Es tauchen jetzt verschiedene Fragen auf: Wie lange sind unsere Reiter im Dienste des Kirchenstaates gewesen, oder wenigstens, wie lange lassen sie sich darin nachweisen? Auf wie lange Zeit
liefen die Soldverträge? Sind unsere Reiter, abgesehen von der Großen Kompagnie, auch in gegnerischen Dienst getreten und darin nachweisbar? Zunächst zur ersten Frage nach der Zeitdauer des
Kriegsdienstes im Kirchenstaat. Für diese Untersuchung kommen so gut wie allein die Reiterführer oder Bannerherren in Betracht, da nur sie, wie oben schon gesagt, regelmäßig in unseren Listen
genannt werden, während die übrigen Reiter, abgesehen von zwei Listen aus dem Jahre 1325 und 1353/54, mehr zufällig bei etwa nötigem Pferdeersatz auftauchen. Es kann daher nicht wundernehmen,
wenn sich nur bei wenigen von ihnen ein mehrjähriger Dienst im Kirchenstaat nachweisen lässt, wie z. B. bei Gerhard von Basse (1334–1350), Heinrich von Neuß (1350–1356), Nikolaus von Neuß
(1348–1353), Peter von Düren (1334–1348), Konrad von Werd (1334–1354), Annechin von Rile (1334–1354), Johann von Agu (1348–1354). Wir dürfen deshalb bloß aus der Dienstdauer der Bannerherren
Schlüsse für die Dienstzeit der deutschen Reiter im Kirchenstaat ziehen.
Danach ergibt sich nun, dass von den rund 700 in unseren Listen überlieferten deutschen Reiterführern über 100 in mehrjährigem Kriegsdienste des Kirchenstaates nachweisbar sind, und zwar sind ca.
70 von ihnen über einen Zeitraum von 5 und mehr Jahren im Sold des Kirchenstaates bezeugt. In Prozenten ausgedrückt bedeutet dies, dass 20 % der deutschen Reiter nachweisbar mehrere Jahre im
Dienste des Kirchenstaates blieben und 12,5 % während eines Zeitraums von 5 und mehr Jahren. Am längsten lassen sich in unseren Listen folgende Bannerführer verfolgen: Graf Heinrich von Lupfen
(1350–1372), Hüglin von Schöneck (1354–1376), Heinrich von Troisdorf (1334–1350), Sobb von Iggendorf (1334–1350), Heinrich Suler (1355–1368), Fritz von Schiltach (1355–1368), Gottfried von
Limburg (1328–1341), Pilgrim Irer (1354–1371), Heinrich Irer (1354–1368), Johann von Basel (1340–1355), Göz von Wachenzell (1343–1360), Rudolf von Hausen (1353–1360), Fastrard von Monts (de
Montibus 1323 bis 1331), Mulrepesch von Limburg (1323–1330), Hugo von Melchingen (1356–1365), Hanneken von Losburg (1355–1365), Wilhelm von Lichtenstein (1350–1360), Wilhelm Roser (1353–1360),
Lambert von Rottem (1350–1358), Burkhard Salzfaß (1354–1360), Wilhelm von Stein (1354–1360), Reinold von Anterviller (1350–1360), Ritter Arnold (1355–1361), Eberhard von Hausen (1348–1355),
Konrad von Görz (1324–1330), Siz Hochmut (1359–1368), Werner von Friesen (1360–1368), Lambert von Consel (1355–1363), Markolf von Diez (1350–1356), Peter von Brüssel (1323–1329), Anechin
(Hanneken) von Broich (1350–1361), Hugo von Wachenzell (1354–1360), Muls von Gisendorf (1350–1356), Konrad von Meisenburg (1354–1360), Göz Rumf (1350–1356), Schilling von Groningen (1348–1353),
Albert Suler (1355–1360), Brancor von Persen (1360–1365), Hermann von Patern (1356–1360), Nerp von Heeze (1355–1360), Frank von Molberg (1355–1360), Fritz Artolf (1355–1359), Wilhelm von Berg
(1354–1358), Heinrich von Bibra (1352–1356), Hans Gilinger (1358–1364), Schellart von Freienberg (1360–1364), Hoch und Hermann von Glesap oder Glasenap (1355–1360), Günther und Bertholt von
Herberstein (1356–1360 bzw. 1362), Heinrich von Holte (1355–1360), Albert Irer (1364–1368), Graf Johann von Lupfen (1353–1356), Heinrich von Ramsberg (1354–1358), Gottfried Malatache (1356–1360),
Hans von Weiler (1354–1360), Franko von Feringen (1354–1358), Arnold von der Straten, Rudolf von Colonster (1325–1331).
