Unsere besondere Aufmerksamkeit erheischen jene Sammelhaufen deutscher Reiter, die unter einem oder mehreren Großführern standen und eine ganze Anzahl Fähnlein mit ihren Konstablern und Korporalen vereinten. Wir lernen aus unseren Quellen manche ihrer berühmtesten Hauptleute kennen, wie z. B. den gefürchteten Begründer und ersten Führer der Großen Kompagnie, Herzog Werner von Urslingen, der vom Rektor der Romagna für seine Schar einen halbjährigen Sold von über 23 000 Goldgulden erhielt; dann seinen berühmten Nachfolger Hanneken (Johann) von Bongard aus der Kölner Diözese, der schon 1350 mit einem starken Fähnlein und mehreren Konstablern im Dienst des päpstlichen Statthalters der Romagna erscheint. Ferner den späteren Hauptmann der Compagnia del Fiore, Hugo von Melchingen, der 1356 mit Otto von Waldeck als Reiterkorporal im Heere des Legaten diente und 1365 als Reiterführer im päpstlichen Dienste stand; weiter den Grafen Johann von Habsburg, den Stifter der Kompagnie von St. Georg, der 1368 im Sold der Provinz Romagna erscheint. Dann den Grafen Konrad von Landau und seine Söhne Luz und Eberhard, den Ordensritter Morreal oder Montreal und den Grafen Hartmann von Wartenstein, zeitweise Führer der Großen Kompagnie, letzteren später auch als Führer der Compagnia del Capelletto, sowie die deutschen Hauptleute der sogenannten italienischen Kompagnie von St. Georg, unter ihnen den Grafen Heinrich von Montfort, Feldhauptmann der Florentiner im Jahre 1364. Eine andere bedeutende deutsche Reiterschar unter Führung Ritter Heinrichs von Eglingen mit zwei Marschällen und 91 + 15 conestabiles et caporales lernen wir aus dem Jahre 1361 kennen in der von mir veröffentlichten Wappenurkunde. Angesehen und einflussreich unter den deutschen Fähnlein scheint weiterhin Göz von Wachenzeil gewesen zu sein, der im März 1354 mit fünf Fähnlein in Todi für den päpstlichen Dienst gewonnen wurde, in demselben Jahre, in dem sich diese Stadt mit der Kurie aussöhnte. Seit Januar 1356 steht er als Großkorporal von sieben Bannern im Sold des Legaten, der ihn veranlasste, noch weitere Bannerherren in den päpstlichen Dienst zu ziehen. Noch 1360 ist er mit seinem Bruder Hugo darin nachweisbar. Auch Pelegrinus Irer, der von 1355 bis 1364 in unseren Listen auftritt, scheint zeitweise wenigstens eine größere Schar befehligt zu haben. Im Jahre 1355 bekleidete er das Amt eines Marschalls der päpstlichen Truppen ebenso wie der deutsche Reiterführer Lambert Chesser von Nürnberg. Ein Ritter Arnold von Bach erscheint 1350 als Marschall der Reiterei aus Niederdeutschland, wie Ritter Burkhard von Färenbach als Marschall des gesamten Heeres in der Romagna genannt wird.
In der Chronik des Dominicus de Gravina werden für die Zeit von 1347–1349 noch als bedeutende deutsche Reiterobersten erwähnt: Graf Wilhelm von [Hohen-]Asberg mit rund 1000 Pferden im Dienste der Königin Johanna von Neapel, Ritter Philipp von Sulz mit drei deutschen Bannern, Ritter Friedrich von Ehingen »de Lupisce« (Laupesheim?) mit 100 Reitern im Dienst Ludwigs des Großen von Ungarn, dessen Statthalter Ulrich Wolf von Wolfurt, ein Bruder Konrad Wolfs, war. Albert Sterz, der sprachgewandte und wegen seiner Tapferkeit berühmte deutsche Ritter, war lange Jahre Führer der sogenannten weißen oder englischen Kompagnie. Ritter Johann von Eberhardsweiler aus Schwaben war um 1379 Führer der Brigade »della Stella« (vom Stern). Wilhelm (von) Filibach erscheint in den 80er Jahren als Oberst einer anderen deutschen Reiterschar, die sich ebenfalls nach St. Georg nannte.
Abschnitt 9a. Die Große Kompagnie.
Am wichtigsten sind die Nachrichten, die wir aus unseren Quellen über die berühmte »Große Kompagnie« erhalten, die meist als Gründung Herzog Werners von Urslingen aus dem Schwarzwald gilt und in der einen oder anderen Form, zuweilen auch geteilt, unter diesem und jenem Oberführer über 40 Jahre lang ihr Wesen in Italien getrieben hat. Im Jahre 1350/51 sehen wir Werner mit 1150 Reitern und Führern im päpstlichen Dienste der Romagna. Neben den Reitern hatte er noch rund 400 Geschütz- oder Genie- und Fußtruppen. Seine persönlichen Einnahmen beliefen sich damals auf monatlich 1000 Flor. Kurz vorher hatte er noch mit 2375 Pferden und 125 Offizieren im Dienste der Pepoli von Bologna gestanden. Da wir die genaue gleichzeitige Liste besitzen, können wir sehen, wie viele edle und ritterliche deutsche Geschlechter unter ihnen vertreten waren. Unzweifelhaft ist er der bedeutendste aller Reiterführer des 14. Jahrhunderts auf italienischem Boden gewesen. Der ausgezeichnet unterrichtete süditalienische Chronist Dominicus de Gravina, der den Herzog Werner persönlich gesehen und beobachtet hat, nennt ihn »homo magnificus et magni consilii«. Er selbst stammte von der Burg Irslingen oder Urslingen im Oberamt Rottweil aus einem edelfreien schwäbischen Geschlecht, das von Kaiser Friedrich Barbarossa mit der Herzogswürde von Spoleto bekleidet worden war.
