Besondere Aufmerksamkeit verdienen solche deutschen Rittergeschlechter, aus denen zwei und mehr Mitglieder in den Soldlisten des Kirchenstaates erscheinen. Dabei ist wohl zu unterscheiden
zwischen gleicher Benennung und gleicher Familie. Von vornherein fallen für uns alle jene Reiter fort, die nur nach Bischofs- und Reichsstädten oder nach Landschaften genannt werden, also die
rund 80 von Köln, 26 von Straßburg u. a., die von Österreich, Bayern, Alamannia u. a., auch solche, die aus gleichnamigen, aber wahrscheinlich nicht identischen Ritterfamilien stammten, wie die
in unseren Listen auftretenden Reiter „von Berg“ und wohl auch die 7 „von Broich“. Wenn wir aber von allen derartigen Reitern absehen, so bleiben doch etwa 100 Rittergeschlechter, aus denen zwei
und mehr Reiter genannt werden: 45 mit 2, 30 mit 3, 13 mit 4 und 10 mit noch mehr Reitern. Am meisten Gewicht ist auf die Reiterführer zu legen, da sie in den Listen regelmäßig genannt werden,
während die einfachen Reiter, abgesehen von der Liste des Jahres 1328 in der Mark Ancona und derjenigen des Jahres 1353/54 in Tuszien, nur ausnahmsweise, nämlich bei den Pferdeersatzlisten,
erscheinen.
So ist das Jülichsche (verzweigte) Haus Bongard mit 4 Bannerherren und 3 Reitern vertreten, von Bunde und Clarental mit je 6 Reitern, Lasberg oder Losburg mit 4 Bannerherren und 2 Reitern, Irer
mit 5 Führern, Görz (?) mit 3 Führern und 2 Reitern, Neuenburg mit 5 Führern, Wickrat mit 1 Führer und 4 Reitern, von Tann oder Tarn (vielleicht verschiedene Zweige oder Familien) mit 7 Reitern,
Schöneck mit 3 Bannerherren und 1 Reiter (wahrscheinlich aber auch verschiedene Familien).
Im Folgenden geben wir in Klammern die Zahl der Bannerherren an. Mit je 4 Reitern bzw. Bannerherren erscheinen die Grafen von Landau (4), die von Enzberg, Flodorf (2), Gimnich, Kirchenberg (2),
Bach (3), Anderviller (4), Weißenburg (1), Landenberg (3), Lechenich (1), Pulheim, Ramsberg, Fersen (4).
Mit je 3 Reitern oder Reiterführern sind vertreten das herzogliche Haus Braunschweig (3), ferner von Altenberg, Alzdorf (2), Bambale (2), Bibra (1), Brohl, Kirberg (1), Dietz (1), Geringen (3),
Ghilinger (2), Giesendorf (2), Grafeneck (2), Herberstein (2), Lichtenstein (3), Melchingen (1), Meißenberg oder Minzenberg (1), Mondorf, Ochenburg (2), Ostheim (1), Patern (3), Rode (3), Sax
oder Sachsen (2), Stein (aber wohl verschiedene Familien 1), Suler (3), Turn (3), de la Rapa (3), Vannekum (1), Vulfort oder Wolfurt (3), Wartenberg (2), Wachenzell (3).
Mit 2 Reitern bzw. Reiterführern sind vertreten die Geschlechter Bachem (1), Bergheim, Dorn, Dorp, Urach, Glasenapp (2), Habsburg (2), Hausen (2), Löwenstein (1), Löwenberg (2), Loys, von Lupfen
(2), Molberg (2), Monheim (1), Manstein, Mörsburg (1), Murispurch, Münchenstein (2), Neuhaus (2), Oer (1), Paher (2), Piccard, Puster (2), Ramstein (2), Reversich (2), Romf oder Rumf (2), Rover
(2), Sal (1), Saulheim (1), Schauenburg (2), Sperberseck, Spiegel (2), Stange (1), Staufen (1), Steinbach (2), Sterz (2), Strobol, Schön (Suen 1), Suraz (1), Suz (2), Taner (1), Tünvelt (2),
Ulmen (1), Uri — v. Moos (2), Homberg, Wevelinghoven (1).
Im Ganzen haben wir 30 Geschlechter, die 2 Bannerherren aufweisen, 16 mit 3 und mehr. Sehr oft erscheinen sie gleichzeitig und werden zuweilen auch Brüder genannt, wie 3 Grafen von Landau, die
von Landenberg, von Wolfurt und von Rapa, zuweilen aber auch durch eine Generation voneinander getrennt, wie die (1 + 3) Grafen von Landau, die Herren von Wickrat, von Montfort u. a.
Aloys Schulte hat in seinem grundlegenden Buch „Der Adel und die deutsche Kirche“ den Nachweis erbracht, dass manche Edelgeschlechter infolge des Eintritts der jüngeren Söhne in die Dom- und
anderen Stifter, in den ehelosen Kirchendienst, ausgestorben sind. Viel mehr noch von ihnen dürften im Kriegsdienst und namentlich in Italien an des Kaisers Seite oder im Kampf der Guelfen und
Gibellinen untergegangen sein.
Man denke nur daran, dass 4 lebenskräftige Brüder aus dem Braunschweiger Herzogshause, Otto, Riddag, Balthasar und Philipp, in Italien endeten, ohne Nachkommen zu hinterlassen (2. Buch S. 203
f.), dass Simon von Harlem der letzte Spross aus einem der edelsten niederländischen Geschlechter im italienischen Kriegsdienst verschollen ist (vgl. m. Wappenurkunde deutscher Ritter, 2. Teil,
Schild 22), ebenso wahrscheinlich sind die Grafen von Wartenstein mit Graf Hartmann in Italien ausgegangen (2. Buch S. 205 Anm. 4) und die Edlen von Wachenzell mit 3 Reiterführern im päpstlichen
Dienste (ebd. S. 210), wie auch der berühmte Graf Werner von Homberg im Dienste Mailands als letzter seines hochadeligen Hauses gefallen ist (vgl. unten Abschnitt 17). Dass von den 101 deutschen
Schilden der Wappenurkunde von 1361 und von den zwei Dutzend deutschen Schilden der Veroneser St. Georgskapelle fast die Hälfte nicht mehr bestimmbar ist, dürfte wenigstens zum Teil ebenfalls auf
das mit dem Tod des Wappenträgers in Italien eingetretene Aussterben des betreffenden Geschlechtes zurückzuführen sein.
Quelle: Karl Heinrich Schäfer: Deutsche Ritter und Edelknechte in Italien während des 14. Jahrhunderts. Paderborn, 1910.
