstellung so geschnitten ist, dass dieselbe erhaben auf vertieftem Grund steht.
Homiliarium siehe Ritualbuch.
Horarium siehe Ritualbuch.
Horizontalbogen = scheitrechter, d. h. geradliniger Bogen.
Hospital, Spital, Spittel, ein Kranken- oder Siechenhaus, wie dergleichen, ursprünglich mit Klöstern verbunden, dann auch bei Städten, um Ansteckungen zu verhüten, gewöhnlich vor
den Toren, erbaut wurden. Die stets dazu gehörige Kirche oder Kapelle ist gewöhnlich dem heil. Geist oder dem heil. Georg geweiht.
Hufeisenbogen, ein Rundbogen, der mehr als ein Halbkreis ist. Er wurde in der Architektur besonders von den Arabern angewendet.
Humorale, siehe liturgische Gewänder.
Hünengrab, heidnische Grabstätte.
Hungertuch = Fastentuch.
Hymnarium siehe Ritualbuch.
I
Ikonographie, Lehre von den bildlichen Darstellungen.
Ikonostasis, Bilderwand, heißt in der russischen Kirche eine das Sanktuarium von dem Raum der Gemeinde völlig abschließende, bis zur Decke der Kirche hinauf reichende Wand,
welche ganz mit Heiligenbildern bedeckt ist.
Illuminator, Miniaturmaler.
illuminieren, mit bunten Bildern schmücken.
Im Lichten gemessen, d. h. ohne die Umfassungswände.
Inful heißen die von der bischöflichen Mitra und der Kaiserkrone herabhängenden Rückenbinden.
Initial, großer Anfangsbuchstabe in Büchern, meist künstlerisch reich ausgebildet.
Inkrustation, aufgelegte Arbeit in Stein oder Metall. Ähnliche Arbeit in Holz heißt Furnierung.
Inkunabeln heißen die ältesten (vor 1500) gefertigten Druckwerke.
Insignien, Abzeichen eines bestimmten Standes, wie z. B. die Krone das Abzeichen eines Herrschers; der Hirtenstab Abzeichen eines Bischofs etc.
Intaglio = vertieft geschnitten, Gemme.
Intarsia = eingelegte Arbeit.
Intercolumniuni, der Raum zwischen zwei Säulen.
J
Jakobskreuz, das Ordenskreuz der Ritter des heiligen Jakob von Compostella. Es hat die Gestalt eines Schwertgriffs und läuft an den drei oberen Enden in Lilien aus.
Jerusalemkreuz = Krückenkreuz.
Joch = Travée, die einzelne, sich wiederholende Abteilung eines langgestrecktem gewölbten Bauwerkes, z. B. einer Brücke mit mehren Bogen, einer Kirche mit Pfeilern.
Johanniterorden, gestiftet im Jahre 1048 als Mönchsorden, im Jahre 1118 Raymund de Puy in
einen geistlichen Ritterorden verwandelt. Als solcher wurde er später Rhodiserorden und seit 1529 Malteserorden genannt. Tracht: schwarz mit weißem Kreuz.
Judenhut, der im Mittelalter den Juden aufgedrängte spitze Hut, orangegelb, mit weißem Rand, oder weiß mit gelbem Rand. Später wurde bestimmt, dass der Hut eine hornartige
Krümmung haben müsse.
Jungfrauen, die klugen und die törichten. Darstellung des auf das Gericht hinweisenden Gleichnisses von den zehn Jungfrauen, von denen ihre brennenden Lampen aufrecht, die
anderen ihre Lampen umgekehrt halten, um zu zeigen, dass kein Öl darin ist. Sie sind häufig dargestellt an den Brauttüren der Kirchen.
Jüngstes Gericht, Darstellung des die letzten Geschicke der Lebendigen und Toten entscheidenden Salvators. Unten Auferstehung der Toten; oben Christus als Richter; zur Linken
geleiten Engel die Seligen zur Himmelspforte; zur Rechten zerren Teufel die Verdammten in den Höllenschlund.
K
Kaak, Pranger an den Rathäusern des Mittelalters.
Kabinettstück, ein Gemälde oder anderes Kunstwerk von geringen Dimensionen, welches die Betrachtung aus der Nähe (in einem Kabinett) verträgt oder verlangt.
Kaffgesimse heißt in der Steinmetzensprache das um die Strebepfeiler herumgeführte Gesimse, unmittelbar unter den Fenstern einer Kirche.
Kaiserdach oder wälsches Dach, ein Dach mit mehrfacher Schweifung, wie es im Barockstil öfter vorkommt.
Kaland, siehe Calandsbrüderschaft.
Kalendarium, siehe Ritualbuch.
Kaliber, Weite der Mündung eines Geschützes.
Kamee, siehe Cameo.
Kamin = Firstornament; siehe Dachkamm.
Kämpfer, Anfang eines Bogens oder eines Gewölbes, meist durch ein Gesimse (Kämpfergesims) bezeichnet.
Kandelaber, stehender Lichterträger, ein künstlerisch meist reich ausgebildeter Untersatz zur Aufnahme von Kerzen oder Laternen.
Kannelieren heißen die nach einer Bogenlinie ausgehöhlten lotrechten Furchen eines Säulenschaftes.
Kanon, eine niedergeschriebene Regel, z. B. Messkanon, Ordenskanon.
Kanonisation = Heiligsprechung.
Kanontafel, kleine Tafel, auf welche der Messkanon geschrieben ist, und welche während der Messe, dem Priester gegenüber auf dem Altar, am Fuße des Kreuzes aufgestellt ist.
Kantharos, Reinigungsbrunnen im Vorhof einer Basilika.

Kantonniert heißt eine Mauerecke oder ein Pfeiler, wenn sie an den Ecken mit Halbsäulen besetzt sind.
Kanzelhaube, Kanzelhimmel — Schalldeckel über einer Kanzel.
Kapelle heißt ein kleines, entweder alleinstehendes oder mit einem größeren kirchlichen oder profanen Gebäude verbundenes Bauwerk gottesdienstlicher Bestimmung.
Kapelle heißt ein vollständiger geistlicher Ornat, bestehend aus Basel, zwei Levitenröcken und Pluvial.
Kapellenkranz heißt die Gesamtheit der kleinen, im Grundriss polygonen Kapellen, welche den Chor einer größeren Kirche umgeben.
Kapitäl oder Capitell heißt der Knauf (oberste Abschluss) einer Säule oder eines Pfeilers. Die Formen desselben sind, den verschiedenen historischen Baustilen entsprechend, sehr
verschiedenartig. In der griechischen Baukunst unterscheidet man dorische, ionische und korinthische Kapitäle; in der antik-römischen Baukunst kamen dazu noch das toskanische und römische oder
composite Kapitäl. Eigene Bildungen hat auch die altchristliche und byzantinische Baukunst. Im Mittelalter wurden das Würfelkapitäl und das gotische Blattkapitäl ausgebildet. Besondere Formen hat
auch die arabische Baukunst.
Kapitelhaus heißt ein neben einer englischen Kathedrale erbauter großer Saal, von polygoner Grundform und mit prachtvollen Sterngewölben überdeckt, welcher als Versammlungsraum
der Domherren dient.
Kapitelsaal, Versammlungssaal der Mönche oder Nonnen in einem Kloster, der Ordensritter in einer Burg, der Kapitularen eines Stiftes.
Kappa = Pluviale, Chormantel, Regenmantel, heißt ein Mantel, welcher von Priestern bei Prozessionen und bei der Vesper getragen wird. Er besteht meist aus kostbarem Stoff und
wird auf der Brust durch eine Agraffe (Pektorale) zusammengehalten.
Kappe heißt ein zwischen Gurtbögen oder Rippen eingespannter Gewölbeteil.
Kappengewölbe = Tonnengewölbe mit Kappen.
Kapuze, Kleidungstück der Mönche und Laien, welches den Kopf rings umgibt und zugleich die Schulter bedeckt, aber hinten länger zugespitzt und vorn nicht zugenäht, sondern nur
geknöpft ist. Sie sitzt häufig fest am Kleid.
Kapuziner-Orden, Abzweigung des Franziskanerordens. Tracht wie bei diesem.
Karmeliter, Mönchsorden, gegründet im Jahre 1156 durch den Kreuzfahrer Berthold von Kalabrien. Einsiedler auf dem Berge Karmel. Tracht: anfangs weiße Kutte und weißes Skapulier,
später braun und weiße gestreifte Kutte, noch später schwarzes Kleid und Skapulier, weißer Mantel mit Kragen und Kapuze.
Karnation, das Kolorit des Nackten auf einem Gemälde.
Karner, Beinhaus, mit Kapelle darüber, gewöhnlich von runder Grundform, mit halbrunder Altarnische.

Karnies, Welle, Kymation, eine aus einem konkaven und einem konvexen Teil zusammengesetztes architektonisches Glied. Man unterscheidet stehenden oder steigenden Karnies, auch Rinnleisten oder Sima genannt und fallenden Karnies.
Karolingische Bauweise heißt die sehr stark vom byzantinischen Stil beeinflusste Bauweise zur Zeit Kaiser Karls des Großen und seiner unmittelbaren Nachfolger. Das Hauptwerk
dieser Art ist die Palastkapelle Kaiser Karls zu Aachen, ein polygoner Zentralbau mit Kuppel.
Kartätsche, ein für Kanonen bestimmtes Geschoss, bestehend aus einer Blechbüchse mit Kugeln oder gehacktem Eisen.
Kartause, Kloster der Kartäusermönche; es hat als Eigentümlichkeit stets zwei Kreuzgänge.
Kartäuser, Mönch des vom heiligen Bruno im Jahre 1086 in der Einöde la Chartreuse unweit Grenoble gestifteten Ordens. Tracht: weiß mit Gürtel aus Leder oder Hanf. Der vordere und
der hintere Teil des breiten Skapulier sind in der Gegend der Knie durch einen Streifen verbunden.
Karton, Hilfszeichnung, meist auf Papier, zu einem auszuführenden Wandgemälde, Glasgemälde, Mosaikbild, einer Stickerei etc. Er wird in der Größe des auszuführenden Gemäldes
gefertigt.
Karyatiden heißen weibliche Statuen, welche an Stelle von Säulen ein Gebälk tragen. Siehe auch Atlanten.
Kasel siehe Casula.
Kassette, eine in mehren Absätzen zurücktretende Austiefung an einer ebenen oder gewölbten Decke, als Erleichterung und zum Schmuck derselben dienend.
Kasten, Reliquienkasten. Behälter für einen heiligen Leichnam, gewöhnlich aus Holz, mit Metallblech beschlagen, oft mit Statuetten, Reliefs, Emaillen, Edelsteinen etc. reich
geschmückt.
Katafalk, ein mit einem Tuch behängtes Gerüst zur Aufstellung eines Sarges beim Totengottesdienst. Er wird gewöhnlich mit Kandelabern umstellt.
Katakomben, Höhlengänge, unterirdische Felsenhallen, welche von den ersten Christen angelegt und benutzt wurden, um darin ihre Toten beizusetzen. Sie sind die Begräbnisstätten
vieler Märtyrer, über deren Gräbern zuweilen Gottesdienst gehalten wurde, weshalb einzelne Räume zu Kapellen erweitert um künstlerisch geschmückt wurden.
Katapult, eine zum Schießen (nicht Werfen) von Steinen, großen Pfeilen etc. bestimmte Kriegsmaschine.
Kathedra, der Bischofsstuhl im Chor der christlichen Kirche.
Kathedrale, bischöfliche oder erzbischöfliche, mit einem Hoch- oder Erzstift verbundene Kirche.
Kaufhaus, Kaufhalle, ein städtisches Gebäude mit großen Räumen zum Aufspeichern und Auslegen von Kaufmannswaren.
Kegelgewölbe, ein Tonnengewölbe, dessen Durchmesser sich allmählich verjüngt.
Kehlbalken heißen die zwischen zwei gegen überstehenden Sparren zur Unterstützung derselben angebrachten Querbalken, welche auf den Stuhlrähmen ruhen.
Kehle = Hohlkehle.
Kelch, das zur Konsekration und Ausspendung des Weins bei der Messe und beim Abendmahl dienende Gefäß. Es ist meist aus edlem Metall gefertigt und besteht aus drei Teilen, dem
breiten Fuß zum sicheren Aufstellen, dem Schaft mit einem Knauf zum Anfassen und der halbkugelförmigen oder halbeiförmigen Cupa. Die Kelche sind oft sehr reich mit kostbaren Materialien
ausgestattet. Zu jedem Kelch gehört eine demselben zugleich als Deckel dienende Patene (Abendmahlsteller). Man unterscheidet: 1) Abendmahlskelch, Speisekelch, Kommunionskelch, Laienkelch, oft mit
zwei Henkeln, zur Spendung des Weins an die Laien. Man füllte ihn mit Wein aus dem 2) Sammelkelch, in welchen der von den Gläubigen dargebrachte Wein gesammelt ward. 3) Konsekrationskelch oder
Pontifikalkelch, welcher vom Bischof bei der Konsekration gebraucht wird. 4) Der Messkelch, welcher vom Priester bei der Messe gebraucht wird. 5) Reisekelch und Krankenkelch, meist klein, oft mit
angeschraubter Hostienkapsel und Patene versehen, 6) Grabkelch.
Kelchseite — Epistelseite.
Kelchtuch, ein Stück Zeug, anfangs aus Leinen, später aus Seide, von der Farbe des Messgewandes, zur Bedeckung des Kelches und der Patene.
Kelt, ein keilförmiges Gerät aus Bronze, welches an einem Stab befestigt werden konnte, aus vorhistorischer Zeit.
Kemenate heißt das an den Palas der Hofburgen stoßende Wohngebäude, dann auch ein heizbares Zimmer in einem Kloster und ein Zimmer überhaupt.
Kenotaphium, siehe Cenotaphium.
Keramik — Töpferkunst.
Kielbogen heißt ein Hufeisenbogen, welcher oben in eine Spitze ausgeht.
Kirchenkasten, ein starker mit Eisen beschlagener Holzkasten zur Aufbewahrung der Dokumente und der silbernen Gefäße in einer Sakristei.
Kirchenväter heißen die Lehrer und Schrittsteller der christlichen Kirche vom 2. bis 6. Jahrhundert.
Kirchhofslaterne — Totenleuchte.
Kleeblattbogen, ein aus drei Rund- oder Spitzbogen zusammengesetzter Bogen.
Kleinmeister nennt man diejenigen deutschen, besonders Nürnberger Künstler des 16. Jahrhunderts, welche Kupferstiche in sehr kleinem Format und sauberster Ausführung
fertigten.
Kloster heißt die Gesamtheit der zu gemeinsamer Wohnung von Mönchen oder Nonnen gehörenden Gebäude. Es besteht aus einer Kirche, an welche sich, gewöhnlich auf der Südseite, die
um einen Kreuzgang gelegenen eigentlichen Klostergebäude anschließen. Die letzteren bestehen aus einem Kapitelsaal, einem gemeinsamen Wohnsaal, einem Sprechzimmer, einem Schlafsaal (Dormitorium),
einem Speisesaal (Refektorium), Küche, Bibliothek und Wirtschaftsräumen aller Art, Gärten, Krankensaal etc. Die Anordnung dieser Räume ist je nach der Regel des Ordens im Einzelnen sehr
verschieden. In einigen Klöstern muss jeder Mönch eine besondere Zelle haben. Das Kloster ist gewöhnlich von einer hohen Mauer umgeben und zuweilen auch noch befestigt.
Klostergewölbe, Walmgewölbe, Muldengewölbe, siehe Gewölbe.
Knagge = Aufschiebling; auch eine hölzerne Konsole.

Knospenkapitäl, ein frühgotisches Kapitäl, dessen Blätter in Knospen auslaufen.
Kodex, geschriebenes Buch.
Kollegiatkirche, Kirche eines Stifts.
Kolorit, Farbgebung eines Gemäldes.
Konsole oder Kragstein, ein aus einer Wand hervorragender, meist künstlerisch ausgebildeter Konstruktionsteil, zum Tragen irgendeines Bauteiles bestimmt.
Kopfquader, ein Quaderstein, welcher mit seinem Kopf, d. h. seiner Schmalseite nach außen sieht.
Korbbogen, ein gedrückter Bogen von elliptischer Form.
Kragstein = Konsole.
Kranzgesimse = Hauptgesimse, das oberste krönende Gesimse eines Gebäudes.
Kranzleisten — Hängeplatte.
Krappe oder Krabbe heißt das eigentümlich geformte gotische Blattornament (Fig 30) an den Kanten der Giebel, Fialen und Bogen.
Krebs heißt die aus ineinander gesteckten eisernen Schienen bestehende Rüstung des Oberschenkels eines Ritters. Auch bezeichnet man so wohl eine ganze aus solchen Schienen
bestehende Ritterrüstung.
Kredenz oder Kredenztisch, ein Tisch in der Nähe des Altars einer Kirche oder des Speisetisches in einem profanen Wohnzimmer zum Aufstellen der Gefäße.
kreneliert = mit Zinnen versehen.
Kreuz das Symbol des Christentums. Man unterscheidet folgende Hauptgattungen desselben: 1) das schräge x-förmige Andreaskreuz, 2) das T-förmige ägyptische oder Antonius-Kreuz, 3)
das Y-förmige Schächer- oder Gabelkreuz, 4) das lateinische oder Passionskreuz, 5) das griechische Kreuz mit vier gleichen Armen, 6) das Doppel- oder Patriarchenkreuz mit zwei Querbalken, 7) das
dreifache päpstliche Kreuz mit drei Querbalken.
Kreuzarme heißen die nördlich und südlich an der Vierung belegenen Teile des Querhauses einer Kirche.