Noch um 1240 wird ein Herzog Rainald von Spoleto aus demselben Hause genannt, der aber vertrieben wurde. Die Familie war gleichen Stammes mit den Freiherren von Rappoltstein und den Freiherren von Weinsberg. Die Tradition von dem Herzogtum Spoleto blieb im Hause Urslingen lebendig, und die Nachkommen behielten im Blick darauf den Herzogstitel bei. Ob unser Herzog Werner an eine Rückeroberung der italienischen Herrschaft in Erinnerung an seine Vorfahren gedacht hat, wer möchte es bestreiten? Sein erstes sicheres Auftreten als Reiterführer in Italien kann ich für das Jahr 1338 belegen, zugleich mit wichtigen Daten für die Entstehung der Großen Kompagnie. In den zuverlässig geschriebenen Historiae Romanae fragmenta bei Muratori wird erzählt, dass im Jahre 1338 eine große Reiterschar unter dem Oberbefehl eines berühmten deutschen Obersten »Malherba« aus dem venezianischen Kriegsdienst entlassen wurde, nachdem sie für die Lagunenstadt einen glänzenden Sieg über Mastino, Herrn von Verona, errungen hatte.
Nach der Chronik des Azario waren alle ohne Ausnahme Deutsche, 1500 Helme stark und so stattliche Gestalten, wie nie schönere Reiterei in die Lombardei gekommen sei (1500 barbute de pulchriori gente, quae umquam Lombardiam intrasset, omnes usque ad unum Alamanni). Ihr Schlachtruf hieß »Ritterbund Heinrich«. Nach der Historia Cortusiorum war ihr oberster Führer Raynald von Giver, der eben genannte ausgezeichnete »Malherba«. In diesem Ritterbund befanden sich nach den Historiae Romanae fragmenta viele Reiter mit der Ritterwürde und goldenen Sporen. »Unter ihnen war auch ein Graf Claudius und ein comes Warnerius, die nachher Führer und Obersten der zweiten societas wurden.« Unter dem Grafen Claudius kann nur der Graf (Konrad) von Landau verstanden werden, und unter dem comes Warnerius nur Herzog Werner von Urslingen.
Zu Ende des Jahres 1338 oder zu Beginn des Jahres 1339 trat diese Reiterschar in den Dienst des Lodrisio Visconti, der Mailand für sich erobern wollte, gegen Azzo Visconti. Im Februar 1339 kam es zur blutigen Schlacht von Parabiago bei Mailand, wo die Reiterei Malherbas zunächst einen völligen Sieg davontrug. Als sich aber die Deutschen zur Beute über das weite Feld zerstreut hatten, machten 500 burgundische und 300 deutsche Reiter des Azzo Visconti von Mailand aus einen wohl verdeckten Ausfall und nahmen nacheinander die meisten Gegner gefangen, auch den Obristen »Malherba«, der kurz vor dem Überfall durch Verhandlungen und ein listiges Angebot ungeheurer Geldsummen getäuscht worden war. Als Malherba aus der Gefangenschaft freigelassen wurde, zog er infolge eines Gelübdes mit 25 auf eigene Kosten ausgerüsteten Rittern nach dem Orient zum Kampfe gegen die Türken, wo er vor Smyrna im Jahre 1345 fiel.
Herzog Werner aber trat nun an die Spitze der sich neu bildenden Großen Kompagnie. Ein Teil der Reiter ging in den Dienst des Mastino della Scala von Verona, der sich jetzt zum päpstlichen (!) Vikar ernennen ließ.
Wenn wir hier eine Vermutung äußern dürfen, woher der Kern, die Hauptmasse dieser seitdem berühmt gewordenen Reiterschar gekommen sein mag, so liegt es nahe, an die von König Johann von Böhmen in Parma zurückgelassenen Ritter zu denken, die schon 1334 gegen die Scaliger von Verona kämpfen mussten und dann zuerst bei Parma eine societas bildeten.
Mit Petrus de Rubels mag ein großer Teil in den Sold Venedigs gegen dieselben Scaliger im Jahre 1336 gezogen sein. Da aber venezianische Soldurkunden aus dieser Zeit nicht mehr vorliegen und auch nur der kleinere Teil der vorher in Parma stehenden deutschen Banner mit Namen bekannt ist, so darf es nicht wundernehmen, dass wir von den aus dem Jahre 1350 uns überkommenen Namen der Offiziere Herzog Werners in Venedig keinen und in Parma nur einige wenige festlegen können, wie Heinrich von Troisdorf, Johann von Rheindorf, Sobbe von Iggendorf. Dabei müssen wir berücksichtigen, dass die Zusammensetzung der Reiterbanner Herzog Werners je nach den politischen Verhältnissen gewechselt hat, indem der eine oder andere Großführer noch zu ihm stieß oder sich wieder von ihm trennte, wie wir das weiterhin beobachten können. Immerhin werden wir jetzt verstehen, warum Herzog Werner und seine Schar, solange er die Führung hatte (–1351), stets auf kirchenfreundlicher Seite gekämpft haben. Auch die späteren Führer haben wenigstens mit Teilen der Reiterschar und zeitweise im Dienste der Kirche gestanden.
