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Charakter und Eigenart der deutschen Ritter in Italien

Waffenspiele, Religiosität, Vermögen

Für die Gesamtbewertung der deutschen Ritterschaft im Welschland ist nun weiterhin die Frage wichtig, welche Gestalten und Charaktere uns in den einzelnen ritterlichen Italienfahrern entgegentreten. Können wir stolz auf sie sein, oder gehen wir lieber über sie mit Geringschätzung oder gar mit einem Verdammungsurteil hinweg? Nur zahlreiche Beispiele können hier entscheidend wirken. Sie zu bringen, ist nicht leicht, da die neuaufgefundenen Quellen zwar Namen in Menge bringen, aber meist von dem Einzelnen zu wenig sagen, um uns ein Bild seiner Persönlichkeit entwerfen zu können. Immerhin besitzen wir gewisse Anhaltspunkte für die Beurteilung einer großen Reihe deutscher Ritter in Italien. Einige seien hier zusammengestellt, andere ergeben sich aus dem Zusammenhang unserer früheren und späteren Darstellung.

Von dem schon genannten langjährigen Führer und ersten Organisator der englischen Kompagnie, dem deutschen Ritter Albert Sterz, sagt der gleichzeitige italienische Chronist, dass er ebenso tapfer, als auch tapferkeitserweckend war, oder dass er selbst kampftüchtig alle anderen kampftüchtig machte (virtuosus ad pugnam omnes alios facit virtuosos). Ein anderer italienischer Schriftsteller und Zeitgenosse berichtet von dem Marschall Gilbert, Führer der Deutschen Ezzelins, dass er tapfer, weise und lobenswert gebildet war.

Von einem Deutschen im Heere Johann von Bongards erfahren wir, dass er den Doktorgrad in der Rechtswissenschaft besaß. Herzog Werner von Urslingen wird von Dominicus de Gravina als ein »hochgemuter und weitschauender Herr« (homo magnificus et magni consilii) gepriesen (Rer. Ital. Scr., nova edit. XII, p. 155). Von demselben zeitgenössischen Schriftsteller hören wir die hervorragenden Eigenschaften seines Nachfolgers, des deutsch-burgundischen Reiterführers Morialis loben, von dem es heißt, dass er Seele und Leib des Herzogs Ludwig von Tarent gewesen sei (ebd. p. 40). An den deutschen Edelmann (nobilis vir) Konrad Wolf von Wolfurt richtete Klemens VI. im Februar 1351 mehrere Empfehlungsschreiben für seinen Nuntius, den Erzbischof Johann von Brindisi (Archiv. Vatik., Reg. Secr. 144 f. 221**', dazu mein 2. Buch S. 198 Anm. U). Der Bruder Konrads, Ulrich Wolf, zeichnete sich so aus, dass ihn König Ludwig von Ungarn zu seinem Statthalter in Unteritalien ernannte. Derselbe Ulrich wurde von König Ludwig im Jahre 1352 als Bevollmächtigter mit Bischof Johann von Wesprim an die Kurie gesandt wegen der Friedensverhandlungen. Danach kehrte er an den ungarischen Hof zurück. Vom König hatte er zur Belohnung die Grafschaft von Castro Ferro erhalten, sein Bruder die Baronie Guillonisii, 1373 wird er in der Heimat zusammen mit Graf Heinrich von Fürstenberg und Graf Eberhard von Lupfen genannt.

Dem deutschen Ritter Palm, Reiterobersten im Dienste des serbischen Königs, empfahl Innocenz VI. die päpstlichen Nuntien in seinen Schutz (2. Buch S. 157, 1354).

Der mit allen Eigenschaften eines ritterlichen Helden ausgestattete Herzog Otto von Braunschweig, Sieger in vierzig Schlachten auf Italiens Boden, war überall hoch angesehen (vgl. 2. Buch S. 204), und selbst der nicht deutschfreundliche Chronist Azario nennt ihn probus et sapiens.