Kreuzblume, die kreuzförmig gebildete Blume, welche die Spitzen der gotischen Türme, Giebel und Fialen krönt.
Kreuzdach, ein aus zwei kreuzförmig sich durchsehneidenden Satteldächern bestehendes Dach (gewöhnlich mit vier Giebeln) über einem Turm.
Kreuzfahne, ein Kreuz mit Wimpel an langem Stab, das Siegeszeichen in der Hand des auferstehenden Christus.
Kreuzflügel einer Kirche = Kreuzarm.
Kreuzgang heißt der bedeckte Umgang um den freien Klosterhof, gewöhnlich an der Südseite der Klosterkirche gelegen und mit derselben durch Türen verbunden. Er diente ursprünglich
für Prozessionen (Kreuzgänge) und zur Verbindung der einzelnen Räume des Klosters, später auch zu Grabstätten und zur Aufstellung von Grabmälern. Er hat oft die Gestalt einer Bogenhalle und ist
gewöhnlich mit Gewölben versehen.
Kreuzgewölbe, ein gleichsam durch Durchschneidung zweier gleich hoher Tonnengewölbe entstandenes und demnach aus vier Kappen (Kreuzkappen) bestehendes Gewölbe über einem
vierseitigen Raum.
Kreuzherr, ein Ritter des Deutschherrn-Ordens.
Kreuzkirche, eine Kirche mit Querschiff, deren Grundriss also die Gestalt eines Kreuzes hat; auch eine Kirche, welche dem heiligen Kreuze geweiht ist.
Kreuznimbus, ein mit einem gleicharmigen Kreuz versehener Heiligenschein, welcher ausschließlich den drei Personen der Gottheit zukommt.
Kreuzschiff, = Querschiff. Querhaus.
Kreuzung = Vierung.
Kreuzvorlagen heißen die über die Fluchtlinie des Langhauses einer Kirche hervortretenden Teile des Querhauses.
Kriegsflegel, eine dem Dreschflegel ähnliche Waffe, deren Schlägel entweder aus Eisen besteht oder mit eisernen Stacheln umgeben ist oder auch durch Ketten, mit Kugeln,
Stachelkugeln oder dergl. ersetzt ist.
Kriegsgabel, Sturmgabel, eine Waffe der Reiterei mit zwei oder drei
Zinken, oft mit Haken, die dazu bestimmt waren, die Zügel des feindlichen Reiters zu fassen, während die Zinken mit ihrer scharfen Schneide die Zügel abschneiden sollten.
Krippe nennt man die plastische Darstellung des in einer Krippe liegenden Christuskindes mit Maria, Joseph, den anbetenden Hirten, Ochs und Esel und den singenden Engeln.
kröneln nennt der Steinmetz das körnig raue Bearbeiten eines Werkstücks.
Krückenkreuz heißt ein Kreuz, welches an den Endpunkten mit kurzen Querleisten (Krücken) versehen ist.
Krummstab = Bischofsstab.
Kruzifix, plastische Darstellung des an das Kreuz genagelten Christus.
Krypta, eine unter dem Altarhaus einer Kirche angeordnete, meist zum Teil unterirdische, oft mehrschiffige, überwölbte Kapelle, welche für Zwecke des Totenkultus erbaut wurde.
Vergl. Confessio.
Kufstäfelchen, Pax, ein Täfelchen aus kostbarem Material, meist Silber und künstlerisch ausgebildet, an der Rückseite mit einer Handhabe versehen, welches vor der Kommunion von
dem Priester dem Gläubigen zum Küssen dargereicht wird.
Kugelfries, ein aus nebeneinander gereihten Kugeln bestehendes romanisches Ornament.
Kuppel, Kuppelgewölbe, die halbkugelförmige oder parabolische Überwölbung eines Raumes.
Kürass, Panzer des Oberleibes.
Kutte, das über dem Gürtel geheftete Hauskleid der Mönche.
L
Labarum, das mit dem Monogramm Christi bezeichnete Heerbanner Kaiser Constantin des Großen.
Labyrinth oder auch Bittgang, d. i. eine labyrinthartige Zeichnung auf dem Fußboden einer Kirche, deren Begehung unter gewissen Gebeten die mühevolle Reise in das gelobte Land
ersetzen sollte.
Lager heißt die ebene untere Seite eines Steins, auf welcher derselbe in der Mauer liegt.
Lagerfuge, siehe Fuge.
Laibung heißt die durch die Mauerstärke gebildete Seiteneinfassung einer Öffnung oder Nische. Auch wird die Unterfläche eines Bogens Bogenlaibung genannt.
Laienaltar, der für die Laiengemeinde bestimmte Altar einer Stifts- oder Klosterkirche.
Lambris, Panel, Tafelwerk, insbesondere als Bekleidung des unteren Teils der Wände eines Zimmers.
Längenbau heißt, im Gegensatz zum Zentralbau, ein Gebäude, bei welchem die Längenrichtung vorherrscht.
Langhaus heißt der westlich vom Querhaus, oder wenn ein solches nicht vorhanden ist, vom Altarhaus belegene Teil einer Kirche, welcher gewöhnlich aus einem Mittelschiff und
mehren Seitenschiffen besteht. Viele spätere Kirchen bestehen nur aus einem Langhaus.
Langschiff ist das Langhaus einer einschiffigen Kirche.
Lanze, eine Stichwaffe der Ritter, welche aus einem langen Schaft mit eiserner Spitze besteht.
Lanzenhaken, ein eiserner Haken vorn an der rechten Seite des Brustharnisches zum Auflegen der Lanze beim Rennen.
Lanzettbogen, ein hoher schmaler Spitzbogen.
Lasuren oder Lasurfarben, im Gegensatz zu Deckfarben, heißen in der Ölmalerei die durchsichtigen Farben.
Laterne, ein kleiner mit Fenstern versehener Aufsatz auf einem Kuppeldach.
Laube, eine nach außen offene, auf Pfeilern ruhende Vorhalle an einem Gebäude. Lauben, als offene Bogengänge, finden sich in manchen Städten zu beiden Seiten einer Straße im
Erdgeschoss der Wohnhäuser.
Läufer, im Gegensatz zum Binder, ein Mauerstein, welcher mit seiner Länge parallel zur Fluchtlinie der Mauer liegt.
Laufgang, Galerie, ein langer Gang, besonders auch in Festungswerken.
Leersparren heißen die zwischen den Bundsparren befindlichen Sparren, welche nicht unmittelbar durch den Dachstuhl unterstützt sind.
Legende, Umschrift auf Siegeln und Münzen; auch nicht beglaubigte Erzählung aus dem Leben eines Heiligen.
Lehre, eine zur richtigen mechanischen Herstellung baulicher Formen dienende Vorrichtung, also Schablone, Patrone, Modell etc.
Lehrrüstung, das zur Ausführung eines Gewölbes erforderliche Gerüst aus Holz.
Leib, der Schall einer Fiale.
Leibung = Laibung.
Lektionale, siehe Ritualbuch.
Lersen, Ledersen, lederne Beinschienen.
Lesegang heißt in Benediktiner- und Zisterzienser-Klöstern derjenige Flügel des Kreuzganges, in welchem zur Erbauung der Mönche Vorlesungen gehalten wurden.
Lettner, eine Querbühne zwischen Altarhaus und Langhaus zum Vorlesen, zuweilen auch als Sängerbühne dienend.
Letze oder Vohr ein bedeckter, nach innen offener, mit Schießscharten versehener Gang auf einer Burg oder Stadtmauer.
Leudner, ein enganliegender, bis über die Hüften reichender Waffenrock ohne Falten, aus Leder oder gewebtem Stoff.
Levite, ein Priestergehülfe der katholischen Kirche.
Levitensitz oder Levitenstuhl = Dreisitz.
Liberei = Bibliothek.
Lichtgaden heißen die von Fenster durchbrochenen oberen Teile der Seitenmauern des Mittelschiffs einer Basilika.
Lisene heißt ein pfeilerartiger, wenig vorspringender, senkrechter Mauerstreifen, welcher vom Sockel bis zum Gesimse aufsteigt.
Liturgische Gewänder heißen die von den Priestern bei Ausübung ihres Amtes getragenen Gewänder. Es sind für den Priester: 1) Humorale (Amictus), Schultertuch, ein länglich
viereckiges Tuch, welches um den Kragen des Privatkleides geschlagen und vor der Brust zusammengebunden wird. 2) Die Alba (Camisia), ein langes, weißes hemdartiges Gewand aus Leinewand mit
langen, engen Ärmeln, welches über das Privatkleid gezogen wird. 3) Der Gürtel (Cingulum), ein schmaler weißer Zeugstreifen, mit welchem die Alba über den Hüften gegürtet wird. 4) Die Stola, ein
langer, schmaler Streifen von Stoff und Farbe des Messgewandes, welche über die Schulter gelegt und vorn auf der Alba bis zu den Knien herabhängt. 5) Die Casel, Planeta, das eigentliche
Messgewand, ursprünglich ein weiter ärmelloser Mantel mit einer Öffnung zum Durchstecken des Kopfes. Später an den Seiten mit Schnurzügen versehen, um das Aufheben des Mantels zu erleichtern,
dann mit Seitenausschnitten für die Arme versehen, welche nach und nach so vergrößert wurden, dass die Casel schließlich nur aus einem langen Stück Zeug besteht, welches in der Mitte mit einer
Öffnung für den Kopf versehen ist, von welchem eine Hälfte vorn, die andere, mit einem Kreuz versehen, hinten über dem Rücken herabhängt. Die Farbe des Messgewandes ist für die verschiedenen
Feste verschieden. 6) Der Manipel, ein schmaler, der Stola ähnlicher Streifen von Stoff und Farbe des Messgewandes, welcher über den linken Vorderarm gelegt wird. 7) Das Barett, breite,
runde oder eckige Mütze. 8) Das Pluviale, Regenmantel, siehe Cappa. Die Amtskleidung der Diakonen besteht aus der Dalmatika, einem kurzen bis unter die Knie reichenden farbigen Rock mit langen,
engen Ärmeln, welcher über der Alba getragen wird. Der Diakon trägt auch den Manipel und die Stola, legt letztere jedoch über die linke Schulter und schlingt die Enden über der rechten Hüfte
übereinander (Stola transversa). Der Subdiakon trägt über der Alba die (der Dalmatika ähnliche) Tunika und am linken Arm den Manipel. Der Bischof trägt, außer den oben beschriebenen
Priesterkleidern, noch die Mitra, Handschuhe, den Ring am rechten Mittelfinger, den Krummstab, das Brustkreuz, Gamaschenstiefel mit darüber geschnürten Sandalen. Als besonders verliehene
Auszeichnung trägt der Bischof bei großen Feierlichkeiten auf der Brust das Razionale. Der Erzbischof trägt die bischöfliche Kleidung und außerdem meist noch das Pallium. Auch führt er, außer dem
Krummstab, noch ein Kreuz von beträchtlicher Länge. Der Papst trägt ebenfalls bischöfliche Kleidung, ist aber mit der Tiara, einer kegelförmigen Mütze mit drei kronenartigen Goldreifen angetan
und trägt statt des Krummstabes ein Kreuz, mit zwei oder drei Querbalken. Der Kardinal zeichnet sich durch eine purpurrote Kleidung und einen runden flachen breitkrämpigen roten Hut aus. Die
dienende Geistlichkeit trägt nur ein weites leinenes, bis auf die Knie herabreichendes Chorhemd (Superpelticium). Bischöfe, welche einem geistlichen Orden angeboren, tragen unter der Messkleidung
ihr Ordensgewand. Die Mönche tragen als Hauskleid eine Kutte, welche mit einem Gürtel umbunden wird. Die Schultern werden durch die Mozetta bedeckt, ein Brustkragen, an welchen sich hinten die
Kapuze zur Kopfbedeckung anschließt. Von der Mozetta hängt vorne und hinten das aus einem breiten Stück Zeug bestehende Skapulier bis auf die Füße herab. Die Nonnen tragen an Stelle der Mozetta
den Wimpel, ein gewöhnlich weißes Vortuch um Hals und Brust, und statt der Kapuze den Weihel, einen Schleier, welcher den Kopf bedeckt. Farbe und Schnitt der Kleidung richten sich nach den
Vorschriften der verschiedenen Orden. Die Äbte und Äbtissinnen führen entweder den graden, oben mit einem Knopf versehenen Abtsstab oder einen Krummstab. Alle Geistlichen tragen die Tonsur, d. h.
eine kahl geschorene kreisförmige Platte auf dem Scheitel. Ritter geistlicher Orden tragen über der Rüstung einen Mantel, und zwar die Tempelherrn einen weißen Mantel mit rotem Kreuz, die
Johanniter einen schwarzen Mantel mit weißem Kreuz, die Deutschherrn einen weißen Mantel mit schwarzem Kreuz.
Loge oder Loggia = Laube, also eine bedeckte Halle.
Lünette, ein halbkreisförmiges, etwas vertieftes Feld, z. B. das Bogen fehl über einer Rund- oder auch Spitzbogentür.
Lunola, siehe Monstranz.
M
Mäander heißt ein aus der altgriechischen Kunst stammendes, aus einem vielfach rechtwinkelig gebrochenen, vor- und rückwärts geführten Stab oder Band bestehendes Ornament. Sein
Name ist von den vielfachen Krümmungen des Flusses gleichen Namens hergenommen.
Majolika nennt man Geschirr aus glasiertem gebranntem Ton, welches mit verglasten Farben bunt (oft mit hoher künstlerischer Vollendung) bemalt ist. Es hat seinen Namen von der
Insel Majorka, von welcher aus es zuerst nach Italien kam.
Majuskelschrift, Schrift aus lauter Anfangsbuchstaben.
Maleremail nennt man Malerei mit Schmelzfarben auf Metallgerät verschiedener Art.
Malteserkreuz, das Ordenskreuz der Malteserritter. Ein aus drei mit den Spitzen zusammenstoßenden Dreiecken, welche an der Grundlinie stumpf- oder rechtwinklig ausgeschnitten
sind, zusammengesetztes griechisches Kreuz.
Mandorla, die parabolische, oben und unten zugespitzte Glorie eines Christusbildes.
Manipel, siehe liturgische Gewänder.
Männerschiff heißt, im Gegensatz zum Frauenschiff, das südliche Seitenschiff einer Kirche.
Mansarde heißt ein von dem französischen Architekten Mansard erfundene Art Satteldach, dessen Flächen gebrochen sind, so dass sie aus einem flachen und einem sehr steilen Teil
bestehen.
Marqueterie = eingelegte Arbeit.
Martyrologium, siehe Ritualbücher.
Maschikuli heißt ein auf Konsolen ruhender Mauergang, in dessen Fußboden sich Öffnungen befinden, durch welche man Steine, heißes Wasser etc. auf die belagernden Feinde werfen
kann.
Maske, Menschenkopf ohne Hinterhaupt.
Maßwerk heißt ein aus geometrischen Elementen, Kreisen, Pässen, Drei- und Vierblättern, Fischblasen etc. zusammengesetztes gotisches Ornament, welches in der gotischen
Architektur zur Füllung leerer Flächen, besonders der Fenster, verwendet wird.
Matricula, siehe Ritualbuch.
Mauerkranz heißt im Festungsbau die Brustwehr einer Mauer.
Mauerkrone heißt ein aus nachgebildeten Mauern mit Türmen gebildeter Stirnreifen.
Mauerzacken, die Zähne einer gezinnten Mauer.
Medaillon mit der Darstellung des Gotteslamms, welches am Samstag nach Ostern aus Wachs von den vorjährigen Kerzen (auch aus Oblateuteig oder Metall) verfertigt, vom Papste
geweiht, in Masse unter das Volk verteilt und als Amulett betrachtet und getragen wird.
Memoria, Krypta als Grab eines Märtyrers.
Messaltar heißt, im Gegensatz zum Hochaltar, ein lediglich zur Abhaltung von Privatmessen bestimmter Altar.
Messbuch, das Buch, in welchem die für eine Messe vorgeschriebenen Gebete enthalten sind und welches bei jeder Messe benutzt werden muss.
Messe Gregors oder Messe von Boisena, bildliche Darstellung des eine Messe lesenden Papstes Gregor VII., welchem Christus leibhaftig auf dem Altäre
erscheint.
Messgewand = Casel. Siehe liturgische Gewänder.
Messkännchen, auch Messpollen genannt, heißen kleine Gefäße, gewöhnlich aus Metall, für Wein und Wasser, zum Gebrauch bei der Messe. Das eine ist mit v (vinum), das andere mit a
(aqua) bezeichnet. Beide stehen auf einer Schüssel, welche zugleich als Waschbecken dient.
Messtürmchen heißt ein Türmchen mit einer Glocke, welche die Mönche oder Stiftsherrn zur Messe ruft.
Metopen heißen die Felder zwischen den Triglyphen eines dorischen Frieses.
Mezzanin = Zwischengeschoss.
Miniatur, Malerei zum Schmuck verschiedener Bücher. Das Wort ist abgeleitet von minium, Männig, einer roten Farbe, mit welcher die Initialen geschrieben wurden. - Dann versteht
man unter Miniaturen auch kleine Gemälde überhaupt, vorzugsweise auf Pergament oder Elfenbein, welche in höchst sorgfältiger Weise ausgeführt sind.
Minuskelschrift heißt, im Gegensatz zu Majuskelschrift, jene Schritt, die aus lauter kleinen Buchstaben besteht.
Misericordia heißt die Konsole unter dem aufklappbaren Sitzbrett eines Chorstuhls, welcher von den Mönchen beim Stehen als Stütze benutzt werden konnte. Sie ist oft künstlerisch
ausgebildet.
Missale = Messbuch.
Missale plenarium, ein Messbuch, welches auch die vollständigen Evangelien und und Episteln enthält.
Mitra heißt die spitz zulaufende Bischofsmütze, welche oben in zwei durch ein Zwischenfutter verbundene Teile (Gornuae) gespalten ist und an deren Rückseite unten zwei Bänder
(Infulae) herabfallen. Sie war in älterer Zeit niedrig und stumpf, wurde später aber sehr hoch und spitz. Sie hat die Farbe des Messgewandes und ist meist mit kostbaren Stickereien in
künstlerischer Ausbildung geschmückt.
Mittelbau einer Kirche = Zwischenhaus.
Mittelbaus — Zwischenhaus.
Mittelschiff, siehe Schiff.
Mittelturm, Vierungsturm, heißt der über der Vierung einer Kirche befindliche Turm.
Model heißt die mit einer Reliefzeichnung versehene Holztafel, deren Papierabdrücke die Holzschnitte sind.
Model oder Modulus heißt im Allgemeinen mathematisches Maß, speziell die Hälfte des untern Durchmessers einer Säule, welcher bei der Konstruktion der antiken
Säulenordnungen als relatives Maß benutzt wird. Er wird in dreißig Minuten geteilt.
Modillon, Sparrenkopf, Konsol unter der hängenden Platte des Kranzgesimses.
Modist hießen im 16. Jahrhundert die Schreibmeister, welche die Schönschreibkunst ausbildeten.
Monasterium — Kloster. Dann wohl auch Klosterkirche, Münster.
Mönch und Nonne heißen mittelalterliche Hohlziegel, welche zum Eindecken der Dächer dienen. Die Nonnen werden so nebeneinander gelegt, dass ihre hohle Seite nach oben kommt; die
dabei entstehenden Langfugen werden dann durch die mit ihrer hohlen Seite nach unten aufgelegten und durch Mörtel befestigten Mönche zugedeckt.
Mönchsschrift heißt die vom 13. bis 16. Jahrhundert übliche Schrift.
monochrom = einfarbig.
Monogramm, Namenszug, Handzeichen, in Gestalt nebeneinander gestellter oder ineinander verschlungener Buchstaben, oder wohl auch ein Wappenbild, oder eine aus einzelnen Linien
gebildete Hausmarke. Dahin gehören die Meisterzeichen der Künstler (Maler, Zeichner, Kupferstecher), der Handwerker (Goldschmiede. Zinngießer, Töpfer etc.), die Steinmetzzeichen, die
Fabrikzeichen (Wasserzeichen des Papiers) u. a.
Monolith heißen Säulen, Statuen etc., welche aus einem (ungeteilten) Steine gefertigt sind.
Monstranz heißt das aus Metall gefertigte Gefäß, in welchem die Hostie bei Prozessionen oder bei öffentlicher Vorzeigung und Aussetzung eingeschlossen ist. Sie besteht meist aus
einem kleinen Gehäuse aus Kristall oder Glas, in welchem sich ein halbmondförmiger Halter (Lunula) zur Aufstellung der geweihten Hostie befindet. Dieses Gehäuse ruht auf einem breiten Fuß, mit
Schaft und Knoten (ähnlich jenem der Kelche) und ist meist mit einem baldachin- oder turmartigen Überbau versehen. Monstranzen kommen erst seit Einführung der Fronleichnam-Prozessionen um 1264
vor.
Mordhacke = Streitaxt.
Morgenstern heißt ein Streitkolben, an dessen Schaft oben eine Kugel mit vielen Stacheln befestigt ist.
Mosaik, opus musivum, heißt eine aus kleinen verschiedenfarbigen Stein- oder Glas-, auch Holzstückchen zusammengesetzte künstlerische Darstellung (Ornament oder Bild). Die
einzelnen Stückchen werden mittels Kitt auf einer Grundlage und untereinander befestigt.
Moßhaus (Mushaus), Zeughaus, Vorratshaus auf einer Hofburg.
Mozetta, siehe liturgische Gewänder.
Muldengewölbe = Klostergewölbe.
Münster = Kloster- oder Stiftskirche.
Muschelgewölbe = Nischengewölbe, Halbkuppel.
Muskelmann, eine gezeichnete oder plastisch ausgeführte menschliche Gestalt ohne Haut, welche den Zweck hat, die Muskeln und Sehnen recht deutlich zu zeigen. Mutterkloster,
dasjenige Kloster, von welchem aus andere Klöster (Töchterklöster) gegründet wurden.
Muttersäule, der Kern eines Bündelpfeilers; eine mit Diensten versehene Säule.
Mützengewölbe = Zellengewölbe.
Myrrhophoren, die am Auferstehungsmorgen nach dem Grabe Jesu gehenden, Spezereien tragenden Frauen.
Mysterien oder Passionsspiele, geistliche Schauspiele, in welchen Szenen der heiligen Geschichte, besonders die Passion, die Auferstehung und Wiederkunft-Christi, aufgeführt
wurden. Anfangs geschahen solche Aufführungen in der Kirche, später auf öffentlichen Plätzen.
N
Nabel, Schluss eines Kuppelgewölbes. Befindet sieh an Stelle des Schlusses eine Oberlichtöffnung, so heißt dieselbe Nabel Öffnung. Letztere ist von einem Nabelring umgeben.
Nadel = Helmdach.
Näpfchen nennt man kleine halbkugelförmige Vertiefungen, welche im Mauerwerk der Kirchen, vorzugsweise in der Nähe der Portale, in mehr oder weniger großer Anzahl sich finden.
Sie sind mit irgendeinem Instrument in das fertige Mauerwerk hineingerieben. Ursprung, Alter und Zweck derselben ist nicht bekannt. Wahrscheinlich ist, dass sie in dem mittelalterlichen
Aberglauben des Volkes, welches Pulver von den Mauern geweihter Gebäude für ein heilsames Mittel gegen gewisse Krankheiten (Fieber) hielt, ihren Ursprung haben. — Rillen oder Schleifrillen sind
ähnliche Vertiefungen von länglicher Form im Mauerwerk der Kirchen, welche durch Wetzen eiserner Instrumente hergestellt zu sein scheinen. Wahrscheinlich sind sie dadurch entstanden, dass fromme
Krieger vor ihrem Auszug zur Schlacht ihre Waffen an den Mauern geweihter Gebäude wetzten, um sie dadurch wirksamer zu machen.
Narthex, die schmale Vorhalle vor dem Haupteingang einer altchristlichen Basilika, Aufenthaltsort der Büßer.
Nase, im Allgemeinen Ansatz, helfet der auf der untern Seite des oberen Endes eines Dachziegels befindliche Ansatz, mittels dessen der Dachziegel auf die Dachlatte gehängt wird.
Nase heißt auch der astförmig herausgebogene Teil der Rippen im gotischen Maßwerk.
Nebenschiff = Seitenschiff.
Nekrologium, siehe Ritualbuch.
Netzgewölbe, eine spätere Ausartung des Sterngewölbes, bei welchem die Rippen in geschwungenen Linien sich durchkreuzen und maschenähnliche Felder von verschiedener Größe und
Form bilden.
Netzwerk, opus reticulatum, ein von den allen Römern angewendeter eigentümlicher Mauerverband, bei welchem die Fugen diagonal laufen und ein Netz bilden.
Niello, eine mit dunkler Masse (bestehend aus Silber, Kupfer, Blei, Kohle und Schwefel) ausgefüllte Gravierung in Metall, besonders Silber. Uneigentlich werden auch
Papierabdrücke solcher Gravierungen, welche natürlich nur vor deren Ausfüllung gemacht werden können, Niellen genannt.
Nische, eine halbrunde, mit einem Bogen überdeckte Vertiefung in einer Wand; daher Altarnische, Chornische = Apsis.
Nodus, Knoten am Fuß eines Kelches, einer Monstranz und am Bischofsstab.
Nonnenchor, die am Westende einer Nonnenklosterkirche eingerichtete, nach Osten geöffnete, für die Nonnen bestimmte Empore.
Normannischer Baustil ist eine eigentümliche provinzielle Abart der spätromanischen Baukunst, welche in der Mitte des 11. Jahrhunderts in der Normandie
entstanden, später von den Normannen auch nach Spanien, Sizilien und Unteritalien verpflanzt ist und bis um 1260 in Übung war. Die Kirchen dieses Stils sind basilikenförmig mit Kuppe) über der
Kreuzung, reichen Apsidengruppen, haben gestelzte Spitzbogen, romanische Pfeilerbündel und Kapitäle. Als Ornamente sind charakteristisch der Bogenfries mit Rundbogen oder Kreuzungsbogen,
Zickzack, Raute, Sterne, Schachbrett, Schuppen etc. Daneben spielt die Tiersymbolik eine große Rolle.
Nothelfer, die Vierzehn, vierzehn Heilige, von welchen man glaubte, dass ein in ihrem Namen gesprochenes Gebet von Gott stets erhört werde.
Nymphäum, Reinigungsbrunnen im Vorhof der Basiliken.
O
Oberlicht, ein Oberfenster, d. h. ein Fenster über einer Tür oder im Lichtgaden einer Kirche; auch eine Öffnung in der Decke eines Raumes.
Offertorium, der erste Teil der Messe, während welcher der Priester unter Gebet den Wein und das Brot zur Konsekration vorbereitet.
Oktogon = Achteck.
Ölberg, mons olivarum, plastische Darstellung des Leidens Christi im Garten zu Gethsemane.
Opferstock, ein verschlossener Kasten zur Aufnahme von Almosen an den Türen der Kirchen, Hospitäler etc., oft nur ein ausgehöhlter, in die Erde gegrabener Baumstamm, zuweilen
aber auch ein Kasten in reicher künstlerischer Ausbildung.
Opus Alexandrinum, eine Art Fußbodenmosaik aus farbigen Steinen von bestimmter Zeichnung mit einzelnen großen eingelegten Platten.
Opus Anglikanum, eine Art Stickerei auf Seide oder Samt, bei welcher die Ränder der Ornamente mit Perlen eingefasst und kleine vergoldete Silberbleche mit
gepressten Darstellungen aufgenäht sind.
Opus incertum, Mauerwerk von unregelmäßigen Steinen.
Opus reticulatum = Netzwerk.
Opus rusticum, Mauerwerk aus unbehauenen oder rau behauenen Steinen.
Opus spieatum, Mauerwerk mit fischgrätenartigem Verband, besonders als Fußbodenpflaster angewendet.
Opus tesselatum, Würfelwerk, Mosaikboden aus würfelförmigen Steinen, Oratorium — Bethaus, Kapelle.
Ordenstracht, die vorgeschriebene Kleidung der Mönche, Nonnen und geistlichen Ritter, welche je nach den Orden verschieden ist. Siehe liturgische Gewänder.
Orientierung, die Richtung der Längenachse einer Kirche oder Kapelle von Osten nach Westen. Sie beruht auf der Sitte der ältesten Christen, beim Beten gegen Osten, als den
Aufgang der Sonne, sich zu wenden.
Ort, Steinmetzen-Ausdruck für Spitze oder Ecke.
Ostensorium = Monstranz.
Osterleuchter, ein großer Leuchter neben dem Evangelienambo zur Aufnahme der Osterkerze.
Ostung = Orientierung.
P
Pacem = Kusstäfelchen.
Paduaner heißen falsche römische Münzen, welche im 16. Jahrhundert in Padua verfertigt wurden.
Paenula = Casel, Messgewand.
Palas heißt der große zu Versammlungen und zu Gelagen benutzte Saal einer Burg oder auch das ganze Gebäude, in welchem dieser Saal sich befindet. Er ist gewöhnlich durch eine
Freitreppe vom Hof aus zugänglich.
Paleographie, Wissenschaft von den Schriftzügen.
Palimpsest = codex rescriptus, ein Pergament, auf welchem nach dem Weglöschen einer älteren, eine zweite Schrift aufgetragen ist. In den meisten Fällen ist die ältere, nur sehr
schwer und lückenhaft lesbare Schritt für uns von großem Interesse.
Palisaden, Pfahlzäune, Reihen von in die Erde geschlagenen Pfählen, welche als Verteidigungsmittel dienen.
Palla, Vorhang, Teppich, Altartuch, Altarbekleidung; meist gewebt und bestickt.