Im Frühjahr 1342 finden wir die Große Kompagnie der Theutonici mit Herzog Werner an der Spitze, in Stärke von über 3000 Helmen, im Gebiet von Modena und Mantua. Am 12. April, so berichtet die Chronik von Modena, trennten sie sich: 10 Banner gingen nach Tuszien, 8 nach Carpi (»Carpum«), die übrigen nach Deutschland. Zum ersten Mal wird Werner 1347 wieder erwähnt mit einer Schar von etwa 2000 Reitern im Dienste König Ludwigs von Ungarn gegen die der Ermordung ihres Gemahls Andreas, eines Bruders Ludwigs, verdächtige Johanna von Neapel. Werner erscheint damals auch als Befehlshaber der Festung Aquila. Im Frühjahr 1348 aber entließ ihn König Ludwig, der ihm vor allem den siegreichen Einzug in Neapel verdankte, aus dem Dienst, vielleicht infolge eines heftigen Wortwechsels, der zwischen ihm und Ulrich Wolf von Wolfurt stattgefunden hatte. Der Letztere war nämlich von König Ludwig zum Statthalter im neapolitanischen Königreich ernannt worden. Da sein Bruder Konrad Wolf sicher zu der Reiterschar Herzog Werners gehört hat, so ist wahrscheinlich auch Ulrich Wolf früher Untergebener Werners gewesen. Seine Entlassung bedeutete also im Zusammenhang mit der Erhebung Ulrichs eine schwere Kränkung für Herzog Werner.
Er zog nun mit dem Rest seiner Schar durch die Maremme auf der alten Römerstraße wieder nach Norden auf Rom zu. Vor der Festung Anagni angekommen, trat er in Verhandlung mit den dortigen Bürgern. Diese baten ihn, die vornehmsten Hauptleute bzw. den Kriegsrat seiner Reiterei in die Stadt zum Abschluss des Vertrags zu senden. In gutem Glauben willigte er ein und sandte zwölf seiner besten Führer. Die Anagnesen aber übten grausamen Verrat und ermordeten alle zwölf. Man wird es begreifen, wenn Werner und seine Reiter nicht nur Rache für diese Untat heischten durch Eroberung und Einäscherung des verräterischen Ortes, sondern sich auch fernerhin gegen das italienische Landvolk erbittert zeigten. Deshalb wohl schwebten Rom und ganz Tuszien im Frühling 1348 in den größten Ängsten vor ihm. Um jene Zeit war durch den Tod Ludwigs des Bayern und die Wahl Karls IV. ein wesentlicher Umschwung zugunsten eines besseren Verhältnisses zwischen dem Reich und der Kirche angebahnt worden. Vielleicht ist eine Rückwirkung auch darin zu erkennen, dass jetzt Werner in den Dienst der vom Papst begünstigten Johanna von Neapel trat. Vielleicht aber war die Hauptursache jene vor Jahresfrist vom ungarischen König und seinem Statthalter erlittene Kränkung. Dort in Neapel traf er auch schon den Reiterführer Peter von Monreal im Kriegsdienst, der später sein Nachfolger werden sollte. Und noch ein anderer deutscher Ritter aus hohem Adel stand auf Seiten der Königin Johanna: Graf Wilhelm von Hohenasberg mit einem Ritter Bamberlinger und anderen Deutschen. Da aber Konrad Wolf von Wolfurt, der ehemalige Waffengefährte Herzog Werners, mit zahlreichen deutschen Reitern das ungarische Heer befehligte, scheint auf Herzog Werners und seiner Reiter Seite keine große Kriegsbegeisterung geherrscht zu haben. Eines Nachts wurde er von Konrad überrumpelt und gefangen. Bei dieser Gelegenheit kam eine Aussöhnung zwischen ihm und den Brüdern von Wolfurt zustande: Er trat wieder in den Dienst seines alten Kriegsherrn, des Königs von Ungarn. Mit ihm seine Reiter. Die unmittelbare Folge war der Rückzug der Neapolitaner. Vor Neapel selbst kam es zur Hauptschlacht, in der Herzog Werner und Konrad Wolf den Oberbefehl über das ungarische Heer führten und einen glänzenden Sieg errangen. Viele reiche Gefangene wurden ins Lager geführt. Die Stadt Neapel selbst vermochte man freilich nicht zu erobern. Da die Kasse des ungarischen Königs erschöpft war, blieb auch bald weiterer Sold aus. Infolgedessen gab man den Neapolitanern gegen hohes Lösegeld die Gefangenen zurück und schloss einen Waffenstillstand. Danach betrachtete sich Herzog Werner mit dem größeren Teil der deutschen Reiter aus dem Dienst entlassen und kehrte mit reichen Schätzen in die Romagna zurück. Hier stellte er sich in den Dienst der Pepoli von Bologna.