 

Der Begründer und erste Führer der Großen Kompagnie, ein deutscher Ritter, den wir nur als Raynaldus »de Giver« (vgl. unten S. 135) und mit seinem italienischen Beinamen »Malherba« kennen, wird von dem italienischen Chronisten als hervorragender Führer von hoher und starker Gestalt, in der Kriegskunst wohl erfahren (optimus conestabilis, corpore praestans et fortis ac bellicae artis peritus) bezeichnet. Er zog infolge eines Gelöbnisses mit 25 auf eigene Kosten ausgerüsteten Reitern nach Kleinasien gegen die Türken, wo er im Jahr 1345 als einer der Tapfersten im Kampf fiel (vgl. oben S. 2, 2).

Über den deutschen Ritter Johann von »Rieten« von der Burg Rieden bei Ichenhausen berichteten die Aretiner im Jahr 1368, dass er auf dem Schlachtfeld mit der Ritterwürde ausgezeichnet worden sei, wie es seiner ganz hervorragenden Tüchtigkeit zukäme (decoratus est cingulo militari, sicut decebat eius excellentissimam probitatem). Ein Jahr zuvor hatte Markgraf Nikolaus von Este mit 700 Reitern Urban V. nach Rom begleitet und in St. Peter zu Ehren des Papstes und zum Gedächtnis der zwölf Apostel den feierlichen Ritterschlag an fünf Deutsche und sechs hochadelige Italiener erteilt (Chron. Estense, Murat. 15).

Die Annalen von Arezzo (Murat, Scr. 24 col. 26) berichten zum Jahr 1335, dass zahlreiche deutsche Reiter in der siegreichen Schlacht gegen die Peruginer den Ritterschlag erhielten (multi alii Theotonici facti sunt milites). Daraufhin nahmen die Peruginer selbst noch 1000 deutsche Ritter des guelfenfreundlichen Königs Johann von Böhmen in ihren Dienst, wodurch schließlich Arezzo den Guelfen unterworfen wurde (Villani XI c. 28).

Im Jahr 1352 standen an der Spitze der Peruginer Reiterei zwei deutsche Marschälle, ein Ritter Heinrich von Niederdeutschland (messer Arigo da la Bassa), wohl für die Niederdeutschen, und Ritter Gottfried von Oberdeutschland (messer Gottofredo da l'Alta Magna!) für die Oberdeutschen. Unter ihrer Führung eroberten die Peruginer das stark befestigte Bettona, dabei zeichneten sich besonders der Graf von Lupfen mit seinem Banner und andere deutsche Herren aus, deren Namen leider ganz verderbt überliefert sind.

Im Jahr 1375 schickten die Florentiner den Peruginern 300 Lanzen (900 Pferde) zu Hilfe unter dem Oberbefehl des Konrad »Tirchingher«. Dieser wird »ein deutscher Mann voll Weisheit« genannt (un savio uomo tedesco: Cronaca del Grazziani p. 223). Der im 2. Buch S. 73 erscheinende deutsche Reiterführer Johann von Irgen Squarzemars wurde von dem italienischen Novellisten Sacchetti als edler, wackerer Krieger (nobile, buon uomo d'arme) bezeichnet (2. Buch S. 209, 20a).

Die Ritter Isbrant Fruit, Johann von Monheim und Mulard von Broich finden wir in angesehenen Stellungen in der Heimat wieder bei wichtigen Verträgen.

Rudolf von Colonster wurde nach seinem Kriegsdienst zu dem hochangesehenen freiherrlichen Schöffenamt von Lüttich empfohlen, ebenso wie Murapas von Limburg die dortige Schöffenwürde bekleidete (I 1323, II). Ritter Hermann von Landenberg wurde nach seiner Rückkehr aus Italien österreichischer Landvogt im Ober- und Niederamt Glarus, im Aargau, Thurgau, Elsass und auf dem Schwarzwald (1330–54), 1331 Hofmeister Herzog Ottos, 1358–60 österreichischer Landmarschall.

Gerhard von Aldenhoven tritt nach seinem italienischen Kriegsdienst als Berater des Bischofs von Lüttich auf (I 1322, 5). Ritter Gottfried von Bongard wurde nach seiner Rückkehr Erbkämmerer von Jülich (IV 1350, 56).