Pallium, eine den Erzbischöfen verliehene, schmale, weißwollene Binde mit roten Kreuzchen, welche über dem Messgewand um die Schultern gelegt wird und von welcher vorn und hinten
Bänder herunter hängen.
Palmette, ein in der antiken Kunst häufig vorkommendes blumenartiges Ornament, dessen Blätter fächerartig sich ausbreiten.
Panier = Banner, Heerfahne.
Panzer = Brustharnisch.
Panzerhandschuhe, Handschuhe aus Eisen, mit beweglichen Schienen oder Schuppen, oft auch aus Ringgeflecht.
Panzerhemd, ein Gewand zum Schutz des Körpers aus ineinander greifenden eisernen Maschen.
Paradies, eine Kirchenvorhalle, in welcher in alten Zeiten Adam und Eva als Mahnbilder für die Büßer, welche in dieser Vorhalle verbleiben mussten, dargestellt waren.
Parallelbilder heißt ein Zyklus von nebeneinander gestellten, in typischer Beziehung zueinander stehenden Darstellungen aus dem alten und neuen Testament.
Parament heißen sämtliche zu einer Kirche gehörenden liturgischen Gewänder, Bekleidung der Altäre etc.
Paramentik, die Lehre von der Gestaltung der Paramente.
Parapet = Brustwehr, Brüstung.
Parlier, Palierer, heißt der oberste Geselle der Maurer und Zimmerleute, welcher im Auftrag des Meisters die Aufsicht über die übrigen Gesellen, Lehrlinge und Tagelöhner führt
und zugleich der Wortführer (parier) der Gesellen, gegenüber dem Meister, ist. Er wählt die Steine aus, verteilt die Arbeiten unter die einzelnen Gesellen, gibt den Verband an etc., leitet
überhaupt die von seinem Meister übernommenen Arbeiten auf der Baustelle.
Parloir, Sprechzimmer eines Klosters.
Parochialkirche = Pfarrkirche.
Parochie = Pfarrsprengel.

Partisane, eine eiserne Waffe mit breiter, schwertartiger Spitze ohne Axt, aber mit Flügelspitzen, an
einem langen Schaft.
Pass heißt in der gotischen Baukunst, eine von Kreisbogen begrenzte Form. Man unterscheidet je nach der Zahl der Bogen, Dreipass, Vierpass, Fünfpass etc. Sind die begrenzenden
Bogen des Passes gebrochen, nennt man die Form Dreiblatt, Vierblatt etc.
Passion, Zyklus von Darstellungen des ganzen Leidens Christi vom Gebet am Ölberg bis zur Grablegung.
Passionate siehe Ritualbuch.
Passionsengel, ein Engel mit den Passionswerkzeugen.
Passionskreuz = Lateinisches Kreuz, d. h. ein Kreuz, dessen unterer Arm, der Kreuzesstamm, länger ist als die übrigen Arme.
Passionssäule, Darstellung der Säule, an welcher Christus gegeißelt wurde. An ihrem Schaff sind die Embleme des Leidens Christi dargestellt und auf dem Kapitäl der Hahn
Petri.
Passionsspiele = Mysterien.
Passionswerkzeuge, Embleme des Leidens Christi.
Paste, Abdruck einer Gemme in Glas, Schwefel, Gips etc. oder Nachbildung einer solchen in Glas.
Pastell, Pastellmalerei, Malerei mit trockenen farbigen Stiften.
pastös, in der Malerei vom Farbenauftrage gesagt, heißt dick, körperlich aufgetragen.
Patena, Hostienteller, Brotschüssel, siehe Kelch.
Paternoster = Rosenkranz.
Patina, Oxydüberzug, welcher auf der Bronze sich bildet, wenn dieselbe längere Zeit der Luft ausgesetzt ist.
Patriarch, Oberhaupt der griechischen Kirche, auch Inhaber eines hohen geistlichen Amtes der römisch-katholischen Kirche, noch höher stehend, als ein Erzbischof.
Patriarchenhut, violetter Hut ohne Krempe mit hellblauem Kreuz und zwei langen Schnüren.
Patriarchenkreuz, ein hohes Kreuz mit zwei Querbalken, deren oberer etwas kürzer ist.
Patron = Schutzheiliger.
Patrone, dünnes Plättchen aus Metall, Holz oder Pappe, in welches ein Muster eingestochen oder eingeschnitten ist. Mittels dieser Schablone wird das betreffende Muster durch
Überstreichen mit Farbe auf eine Fläche übertragen. Das Auftragen selbst heißt patronieren.
Pause, Durchzeichnung auf durchsichtigem Papier.
Pavillon, Zelt oder zeltartiger Bau.
Pax — Kusstäfelchen.
Pazifikale, Reliquien- oder Kusskreuz. Es hat seinen Namen von den Worten Pax tecum, womit der Geistliche es zum Kuss darreicht.
Pechnase, ein auf Konsolen ruhender kleiner Balkon an einem Turm und besonders über dem Eingang desselben, in dessen Boden eine Öffnung sich befindet, durch welche man Steine,
heißes Wasser etc. auf den anstürmenden Feind werfen kann. Eine Reihe von Pechnasen bilden die Maschiculi.
Pedrella, unterer Teil eines Altaraufsatzes,
Pedum, Hirtenstab, besonders Abtstab und Bischofsstab.
Pektorale, Bruststück einer Pferderüstung oder eines Harnisches; auch die Spange des Pluviale.
Pelikan, ein Vogel, welcher der Sage nach seine eigene Brust mit dem Schnabel öffnet, um seine Jungen mit seinem Blut zu tränken. Daher Symbol der Selbstaufopferung und des
Opfertodes Christi.
Pelvis, Becken, Waschbecken, auch Messbecken zum Aufstellen der beiden Kännchen für Wasser und Wein.
Pendant = Gegenstück.
Pendentif = Gewölbezwickel.

Pentalpha, Pentagramm, Drudenfuß, Hexenfuß, eine aus zwei verschränkten Dreiecken bestehende mystische Figur; durch welche man sich gegen das Eindringen oder Entweichen böser
Dämonen zu schützen glaubte.
Peribolos, ein rings umschlossener Raum.
Peristerium, metallenes Hostiengefäß in Gestalt einer Taube, in derem Rücken der Deckel sich befindet.
Peristyl, Säulengang, welcher einen Platz oder Hof im Innern rings umgibt.

Perlenstab, ein Bauornament, welches einer Schnur von aufgereihten Perlen nachgebildet ist.
Petarde, Mörser von Gusseisen zum Sprengen feindlicher Tore oder Palisaden.
Pfahlbau, ein aus in die Erde geschlagenen Pfählen bestehender Unterbau zur Aufnahme eines oder mehrerer Gebäude in einem See oder Sumpf.
Pfalz (von Palatium), kaiserliche Hofburg; auch Palast eines Erzbischofs.
Pfarrkirche, Kirche, an deren Spitze ein Pfarrer mit der Pflicht der Seelsorge innerhalb eines bestimmten Sprengels steht.
Pfeiler, senkrechte, freistehende Stütze von eckigem Profil mit Fuß und Kopfgesimse. Doch gibt es in der gotischen Baukunst auch Rundpfeiler, welche, im Gegensatz zu den antiken
Säulen, ohne Verjüngung aufsteigen und meistens mit Diensten besetzt sind.
Pfeilerbasilika heißt eine Basilika, deren Arkaden des Mittelschiffs nicht auf Säulen, sondern auf Pfeilern ruhen.
Pfeilersims heißt in der Sprache der Steinmetzen das Dachgesimse eines Strebepfeilers.
Pfette = Fette.
Pforte = kleine Tür.
Pfosten, hölzerner Pfeiler, Stiel, Ständer, entweder freistehend oder in eine Fachwerkswand eingefügt; auch die steinernen Stäbe, welche ein größeres gotisches Fenster in mehrere
Lichter teilen; man unterscheidet alte Pfosten, welche die Hauptabteilungen scheiden und junge Pfosten.
Pfühl, ein rundstabartiges architektonisches Glied, besonders an einer Säulenbasis, welches tragend gedacht ist.
Phönix, ein fabelhafter Vogel, welcher der Sage nach sich verbrennt, und dann aus seiner Asche wieder verjüngt hervorgeht; daher Symbol der Auferstehung.
Piedestal — Postament, Fußgestell.
Pieta (Pietas), Darstellung der Maria mit dem Leichnam Christi auf ihrem Schoß
Pilaster, Wandpfeiler, d. h. ein Pfeiler, welcher zum Teil in der Wand sitzt.
Piscina, eigentlich Fischteich, dann Taufteich in einer Taufkapelle; dann auch Vertiefung zum Wasserabfluss in der südlichen Wand des Chors neben dem Altar oder in der Sakristei
mit einer kleinen Abzugsröhre, welche zum Abfließen beim Waschen der Hände und der heiligen Gefäße vom Priester gebrauchten Wassers dient.
Plafond = flache Decke.
Planeta = Casel,
Plastik = Bildhauerkunst.
Platte heißt ein starkes gradliniges, gewöhnlich ein rechtwinkliges Prisma bildendes architektonisches Glied. Tritt eine Platte nur wenig vor, so heißt sie Band; bildet sie den
Sockel einer Säule, so heißt sie Plinthus; ragt sie weit hervor und ist unten mit einer Wassernase versehen, so heißt sie Hängeplatte oder Kranzleisten.