Aus dieser Zeit besitzen wir die Liste aller Reiterführer Herzog Werners mit der jeweiligen Anzahl ihrer Pferde. Als aber die Letzteren ihre Stadt an den Erzbischof Johann Visconti von Mailand verkauften, trat Werner in Unterhandlungen mit dem päpstlichen Statthalter der Romagna, Astorgius von Duraforte, der seine Schar am 20. Oktober 1350 auf sechs Monate in Sold nahm. Nach Ablauf dieser Zeit wurde der Soldvertrag nicht erneuert. Jetzt bewog der mächtige Mastino della Scala von Verona, der schon viele deutsche Reiter in seinen Dienst gezogen und als päpstlicher Vikar dem Kardinallegaten mehrere Banner und sogar den »kaiserlichen Bannerträger« Ritter Ricalderius zur Verfügung gestellt hatte, den Herzog Werner und den Grafen Konrad von Landau, in seinen Sold zu treten. Als aber Mastino schon am 3. Juni 1351 starb, legte Werner den Kommandostab nieder und kehrte nach Deutschland zurück. Er ist der eigentliche Begründer der ritterlichen Freischaren oder unabhängigen Söldnerheere gewesen.
Ein Teil der Reiter soll jetzt unter der Führung seines Bruders Reinold in den Dienst des Erzbischofs Johann Visconti von Mailand getreten sein. Ein Teil blieb unter dem Grafen Konrad von Landau aus dem Geschlecht der Grafen von Württemberg in Verona zurück. Hier stiftete dieser mit 17 anderen deutschen Bannerherren in dem schönen Kirchlein des hl. Georg (St. Giorgetto) am 24. April 1354, dem St.-Georgstag, eine tägliche ewige Messe für »alle lebenden und toten Deutschen« (Ritter). Dort an den Wänden sieht man noch heute die Weihinschrift und die Schilde und Helmzierden der kriegsgewohnten Edlen aus deutschem Lande, die sich und ihre Genossen hier in frommer Bitte der Fürsprache St. Georgs, des erhabenen Vorbildes aller Ritterlichkeit, empfahlen. Und unter den Schilden betteten sie trauernd so manchen Gefährten zur ewigen Ruhe, der fern von den heimatlichen Gefilden auf fremder Erde und in fremdem Dienst sein Leben dem Kampf und Tode geopfert hatte. Noch kann man an den altersgrauen Wänden unter der losgelösten Tünche die Gestalten der im Kirchlein bestatteten Krieger erkennen, wie sie im vollen Ritterschmuck, kunstvoll al fresco gemalt, zur Seite Pferd und Schild, von St. Georg und einer Schutzheiligen dem Christuskinde auf dem Schoß seiner Mutter Maria empfohlen werden.
Ein Teil der Großen Kompagnie zog weiter in den Süden und erwählte sich einen früheren Unterführer, den fra (Johanniter oder wahrscheinlicher Templer) Peter Moreale oder Montreal, zum Feldherrn.
Ich fand diesen von den Zeitgenossen um die Mitte des 14. Jahrhunderts so oft erwähnten und auch in der Neuzeit von deutschen und mehr noch von italienischen Historikern und Poeten behandelten Söldnerobersten zuerst 1336 bis 1344 als Führer eines Reiterbanners im Pisaner Kriegsdienst gegen Florenz. Er besaß damals schon die Ritterwürde, da er stets dominus genannt wird. Die Mehrzahl seiner Reiter trägt deutsche Namen. In seinem Banner standen auch ein Johann und Stephan Monrealis. Da er in der Chronik von Este ausdrücklich als Teutonicus bezeichnet wird, darf man wohl die bisherige allgemeine Annahme, dass er Südfranzose gewesen sei, als hinfällig ansehen. Vermutlich gehörte er einer niederrheinischen gleichnamigen Adelsfamilie aus der Gegend von Montjoie-Aachen an oder er war aus den Deutschland benachbarten Teilen von Burgund. Im Jahre 1345 finden wir ihn in Neapel als Reiterobersten des Königs Ludwig von Ungarn. Nach dessen Ermordung hatte er die Mörder gefangen nehmen lassen und war in den Dienst Ludwigs von Tarent getreten, als dessen oberster Ratgeber er erscheint.