Ritter Heinrich von Randegg fiel nach seiner Fahrt ins Welschland als österreichischer Vogt von Schaffhausen in der Schlacht bei Näfels (1388). In der Eheberedung zwischen Gräfin Kunigunde von Fürstenberg und Freiherrn Walther von Hohenklingen war er als Zeuge und Treuhänder hinzugezogen worden. Herr Nibelung Stange von Rosheim erscheint nach seiner Rückkehr aus Italien als Zeuge und Bürge bei der Einigung der Stadt Straßburg und ihrer Außenbürger. Ritter Gerhard von Udekerken war Burggraf von Odenkirchen in der Kölner Diözese. Ritter Johann von Reischach, der tapfere Anführer der Peruginer Reiterei, erscheint später als Vertrauensmann der österreichischen Herzöge. Johann von Reifenberg lernen wir nach seinem italienischen Kriegsdienst als Hauptmann des großen schwäbischen Ritterbundes mit dem Löwen in Niederland kennen (vgl. meine Wappenurkunde deutscher Ritter in Italien, Schild 88).

 

Die Herren von Passaier genossen vor wie nach ihrem Ritt ins Welschland daheim hohes Ansehen (ebd. Schild 42–44).

Hüglin von Schöneck aus Basel verschaffte sich bei den Italienern solche Achtung, dass sie ihn mit dem Titel »venerabilis vir« beehrten; im Jahr 1376 wurde er dann, wie bereits erwähnt, zum Marschall des Herzogtums (Provinz) Spoleto ernannt. Graf Heinrich von Flandern, den wir in den zwanziger Jahren des 14. Jahrhunderts lange Zeit im päpstlichen Dienste finden, war vordem der siegreiche Feldmarschall des zu früh dahingeschiedenen Kaiser Heinrichs VII. in Italien gewesen. Seine Gemahlin führte auch später noch ein vornehmes Haus. Ihr Hofmeister H. von Dansweiler aus der Diözese Köln erhielt im Mai 1325 vom Papst 500 Goldgulden zum Geschenk.

Ritter Winand Boc aus derselben Diözese wurde kurz nach seinem Austritt aus dem päpstlichen Dienste im Jahr 1328 Reichsmarschall Ludwigs des Bayern in Pavia (vgl. oben S. 8 Anm. 3) und bekräftigte noch 1369 als Vertreter des limburgischen Adels das Landfriedensbündnis zwischen Rhein und Maas mit seinem Siegel. Ritter Raynald von Longerich aus dem gleichen Bistum wird im Jahr 1337 als oberster Marschall der Reiterei des mächtigen Herrn von Mailand genannt.

Den Grafen Heinrich von Montfort sehen wir im Jahr 1364 als Oberbefehlshaber der gesamten Florentiner Streitmacht. Ihm verdankte die Arnostadt ihren entscheidenden Sieg über Pisa, das damals zu seinem Unglück die Englische Kompagnie im Solde hatte. Der sagenberühmte ostfriesische Held und Häuptling Otto ten Brok, der einen Adler im Schilde führte, hatte jahrelang im Dienste der Königin Johanna von Neapel zugleich mit Herzog Otto von Braunschweig gestanden. Nachher herrschte er noch fast 20 Jahre lang über einen bedeutenden Teil von Ostfriesland bis zu seinem im Jahr 1391 erfolgten Tod.

Unter den im Kriegsdienste italienischer Herren stehenden ritterlichen Landsleuten befindet sich schließlich auch der vielleicht volkstümlichste wie tapferste und der von Kaiser und Adel am meisten gefeierte deutsche Ritter: Graf Wernher von Honberg oder Homberg, der als Vorbild eines unerschrockenen und gewaltigen Kämpfers im Trierer Codex Balduineus, als ritterlicher Sänger in der Heidelberger Liederhandschrift und als volkstümlicher Held in dem mittelhochdeutschen Klagelied um Graf Wernhers Tod verewigt worden ist. Er stammte aus dem uralten alamannischen Geschlecht der Grafen von Froburg, die den Namen der von ihnen beerbten Grafen von Homberg, der ehemaligen Schirmvögte des Bistums Basel, annahmen. Sein Vater fiel im Gefecht für Rudolf von Habsburg. Seine Mutter war die letzte Gräfin von Rapperswil. Mit 20 Jahren ging er im Herbst 1304 nach Preußen und erhielt dort im Deutschordens-Heere auf einem Kriegszug den Ritterschlag.