Plattenrüstung ging allmählig aus den Verstärkungen hervor, welche seit
dem Ende des 13. Jahrhunderts an dem bis dahin üblichen Ketten-und Ringpanzer angebracht wurden. Diese Verstärkungen bestanden zuerst aus Leder mit Buckeln beschlagen, oder aus mehreren
Stahlplättchen und Metallstreifen, später aus größeren Eisenplatten, so dass die Plattenrüstung erst seit dem Ende des 14. Jahrhunderts den ganzen Körper bedeckt. Die einzelnen Teile desselben
sind der Kürass oder Harnisch, welcher aus zwei Stücken der Brustplatte (8) und der Rückenplatte (15) besteht, welche miteinander durch Riemen verbunden sind. Die Brustplatte ist häufig in der
Mitte mit einer senkrechten Kante oder Gräte und bei der Reiterei an der rechten Seite mit einem Lanzenhaken (10) versehen. Zum Schulz des Oberteils der Brust dient ein Kragen, die Halsberge (9),
der entweder aus zwei zusammengebundenen Teilen oder aus einem durch drei übereinander greifende bewegliche Ringe gebildeten Stücke besteht. Zum Schutz des eigentlichen Halses dient der
Gurgelschutz (7). Von der Brustplatte getrennt ist die schuppenartig gegliederte Bauchplatte, oder statt ihrer ein Schurz, bestehend aus Vorderschurz (11) und Hinterschurz (14). Zum Schutz des
Unterleibes dienen die gleichfalls gegliederten Hüftstücke (12) und die daran befestigten Schöße. Die Bedeckung der Arme bilden die Armschienen (19). Das Verbindungsglied zwischen Oberarm- und
Unterarmschiene bildet die Ellenbogenkapsel (20) mit den Mäuseln (21), deren Form gegen Ende des 15. Jahrhunderts sich flügelartig ausbreitet. Die Armschienen werden mit dem Brustharnisch durch
Schulterstücke (10) verbunden; der obere Rand derselben wurde gegen Ende des 15. Jahrhunderts zum Schutz des Halses mit einem emporstehenden Kamm, Brechrand oder Stoßkragen (17) versehen.
Schulterstücke und Armschienen sind mit der Halsberge durch Federstifte (18) oder durch Riemen verbunden. Zum Schutz der Achselhöhlen dienen die Achselhöhlscheiben (10). Auch die Beine haben
Plattenbedeckung. Die Schenkelstücke, Beintaschen, Diechlinge (24) bestanden anfangs aus je einem Stück, später aus quer gegliederten Schienen. (Die Reiter hatten nur die vordere Hälfte der
Schenkelschienen). Die Beinschienen (26) vom Knie bis zum Fuß reichend, bestehen aus zwei durch Scharniere miteinander verbundenen Hälften. Die Verbindung zwischen Schenkel- und Beinschienen
bilden die Kniestücke, Kniekacheln (25), ähnlich wie die Ellenbogenkapseln gestaltet. Die Fußbekleidung besteht aus schuppenartig gebildeten Plattenschuhen (28) die Oberfläche des Fußes
bedeckend, aus einer Bedeckung der Fersen (27) und einer ledernen Sohle. Die Handschuhe (22) hatten im 14. Jahrhundert getrennte, oft mit Stahlplatten bedeckte Finger und auf der Oberfläche der
Hand auf dem Leder Metallplatten. Im 15. Jahrhundert kommt der Fausthandschuh nochmals auf, dessen ungeteilte Finger mit schuppenartigen Platten bedeckt sind.
Plattner = Harnischmacher.
Plinthe, die quadratische Platte, auf welcher eine Säule oder Statue ruht; man bezeichnet als Plinthe aber auch den Sockel eines Gebäudes, bzw. die Trennungslinie zwischen dem
Sockel und Erdgeschoss.
Plumale, Schulterkragen der deutschen Kurfürsten.
Pluviale = Regenmantel, Cappa, Chorkappe.
Podest, ebener, waagerechter Absatz einer gebrochenen Treppe.
Podium, lang hinlaufende Erhöhung; daher Säulenstuhl, Estrade, Perron, Fußtritt der Chorstühle.
Pokal, großes kelchförmiges Trinkgetäß auf hohem Fuß, meist aus edlem Metall oder Glas.
Polier = Parlier.
polychrom — vielfarbig.
Pontifex — Priester, besonders Bischof.
Pontifex maximus = Papst.
Pontifikale, siehe Ritualbuch.
Pontifikalkelch, Prachtkelch, welcher nur bei festlichen Gelegenheiten von einem Bischof gebraucht wird.
Portal = Prachttor.
Portatile — Tragaltar.
Portikus = Säulenhalle.
Posaunenengel, ein Engel, welcher mit einer Posaune zur Auferstehung und zum Jüngsten Gericht ruft.
Positiv = kleine tragbare Orgel.
Postament, Fußgestell einer Säule oder Statue. Es besteht gewöhnlich aus einer Plinthe, dem Sockel, dem Würfel und dem Kranzgesimse.
Präbende, Pfründe, Einkommen eines Geistlichen.
Prämonstratenser, ein Mönchsorden, welcher im Jahre 1120 in dem Tal Coney durch den Kanonikus Norbert gestiftet wurde. Ordenstracht: weißes Kleid und Binde; vierspitziges Barett;
auch Mozetta, Skapulier und Mantel weiß; auf der Brust ein achtspitziger Stern.
Pranger, auch Kaak, Schandpfahl, Staupsäule genannt, ist ein Pfahl oder auch ein Perron an dem Rathaus, an welchem ein Verbrecher nach gerichtlichem Urteil mit einem um den Hals
gelegten eisernen Ringe, Halseisen, oder durch ein Joch befestigt und öffentlich ausgestellt, dabei wohl auch gestäupt wurde.
Predella = Pedrella.
Predigtstuhl = Kanzel.
Presbyterium heißt der für die Priester bestimmte Raum einer Kirche, daher meist Chor, Altarhaus.
Priorei, ein Kloster, dem nicht ein Abt, sondern ein Prior vorsteht. Die Kirche eines solchen Klosters heißt Prioratkirche.
Pritsche, bettähnliche Bank.
Probedrücke heißen die ersten, versuchsweise gemachten Abdrücke einer gestochenen Kupferplatte, welche noch der Revision des Kupferstechers unterliegen, um darnach Verbesserungen
an der Platte zu machen. Von besonderer Wichtigkeit sind Probedrücke bei radierten Platten. Auch pflegt man sie wohl von geschnittenen Holzstöcken zu nehmen.
Pronaos = Vorhalle eines griechischen Tempels.
Prophet, Weissager in der alttestamentlichen Geschichte. Man unterscheidet vier große und zwölf kleine Propheten. Die ersteren heißen Jesaias, Jeremias, Hesekiel oder Ezechiel
und Daniel. Die zwölf kleineren Propheten heißen Hosea, Joel, Amos, Obadja oder Abdias, Jonas, Micha oder Michaeus, Nahum, Habakuk, Zephanja, Haggai, Sacharja oder Zacharias und Maleachi oder
Malachias.
Prosarium, siehe Ritualbuch.
Prospekt = Ansicht, besonders einer Gebäudegruppe.
Prothesis, nördliche Nebenapsis der orientalischen Kirche, in welcher die heiligen Gefäße aufbewahrt werden.
Prothyron, der Raum unmittelbar vor der Tür.
Protomartyr, der erste Blutzeuge des Christentums.
Prototyp, eine Gestalt oder Begebenheit des alten Testaments, welche vorbildlich auf eine entsprechende Begebenheit des neuen Testaments bezogen wird.
Provisor, Vikar des Bischofs.
Prozession, Umgang, feierlicher Umzug.
Prozessionale, siehe Ritualbuch.
Prozessionsaltar, Altar von Holz, welcher am Fronleichnamsfest in Prozession getragen wird.
Prozessionskreuz = Vortragekreuz.
Psalterium, siehe Ritualbuch.
Psychopompie, Wegführung der Auferstandenen in den Himmel oder in die Hölle beim Jüngsten Gericht.
Psychopompos = Seelenführer.
Psychostasie = Seelenwägung beim Jüngsten Gericht.
Pultdach, Halbdach, ein Dach, welches sich an eine senkrechte Wand anlehnt, also nur auf einer Seite abschüssig ist.
Punktiermanier, eine Art des Kupferstichs, bei welcher Zeichnung und Schattierung durch mehr oder weniger feine Punkte hergestellt sind.
Purgatorium = Fegefeuer.
Purificatorium, Tuch zum Abtrocknen des Kelches.
Pusikan = Streitkolben.
Puteal = Brunneneinfassung.
Puteus — Brunnen.
Putti, Kindergestalten, die zu ornamentalen Zwecken in der Skulptur und Malerei häufig angewendet werden.
Pyxis, Büchse aus edlem Stein, edlem Metall, Elfenbein etc., zur Aufbewahrung der Hostien. Wenn die Hostie geweiht ist, kommt sie in das Ziborium.
Q

Quadrelle, ein eiserner Streitkolben des 15. Jahrhunderts.
dessen Knauf die Gestalt eines Quirls hat.
Quadrierung, Nachahmung der Quadersteine auf einer in Putz hergestellten Mauerflache.
Quadriga = vierspänniger Wagen.
Quattrocentisten, die italienischen Künstler des 15. Jahrhunderts.
Quattrocento = Fünfzehntes Jahrhundert.
Querdach, ein Dach, dessen First, senkrecht zum First des Hauptdaches steht, z. B. das Dach über einem Querschiff.
Quergurt — Gurtbogen.
Querhaus, Querschiff, heißt jener Teil einer Kirche von kreuzförmigem Grundriss, welcher rechts und links von der Vierung liegt.
R
Raalstab, ein Kelt (Axt der Bronzezeit) mit Schaftlappen.
Radfenster, runde Lichtöffnung mit speichenartiger Stellung der Maßwerkpfosten.
Radieren, ein Verfahren des Kupferstichs, wobei die Zeichnung in den auf die Kupfer- oder Stahlplatte aufgetragenen Ätzgrund mit der Radiernadel eingeritzt und dann die Platte
der Wirkung einer Säure ausgesetzt wird, welche die Zeichnung in die Platte vertieft einfrisst.
Radierung heißt der Abdruck einer auf solche Weise bearbeiteten Platte.
Radleuchter, eine Art Kronleuchter, welcher aus einem metallenen, mit Lichtern besetzten Reifen besteht und an Ketten an der Decke herabhängt.
Radschloss, das Schloss einer Feuerbüchse, im wesentlichen aus einer stählernen Scheibe bestehend, durch deren schnelle Umdrehung an einem Stück Schwefelkies, welches vom Hahn
fest auf die Scheibe gedrückt wird, Funken hervorgebracht werden, die das Pulver auf der Pfanne entzünden.
Rapier, eine unter Karl V. aufgekommene Art von Stossdegen, dessen Gefäß lange gerade Querparierstangen und ein Stichblatt
in Form eines Korbes hat.
Rationale, ein priesterliches Schultergewand (superhumerale), welches aus zwei scheinbar getrennten Stücken besteht, die auf den Schultern, anfangs durch Spangen, später durch
ein kreisförmiges Stück Stoff zusammengehalten wird.

Rauchfass, Räuchergefäß, Weihrauchbecken, Thymiaterium, ein metallenes Gefäß mit Deckel zur Aufnahme der glühenden Kohlen, auf welche der Weihrauch geschüttet wird. Es hängt an
Ketten, an welchen es bei kirchlichen Räucherungen geschwenkt wird.
Rauchmantel — Pluviale.
Ravelin heißt in der Festungsbaukunst ein vor der Courtine isoliert im Graben liegender bastionsartiger Bau, welcher den Zweck hat die Courtine zu decken.
Redendes Wappen heißt ein solches, welches den Namen des Besitzers oder seinen Wahlspruch in rebusartiger Weise andeutet, z. B. Henne auf einem Berge für Henneberg, ein Wolf für
Wolf etc.
Redoute, siehe Schanze.
Reduit heißt in der Festungsbaukunst der letzte Zufluchtsort der Belagerten.
Refektorium, Remter, gemeinsamer Speisesaal in einem Kloster.
Regia — bischöflicher Palast.
Reiberdruck, ein nicht auf der Presse, sondern vermittels eines Lederballens, Reibers, hergestellter Abdruck eines geschnittenen Holzstockes.
Reichsapfel, eine Kugel, welche von den Kaisern zum Zeichen ihrer Weltherrschaft, auf der linken Hand getragen wird. Zuweilen ist dieselbe mit einem Kronreif umgeben und mit
einem Kreuz bekrönt.
Reichskleinodien, die Krönungsinsignien der deutschen Kaiser.
Reinigungsbrunnen, ein im Vorhofe der altchristlichen Basilika befindliches Wasserbecken, in welchem die Eintretenden sich die Füße wuschen.
Relief, erhabene plastische Arbeit auf einer Fläche. Man unterscheidet je nach der Höhe, Hochrelief (hautrelief), Halbrelief (demirelief) und Flachrelief (Bas-relief).
Reliquiarium, Behältnis zum Aufbewahren von Reliquien, das sind leibliche Überreste von Heiligen. Reliquiarien, meist aus sehr kostbarem Material und sehr reich geschmückt,
kommen in verschiedenen Formen vor; l) Reliquiensarg für den ganzen Leib eines Heiligen. 2) Reliquienkästen oder Reliquientruhe. 3) Reliquienkästchen. 4) Reliquienkelch. 5) Reliquienbüchse. 6)
Reliquientafel. 7) Figurierte Behälter in Form von Statuetten, Büsten, Armen etc. 8) Reliquienmonstranz oder Ostensorium, zum Vorzeigen der Reliquien. 9) Reliquienkreuz.
Reliquienaltar, ein über dem Altartisch schrankartig angebrachter Aufsatz zur Ausstellung von Reliquien.
Reliquiengrab, Reliquiengruft, Sepulcrum altaris, die in der Altarplatte befindliche Vertiefung, in welcher ein bleiernes Kästchen, Capsa, mit der Weihungsurkunde und den
Reliquien des betreffenden Heiligen eingelassen und durch ein Siegel verschlossen ist.
Reliquienkelch, ein Kelch, in dessen Fuß eine Reliquie eingeschlossen ist. Reliquienkreuz, Brustkreuz mit Reliquien.
Reliquienmonstranz, eine Monstranz, in welcher eine Reliquie eingeschlossen ist.
Remter, Speisesaal, dünn überhaupt Saal in den Burgen des deutschen Ritterordens in Preußen.
Renaissance, Wiedergeburt, Wiederaufnahme der antiken (römischen) Kunst. Sie geschah in Italien im Anfang des 15. Jahrhunderts, in Frankreich um das Jahr 1500, in Deutschland am
Anfang des 16. Jahrhunderts, zuerst in der bildenden Kunst, dann in der Architektur. Natürlich wurden bei mangelhafter Kenntnis der Originale die antiken Formen nicht getreu nachgebildet, sondern
im Geiste des Volkes und der Zeit und mit Rücksicht auf das andere Klima, das andere Material und die wesentlich verschiedenen Bedürfnisse mannigfach umgebildet.
Replik = Wiederholung, besonders von Kunstwerken gebraucht, welche der Künstler wiederholt angefertigt hat.
Responsoriale, siebe Ritualbuch.
Retabulum = Altaraufsatz.
retuschieren, teilweises Übermalen eines Gemäldes.
Revers, Rückseite, also Schrift- oder Wappenseite einer Münze oder Medaille.
Rezeptorium, Empfangszimmer, Sprechzimmer.
Riegel, siehe Fachwerk.
Riegelwerk = Fachwerk.
Riemen, eine sehr dünne Platte.
Riese heißt der pyramidale Oberteil einer Fiale.
Rillen, siehe Näpfchen.
Ringharnisch — Panzerhemd.
Ringkragen — Halsberge.
Ringmauer heißt die eine Stadt oder Burg zu deren Schulz einschließende Mauer.
Rinnleisten, das oberste Glied des Hauptgesimses, welches die Wasserrinne enthält.
Rippengewölbe, ein mit Rippen versehenes Gewölbe.
Risalit heißt ein vorspringender Teil einer Fahnde.
Ritterorden, sind Verbindungen des Mittelalters, welche den Zweck geregelter Religionsübung, der Gastlichkeit im weitesten Sinne des Wortes und des Kampfes gegen die Ungläubigen
hatten. Mitglieder derselben mussten die drei Gelübde der Mönche, Gehorsam, Armut und Keuschheit, ablegen. Sie hatten eine eigene Tracht mit einem Kreuz auf dem Mantel und lebten nach gewissen
Regeln.
Ritualbuch heißt ein zum gottesdienstlichen Gebrauch bestimmtes Buch. Je nach dem Inhalte desselben unterscheidet man: Abominarium, enthält die gegen die Feinde der Kirche
ausgesprochenen Bannformeln. Agenda = Missale. Alleluiarum, enthält die zwanzig Hallelujapsalmen. Anniversarium, enthält die Gesänge für den jährlichen Todestag der Verstorbenen. Antiphonarium,
enthält die Wechselgesänge, Antiphonien. Apostolikum, enthält die neutestamentlichen Briefe. Baptisterium, enthält das Ritual für die Taufhandlung. Benedictionale oder Benedictionarium, enthält
die Segensformeln der Bischöfe und Priester. Breviarium, Brevier, enthält die den Priestern vorgeschriebenen täglichen Gebete. Es zerfällt in vier Teile, Hiemalis, Verualis, Aestivalis,
Auctumnalis und in vier Hauptabteilungen, Psalterium, Proprium de tempore, Proprium de sanctis, Commune sanetorum. Kalendarium, Kalender, die Monatstage und jährlichen Festtage der Heiligen und
Märtyrer enthaltend (oft vor einem Brevier oder Missale). Cancionale, die bei der Messe üblichen Choralgesänge. Cantatorium = Graduale. Collectare, Sammlung der Altargebete für den Priester.
Computus, die christliche Zeitrechnung. Confessionale, Pönitentiale, Anweisung zum Beichte hören. Absolutionsformeln etc. Consuetudinarium, Direktorium. Ordinärium, Anleitung zur
vorschriftsmäßigen Verwaltung des Gottesdienstes und der Sakramente. Cursus, die ursprünglichen Lesestücke für die sieben kanonischen Stunden, daraus später das Brevier entstand. Diurnale, Auszug
aus dem Brevier, mit Hinweglassung der Matutina und der Laudes. Dominicale, Lesestücke für den Sonntagsgottesdienst. Emortuale, Lesestücke für den Dienst am Kranken- und Sterbebett. Epistolarium,
Epistolare, die Sonn- und Festtagsepisteln. Evangeliarium, Textus, die vier Evangelien. Evangelistarium, die kirchlichen Lesestücke aus den vier Evangelien für den Lauf des Jahres. Exorcismorum
liber, enthält die für Austreibung der bösen Geister vorgeschriebenen Formeln und Gebete. Ferialis über, die Officien für die Festtage der Heiligen. Graduale, Stufengesang, ein aus den
sogenannten Gradual- oder Stufenpsalmen bestehender Zwischengesang, den der Priester zwischen der Vorlesung der Epistel und des Evangeliums, auf der Stufe des Epistelambo stehend, abwechselnd mit
dem unter ihm stehenden Chor sang, während der Diakon die Stufen (Gradus) des Ambo hinaufstieg. Homiliarium, Sammlung von Predigten der Kirchenväter. Horae oder Horarium, livre d'heures,
Gebetbuch für Laien. Hymnarium = Hymnensammlung. Lektionarium, die zum Vorlesen bei der Messe zusammen gestellten Stücke aus den Paulinischen Briefen. Legende, Biographien der Heiligen nach ihren
Tagen geordnet. Martyrologium, Leben und Tod der Märtyrer. Matricula, Verzeichnis der Geistlichen einer Kirche. Matutinalis über oder Malutinale, Ritual des Frühgottesdienstes. Memorialis liber =
Nekrologium. Missale = Messbuch. Missale plenarium, ein auch die vollständigen Evangelien und Episteln enthaltendes Messbuch. Nekrologium, Totenbuch, Verzeichnis der verstorbenen Wohltäter und
treuen Anhänger der Kirche. Nocturnale, Ritual des Nachtgottesdienstes. Obituarium, Ritual bei Beerdigungen. Obsequiale, Ritual der Totenmesse. Passionale — Martyrologium, welches auch die
Leidensgeschichte Christi enthält. Pontifikale, die bischöflichen Amtspflichten. Prozessionale, Ritual für die Prozessionen. Prosarium, die bei der Messe, vor dem Evangelium zu singenden Hymnen
oder Prosen. Psalterium, alle Psalmen oder nur die sieben Bußpsalmen. Sakramentarium, Anweisung zur Verrichtung des Messopfers und Verwaltung der Sakramente. Psalterium beatae Virginia Mariae,
Marienpsalter, eine Umdichtung der Psalmen zu Ehren der Maria. Regula = Ordensregel. Responsoriale = Antiphonärium. Sakrarium, Vorschriften für die Weihe des Wassers, der Kerzen etc.
Roland, Rolandssäule, das kolossale Steinbild eines Ritters mit gezogenem Schwert, wie dergleichen auf den Marktplätzen vieler Städte in Deutschland errichtet wurden. Es war wohl
ursprünglich ein Bild des deutschen Kaisers, welcher der betreffenden Stadt wichtige Rechte, namentlich die Hegung des Blutgerichts, verliehen hatte, später ein Zeichen, dass die betreffende
Stadt gewisse Rechte überhaupt befass.
Rollschicht, im Gegensatz zu Plattschicht, eine Schicht von Mauerziegeln, in welcher die letzteren hochkantig gestellt sind.
Romanischer Stil heißt die im Abendland vom 11.— 13. Jahrhundert herrschende Kunstweise, in welcher die antik-römischen Kunstformen im Allgemeinen zwar
beibehalten, jedoch dem Geiste der neuen Völker entsprechend umgebildet sind. In der Architektur herrscht der Halbkreisbogen, sowohl bei den Gewölben, als bei den Türen und Fenstern. Die Gewölbe
sind ohne Rippen.
romanisierend nennt man solche frühgotischen Bauwerke, in welchen noch romanische Elemente vorkommen.
Rondel heißt in der Festungsbaukunst eine runde Bastion oder ein halbkreisförmiges Vorwerk vor einem Tor.
Rose oder Rosenfenster, ein rundes Fenster mit reichem Maßwerk.
Rosenkranz, eine Perlenschnur, bestehend aus auf eine Schnur gereihten Kügelchen, welche zum Abzählen bestimmter Gebete dient. Man unterscheidet einen großen Rosenkranz, welcher,
nach der Zahl der Psalmen, aus 150 kleinen und 15 größeren Perlen besteht, so dass auf je zehn Ave Maria ein Paternoster folgt, einen mittleren, welcher, nach der Zahl der Lebensjahre der Maria,
63 kleinere und dazwischen sieben größere Perlen hat, und einen kleinen, welcher, nach der Zahl der Lebensjahre Christi, nur 33 kleine und, nach der Zahl der Wunden Christi, fünf größere Perlen
hat. In ganz anderer Bedeutung ist der Rosenkranz ein wirklicher Kranz von Rosen als Umrahmung von Dreieinigkeitsbildern. Die sogenannten Rosenkranzbilder.
Rosette, ein Ornament in Gestalt einer völlig aufgeblühten Rose, also mit radial auseinandergelegten Blättern oder auch eine in einen Kreis eingefügte, einigermaßen ähnliche
Linienverschlingung. Auch wird Rosette wohl als gleichbedeutend mit Fensterrose und Radfenster gebraucht.
Rosso antico, ein roter Marmor, welcher von den alten Römern vielfach benutzt wurde.
Rossstirn, der die Stirn deckende Teil einer mittelalterlichen Pferderüstung.
Rotula, runde Reliquientafel für eine Partikel des Kreuzes Christi, meist in Form einer durchbrochenen Scheibe.
Rotuli, die am Knauf eines gotischen Kelches befindlichen kleinen Flächen, welche meist sechs an der Zahl, gewöhnlich die Buchstaben
Rücklaken oder Rückenteppich, Dorsale, ein Teppich, welcher zum Behängen des Rückgetäfels der Chorstühle dient.
Rundbogenstil, ungenauer Ausdruck für romanischer Baustil.
Rundhaupt, das östliche, im Grundriss halbrunde oder polygone Chorhaupt, Ende des Altarraums.
Rundkapelle, Rundkirche, helfet jede Kapelle oder Kirche mit rundem Grundriss, gewöhnlich an der Ostseite mit einer Apsis, zuweilen an der Westseite mit einer Vorhalle
versehen.
Rundstab, ein kleines architektonisches, waagerecht laufendes Glied von halbkreisförmigem Profil. Wenn er an einer Säulenbasis größeren Durchmesser annimmt, heißt er Pfühl;
bildet er in geringer Dimension den oberen und unteren Abschluss eines Säulenschaftes, so heißt er Astragal.
Runen, Runenschrift, die älteste Buchstabenschrift der germanischen Völker.
Russischer Stil ist ein Ausläufer des byzantinischen Stils. Charakteristisch sind die halbkugelförmige Kuppel auf hohem Tambour mit schmalen Fenstern,
Zuckerhuttürme, Halbkreisgiebel, schlanke Lisenen und Rundbogenfriese. Später kommen dazu, als Einflüsse von Persien her, zwiebelförmige Kuppeln, Eselsrücken u. a.
Rüsthaus = Zeughaus.
Rustik — Bossenwerk.
Rüstung, im weitern Sinne heißt die vollständige Bewaffnung eines Kriegers; im engem Sinne versteht man darunter nur die Schutzwaffen desselben, besonders aber die eiserne
Bedeckung seines Körpers. Letztere bestand im frühen Mittelalter aus einem Kettengeflecht, seit dem Ende des 14. Jahrhunderts aus eisernen Platten und Schienen. Siehe Plattenrüstung.
S
Sakramentarium, siehe Ritualbuch.
Sakramentschaff = Sakramentshaus.
Sakramentshaus, Tabernakel, Herrgottshäuschen, Gotteshüttchen, Fronwalm, Weihbrotgehäuse, ein gewöhnlich auf der Nordseite des Chors einer Kirche befindlicher Bau, dessen
wesentlichsten Teil eine mit einer eisernen Gittertür verschließbare Nische bildet. Es hat die Form einer, oft reich dekorierten Wandnische oder, seit dem 15. Jahrhundert, eines freistehenden
turmartigen Baues, seltener aus Holz meist aus Stein, oder aus Metall. Solche Häuschen kommen erst seit dem Ende des 13. Jahrhunderts in Gebrauch.
Sakrarium, im Allgemeinen Heiligtum, heiliger Ort, daher Tempel, Kirche, Altarraum, Tabernakel. Im engeren Sinne heißt Sakrarium der Raum zur Unterbringung der Wasserreste vou
liturgischen Waschungen und der Reste unbrauchbar gewordener heiliger Gegenstände.
Sakristei, ein am östlichen Teil einer Kirche belegener Nebenraum, in welchem die heiligen Gefäße und kirchlichen Gewänder aufbewahrt werden und in welchem die Priester ihre
Gewänder anlegen. Sie heißt auch Schatzkammer, Treskammer (korrumpiert Trostkammer), Gerkammer oder Almerei. Weil in derselben die Priester die Begrüßungen und Meldungen der Büßenden
entgegennahmen, heißt sie auch Rezeptorium oder Salutatorium. Größere Kirchen haben zuweilen zwei Sakristeien mit verschiedener Bestimmung.