Im Sommer des Jahres 1353 erscheint dieser mit seiner Schar, die nun die Große Kompagnie hieß, im Dienste des Patrimoniums (päpstliche Provinz) von Tuszien gegen das dem Präfekten von Vico anhängende Orvieto, dem er vielen Schaden zufügte; dann sehen wir ihn in der Nähe von Viterbo bei der Turris domini Azzonis, dem heutigen Castello d’Asso, gelagert. Er führte den Titel »Bannerträger der Kirche im Patrimonium und Hauptmann der Großen Kompagnie«. Doch trug er sich schon mit dem Gedanken, den Dienst des Kirchenstaates zu verlassen. Es schwebten Verhandlungen zwischen ihm und dem Rektor von Tuszien, um ihn zu bewegen, in seinem Dienste zu bleiben oder dem Tribunen Cola di Rienzo bei seiner voraussichtlichen Rückkehr zur Herrschaft in Rom als Schutztruppe zur Seite zu stehen. Er ging aber nicht darauf ein. Im September 1353 sehen wir ihn mit seiner Schar in der Grafschaft Todi. Als Mitführer befand sich jetzt bei ihm ein anderer deutscher Reiterhauptmann namens Gottfried von Rover, oder auch Rugher genannt, wahrscheinlich aus dem niederrheinischen Geschlecht der Rover von Wevelinghoven, der mit 10 Fähnlein Reiter noch kurz vorher, vom 22. Juni bis 22. August, im Dienste von Tuszien und noch früher in dem der Stadt Siena gestanden hatte. Aus der Zeit seines Kriegsdienstes in Tuszien kennen wir viele Reiter und Konstabler der Schar. Vergeblich ließ sie der Statthalter von Tuszien wiederholt einladen, wieder in seinen Dienst zu treten. Im Oktober wurde Kardinal Albornoz in Siena benachrichtigt, dass der Rektor von Tuszien die Verhandlungen mit Montreale abgebrochen habe. Albornoz erreichte dann wenigstens, dass Montreale nichts gegen den Kirchenstaat unternahm und seine Schar nach dem Norden führte. Er ging in das Gebiet der Malatesta von Rimini, denen er mehrere Burgen abnahm. Anschaulich schildert die Chronik von Este, wie man im Januar 1354 das Castrum Montis Feltrani eroberte: Es wurde eine Reiterattacke bis ins Weichbild des Kastells unternommen. Die Besatzung machte einen Ausfall, und mehrere deutsche Korporale fielen. Andere Deutsche aber trieben die Besatzung zurück. Einer von ihnen trug das Banner des Herrn Ludwig de Ordelaffi (sie müssen also teilweise in dessen Dienst gestanden haben) und stürmte mit ihm in die Stadt ein.
Sobald dies die anderen Deutschen sahen, eilten sie zu seiner Unterstützung herbei und drangen ebenfalls in die Stadt, die sie auf solche Weise gewannen. Als später Galeotto Malatesta heranzog, um den Platz zurückzugewinnen, wehrten die Einwohner selbst ihn ab und überließen ihre Stadt lieber den Deutschen. Ebenso machten es die Bewohner von Monte Fiore.
Albornoz schickte einen Unterhändler, um Montreale zu bewegen, nicht in den Dienst des Präfekten von Vico zu treten. Im Juni muss die Große Kompagnie neuerdings in der Gegend von Perugia gestanden haben, da Albornoz von Orvieto aus ein deutsches Fähnlein zum Schutze Perugias gegen sie sandte. Am 2. Juli schloss die Große Kompagnie mit 234 Hauptleuten und Unterführern unter (Morrealis) Montreale und dem eben aus Verona zurückgekehrten Grafen von Landau mit Florenz einen Friedensvertrag. Montreale wurde um diese Zeit von Borgo San Sepolcro aus mit 300 Reitern unter großen Versprechungen nach Rom gelockt und von Cola di Rienzo wegen angeblichen Verrates ohne Recht und Gericht gefoltert und dem Scharfrichter überantwortet.
Jetzt zog die Schar unter dem Oberbefehl des Grafen von Landau und Hartmann von Wartenstein nach dem Süden ins Königreich Apulien, von wo sie im Spätherbst 1355 langsam wieder nach Norden zurückkehrte. Um die Wende des Jahres stand sie in den Abruzzen, um durch die Mark Ancona weiterzuziehen. Schon am 15. Januar sehen wir sie unter einem deutschen Grafen Hartmann, dessen Herkunft und Familie nicht näher angegeben wird, der aber mit Graf Hartmann von Wartenstein identisch ist, in der Romagna. Kardinal Albornoz gelang es, erfolgreiche Verhandlungen anzuknüpfen, und zwar durch den rechtsgelehrten Magister Johann von »Burdesach«, der Großkorporal der Kompagnie genannt wird. Ein andermal heißt er dominus Johannes, doctor legum Teutonicus. Albornoz übersandte ihm 100 Dukaten, um durch ihn auf den Grafen und die übrigen Führer einzuwirken.