Er war in der Feldschlacht wie im Waffenspiel gleich berühmt. Pflegte er doch gar oft, dem berittenen Gegner beim scharfen Ansprengen den Arm um den Hals zu schlingen und ihn so aus dem Sattel zu werfen. Den Römerzug Heinrichs VII. von 1312 machte er als einer der tapfersten Kämpfer mit und jagte in die Reihen der welschen Feinde Furcht und Schrecken. Die wertvollste Bildertafel im kostbaren Codex des Erzbischofs Balduin von Trier, eines Bruders Kaiser Heinrichs VII., zeigt im Mittelpunkt der Schlacht, hervorragend vor allen anderen, den Grafen Wernher, wie er in dem gefährlichen Mailänder Aufstand dem mit vielen italienischen Rittern völlig unvermutet ansprengenden Haupt der guelfischen Verschwörer Helm und Kopf durch einen gewaltigen Schwertstreich spaltet. Heinrich VII. ernannte ihn bald darauf zum kaiserlichen Statthalter von Lombardien mit der Hauptstadt Mailand. Aber der Tod des Kaisers und die zwiespältige Wahl der Kurfürsten machten Werners Statthalterschaft unhaltbar. Er kehrte mit vielen anderen Reichsbeamten nach Deutschland zurück. Die Guelfen erhoben wieder allenthalben das Haupt. Die Gibellinenfeste Mailand selbst geriet in Gefahr. Sie schickte nach Deutschland und gewann den Grafen Werner mit 100 Helmen zurück. Man sicherte ihm monatlich 1600 Goldgulden zu, die auch pünktlich bezahlt wurden, nach heutigem Geldwert mindestens 65.000 Mark, das macht jährlich 800.000 Mark. Man sieht also, wie sehr seine Dienste gewertet wurden. Noch besitzen wir das Dokument über eine Soldzahlung vom Jahr 1319. Aber schon am 21. März 1320 ist Graf Wernher im Feldzug gegen Genua gefallen. Über das Wie und Wo wissen wir bisher noch nichts Näheres. Nur die rührende Totenklage ist in einem mittelhochdeutschen Lied erhalten. Werner war nach Heinrichs VII. Tod ein treuer Anhänger des Hauses Habsburg/Österreich und ein Förderer der Politik Herzog Leopolds gewesen.

So können wir an einer Reihe von Beispielen zeigen, dass diejenigen falsch belehrt sind, die von unseren deutschen Rittern in Italien behaupten, sie seien Abenteurer und Raubritter, grauenhafte Banden und ein Gegenstand des Absehens gewesen. Das ist doch nur ein blindes Nachreden ihrer Feinde und jenen hämischen Verleumdungen zu vergleichen, mit denen man in französischen Geschichten und Romanen die deutschen Führer im Hundertjährigen Krieg angegriffen hat. Beides verurteilt sich von selbst.

Hier dürfte darum auch der Ort sein, auf einige allgemeine Urteile über unsere Landsleute von unparteiischen italienischen Zeitgenossen hinzuweisen. In der Chronik von Pistoja (Istorie Pistolesi) werden die deutschen Ritter, die mit König Johann von Böhmen, Kaiser Heinrichs VII. Sohn, 1333 nach Italien gekommen waren und in den Sold des päpstlichen Legaten traten (vgl. 2. Buch I 1334), unter die tüchtigsten Ritter gerechnet, die Italien damals aufzuweisen hatte. In der Chronik des Azario (Muratori, Script. 16 col. 314) heißt es von den deutschen Rittern unter dem hervorragenden Führer Reynald von Giver (Kieberg = Kieburg?), dass sie ohne Ausnahme aus Alamannien stammten und so schön ausgerüstet waren, wie nie zuvor welche in Lombardien gesehen worden seien.