Salade, Schale oder Schaller, heißt ein Helm mit halbkugelförmigem Kopf, herabhängenden Wangenstücken und einem großen Nackenschirm oder
Schweif. Er hatte anfangs eine feste Lichtöffnung, wurde später aber mit beweglichem kurzem Visier versehen.
Salvator, Darstellung der Verherrlichung Christi. Christus, von einer Maudorla umgeben, auf einem Regenbogen sitzend, die Rechte segnend erhoben, in seiner Linken das Buch des
Lebens haltend; von seinem Haupt gehen rechts eine Palme, links ein Schwert aus; seine Füße ruhen auf der Weltkugel.
Sandale, Tuch zum Abwischen des Kelches.
Sandalen, Sohlen, welche den Fuß nur unterhalb bedecken und mit durchbrochenem oder nur aus einzelnen Streifen bestehendem Oberleder versehen sind.
Sanktuarium, Heiligtum, Allerheiligstes, anfangs der durch Vorhänge umhüllte Raum unter dem Ziborium, später der ganze Altarraum.
Sanktusglocke, Signaturglocke, eine kleine im Dachreiter Über dem Chore aufgehängte Glocke, welche bei der Wandlung gebraucht wird.
Sargwand, Ausdruck für die Umfassungswand des über die Seitenschiffe aufsteigenden Mittelschiffs (Lichtgaden). Auch heißen so die Seitenwände eines Gebäudes im Gegensatz gegen
die Giebelwände.
Sarkophag, Totenkiste, Prachtsarg.
Satteldach, zweihängiges Dach.
Sattelholz oder Schirrholz, ein kurzes Stück Holz, das über einem Pfeiler oder einer Säule unter einen Unterzug gelegt ist, um dem darauf ruhenden Träger durch Einschränkung der
Tragweite, größere Sicherheit zu geben.
Saufänger, ein bei der Eberjagd gebrauchter Spieß, mit messerförmiger Klinge und kurzer Querstange an einem langen Schaft.
Säule, senkrechte runde Stütze, bestehend aus Fuß, Schaft und Kapitäl.
Säulenbasilika, im Gegensatz zu Pfeilerbasilika, heißt eine Basilika, deren Mittelschiff von Säulen getragen wird.
Säulenbündel, Säule mit angesetzten Halb- oder Dreiviertelsäulen.
Säulenfuß — Basis.
Säulengang, Säulenhalle, Porticus, Gang oder Galerie, deren Bedeckung auf Säulen ruht.
Säulenhals, der obere, durch ein kleines Glied begrenzte Teil eines Säulenschaftes.
Säulenordnung. Im griechischen Stil unterscheidet sich die Bauweise der verschiedenen Landschaften wesentlich durch die formale Ausbildung der Säulen und Gebälke. Die Römer
systematisierten diese Bildungen und nannten sie Säulenordnungen, hatten eine toskanische, dorische, ionische, korinthische und römische Säulenordnung. Im Mittelalter verwendete man die Säulen so
mannigfach und veränderte ihre Gestaltung so sehr, dass trotz vieler Reminiszenzen an die Formen der Säulen des Altertums von Säulenordnungen nicht die Rede sein kann. Die Baumeister der
Renaissance aber kehrten zur Nachahmung der antiken Säulenordnungen zurück und bildeten dieselben noch weiter aus, stellten ein sehr detailliertes Regelsystem zur Konstruktion derselben
auf.
Säulenschaft, der mittlere Hauptteil einer Säule, meist von unten nach oben zu verjüngt, oft auch mit einer Schwellung (Entasis) versehen. Gewöhnlich ist der Schaft mit
senkrechten Riefelungen (Kannelüren), zuweilen auch mit anderem freierem Ornament versehen. In der Spätrenaissance kommen oft auch spiralförmig gewundene Säulenschäfte vor.
Säulenstuhl, fortlaufendes Postament einer Säulenreihe.
Säulenweite, Abstand zweier Säulen voneinander.
Saumschwelle, die Schwelle einer Fachwerkswand, in welcher die Stiele des oberen Stockwerks eingezapft sind.
Schachbrettfries, Friesornament des romanischen Baustils, welches aus abwechselnden Erhöhungen und Vertiefungen quadratischer Form besteht.
Schaft = Säulenschaft.
Schalldeckel, auch Kanzelhimmel oder Kanzelhaube, ein Baldachin über der Kanzel, welcher den Zweck hat, die Ableitung des Schalls der Stimme des Predigers zu verhindern.
Schaller = Salade.
Schallgefäße, Gefäße, welche in die Mauern von Theatern und Kirchen, angeblich zum Zweck der Verbesserung der Akustik eingemauert wurden.
Schamkapsel, ein, den sehr engen Beinkleidern des 15. Jahrhunderts vorgenähtes, Säckchen von Zeug. Bei der Plattenrüstung eine Kapsel aus Metall.
Schandpfahl = Pranger.
Schanze heißt im Festungsbau, ein durch Brustwehr und Graben zur Verteidigung eingerichteter Ort. Ist sie offen, so heißt sie Kronenwerk; ist sie geschlossen, Redoute oder
Sternschanze.
Schanzkorb, ein im Festungsbau gebrauchter, mit Erde gefüllter Zylinder aus geflochtenen Reisern.
Schanzpfahl = Pallisade.
Schapel, ein schmaler Kopfreif von Zeug oder Metall in Form eines Diadems oder Blumenkranzes.
Scharfmetze, Geschütz mit hundertpfündigem Geschoss.
Schärpe, eine breite Binde, welche als Standesabzeichen von Rittern um den Leib oder über die rechte Schulter nach der linken Hüfte getragen wurde.
Scharte = Schießscharte.
Schartenzeile, Schartenpfeiler, Schartenkästen, das Stück der Brustwehr zwischen zwei Schießscharten.

Schaube, ein langer, weiter, offener Überrock der Männer, meist mit Pelz gefüttert und mit breitem Pelzkragen.
Schaumünze = Medaille.
Scheibenbüchse, Standbüchse, schwere Hakenbüchse des 16. Jahrhunderts.
Scheibenfries, ein Friesornament des romanischen Baustils, welches aus nebeneinander gereihten, flach hervortretenden Kreisen besteht.
Scheibenhemd, ein im 11. Jahrhundert, besonders in Frankreich und England übliches geschupptes Panzerhemd mit rundlichen Schuppen.
Scheidebogen heißen die Arkadenbogen einer Kirche, welche die Schiffe derselben voneinander scheiden. Auf ihnen ruhen die Scheidemauern. Auch die das Kreuzfeld einer Kirche
begrenzenden Bogen sind Scheidebogen.
Scheidemauer heißt eine Mauer, welche im Innern eines Gebäudes die Räume voneinander trennt. In baseliken-artigen Kirchen heißen so die beiden über den Säulen des Mittelschiffes
aufsteigenden Mauern, welche den Lichtgaden enthalten.
Scheitel, höchster Punkt eines Bogens oder eines Gewölbes.
Scheitelkapelle, ein am Ostende der Kirche, hinter dem Chor oder dem Chorumgang herausgebaute Kapelle.
Schelle, kleine Handglocke, besonders die des Ministranten bei der Messe; auch kleine kugelförmige Metallklappern, wie sie im 14. und 15. Jahrhundert an Kleidungsstücken oder an
Pferdedecken zum Schmuck angenäht wurden.
Schenkel eines Bogens heißen die Teile desselben zwischen dem Scheitel und den Kämpferpunkten.
Scheuern, eine Art Pokal.
Schienenrüstung = Plattenrüstung.
Schießgabel, eine gabelförmige Stütze zum Auflegen einer Hakenbüchse.
Schießprügel, ein mit einem Feuerrohr verbundener Morgenstern.
Schiff, der für die Laien bestimmte Teil einer Kirche. Man unterscheidet Querschiff, deren zwei mit der Vierung das Querhaus bilden und Langschiff oder Langhaus, welches bei
größeren Kirchen gewöhnlich in ein Mittelschiff und zwei, seltener vier Seitenschiffe oder Nebenschiffe zerfällt. Auch der Chor kann Mittel- und Seitenschiffe haben.
Schiftsparren heißen die an der Walm- oder Kehlseite eines Daches aufsteigenden Sparren, welche in schiefem Winkel an den Grat-, resp. Kehlsparren anstoßen, sich
anschiften.
Schild, eine am linken Arm, vermittels eines auf der Rückseite befindlichen Griffes oder Riemens getragene
Schutzwaffe, gewöhnlich aus Holz, mit Leder überzogen und mit eisernen Beschlägen versehen. Man unterscheidet Setzschild oder Sturmwand, welche den ganzen Mann deckte, zuweilen unten mit Spitzen
zum Einstecken in die Erde versehen; Tartsche, ein viereckiger Schild, oft stark gebogen, in Form eines halben Zylinders; Turniertartsche, oben auf der linken Seite ausgebogen, an der rechten
Seite mit Einschnitt versehen, in welchen die Lanze gelegt wurde. Rundschilde wurden im Mittelalter nur von nichtchristlichen Völkern getragen.
Schildbogen, der auf der geschlossenen Seite eines Gewölbejoches an der Wiederlagmauer befindliche Bogen, welcher das Gewölbe unmittelbar aufnimmt.
Schilderei = Malerei.
Schildfessel, der ziemlich lange, um den Hals gelegte, auf der rechten Schulter liegende Tragriemen des Schildes.
Schildfuß, das unterste Drittel eines Schildes.
Schildgurt, ein Längengurt, welcher einen Schildbogen umsäumt.
Schildhalter, Mensch oder Tier, das Wappenschild haltend, tragend oder als Wächter behütend.
Schildhaupt, das oberste Drittel eines Schildes.
Schildriemen, siehe Schild.
Schindel, kleines Brettchen aus Holz zum Eindecken eines Daches.
Schindelfries, ein Friesornament, welches ein Schindeldach nachahmt.
Schlackenwall, Brandwall, Rest eines Befestigungswerkes aus vorhistorischer Zeit.
Schlagbalken — Zugbalken, Zugbaum.
Schlagleiste, eine die Fuge deckende Leiste an der Kante eines Tür- oder Fensterflügels.
Schlagring heißt der unterste Teil einer Glocke, an welchen der Klöppel anschlägt.
Schlagschatten, heißt der Vollschatten, welchen ein Körper auf einen anderen wirft.
Schlagschwert = Zweihänder.
Schlauder, ein eiserner Anker, welcher zum Zusammenhalten von zwei gegenüberliegenden Mauern dient.
Schleifkanne, große, unten weite, metallene Kanne auf Füßen mit Hahn, zum Einlassen des Weins in ein untergesetztes Glas.
Schleifrillen, siehe Näpfchen.
Schleuder, Angriffswaffe, mittelst deren Steine und schwere Gegenstände geworfen werden. Man unterscheidet große Schleudern, wie Katapulte und Balliste und Handschleudern,
bestehend aus einem zwischen zwei Stricken befestigten Stücke Leder, auf welches der Stein gelegt und durch Schwingen abgeschleudert wird. Sind die Stricke an einem Stock befestigt, so nennt man
sie Stockschleuder, mittelst deren auch Granaten geworfen wurden.
Schlitzgeflecht, transportables Geflecht aus Weidenzweigen, zum Schutz der Bogenschützen.
Schlupfpforte, Ausfallspforte und kleiner Afterflügel in einem großen Torflügel.
Schlussstein, der oberste Stein eines Bogens oder Gewölbes, oft selbständig künstlerisch ausgebildet.
Schmelz = Emaille.
Schmelzfarbe = Emailfarbe.
Schmerzen der Maria, nennt man die folgenden sieben Vorgänge im Leben der Jungfrau Maria, welche oft als Zyklus Gegenstand künstlerischer
Darstellung sind. 1) Die Prophezeiung des Simeon oder die Beschneidung Christi. 2) Die Flucht nach Ägypten. 3) Maria verliert Jesus im Tempel. 4) Der Verrat des Judas oder die Kreuztragung. 5)
Die Kreuzigung. 6) Die Abnahme vom Kreuz. 7) Die Grablegung oder die Himmelfahrt Christi.
Schmerzensmann, Christus im Elend. Er ist dargestellt entkleidet, nur mit einem Lendentuche umgürtet oder mit einem über den Rücken fallenden Mantel, stehend, mit der Dornenkrone
auf dem Haupt, an einer Säule, oder sitzend auf einem Stein, das gesenkte Haupt mit dem Arm stützend. Zuweilen ist er auch von verspottenden Kriegsknechten umgeben.
Schmerzensmutter, Darstellung der Jungfrau Maria mit einem oder sieben Schwertern in der Brust (mit Rücksicht auf die sieben Schmerzen). Auch bisweilen die trauernde Maria unter
dem Kreuz Christi.
Schmiege = Abschrägung, Fase.
Schnecke, Spirale oder Volute des ionischen Kapitals.
Schneckengewölbe, ein Ringgewölbe, dessen Kämpferlinie spiralförmig aufsteigt.
Schneckentreppe = Wendeltreppe.
Schnepper, Balester, eine Armbrust.
Schneuß = Fischblase.
Schnitzwerk, Skulptur in Holz, Elfenbein oder ähnlichem Material.
schraffieren, parallele Striche ziehen. Wenn diese Striche sich kreuzen, so entsteht die Überschraffierung oder Kreuzschraffierung.
Schrägbalken heißt in der Heraldik ein in der Diagonale des Schildes liegender Balken.
Schrägfluss heißt in der Heraldik ein gewölbter Schrägbalken.
Schrägkreuz = Andreaskreuz.
Schranken = Chorschranken.
Schrankwand, Wand eines Blockhauses, wenn dieselbe aus liegenden Hölzern besteht, welche auf den Ecken übereinander geplattet (geschränkt) sind, so dass die Holzenden noch über
die Kreuzung hinausstehen.
Schranne, ein mit Schranken eingefasster Ort, besonders eine Markthalle.
Schrein = Altarschrein oder Reliquienschrein.
Schrotarbeit, ein im 15. Jahrhundert übliche, besondere Art Holzschnitt oder Metallschnitt, bei welchem größere Flächen über und über mit weißen Punkten und kleinen Kreisen
bedeckt sind.
Schulterblech oder Schulterstück, siehe Plattenrüstung.
Schulterkleid oder Schultermantel = Humerale.
Schultertuch — Amictus.
Schundbild, Darstellung einer ehrlosen Strafe, wie Hängen, Pranger stehen, Eselreiten.