Schon im Februar 1356 empfingen Anechin von Bongard, der bereits 1350 im päpstlichen Dienste stand und jetzt neben Graf Hartmann an die Spitze der Reiterschar trat, und die anderen Konstabler in der Nähe von Faenza bei Castro Roncane vom Legaten 8000 Flor., wohingegen sie sich verpflichten mussten, während der Monate Februar und März auf dem Gebiete von Faenza, das mit der Stadt dem Geschlecht der Manfredi gehörte, zu bleiben und dort möglichst viel Schaden anzurichten. Seit Juli 1356 sehen wir dann die Große Kompagnie mit dem Grafen Konrad von Landau aus dem Geschlecht der Grafen von Württemberg an der Spitze, der ja schon unter Herzog Werner als Reiterführer gekämpft hatte, und mit Graf Hartmann von Wartenstein und Anechin von Bongard im regelmäßigen Sold des Kardinallegaten stehen. Wir lernen auch hier manche Führer ihrer zahlreichen Fähnlein kennen und namentlich die hervorragenderen, die besondere Provisionen erhielten. Auch mancher einfache Reiter wird genannt. Mit Ausnahme der beiden Fähnlein des Anechin von Bongard und des Grafen Hartmann, die 22 bzw. 32 Reiter zählten, bestanden alle nur aus 16 Reitern und 1 bis 3 Runtziten. Zwischen dem Legaten und der Kompagnie war das Übereinkommen getroffen, dass Graf Konrad von Landau 5000 Flor., Graf Hartmann von Wartenstein 200 Flor., von Bongard 50 + 31 Flor., andere 6 Führer je 31 Flor. monatliche Provision außer dem monatlichen Sold von 19½ Flor. für ihre Person, 6½ Flor. für den Reiter und 2 Flor. für den Runtzit erhalten sollten. Trotz und während dieses Soldvertrages scheint wenigstens ein Teil der Großen Kompagnie eine feindliche Haltung gegenüber den päpstlichen Truppen nicht aufgegeben zu haben. Im September 1356 befand sich von Bongard mit vielen anderen Konstablern bei Imola. Der Oberbefehlshaber des päpstlichen Heeres, Petrucius Cole, ließ ihn mit den anderen zu sich nach Ravenna entbieten, um gemeinsam Faenza zu belagern. Er scheint sich aber um den Befehl wenig bekümmert zu haben. Denn im Oktober sehen wir ihn mit den anderen Konstablern in Bologna, und Petrucius Cole musste ihn ein zweites Mal dringend auffordern, zum päpstlichen Belagerungsheer vor Faenza zu kommen. Aber schon im vergangenen September konnte man sich nicht mehr auf die Hilfe der Großen Kompagnie verlassen. Denn Albornoz gab sich zufrieden, den Grafen Konrad von Landau durch ein Geschenk von 5000 Flor. zu bestimmen, bis zu einem festgesetzten Termin, dem 28. Januar 1357, wenigstens nichts gegen kirchenstaatliches Gebiet zu unternehmen. Ende 1356 ging von Bongard mit einem Teil der Großen Kompagnie in den Dienst von Siena gegen Perugia.
Graf Konrad trat mit dem größten Teil seiner Reiterei im Herbst 1356 in den Dienst des kaiserlichen Vikars, Bischof Markward von Augsburg, in Pisa. Da Kaiser Karl IV. mit dem Papst und seinem Kardinallegaten damals gegen die Visconti verbündet war, schickten die Letzteren ein Heer von 4000 deutschen Helmen gegen Markward. Aber die deutschen Hauptleute im Heer der Visconti weigerten sich, gegen das kaiserliche Banner Bischof Markwards zu reiten. Deshalb mussten die Visconti zurückgehen. Im November kam es zu einem Gefecht am Tessin bei Pavia zwischen den Deutschen der Visconti und Graf Landau. Der Letztere wurde tapfer kämpfend gefangen genommen. Er erlangte jedoch bald wieder die Freiheit und sammelte von Neuem seine Schar in Stärke von 2000 Pferden. Sie wollten durch das Mailändische nach Mittelitalien zurückziehen. Aber Bernabò Visconti schickte 1500 Reiter gegen ihn. Diese wurden jedoch geschlagen, und ihr Oberst mit 20 Konstablern und 400 Reitern gefangen genommen.
Vom 24. Juli 1357 ist dann eine Bulle Innozenz’ VI. datiert, worin er Pisa, Siena, Arezzo, Volterra u. a. Städte auffordert, den Kardinal Albornoz in der Bekämpfung der Großen Kompagnie in der Romagna zu unterstützen. Zwei Tage später fand ein blutiges Treffen des päpstlichen Heeres gegen die Große Kompagnie statt, am 26. und 27. Juli 1357, in dem zahlreiche Ritterpferde (und wohl auch Reiter) auf päpstlicher Seite fielen. Gerade die im Dienste des Kirchenstaates stehenden deutschen Reiter hatten schwere Verluste. Kurz danach kehrte Graf Landau mit einem Teil seiner Reiterei nach Oberitalien zurück. Im Mai 1358 ist er in Deutschland gewesen.
Bald nach seinem Weggang, seit November 1357 bis in den Februar 1358, sehen wir Anechin von Bongard als Führer der Reiterschar im Dienst und Sold des Legaten mit seinem auf 30 Reiter gebrachten Fähnlein. Neben ihm noch eine Reihe anderer, schon 1356 genannter und besoldeter Konstabler der Freischar. Dann trennten sie sich abermals und endgültig vom Heer des Legaten und zogen in die Lombardei zu dem Kern der Großen Kompagnie, der in den Dienst der Liga getreten war. Im Juli 1358 war auch Graf Landau aus Deutschland zurückgekehrt und wieder an die Spitze der Schar getreten. Sie zogen jetzt über den Apennin zurück auf Perugia zu. Aber in einem Engpass wurde das Heer von zusammengerotteten Bauernmassen im geheimen Einverständnis mit den Florentinern verräterisch überfallen und ihm schwere Verluste beigebracht. Es war am 25. Juli 1358 im Val di Lamone oder delle Scalelle. Matteo Villani hat die Niederlage genau beschrieben, da sie ihm, dem Guelfen, Vergnügen bereitete. Auch ein italienisches Spottepos lief darauf herum. In diesem werden als gefallen bezeichnet: Graf Hartmann von Wartenstein, Graf „Zallabruzi“, ein Simon von „Istanberghe“ (d. h. wohl von Steinberg), ein Konrad von Steuben (Stibea), ein Baldovin von Brabant (Bramangieri). Auch ein Bruder Burkhard des Grafen Landau wird genannt. Der Letztere selbst wurde schwer verwundet und gefangen genommen, gelangte aber durch Glück nach Bologna zu dem ihm wohlgesinnten Stadtherrn Oleggio. Anechin von Bongard sammelte die Schar wieder und zog an ihrer Spitze in die Nähe von Orvieto.