 

Vor den deutschen Rittern im Heere der Visconti gegen die guelfisch-päpstliche Liga in den zwanziger Jahren des 14. Jahrhunderts konnte derselbe Chronist seine italienische Abneigung gegen die Deutschen ebenfalls nicht aufrecht erhalten. Er ist von ihnen augenscheinlich begeistert: »O quam pulchra formositas Teutonicorum«, wie schön waren die herrlichen Gestalten der Deutschen (Ritter). Und in der Geschichte Azzos (Gesta Azzonis, Mur. 12 col. 1022 E) werden dieselben als »mannhafte Ritter (milites viri) von hoher Gestalt, im jüngeren Mannesalter (aetate iuvenes), waffengeübt und von unerschrockenem Mute« genannt. In der Chronik von Bologna zum Jahre 1361 heißen die von Kardinal Albornoz angeworbenen deutsch-österreichischen Reiter »das schönste Kriegsvolk der Welt«. Dominicus de Gravina bezeichnet um 1347 die Reiterschar des Herzogs Werner von Urslingen als »das stolze Volk der Deutschen«. Eine andere italienische Chronik sagt von dem Heer des Grafen Luzius (Ludwig) von Landau, dass es »molta buona e bella brigata d' uomini d' arme« war. Dieselbe Chronik erzählt, dass Graf Heinrich von Montfort mit dem Herzog Stephan von Bayern in Florentiner Dienst trat mit 600 Lanzen di buona gente e fece buon servigio. Höchst bezeichnend ist auch, dass wir an unzähligen Stellen der italienischen Chroniken hören, wie von guelfischer und gibellinischer Seite immer wieder während des 14. Jahrhunderts nach Deutschland geschickt wurde, um unsere ritterlichen Landsleute zum Kriegsdienst herüberzuziehen, dass ihre Führer hohe Provisionen und Geschenke erhielten und regelmäßig die deutschen Reiter höher besoldet wurden als die nichtdeutschen. Die Herren von Gonzaga in Mantua schrieben im Jahr 1356 (11. Juni) an den Herrn Oleggio von Bologna, sie würden alles tun, was in ihren Kräften stünde, um die deutsche Kompagnie zu gewinnen, wenn sie auch alle Glocken und Kreuze der Kirchen (!) verkaufen müssten (Archiv Gonzaga).

In Pisa erhielt um die Mitte des 14. Jahrhunderts der deutsche Bannerführer monatlich 12 Pfund Denare mehr als jeder italienische und ein deutscher Reiter 6 Pfund mehr. Auch im päpstlichen Dienste wurden die deutschen Reiter regelmäßig besser bezahlt als die italienischen.

Offenbar waren unsere Landsleute körperlich stärker und im Waffenhandwerk den anderen überlegen. Wir hören wiederholt in den italienischen Chroniken von Waffenspielen, die sie in Friedenszeit auf den Marktplätzen der Städte unter sich veranstalteten, und bei denen es auch Beulen und Wunden gab. Bekannt ist ja die wertvolle Darstellung eines Turniers deutscher Ritter zu Pisa vom Jahr 1312 im Codex Balduineus (T. 34). Im Jahr 1360 wurde auf dem St. Johannplatz in Ferrara auf Veranlassung des Markgrafen Aldobrandini von Este ein Zweikampf zwischen einem deutschen Ritter Konrad und dem aus dem päpstlichen Dienst bekannten Ritter Schellara [von Freienberg] ausgefochten, bei dem dieser den Ritter Konrad so schwer verwundete, dass der Markgraf den weiteren Kampf untersagte. Bei einem Waffenspiel zu Verona im Jahr 1352 wurde der deutsche Ritter Craspinger der Held des Tages. Am 1. Januar 1353 ritt Cane della Scala von Verona nach Trient zum Markgrafen von Brandenburg, und dort fanden an jenem Tage große Turniere statt. Es scheint, dass die italienischen Ritter auch das Kampfspiel mit den Deutschen scheuten.

An die oben in Abschnitt 7a (S. 75) schon besprochene schöne Eigenart der Deutschen, die im Kampf gefangenen Landsleute der gegnerischen Seite auf ihr Ehrenwort freizugeben, muss hier noch einmal erinnert werden, da sie sich dadurch ebenfalls von anderen Nationen unterschieden.