Schuppenfries, ein romanisches Friesornament, welches den übereinander greifenden Schuppen der Fische nachgebildet ist
Schuppenpanzer, ein Panzerhemd, welches mit Schuppen bedeckt ist.
Schutzheiliger oder Schutzpatron heißt jener Heilige, unter dessen besonderem Schutz eine Kirche, ein Land, eine Stadt, eine Korporation, ein Stand, oder eine
einzelne Person sich gestellt hat.
Schutzwaffen sind Helm, Harnisch, Schild.

Schwanenorden, eine geistliche Gesellschaft zur Verehrung der Jungfrau Maria, gestiftet 1440 von Kurfürst Friedrich II. von Brandenburg. Das Ordenszeichen dieser Gesellschaft ist
ein auffliegender Schwan in einer Schleife, darüber ein Brustbild der Maria mit dem Kind, an einer Kette hängend.
Schwarzkunst oder geschabte Manier. Eine Art der Kupferstichkunst, bei welcher, nachdem die Konturen der Zeichnung radiert und geätzt sind, die ganze Platte rau gemacht und die
Lichtstellen durch Abschaben und Polieren wieder glatt gemacht werden. Die rauen Stellen geben auf dein Abdruck die dunkleren, die glatten Stellen die helleren Töne.
Schwarzlot heißt die schwarze Schmelzfarbe der Glasmaler, mit welcher sie die Zeichnung auf den farbigen Gläsern herstellen.
Schweinsfeder — Saufänger.
Schweißtuch der heiligen Veronika heißt der Schleier, womit, der Sage nach, eine jüdische Matrone, Namens Veronika, dem kreuztragenden Erlöser das Antlitz abtrocknete, welches
sich dann auf dem Tuch als wahres Abbild (vera icon) abdruckte. Dieses Tuch mit dem Antlitz Christi ist oft Gegenstand künstlerischer Darstellung.
Schweißtuch, Kopftuch, von Herrschern unter der Krone aufs Haupt gelegt. Aus den herabhängenden Zipfeln entstanden die Infulen. Schweißtuch heißt auch ein von den Geistlichen am
linken Arm getragenes leinenes Tuch, daraus später der Manipel hervorging; es dient zum Anfassen des Kelches und des Bischofsstabes.
Schwellung = Anschwellung, Entasis.
Schwert, die bekannte, zu Hieb und Stich anwendbare, meist in einer Scheide getragene
Angriffswaffe, welche bei Kriegern links, bei Henkern und Juden rechts an einem über die Schulter gehenden Wehrgehänge hing, oder an dem um den Leib gelegten Schwertgurt. Die Teile eines
Schwertes sind 1) die Klinge, entweder kürzer und dann einschneidig, oder länger und dann gewöhnlich zweischneidig. Sie ist häufig, zur Verminderung ihres Gewichtes, mit Blutrinnen versehen. Das
untere Ende der Klinge heißt Spitze oder Ort, das obere breite Ende hat einen Absatz, von wo aus die in den Griff hineingesteckte Angel beginnt; 2) das Gefäß, bestehend aus dem aus Horn oder Holz
gefertigten Griff und einem Knopf oder Knauf aus Metall oder Edelstein, an welchem das Ende der Angel vernietet ist, und den gerade oder gebogenen Querparierstangen. Später kommt noch dazu das
Stichblatt zum Schutz der Außenseite der Hand, die Hinterparierstange, das Gegenstichblatt und der Schild, eine Platte, welche sich unter dem Griffe befindet. Die Verschlingung von
Hinterparierstangen heißt Korb.
Schwertorden, Orden der Schwertbrüder, gestiftet um 1200 in Livland, aber schon 1237 mit dem Deutschherrnorden vereinigt. Ordenszeichen: zwei gekreuzte rote Schwerter mit einem
Stern darüber.
Schwibbogen heißt jeder Bogen, welcher einen Durchgang bildet, besonders aber ein Strebebogen.
Schwurhand heißt in der Heraldik eine rechte Hand mit ausgestrecktem Mittel- und Zeigefinger.
Sechsort, eine geometrische Figur, welche aus Durchstechung zweier gleichseitiger Dreiecke entsteht.
Seelenführung = Psychopompie.
Seelenmesse — kirchliche Totenfeier.
Seelenwägung, Darstellung, wie der Erzengel Michael die Seelen der Auferstandenen mit einer Wage wiegt; die zu leicht Befundenen nimmt der Teufel in Empfang.
Segenshand, eine aus Wolken herabkommende, oder von einem Nimbus umgebene rechte Hand.
Seitenaltar, Nebenaltar heißt, im Gegensatz zum Hauptaltar, jeder andere Altar in einer Kirche, besonders wenn derselbe in einem Nebenschiff aufgestellt ist. Seitenschiff,
Nebenschiff (siehe Schiff).
Seitenschub, der Druck, welchen ein Gewölbe oder das Sparrwerk eines Daches nach den Seiten hin ausübt. Je flacher der Bogen ist, desto stärker der Seitenschub. Um diesem Druck
zu widerstehen, bedarf es der Widerlager.
Seitenstück, Gegenstück, Pendant, Kunstwerk, welches mit einem anderen von gleicher Größe, von verwandtem Inhalt und entsprechender Komposition ist.
Sekretsiegel — Privatsiegel.
Sendelbinde, ein langer shawl-artiger Streifen aus einem im Mittelalter viel gebrauchten Seidenstoff, namens Sendel oder Zindel, welcher anfangs um den Helm, dann um jede andere
Kopfbedeckung gewunden wurde und dessen Enden über Schultern und Brust bis auf die Knie herabhingen.
Seraph oder Seraphim, ein Engel mit sechs Flügeln.
Servitenmönch, Diener der heiligen Jungfrau, ein 1233 in Florenz von sieben Kaufleuten gestifteter Orden nach der Regel des heiligen Augustinus. Ordenstracht schwarz, sonst nach
der Art der Dominikaner.
Setzschild, siehe Schild.
Sgrafitto, Kratzmalerei, eine Art Dekoration, die dadurch entsteht, dass eine Wand zunächst mit schwarzem Putz, dann mit einer dünnen Schichte weißen Putzes überzogen wird. In
diesen weißen Putz wird eine beliebige Zeichnung mit einem Griffel eingekratzt, so dass der schwarze Untergrund, in Form von Linien, zum Vorschein kommt. Man hat dann also (nach Art eines
Holzschnittes) eine schwarze Zeichnung auf weißem Grund, welche vor der Malerei den Vorzug der Wetterbeständigkeit hat.
Sibyllen sind heidnische Prophetinnen, welche, weil ihre Weissagungen auf den Messias bezogen wurden, auch in der christlichen Kunst, besonders im Zusammenhang mit den jüdischen
Propheten, oft dargestellt sind. Ihre Anzahl schwankt zwischen 7, 10 und 12. Ihre Namen sind: Cimmeria, Erythräa, Agrippina, Libyca, Persica, Delphica, Phrygia, Europäa, Tiburtina, Cumana, Samia
und Hellespontica.
Siechenhaus = Hospital, besonders der Mönche in einem Kloster.
Sigl, Abkürzung einzelner Wörter oder ganzer Sätze, besonders von bekannten Formeln.
Signaturen heißen die am Fuß der ersten Seite jedes einzelnen Bogens im Buchdruck üblichen Zahl- oder Buchstabenzeichen, welche die Reihenfolge der Bogen anzeigen.
Signaturglocke = Sanktusglocke.
Signet, Privatsiegel, Buchdruckerzeichen,. d. i. eine Vignette in Holzschnitt, welche die Buchdrucker und Verleger auf das Titelblatt aller aus ihrer Offizin hervorgehenden
Bücher zu setzen pflegen, um sie dadurch als solche kenntlich zu machen.
Silentium (Schweigen), Madonnenbild mit dem schlafenden Jesuskind.
Sima = Rinnleisten.
Sims = Gesimse.
Simswerk, Gesamtheit aller Gesimse einer Fassade.
Sinnbild = Symbol.
Sippe, die heilige, Darstellung der Familie der Jungfrau Maria.
Sirene, ein fabelhaftes Tier in Gestalt eines Vogels mit menschlichem Haupt oder auch einer Jungfrau mit Fischschwanz.
Skapulier, siehe liturgische Gewänder.
Skorpion, eine Art Geißel aus knotigen Riemen, deren Enden mit Bleikugeln versehen sind.
Sockel, der unterste, etwas vorspringende, nach oben durch einen Wasserschlag (Sockelabsatz) oder ein Gesimse (Sockelgesimse, Fußgesimse), begrenzte Teil einer Mauer. Er ist
meist fortlaufend, besteht häufig aus Sockelplatten.
Soffite, die untere Ansicht einer Hängeplatte eines Bogens, einer Balkendecke etc. daher auch — Kassettendecke.
Sohlbank, Schwellstück einer Tür oder eines Fensters.
Söller — Balkon, Erker oder auch = Speicher, Dachboden.
Spange, Brosche, Agraffe, Fibula, eigentlich Stecknadel, besonders aber Schmucknadel, welche aus edlem
Metall bestehend, in sehr verschiedener Form gebildet, gewöhnlich reich geschmückt, zur Befestigung des Mantels oder Gürtels dient. Auch für Armband gebracht.
Spanischer Reiter, Annäherungshindernis vor Verschanzungen. Er besteht aus einem starken, langen Balken, durch welchen kreuzweise zugespitzte Latten getrieben sind.
Spanischer Stiefel, ein Marterwerkzeug.
Spannriegel, ein zwischen den Streben eines Hängewerks in waagerechter Lage befindliches Stück Holz.
Spannung, Spannweite, die lichte Weite einer Wölbung, d. i. die Entfernung zwischen den Widerlagern.
Sparren heißt in der Heraldik eine aus einem rechten und linken Schrägbalken, welche oben in der Mitte in eine Spitze zusammenlaufen, bestehende Figur.
Sparrenkopf, unteres Ende eines Sparrens; dann auch die den wirklichen Sparrenköpfen nachgebildeten Kragsteine unter der Hängeplatte eines antiken Kranzgesimses.
Sparrwerk oder Gespärre = Dachstuhl, gesamte Holzkonstruktion eines Daches.
Spasimo = Kreuztragung.
Spatel oder Spachtel, ein breites, messerförmiges Werkzeug aus Holz, Horn, Elfenbein oder Eisen zum Abstreichen der Malerfarben oder zum Verstreichen der Fugen eines
Mauerwerks.
Speisebeutel, Bursa, ein Säckchen für das Ziborium, zum Anhängen an den Hals.
Speisegefäß, Ziborium, Gefäß zur Aufbewahrung der geweihten Hostie. Die Form desselben ist sehr verschieden. Siehe auch Peristerium.
Speisegitter = Altarschrank.
Speisekelch = Abendmahlskelch.
Sperrbaum = drehbarer Schlagbaum.
Sphragistik = Siegelkunde.
Spiegelgewölbe heißt ein Klostergewölbe mit Scheitelebene.
Spieß, lanzenartige Waffe, welche bei der Jagd gebraucht wurde.
Spindel heißt jeder Zylinder, um welcher sich etwas dreht, z. B. die Säule einer Wendeltreppe, die Helmstange eines Turmdaches.
Spindelgewölbe oder Ringgewölbe heißt die gewölbte Überdeckung eines Baumes, durch einen in der Mitte auf einer Säule ruhenden Gewölbering.
Spiralgewölbe = Schneckengewölbe.
Spital, Spittel = Hospital.
Spitzbogen heißt ein im Scheitel gebrochener Bogen. Er kann entweder aus dem gleichseitigen Dreieck konstruiert, also gleichseitig oder erhöht (Lanzettbogen) oder niedrig,
gedrückt, d. h. aus zwei Mittelpunkten konstruiert sein, welche innerhalb der Wiederlagslinie liegen. Der geschweifte Spitzbogen oder Eselsrücken hat Schenkel, welche aus einer doppelten Kurve
zusammengesetzt sind, deren unterer Teil konvex, während der obere konkav ist.
Spitzbogenfries, siehe Bogenfries.
Spitzbogenstil, ungenaue Bezeichnung für gotischen Baustil.
Spitzhammer und Spitzhaue sind Werkzeuge der Steinmetzen.
Spitzhut, Kopfbedeckung der Juden im Mittelalter.
Splint heißt der durch eine Öse gesteckte Teil eines Ankers, welcher den Kopf desselben bildet.
Sponton, eine der Partisane ähnliche Waffe.
Sprechzimmer heißt das Gemach eines Klosters, in welchem die Mönche oder Nonnen mit Fremden durch ein Sprachgitter reden dürfen.
Sprengwedel, siehe Weihkessel.
Sprengwerk heißt eine Zimmerkonstruktion zum Zweck der Überspannung eines Raumes mit Hilfe von Seitenunterstützung.
Springdolch, ein Dolch, dessen Klinge durch einen Druck des Fingers in drei Schneiden sieh teilen lässt.
Spritzbewurf heißt ein Putz aus grobkörnigem Mörtel, welcher angeworfen wird.
Spruchband, ein Band mit einer Inschrift, meist in den Händen dargestellter Personen, oder von ihrem Mund ausgehend.
Spruchfenster; Sprachgitter, kleine vergitterte Fensteröffnung im Sprechzimmer eines Klosters oder an einem Beichtstuhl.
Stab, ein Abzeichen kirchlicher Amtsführung (für Äbte, Bischöfe etc.) oder weltlicher Herrschaft (Zepter). Auch werden Stäbe von Wappenherolden und Pilgern getragen.
Stäbchen, kleiner Rundstab.
Stabwerk heißt die Gesamtheit der vertikalen Pfosten und horizontalen Sprossen eines Fensters.
Stadtwage, ein öffentliches Gebäude, in welchem die einer Abgabe unterworfenen Waren von Beamten (Wagmeister und Gehilfen) gewogen werden.
Staffel, Altarstaffel, die auf dem hinteren Teil einer Altarplatte befindliche kleine Stufe, welche zur Aufstellung der Leuchter, Reliquiaren etc. dient; auch Predella.
Staffeleibild heißt, im Gegensatz zum Wandgemälde, ein Tafelgemälde (weil es auf der Staffelei gemalt ist).
Staffelgiebel, Giebel mit Abtreppungen.
Staffiermalerei, im Gegensatz zu Flachmalerei, heißt die Bemalung der Stein- und Holzskulpturen.
Stalaktitengewölbe heißt eine in der maurischen Baukunst beliebte, den Tropfsteinbildungen ähnliche Art des Zellengewölbes, welches mit einer Menge kleiner Nischen an und über
einander dekoriert ist.
Stammbaum Christi, Darstellung der Abstammung Christi aus dem Geschlecht Davids. Aus der Brust des schlafenden Jesse erhebt sich ein Baum, in dessen Zweigen die
Könige aus dem Geschlecht Davids und auf dessen Gipfel Maria mit dem Jesuskind dargestellt sind.
Stammwappen = Familienwappen.
Standarte heißt die Fahne eines Kavallerieregiments.
Standbild = Statue.
Ständer, hölzerner Pfeiler, Pfosten, Stiel.
Ständerwerk, Gerippe eines Fachwerksbaues.
Stanza = Zimmer.
Station, Ruhepunkt einer Prozession zur Verrichtung von Gebeten, bezeichnet durch Kapellen, Altäre oder Betsäulen. Viele Darstellungen an denselben in Skulptur oder Malerei
beziehen sich auf die Fälle Christi auf dem Wege nach Golgatha (dem Kreuzweg). Die Zahl derselben wechselt zwischen sieben bis vierzehn.
Staupsäule, Schandpfahl, Pranger, ein Pfahl, an welchem ein gemeiner Verbrecher gestäupt, d. h. mit Ruten geschlagen wurde; daher auch Martersäule, Passionssäule.
stechen mit dem Grabstichel in Metall arbeiten.
Stechhelm = Turnierhelm.
Stechzeug = Turnierrüstung.
Stegreif = Steigbügel.
Steinbeil, Steinaxt, Steinmesser sind Geräte aus sehr hartem, feinem Stein, welche in vorhistorischer Zeit gefertigt wurden.
Steinbüchse oder Bombarde, auch Donnerbüchse, ein Geschütz, mit welchem Steinkugeln geworfen wurden. Sie waren an beiden Seiten offen. Nachdem die Ladung eingebracht, war, wurde
das hintere Ende durch Keile geschlossen.
Steingrab heißt ein aus großen Steinen erbautes Hünengrab.
Steinguss, künstliche Bausteine aus Stuck oder Zement.