Die Peruginer erlitten durch ihn bei Castello di Staggia eine empfindliche Niederlage. Dann machte er im folgenden September einen Einfall in die Mark Ancona. Bei Gradara und Cattolica unweit Pesaro fanden Gefechte statt, in denen die auf päpstlicher Seite stehenden deutschen Reiter manche Verluste zu verzeichnen hatten. Im September und Oktober sehen wir wenigstens einen Teil der Großen Kompagnie in Forlì auf Seiten der Ordelaffi, während das päpstliche Heer in Faenza lagerte. Es kam zu wiederholten Zusammenstößen, in denen die päpstlichen Reiter abermals zahlreiche Verluste aufwiesen, auch im November und Dezember. Von Bongard drang bis in die Vorstadt von Faenza ein. Im Februar 1359 sehen wir ihn wieder bei Perugia. Der Rektor von Tuszien sandte einen Boten an Albornoz, um Hilfe gegen den drohenden Einfall zu erbitten. Im April 1359 finden wir den Grafen Konrad von Landau nach Heilung seiner Wunden wieder an der Spitze der Schar zugleich mit von Bongard und Benz von Wolfach. Sie standen damals in Senigallia und erwarteten die Auszahlung rückständigen Soldes seitens des Kardinallegaten. Mit den Visconti, Gonzaga (Mantua) und den Markgrafen von Montferrat wurden Verhandlungen wegen Kriegshilfe gepflogen. Am 30. Mai stand Landau bei Borgo San Sepolcro in der Absicht, nach Todi, der alten ghibellinischen Stadt, zu ziehen und mit seinen Todfeinden, den Florentinern, zu kämpfen, wegen ihres Verrates beim Überfall in den Abruzzen. Ritter Friedrich von Ehingen leitete im Lager von San Sepolcro die Verhandlungen mit den Gonzaga. Am 5. Juni finden wir Landau in der Grafschaft Perugia „apud castrum Bathon“. Mitte Juni ist die Schar bei Todi angelangt. Der Kardinallegat Albornoz schloss dort mit ihnen Verträge ab.
Am 4. Juli 1359 trat Graf Landau auf Pisaner Gebiet über und lagerte bei Ponte Sassi in der Valdera gegenüber den Florentinern, die in Poggio San Romano zur Abwehr bereitstanden. Die Pisaner hatten sich sehr auf die Ankunft Landaus gefreut in der Hoffnung, dass er ihren florentinischen Feinden eine Niederlage bereiten werde. Die Florentiner aber waren zu gut vorbereitet. Auf ihrer Seite standen die beiden welfisch gesinnten Grafen Johann und Rudolf von Habsburg und Graf Heinrich von Montfort mit zahlreichen Rittern, sodass Graf Landau nichts auszurichten vermochte.
Im Herbst des Jahres finden wir den Grafen im Dienste Bernabò Viscontis. Anechin von Bongard scheint mit einem Teil der Großen Kompagnie vorübergehend von Pisa aus in den Dienst des Markgrafen von Montferrat getreten zu sein, an dessen Hof schon seit 1339 Herzog Otto von Braunschweig weilte. Von hier zog er nach Süditalien gegen den Herzog von Durazzo. Im März 1361 kehrte er zurück in die Mark Ancona und Romagna. Er eroberte San Severino und nahm den dortigen Edelherrn Smeducci (aus deutschem Geschlecht) gefangen. Schon hier trat er mit 1500 Helmen in den Dienst Bernabòs Visconti gegen den Kardinallegaten, der vergeblich gesucht hatte, ihn auf seine Seite zu ziehen. Dann ging er nach Mailand selbst. Von dort aus half er im Dienste Viscontis dessen Schwiegersohn Hugolino Gonzaga von Mantua im siegreichen Feldzug gegen seinen Oheim Feltrino, der vom Kardinallegaten vergeblich unterstützt wurde.
Auch im folgenden Jahre (1362) stand von Bongard im gleichen Dienste. Die Chronik von Modena erzählt, dass er als Oberbefehlshaber von 3000 Rittern und 3000 Fußtruppen am 20. Mai 1362 in die Grafschaft Modena gekommen sei und sich dort verschanzt habe. Bemerkenswert ist hierbei, dass ihn diese Chronik „Antonius Maghinardi“, verderbt aus Anechinus Bongardi, nennt.