Nicht vergessen dürfen wir auch zur Charakterisierung unserer ritterlichen Volksgenossen, dass viele von ihnen trotz des rauen Kriegshandwerks ihre religiösen Pflichten nicht versäumten. Wir werden noch sehen (S. 141), dass sie vor dem Auszug in den Kampf der Messe im Dom beiwohnten und nach erlangtem Sieg dem Herrn der Heerschaaren ihren Dank darbrachten. Wir haben aber auch Beweise dafür, dass die deutschen Ritter — nicht nur die Ordensritter — allenthalben in den größeren italienischen Städten ihre eigenen Kapellen und Altäre stifteten, meist zu Ehren des hl. Georg, des Vorbildes aller edlen Ritterlichkeit. So in Verona, wo Namen und Wappen der Fundatoren noch erhalten sind (vgl. oben S. 86), so in Parma (oben S. 15, 1), in Pisa (oben S. 5, 5), in Florenz, wo deutsche Reiter im Jahr 1347 »al canto alle Macine« sogar ein Hospital zur Aufnahme kranker und siecher Genossen gründeten. Auch in Lucca sollen sie eine St. Georgskapelle besessen haben.

Nebenbei erkennen wir hieraus auch, dass unsere ritterlichen Landsleute in Italien nicht verschwenderische und luxuriöse Gesellen waren, da sie für allgemein nützliche Zwecke Gelder zur Verfügung stellten. Von Hüglin von Schöneck wissen wir, dass er in Italien für teures Geld die Reliquien des hl. Theobald erwarb und sie dem Leonhardstift zu Basel überwies. Auch fundierte er in seiner Vaterstadt sein Jahrgedächtnis und spendete für das Kirchenbauamt (vgl. V 1376). Von dem bereits erwähnten deutsch-burgundischen Reiterführer Peter von Monreale erzählt das Fragment einer römischen Geschichte, dass er seines in Perugia aufgesparten Reichtums wegen von dem römischen Volkstribunen Cola di Rienzo verräterisch ermordet wurde. Im Archiv Gonzaga in Mantua fand ich ferner mehrere Schreiben des Herzogs von Geldern und des Edelherrn von Falkenburg und Sittard an die Herren von Gonzaga, sie möchten das Vermögen des in Mantua in ihrem Dienst um 1378 verstorbenen Ritters Thomas von Kriechenbeck dessen dorthin reisendem Bruder und Erben übergeben. Schließlich bezeugen die kostbaren Freskogemälde in St. Giorgietto zu Verona, dass unsere ritterlichen Landsleute nicht nur Vermögen besaßen, sondern auch für edle Kunst empfänglich waren und Opfer bringen konnten.

Dass unsere Krieger Gewicht darauf legten, im Frieden mit der Kirche ihr Leben zu beschließen, zeigt die Ablaßbulle an den berühmten Obersten Johann von Bongard und des Ritters Johann von Reischach Gang an die päpstliche Kurie wegen Lossprechung von den über ihn verhängten Zensuren.

Den meines Erachtens vielleicht wertvollsten Beitrag aber zur Charakterisierung der deutschen Ritter in Italien während des 14. Jahrhunderts dürfen wir in dem bei Muratori, Antiquitates III abgedruckten Fragment einer römischen Geschichte sehen, wo der unbekannte, sicher fein beobachtende italienische Verfasser Römer und Deutsche im Blick auf unsere ritterlichen Landsleute so schildert (vgl. 2. Buch S. 209, 22a): »Die Römer haben einen schlechten Charakter, sie sind hochmütig und arrogant, nur mit dem Munde erweisen sie sich stark... Die Deutschen sind, wenn sie aus ihrem Vaterlande kommen, einfach, fromm und ohne Trug. Wenn sie aber mit den Italikern längeren Verkehr pflegen, wird ihnen alle Bosheit eingeimpft.« Das mag vielleicht etwas taciteisch scharf ausgedrückt sein, aber doch meist der Wahrheit entsprochen haben und uns jedenfalls auch manche unbestreitbare Schattenseiten verständlich machen.


Quelle:  Karl Heinrich Schäfer: Deutsche Ritter und Edelknechte in Italien während des 14. Jahrhunderts. Paderborn, 1910.