Steinmetzzeichen sind Zeichen, welche die Steinmetzen in die von ihnen bearbeiteten Werkstücke einhauen und welche den betreffenden Stein als Arbeit eines bestimmten Gesellen
kennzeichnen.
Steinschnitt, Lehre vom Verband der Werkstücke, besonders vom Fugenschnitt.
Steinzeit nennt man die zeitlich zu bestimmende, der Bronzezeit vorangehende Epoche der vorhistorischen Kultur, während welcher alle Geräte und Waffen, da man die
Metallbearbeitung nicht kannte, aus Stein gefertigt wurden.
Steinzeug (nicht mit Steingut zu verwechseln) heißt ein Geschirr aus geschmolzenem grauem Ton, welches meist mit blau glasierten Ornamenten versehen ist.
Stele, ein flacher, aufrecht stehender Grabstein.
Sterngewölbe heißt ein zusammengesetztes Kreuzgewölbe, dessen Rippen Sterne oder vieleckige Figuren bilden.
Sternschanze, siehe Schanze.
Stichbogen, ein flacher Rundbogen; kleiner Teil eines Kreises.
Stichbogengewölbe, ein Gewölbe, dessen Querschnitt ein Stichbogen ist.
Stichkappe, eine kleine Gewölbekappe, welche in die Fläche eines anderen Gewölbes einschneidet.
Stichwaffen sind Lanze, Speer, Spieß, Pike, Dolch, Degen, Pfeil.
Stiege = Treppe.
Stiel = Ständer.
Stiftskirche, eine mit einem Kollegiatstifte verbundene Kirche, an dessen Spitze ein Probst steht; deshalb auch Kollegiatkirche oder Probsteikirche genannt.
Stil heißt das in einem Kunstwerk charakteristische, künstlerische Formensystem.
Stirn, Vorderseite eines Gebäudes. Bei einem Gewölbe die Seite, wo das Gewölbe offen ist; bei einem Strebepfeiler die Außenseite.
Stirnfuge, Stoßfuge an der vorderen Seite eines Bogens.
Stirnmauer, Stirnwand, die Mauer der Front eines Gebäudes; daher auch beim Tonnengewölbe = Schildwand.
Stirnreif, Kopfschmuck, meist aus edlen Metallen.
Stirnziegel heißen die vor den Decksteinen der antiken Dächer angebrachten ornamentierten Ziegel.
Stola, siehe liturgische Gewänder.
Stossdegen, langer, schmaler, gerader Degen; Rapier.
Stossfuge, siebe Fuge.
Strebe heißt jede Stütze gegen schrägen Schub.
Strebebänder oder Strebebüge heißen in schräger Richtung angebrachte Stützhölzer.
Strebebaum heißt ein stärkeres Strebeband.
Strebebogen, die freischwebenden Bogen, welche an gotischen Kirchen den Schub der Gewölbe des Mittelschiffs von den oberen Teilen der Mauer des Mittelschiffs, nach den
Strebepfeilern des Seitenschiffes herableiten.
Strebepfeiler sind partielle Mauerverstärkungen an Punkten, welche dem Seitenschub besonders ausgesetzt sind, also besonders an den Umfassungsmauern gotischer Kirchen, welche den
Schub der Kreuzgewölbe auszuhalten haben.
Strecker — Läufer.
Streitaxt, eine dem Beil ähnliche Waffe, meist mit konvexer Schneide, oft mit Hammer oder Spitze an der entgegengesetzten Seite.
Streithammer, eine den alten Germanen eigene Waffe von Stein, zum Schlagen wie zum Schleudern.
Streitkolben, eine Waffe in Form eines eisernen oder hölzernen Stils mit einem starken, eisernen Knopf an dem einen Ende. Wenn der letztere mit Stacheln besetzt ist, so heißt die
Waffe Morgenstern.
Stromschicht heißt eine Schicht im Mauerwerk, in welcher die Steine nicht senkrecht zur Mauerflucht liegen, sondern schräg über Eck gestellt sind.
Stuck, eine Mischung aus Kalk, Saud und Gips zur Herstellung glatter Wandflächen und architektonischer Ornamente.
Stundenglas — Sanduhr.
Sturmbalken, ein bewehrter Balken, welcher vom Wall oder Burgberg herab den Feinden entgegengerollt wird.
Sturmbrett, ein Brett mit durchgeschlagenen starken Nägeln, welches in Gräben etc. als Näherungshindernis diente.
Sturz, die obere Bedeckung einer Fenster- oder Türöffnung.
Stützenwechsel, nennt man den in manchen altchristlichen und romanischen Kirchen vor kommenden Wechsel von je einem Pfeiler und einer oder zwei Säulen.
Stylobat — Säulenstuhl.
Subdiakon, der Gehilfe des Diakon, welcher ihm beim Altardienst zur Hand geht und ihm die Geräte reicht.
Subsellia — Chorgestühl.
Sudarium = Schweißtuch, besonders das am Knauf eines Bischofsstabes.
Sündenfall, Darstellung von Adam und Eva unter dem Baum der Erkenntnis, um dessen Stamm sich eine Schlange windet.
Superfrontale, eine bei Festen vor das Retabulum gesetzte, besonders reich geschmückte Tafel.
Superhumerale — Humerale.
Superporte, ein über der Tür befindlicher Aufsatz, besonders mit Bild.
Sutane, außerdienstliches Kleid der Geistlichen von Wolle oder Halbseide, bei niederen Geistlichen schwarz, bei Bischöfen und Hausprälaten des Papstes violett, bei Kardinälen
hochrot, beim Papste weiß, eng anliegend, mit engen Ärmeln und Taille, vorn oben bis unten durch dicht gesetzte Knopf geschlossen.
Symbol, ein Bild oder Zeichen, durch welches eine Idee oder ein Begriff ausgedrückt wird.
Symbolik, die Lehre von den Symbolen.
T
Tabernakel, säulengetragener Überbau, daher gleichbedeutend mit Ziborium; Bilderdach, auch turmgekrönter Reliquienbehälter oder Sakramentshäuschen. Dann auch Thronhimmel über dem
Sitz eines Königs, Bischofs etc.
Tabernakelaltar, Altar, in dessen Aufbau ein Schränkchen für das Speisegefäß sich befindet.
Tafel = Gemälde auf Holz.
Tafelwerk, Vertäfelung, Bekleidung einer Wand, mit Tafeln aus Holz, meist in architektonischer Gliederung.
Taille, Schnitt oder Linie des Kupferstechers.
Talar, ein langer, bis auf die Füße reichender, weiter, schwarzer Hock der Geistlichen.
Talismane, ein Gegenstand, welchem Zauberkraft zugeschrieben wird, besonders auch die Eigenschaft gegen Zauberei zu schützen.
Tambour heißt der zylindrische oder polygone Unterbau einer Kuppel über den Pendentifs.
Tappert, ein im späten Mittelalter von beiden Geschlechtern getragenes Oberkleid.
Tartsche, ein viereckiger Schild, oft zur Form eines halben Zylinders gebogen, aus Holz oder Leder.
Tauschieren, feine Ornamente aus Gold oder Silber in Eisen einschlagen.
Teichdruck, Abdruck von Metall- oder Holzschnitten, in kleisterartiger Masse auf mit Goldocker grundiertem Papier.
Teilungsring heißt der tellerförmige Ring, durch welchen der Schaft einer spätromanischen Säule in zwei oder drei Teile gesondert wird.
Tektonik, die Kunst des Zusammenfügens starrer Teile zu künstlerischen Gebilden.
Tempelherrn, Templer, ein im Jahre 1118 in Jerusalem gestifteter geistlicher Ritterorden zum Schutz der Wallfahrer nach Jerusalem, später auch zur Verteidigung des christlichen
Glaubens und des heiligen Grabes. Ordenskleid der Ritter: weißer Mantel mit achtspitzigem rotem Kreuz.
Temperamalerei, Malerei, in welcher die Farben (nicht mit Öl, sondern) mit Leimwasser, Eiweiß, Honig etc. gemischt werden.
Templeisen, die Ritter des heiligen Gral.
Teneberleuchter, ein nur in der Karwoche benutzter Lichterständer, in Form eines gleichseitigen Dreiecks mit zwölf gelben Wachskerzen und einer weißen auf der Spitze.
Tenne, Dreschplatz in der Scheune, dann auch Hausflur.
Terrakotta = gebrannter Ton; dann auch plastische Arbeit aus gebranntem Ton.
Terrasse, Erderhöhung, durch Böschungen oder Futtermauern gehalten.
Theatiner, ein im Jahre 1524 vom heiligen Cajetan gestifteter Mönchsorden. Tracht: schwarz mit Schuhen und weißen Strümpfen.
Thum = Dom.
Thuribulum — Rauchfass, Räucherbecken.
Tiara, die kegelförmige Kopfbedeckung des Papstes; seit dem 14. Jahrhundert mit drei Kronenreifen versehen und deshalb dreifache Krone genannt.
Tinten, Abstufungen einer Farbe.
Titel nennt man die Inschrift an dem Kreuze Christi. Unter Titel einer Kirche versteht man den Namen des Heiligen (Titelheiligen), dem sie geweiht ist.
Tochterkirche = Filialkirche.
Todsünden, die sieben, sind die Hoffahrt, der Neid, der Zorn, die Unkeuschheit, der Geiz, die Völlerei und die Trägheit.
Toga, das Obergewand der römischen Männer; sie gehört zum typischen Kostüm Christi, der Apostel etc.
Tonnengewölbe, Gewölbe in Form eines liegenden halben Zylinders, welcher zwei gegenüberliegende Wände eines Raumes verbindet. Man unterscheidet rundbogige, spitzbogige und flache
Tonnengewölbe.
Tonsorium, Kapelle an der Westseite eines Kreuzgangs, in welcher den Geistlichen bei Erteilung der Weihe Bart und Haare geschoren zu werden pflegte.
Tonsur, siehe liturgische Gewänder.
Topfgewölbe, ein Gewölbe aus hohlen, topfähnlichen Gefäßen von gebranntem Ton.

Topfhelm, ein großer zylindrischer Helm, welcher oben flach, oder mit einer Glocke geschlossen, bis über die Nase herab reicht und nur einen schmalen Schlitz, den Sehschnitt und
Atemlöcher, sowie ein kreuzförmiges Loch zum Einknebeln der Helmkette hat.
Torbalken, hölzerner Schubriegel, welcher beim Öffnen der Torflügel in eine Öffnung der Wand geschoben wird; auch Querholz des Torflügels.
Toreutik — Plastik in Metall.
Torso, Rumpf, Bildsäule ohne Kopf, Arme und Beine.
Torturm, ein über einem Tor sich erhebender Wart- oder Verteidigungsturm.
Totenacker = Friedhof, Begräbnisplatz.
Totenamt = kirchliche Totenfeier.
Totenbaum, Baumsarg, ein Sarg bestehend aus einem ausgehöhlten Baume.
Totenbuch = Nekrologium.
Totengerüst = Katafalk.
Totenkapelle, eine auf einem Friedhof befindliche Kapelle, in welcher die Begräbniszeremonien verrichtet werden.
Totenkeller = Karner.
Totenkirche, eine größere Totenkapelle.
Totenkopf, eine Art Helm im 16. Jahrhundert.
Totenlade, Totenkasten = Sarg.
Totenleuchter, Kirchhofslaterne, eine auf einem Kirchhof stehende Säule mit laternenartigem Aufsatz zur Aufnahme eines ewigen Lichtes zu Ehren der Toten.
Totenorgel, Orgelgeschütz, eine zusammengesetzte Kanone, ähnlich der Mitrailleuse.
Totentanz, ein Zyclus von allegorischen Darstellungen der Unerbittlichkeit des Todes, in welchem ein Knochengerippe Menschen verschiedener Stände zu widerwilligem Tanz
zwingt.
Tragaltar oder Reisealtar, ein kleiner, tragbarer Altar für Reisen, Krankenkommunion, Feldgottesdienst etc. Er besteht aus einem in Holz oder Metall gefassten Stein mit einer
Reliquie, auf welchem Raum für Hostie und Kelch vorhanden ist. Zuweilen hat er auch einen Aufsatz.
Traghimmel = tragbarer Baldachin.
Tragstein — Konsole.
Transept, das Querhaus, zuweilen auch nur ein Kreuzarm einer Kirche.
Transfiguration, Darstellung der Verklärung Christi. Christus in Wolken stehend; ihm zu Seiten Moses und Elias; unten am Boden liegen drei Jünger.
Travée = Gewölbejoch.
Trecento — Vierzehntes Jahrhundert.
Treppengiebel = abgestufter Giebel.
Treppenturin, ein Turm, welcher eine Treppe enthält.
Treskammer — Schatzkammer, Sakristei.
Tribuna, erhöhte Bühne, Rednerbühne, Ambo, dann auch Apsis der Basilika.
Trichtergewölbe, liegendes, heißt ein Tonnengewölbe, dessen Durchmesser sich allmählich verjüngt; stehendes heißt ein Helmgewölbe von kreisrundem Querschnitt.
Triclinium, Speisetisch, dann auch Speisesaal der Römer.
Triforium, Arkade mit dreifacher Öffnung, besonders aber der Mauergang mit solchen Öffnungen zwischen Scheidebogen und Oberfenstern im Mittelschiff einer basilika-artigen
Kirche.
Triglyph heißen die im Fries der dorischen Bauordnung über jeder Säule und über den Säulenzwischenräumen aufgestellten, mit Schlitzen versehenen Klötze, welche das Hauptgesimse
tragen.
Trinitarier, Mönch vom Orden der heiligen Dreieinigkeit, welcher im Jahre 1198 zum Zweck der Loskaufung von Christen aus der Gefangenschaft der Sarazenen gestiftet wurde, jetzt
aber verschwunden ist. Ordenskleid: weiß mit halb blau, halb rotem Kreuz.
Triptychon, siehe Diptychon.
Triumphbogen, der hohe Querbogen, welcher den Chor einer Kirche von der Vierung oder dem Langhaus trennt. Unter demselben befindet sich gewöhnlich ein Kruzifix, das Triumphkreuz,
auf dem Triumphbalken stehend.
Trommel, Säulentrommel, heißen die zylindrischen Blöcke, welche aufeinander gesetzt und durch Dübel miteinander verbunden, eine Säule bilden.
Trophäe, eine ornamental gehaltene Zusammenstellung von Kriegsgeräten.
Trostkammer, Verballhornung von Treskammer = Sakristei.
Truhe, rechteckiger Kasten mit Deckel zum Aufbewahren von Kleidern und kostbarem Hausgerät (besonders der Brautausstattung). Sie ist oft durch Malerei, Intarsien oder Schnitzerei
künstlerisch ausgestattet.
Trutzwaffen heißen die zum Angriff dienenden Hieb-, Stich- und Schusswaffen.
Tudorblatt, ein dem Efeublatt ähnliches, für die englische Spätgotik charakteristisches, ornamentales Blatt, welches in Friesen und in Dachkämmen (Tudorkamm) vorkommt. Als
einzelnes Vierblatt gebildet heißt es Tudorblume.
Tudorbogen, ein gedrückter Spitzbogen, aus vier Mittelpunkten konstruiert. In England im 15. Jahrhundert in Gebrauch.
Tudorstil heißt eine im 15. Jahrhundert in England beliebte, besonders bei Profangebäuden übliche Abart des gotischen Stils.
Tumba, ein über dem Fußboden erhobenes kistenartiges Grab aus Stein oder Bronze.
Tunicella, eine von der Geistlichkeit unter der Dalmatika getragene kürzere Tunika.
Tunika heißt ursprünglich das bei den alten Römern gebräuchliche, anfangs nur von Frauen, später auch vou Männern getragene ärmellose, wollene oder leinene Unterkleid. In
späteren Jahrhunderten wurde sie nach Form und Bestimmung vielfach verändert. Siehe auch liturgische Gewänder.
Türbogenfeld, Thürlünette oder Tympanon heißt das Feld zwischen einem geraden Türsturz und dem darüber befindlichen Bogen.
Türgerüst, Türgestell oder Türstock heißt die hölzerne oder steinerne Einfassung einer Türöffnung.
Türlünette = Türbogenfeld.
Türstock = Türgerüst.
Tympanon = Giebelfeld, Türbogenfeld.
Typographie = Buchdruckerkunst.
Typologie, Lehre von den Vorbildern im alten Testament, deren Darstellungen als Typen auf das neue Testament gedeutet werden. Häufig wird der alttestamentliche Typus mit dem
neutestamentlichen Antitypus zusammengestellt.
Typus, die zu bestimmter traditioneller Norm gewordene Art einer künstlerischen Darstellung. Im engeren Sinne nennt man Typus, richtiger Prototypus, ein Ereignis oder einen
Ausspruch des allen Testaments, welchem ein Ereignis oder Ausspruch dos neuen Testaments als entsprechend oder zur Erfüllung bringend gegenüber gestellt wird.
Tyrnitz, Gebäudeteil einer Burg mit einem heizbaren Gemach, in welchem sich die Diener aufhielten (wie in der Kemnate die Herrschaft).
U
Überblatten, zwei sich durchkreuzende Stücke Bauholz so zusammenfügen, dass sie nicht wie bei der Verblattung bündig werden, sondern jedes vor dem andern vorspringt.
Überfangglas, Glasplatte, welche aus zwei aneinander geschmolzenen Glasschichten einer farblosen und einer farbigen besteht. Durch teilweises Herausschleifen des farbigen
Überzuges, Überfanges, kann man ein Muster erzeugen.
Übergangsstil nennt man den Baustil, welcher während des Übergangs der romanischen Bauweise in die gotische sich ausgebildet hat.
Umbrale = Schleier, Vorhang.
Umgang = Chorumgang, wohl auch Kreuzgang.
unterfahren, unterfangen, ein stehendes Gebäude mit neuem Unterbau versehen.
Unterglieder heißen die architektonischen Glieder unmittelbar unter der Hängeplatte.
Unterkirche = Krypta, unteres Geschoss einer Doppelkirche.
untermalen, einem Gemälde den ersten Farbenauftrag geben.
Unterzug, ein starkes Bauholz, welches unter die Balken, auf Mauern oder Pfeiler gelegt, die ersteren stützt.
Unzialbuchstabe — Majuskel.
V
Veduta — Ansicht.
Ventilaber — Fliegenwedel, Fächer, besonders die Federwedel, welche bei feierlichen Prozessionen über dem Papst gehalten werden.
Verankerung, Verbindung von Mauer- und Zimmerwerk durch eiserne, wohl auch hölzerner Anker.
Verband, die Art und Weise Bauteile von Stein (Stein- oder Mauerverband) oder Holz (Holzverband) regelrecht miteinander zu einem festen Ganzen zu verbinden.
Verblasen nennt man eine Malerei, deren Umrisse und Einzelheiten verwischt erscheinen.
Verbleiung nennt man die Bleieinfassung kleiner Fensterscheiben zum Zweck der Verbindung derselben untereinander.
Verjüngung, allmähliches dünner werden eines Gegenstandes, z. B. eines Säulenschaftes.
Verklärung Christi, siehe Transfiguration.
verkleiden, einen Gegenstand mit einem anderen Material bedecken.
verkröpft heißt ein Gesimse, welches - in Ecken und Winkel gebrochen — um einen Körper geführt ist.
Verkündigung Mariä, Darstellung wie die Jungfrau Maria vor einem Betpult kniet und der Erzengel Gabriel mit einer Lilie in der Hand ihr anzeigt, dass sie einen
Sohn gebären werde.
Verkürzung, scheinbare Verkürzung eines Gegenstandes in perspektivischer Darstellung.
verlorene Form heißt diejenige Form, welche zerstört werden muss, um den Abguss heraus zu bekommen.
Veronika-Tuch = Schweißtuch der Veronika.
Versalbuchstabe = Majuskel.
verschalen, eine Fläche mit schwachen Brettern benageln.
Verschlag = Bretterwand.
vertreiben heißt in der Malerei die Farben so auftragen, dass sie ineinander übergehen.
Verzahnung heißt die zahnförmige Zusammenfügung zweier neben- oder übereinander liegender Stücke Bauholz und auch das durch den Mauerverband bedingte zahnförmige Ende einer
Mauer, welche später verlängert werden soll.
Vespermantel = Kappa.
Vespertuch heißt eine Decke, welche zum Schutz über die Altartücher gelegt wird und beim Vespergottesdienst als Altardecke dient.
Vielblatt, ein Kreis, welcher innerlich mit mehren Spitzbogen besetzt ist.