Da Landau 1363 im Dienste der Visconti auf dem Schlachtfeld tapfer kämpfend fiel, war Johann (Anechin = Hanneken) von Bongard oder Bongart aus dem Jülicher Land fortan der bedeutendste Führer auf italienischem Boden, der alleinige Oberst des alten, unter dem Namen der „Großen Kompagnie“ bekannten und oft erwähnten Ritterbundes, der sich jetzt unter dem Namen „Zum Stern“ vereinte. Nach der Chronik des gleichzeitigen Graziani führte er im silbernen Schild einen roten Balken, von schwarzer Amsel besetzt. Dieses Wappen ist auch sonst bei einem jülichschen Ritter von Bongard schon im Jahre 1315 bezeugt. In Betracht kommt das gleichnamige Adelsgeschlecht in Allrath, Kreis Grevenbroich, das einen Balken im Schild führte und auch einen Johann von Bongard im 14. Jahrhundert hervorgebracht hat. Bald trat auch der bedeutende deutsche Reiterführer Albert Sterz zu ihm über. Im Frühjahr 1364 sehen wir von Bongard im Sold von Pisa; im Mai 1364 ließ er sich während eines blutigen Gefechts in der Vorstadt von Florenz den Ritterschlag erteilen. Dann zog er durch das Patrimonium an Orvieto vorüber nach Todi, überwinterte im Sabinerland und lagerte im Frühjahr 1365 bei Viterbo und Vetralla, das er genommen hatte. Urban V. forderte seinen Legaten Albornoz auf, mit Hilfe der „Englischen“ unter Hawkwood die Römer gegen Anechin zu unterstützen. Ein anderes Schreiben desselben Papstes vom 6. Juni 1365 schlug ein Bündnis mit der Englischen Kompagnie vor, um von Bongard zu bekämpfen, der beabsichtige, in die Lombardei gegen die auf Seiten der Kurie stehende Liga zu ziehen. Der Legat brachte in der Tat ein großes Heer zusammen, auch nahm er die Englischen in Sold. Sein Neffe Gómez hatte den Oberbefehl und belagerte Bongard in Vetralla im Juni 1365, aber ohne etwas auszurichten. Infolgedessen musste sich Gómez auf gütliche Weise mit Bongard vertragen, und da die Englische Kompagnie Schwierigkeiten machte, ihn sogar nach Orvieto zu Hilfe rufen. Schon seine Gegenwart setzte die Englische Kompagnie in Furcht, sodass sie von Orvieto wegzog in die Gegend von Perugia. Dort brachte ihr dann Bongard eine vernichtende Niederlage bei, indem er ihren Führer Andrea Belmonte und mehr als 200 Mann gefangen nach Perugia führte. Dies geschah am 29. Juli. Hierauf zog er nach dem Norden in die Lombardei, wo er für einige Zeit in den Dienst des Galeazzo Visconti trat. Später geriet er mit ihm in Streit, sodass er ihm mit seinen Reitern mehrere Ortschaften im Bistum Tortona abnahm. Zwischen 1371 und 1375 ist von Bongard dann in die deutsche Heimat zurückgekehrt und im Frieden mit der Kirche alt geworden.
Schon Ende der sechziger Jahre scheint ein guter Teil der Großen Kompagnie unter das Banner des Grafen Ludwig von Landau (Conte Luz), eines Sohnes ihres ehemaligen Führers Konrad, getreten zu sein. Er erwarb sich noch einen größeren Namen als seine Vorgänger. Bernabò Visconti gab ihm seine Tochter Elisabeth mit reicher Aussteuer und Mitgift zur Ehe. Graf Ludwig kämpfte meist in Gemeinschaft mit dem englischen Reiterführer John Hawkwood, seinem Schwager, im Dienste des gemeinsamen Schwiegervaters oder der mit diesem verbündeten Städte (1370 z. B. Florenz). Unter ihm standen im Jahre 1370 500 Lanzen zu je 3 Reitern und 50 Bogenschützen.
Vom Jahre 1379 (10. März) fand ich im Archiv Gonzaga zu Mantua eine Original-Pergamenturkunde des Grafen Ludwig von Landau, Obersten (generalis capitaneus) der deutschen Reiterschar (societas Teutonicorum), und des John Hawkwood, Obersten der Engländer (societas Anglicorum). Beide verpflichten sich zum Eintritt in den Dienst der Herren von Gonzaga in Mantua. Neben Ludwig werden seine beiden Brüder, die Grafen Eberhard und Konrad von Landau, genannt, der Letztere ohne den Rittertitel. Als weitere hervorragende Führer (principales ductores) der Deutschen sind die Ritter Oswald Buler, Tilman von Aisheim, Wilhelm von Rieten, Heinrich von Altenburg, Herr von Reischach, Hans „Böser“, Heinrich von Chez aufgeführt. Dann folgen noch die Namen von 40 deutschen Unterführern, unter denen sich ein Graf Berthold von Lupfen, ein Konrad Truchsess von Waldeck, Johann von Gingen, Heinrich von Berchem u. a. mit ihren entsprechenden Wappensiegeln befinden. Bald darauf, noch im selben Monat, finden wir beide in der Toskana.
Im Jahre 1381 wird der Bruder Ludwigs, Graf Eberhard von Landau, als Anführer einer größeren Schar deutscher Reiter im Dienste von Florenz genannt.
Quelle: Karl Heinrich Schäfer: Deutsche Ritter und Edelknechte in Italien während des 14. Jahrhunderts. Paderborn, 1910.