Vielpass, Kreis, welcher innerlich mit mehren Halbkreisen besetzt ist.

Vierblatt, eine aus vier Spitzbogen zusammengesetzte Maßwerkfigur.
Vierpass, eine aus vier Halb- oder Dreiviertelkreisen zusammengesetzte Maßwerkfigur.
Vierschneuß, heißt eine Maßwerkfigur, bestehend aus einem Kreis oder Quadrat, welcher durch vier Schneußen oder Fischblasen ausgefüllt ist.
Viertelstab, ein konvexes Bauglied in Form eines Viertelkreises.
Vierung heißt der mittlere, meist quadratische Raum, in welchem Langhaus und Querschiff einer Kirche sich durchkreuzen.
Vierungsturm heißt der Turm über der Vierung einer Kirche.
Visier heißt der vor dem Gesichte befindliche, aus Gitterwerk bestehende, verschiebbare Teil eines Helms.
Visierung, mittelalterlicher Ausdruck für Werkzeichnung.
Vohr oder Letze, Wallgang, nach oben bedeckt, nach innen offen, nach außen mit Schießscharten versehen.
Volute heißt ein spiralförmig zusammengerolltes Band, beispielsweise jenes, über dem Echinus des jonischen Kapitäls.
vor der Schrift (avant la lettre) heißen die ersten Abdrücke einer gestochenen Kupferplatte, welche angefertigt sind, bevor die Unterschrift zugefügt war.
Vorkirche, eine größere Vorhalle einer Kirche.
Vorlage heißt jeder von unten auf vortretende Teil eines Gebäudes z. B. ein Risalit.
Vorsetztafel = Frontale; fälschlich auch für Antipendium gebraucht.
Votivbild, Votivtafel, Votivaltar, eine in Folge eines Gelübdes aus Dank gegen Gott oder einen Heiligen in eine Kirche gestiftetes Gemälde, Bildwerk oder Altar, gewöhnlich mit
darauf bezüglicher Inschrift versehen.
W
Wahrzeichen, im Allgemeinen = Merkzeichen. Im engeren Sinne versteht man darunter diejenige Kuriosität eines Ortes, welche jeder reisende Handwerksgeselle gesehen haben musste,
wenn er sich über den Besuch des betreffenden Ortes ausweisen wollte.
Wall, die hinter einem Graben (Wallgraben) aus Erde aufgeschüttete Umfassung eines befestigten Platzes.
Wallbüchse, eine Feuerwaffe, welche gewöhnlich bei Verteidigung der Wälle benutzt wurde. Sie wurde auf eine am Ende gabelförmige Stütze gelegt und hatte zu diesem Zweck einen
Haken.
Wallgang, Gang auf einem Wall hinter der Brustwehr zur Aufstellung der Verteidiger, der Geschütze etc.
Wallwarte, Wuchttürmchen auf der ausspringenden Ecke einer Bastion.
Walm, kurze Dachseite, welche nicht als Giebel aufsteigt, sondern schräg wie die anderen Dachflächen abgedeckt ist. Die eine solche Dachfläche begrenzenden Kanten heißen Grate;
ein nicht bis hinab reichender, also nur einen Giebel oben abschneidender Walm heißt Halbwalm.
Walmdach, ein Dach, dessen kurze Seiten Walme bilden.
Walmgewölbe = Klostergewölbe.
Walmsparren oder Walmschifter heißen die in dem Wahn eines Daches liegenden in die Gratsparren sieh einschiftenden Sparren.
Wams, ein kurzer, enger, stark gefütterter oder wattierter und gesteppter Rock von festem Zeug oder Leder mit ganzen oder halben Ärmeln, welcher im 13. Jahrhundert unter der
Rüstung getragen wurde. Später wurde er als bürgerliches Kleid länger, beinahe bis zu den Knien reichend.
Wandarkade = Blendarkade.
Wandbogen = Schildbogen.
Wandelaltar, Flügelaltar mit vier oder mehr Flügeln, so dass ein Wechsel der bemalten Seitentafeln möglich wurde.
Wandelturm, beweglicher hölzerner Turm als Belagerungswerkzeug, zur Erstürmung von Mauern.
Wandpfeiler — Pilaster.
Wandsäule = Halbsäule.
Wandung, innere Fläche einer Wand.
Wange heißt überhaupt eine einschließende Seitenwand, daher — Treppenwange, Seitenwand eines Chorgestühls etc.
Wappenhalter oder Schildhalter heißt die menschliche oder tierische Gestalt, welche ein Wappen haltend dargestellt ist,
Wappenherold, ein mit der Einrichtung und Aufsicht der Turniere beauftragter Herold, welcher auch die Aufsicht über die Wappen der Ritter und das ganze Wappenwesen hatte. Sie
bildeten unter der Aufsicht des Staates eine an Tracht und Insignien kenntliche Körperschaft, deren Haupt der Wappenkönig war. Sein Anzug war der Wappenrock oder Tappert.
Wappenmantel, Draperie hinter einem Wappenschild.
Wappenzelt, eine hinter einem ganzen Wappen mit Helm etc. dargestellte zelt- oder baldachinartige Umänderung des Wappenmantels.
Wärmapfel, eine hohle durchbrochene Kugel aus Metall, in welcher sich ein Einsatz mit glühenden Kohlen, oder heißem Wasser befindet, an welcher der Priester im Winter während des
Altardienstes seine Hände erwärmt.
Wasserburg, eine in einer Ebene gelegene, von See oder Sumpf umgebene Burg.
Wasserlinse heißt der an der unteren Kante von vortretenden Platten, z. B. dem Kranzleisten, von einer Aushöhlung (Unterschneidung) stehen gebliebene Vorsprung, welcher den Zweck
hat, das Regenwasser zum Abtropfen zu zwingen.
Wasserschlag, steile Abdachung eines Gesimses, eines Strebepfeilers, einer Fensterbank zur Ableitung des Regenwassers.

Wasserspeier, Ausguss einer Dachrinne in Form phantastischer Tier- oder Menschengestalt von Stein, Holz oder Metall.
Wasserzeichen, Fabrikzeichen der Papiermacher, welches in jedem einzelnen Bogen als durchscheinende Figur angebracht, ist.
Wechsel, kurzes Balkenstück zwischen zwei anderen Balken.
Wehrgang, allgemeinere Bezeichnung für Vohr und Wallgang.
Wehrgehenk oder Wehrgehänge, der über die rechte Schulter gelegte, an der linken Seite zusammengehende breite Riemen, woran die Wehr, d. h. Schwert oder Degen hängt.
Weihbrotgehäuse = Sakramentshäuschen.
Weihekreuz, ein griechisches Kreuz, meist von einem Kreis umgeben, welches als Zeichen der erfolgten bischöflichen Weihe an die Wände einer Kirche gemalt, überhaupt an allen
konsekrierten Gegenständen angebracht wird.
Weihel, siehe liturgische Gewänder.
Weihkessel, ein eimerförmiges, tragbares Weihwassergefäß mit Bügel, meist aus Metall zur Besprengung mit Weihwasser, mittels des Weihwedels (Aspergill), welcher
aus einer, an einem Stab befestigten Bürste besteht.
Weihrauchbecken = Rauchfass.
Weihrauchpfanne, die im Rauchfass stehende Pfanne, welche die Kohlen und den Weihrauch aufnimmt.
Weihrauchschiffchen, Navicula, ein schiffförmiges, mit einem aus zwei Teilen bestehendem Scharnierdeckel versehenes Metallgefäß für den zu den kirchlichen Räucherungen
erforderlichen Weihrauch.
Weihwasserbecken, das am Eingang einer Kirche aufgestellte, mit Weihwasser gefüllte Becken aus Stein oder Metall zur symbolischen Reinigung der Eintretenden. Es hat in älterer
Zeit die Form eines kleinen Taufsteins, wurde später aber oft in Form einer aus der Wand heraustretenden Konsole gebildet.
Weihwedel, siehe Weihkessel.
Wellerwand, eine aus dem sogenannten Wellerzeug, d. i. Strohlehm, aufgeführte Wand oder auch eine Fachwerkswand, deren Fach mit Staken ausgesetzt, die mit Strohlehm umflochten
und dann noch mit Strohlehm ganz ausgefüllt sind.
Wetterhahn, metallene Windfahne in Gestalt eines Hahnes.
Widerlager, eine Mauer, welche dem Seitenschub eines Gewölbes zu widerstehen hat. Zur Verstärkung eines Widerlagers dient ein Strebepfeiler. Stemmt das Gewölbe sich nicht gegen
eine Mauer, sondern gegen einzelne Pfeiler, so heißt der letztere Widerlagspfeiler.
Willkomm, großer Pokal oder kannenartiger Humpen, aus welchem zuerst der Gast und dann diesem zu Ehren alle anderen Teilnehmer eines Gastmahls trinken.

Wimberg oder Wimperge, gotischer Ziergiebel, welcher, in seinem Spitzbogenfeld mit Maßwerk ausgefüllt, über einer Tür- oder Fensteröffnung angebracht ist.
Windeisen heißen die quer vor die in Blei gefassten Fenster gelegten Eisenstäbe, welche mit der Verbleiung durch Haften oder Windeisenringe verbunden, wesentlich zur Festigkeit
der aus vielen kleinen Stücken zusammengesetzten Glasfelder beitragen.
Windrispe oder Windsparren, Windrute, heißt eine auf der unteren Seite schräg über die Sparren genagelte Latte, zur Verbindung der Sparren untereinander, damit sie mehr
Festigkeit gegen den Windschub haben.

Würfelkapitäl, ein romanisches Kapital, welches aus einem nach unten abgerundeten Würfel bestehlt; seine lotrechten Seitenflächen sind nach unten halbkreisförmig abgeschnitten
und durch sphärische Dreiecke nach dem runden Säulenschaft übergeführt. Die vier Schilder oder Wangen sind oft künstlerisch reich geschmückt.
Wurfgeschoß, Schleudermaschine, eine im ganzen Mittelalter übliche Maschine, mittels welcher große Massen schwerer Steine, auch wohl Feuerbrände und allerlei Unrat unter die
Belagerten geworfen wurden.
X
Xylographie = Holzschneidekunst, Kunst des Formschnittes.
Xystus, langer, bedeckter Gang, daher zuweilen für Kreuzgang gebraucht.
Z
Zackenbogen, ein Bogen, dessen Laibung in viele kleine Rundbogen geteilt ist.
Zahnhammer, ein mit Zacken versehener Hammer, zum Aufstoken der Werkstücke.

Zahnschnitte heißen die unmittelbar unter der hängenden Platte des ionischen und korinthischen Gesimses angebrachten kleinen, rechteckigen Hervorragungen, welche durch die
Zahnlücken voneinander getrennt sind.
Zarge, eigentlich jede erhöhte Einlassung, besonders aber das Türgerüst und der kastenförmige Rand, welcher unter der Tischplatte die Beine eines Tisches untereinander
verbindet.
Zatteln, heißen die langen Zacken oder Lappen, an den Rändern der männlichen Kleidung des 15. Jahrhunderts.
Zelle, Wohn- und Schlafgemach eines Mönchs oder einer Nonne im Kloster.
Zellenemail, Zellenschmelz, siehe Emaille.
Zellengewölbe, eine spätgotische Art Gewölbe, welches aus einer großen Menge kleiner, rautenförmiger, trichterartiger, in scharfen Kanten aneinander stoßenden, vertieften Kappen
(Zellen) besteht.
Zeltdach, ein pyramidenförmiges, also in eine Spitze auslaufendes Dach auf eckigem Grundriss.
Zentaur, ein phantastisches Tier der antiken Mythologie in Form eines Pferdes mit menschlichem Überkörper.
Zentralbau heißt ein Gebäude, dessen Grundriss nach Art eines Kreises oder eines regelmäßigen Vielecks einen Mittelpunkt besitzt. Es ist gewöhnlich mit einer Kuppel
überdeckt.
Ziborium, ein auf vier Säulen ruhender, baldachinartiger Überbau über dem Altar einer Kirche. Von der Decke desselben herab, über dem Altartisch hing das Speisegefäß, oft in
Gestalt einer Taube, mit den geweihten Hostien. Letzteres heißt ebenfalls Ziborium.
Ziegelstempel, Fabrikstempel auf Ziegeln.
Ziergiebel — Wimperg.
Zierrippen sind Gewölberippen, welche einem Gewölbe nur zum Zweck der Dekoration angefügt sind.
Zimelien = Kostbarkeiten.
Zindelbinde = Sendelbinde.
Zingel, siehe Burg.
Zinnen, Mauerzacken, eine ausgezahnte Brüstung, welche ursprünglich den Zweck hat, dem Verteidiger eine gesicherte Stellung und zugleich (durch die Zinnenlücken) die Möglichkeit
des Angriffs zu gewähren, später aber vielfach rein dekorativ angewendet worden ist.
Zinnenfries, ein rechtwinklig gebrochener Stab, in der romanischen Baukunst häufig als Ornament verwendet.
ziselieren heißt einen Metallguss mit dem Meißel sorgfältig bearbeiten.
Zisterne, gemauertes Wasserbassin.
Zisterzienser, ein Mönch des durch den Abt Robert von St. Michel Tonnerre 1098 in Citeaux bei Dijon nach der Regel des hl. Benedikt gestifteten Ordens. Er verbreitete sich im 12
und 13. Jahrhundert über ganz Frankreich, Deutschland und England und baute viele Klöster. Diese Mönche trugen anfangs schwarze, nachher weiße Kutten mit schwarzem Gürtel, schwarzem Skapulier und
rote Schuhe. Sie trieben vorzugsweise Ackerbau. Ihre Klöster liegen in abgelegenen, niedrigen Gegenden und zeichnen sich in Anlage und Ausrüstung durch Einfachheit und Schmucklosigkeit (gerader
Chorschluss, Mangel eigentlicher Türme) aus.
Zitadelle, kleine Festung, oft innerhalb einer größeren Festung gelegen. Sie hat den Zweck, in Zeiten der Gefahr der Besatzung als letzte Stütze zu dienen.
Zither, ein in Niedersachsen verkommender Ausdruck für Schatzkammer einer Kirche.
Zugbrücke, eine zum Aufziehen eingerichtete hölzerne Brücke, über den Graben vor dem Tor einer Burg oder Stadt.
Zunft, Vereinigung von Handwerkern zu gemeinsamem Schutz, mit bestimmten, sehr strengen, gesetzlich anerkannten Statuten.
zurichten, einem Baustein oder Bauholz die gewünschte Form gehen.
Zweihänder, ein bis zwei Meter langes, zweischneidiges Schwert, das eigentliche Schlagschwert, welches ohne Scheide auf der Schulter getragen, mit zwei Händen geführt wurde. Es
ist im 15. Jahrhundert eine übliche Waffe des Fußvolkes.
Zweischneuß heißt eine gotische Maßwerkfigur, bestehend aus einem Kreis oder Quadrat, welcher durch zwei Schneußen oder Fischblasen ausgefüllt ist.
Zwerggalerie, eine in der Mauerstärke angebrachte, aus Bogen, welche auf kleinen Säulen (Zwergsäulen) ruhen, bestehende Galerie, dicht unter dem Hauptgesims romanischer
Kirchen.
Zwergsäule, kleine Säule, welche z. B. in romanischen Turmfenstern, in Zwerggalerien und Triforien vorkommt.
Zwickel, auch Gehre genannt, ein dreieckiges Stück Zeug, welches in Kleider, zum Zweck der Vergrößerung der Schrittweite, in Strümpfe etc. eingesetzt wird. Bogenzwickel heißt das
Dreieck zwischen den Widerlagern und der Übermauerung. Gewölbezwickel = Pendentif.
Zwicker oder Zwickstein, kleiner Stein zum Eintreiben in die Fugen von Haustein-Mauerwerk.
Zwiebeldach, Helmdach, Kegel- oder Zeltdach, dessen Profil einen Eselsrücken bildet.
Zwillingsbalken, zwei dicht nebeneinander gelegte schmale Balken, in ähnlicher Weise spricht man auch von Zwillingssparren und Zwillingspfählen.
Zwillingsfenster, gekuppelte Fenster, welche ein gemeinschaftlicher Bogen überdeckt.
Zwillingstür, zwei unter gemeinschaftlichem Bogen nebeneinander gestellte Türen.
Zwinge, metallener Ring oder Beschlag, welcher um einen Gegenstand gelegt wird, um das Spalten oder Springen desselben zu verhindern.
Zwinger, der zwischen zwei Ringmauern einer Burg, oder zwischen der Stadtmauer und dem Graben (welcher durch eine Futtermauer geschützt zu sein pflegt) befindliche schmale
Raum.
Zwischengeschoss, Mezzanin, ein niedriges Geschoß mit kleinen Fenstern, zwischen zwei Hauptgeschossen eines Palastes.
Zwischenhaus, der westlich vom Langhaus gelegene, zwischen zwei Glockentürmen befindliche Teil einer Kirche.
Zwölfort, ein aus zwei übereinander gelegten Sechsecken, oder drei Quadraten, oder vier Dreiecken gebildeter Stern.