Bloß 4 Jahre im päpstlichen Dienste durch unsere Soldlisten bezeugt sind: Heinrich von Flandern (1322–1325), Hermann von Landenberg (1322–1325), Heinrich von Rosen (1355–1358), Arnold von Sax
(1355–1358), Peter von Rode (1355–1358).
Drei Jahre lang lassen sich in unseren Listen nachweisen die Reiterführer Heinrich von Alzdorf (1356–1358), Johann von der Aare (1356–1358), Ernst von Wurmlingen (1356–1358), Hugo von Hegh
(1358–1360), Franz von Langsdorf (1354–1356), Johann von Löwenstein (1354–1356), Anechin, Picininus und Bastard von Losburg (1356–1358), ferner Olfus von Oer, Otto de la Rapa, Peter Sterz,
Heinrich von Reversich, Wilhelm von Roser, Humbert von Stenay, Konrad Suz, Gerlach von Tunveit, Albert von Tunveit (diese alle zwischen 1350 und 1360) und auch Gottfried von Jülich (1327–1329),
von dem noch jüngst behauptet wurde, dass er schon 1327 den päpstlichen Dienst verlassen habe.
Hierzu kämen noch solche Reiterführer, die zwar in verschiedenen Jahren im päpstlichen Kriegsdienste standen, von denen sich aber nachweisen lässt, dass sie dazwischen andere Dienste aufgesucht
haben, wie Herzog Otto von Braunschweig, der 1374 und 1375 päpstlichen Sold empfing und schon 1359 in nahen Beziehungen zum Kardinallegaten stand (2. Buch S. 203 f.), oder wie Annechin (Hanneken)
von Bongard (1350–1356), der als Führer der Großen Kompagnie später häufig mit und gegen die päpstlichen Truppen gefochten ist. Ebenso war es mit Herzog Werner von Urslingen, den Grafen von
Landau, Albert Sterz und allen Reiterführern, welche Freischaren angehörten. Von den oben für mehrere Jahre im päpstlichen Dienste genannten Bannerherren lässt sich aber nicht nachweisen, dass
sie gegen den Kirchenstaat Dienste angenommen haben. Dagegen ist dies von Ritter Johann von Reischach bezeugt, der 1356 als Reiterführer unter dem Legaten Albornoz in der Mark Ancona stand und
später im Dienste der Stadt Perugia den kurzen Aufstand der letzteren gegen die päpstliche Herrschaft in hervorragender militärischer Stellung mitmachte.
Ein anderer unserer Reiterführer, Heinrich Paher (auch Paier von München, 2. Buch S. 208, 14), der wegen seiner Tapferkeit von den Italienern bewundert wurde, steht schon 1336 im Pisaner
Kriegsdienste, später ist er bis 1377 im Dienste der welfischen Partei (Florenz und Perugia) nachweisbar. Sein Wappenschild in den blau-weißen Farben vgl. in m. Wappenurkunde No. 10. Werner von
Melich, der 1334 im päpstlichen Dienste kämpft, steht 1341 als anerkannter tüchtiger Kämpfer in Mantua.
Noch haben wir die Frage zu beantworten: Auf wie lange liefen die Soldverträge unserer Reiter im Dienste des Kirchenstaates? Hier ist eine wichtige Unterscheidung zu machen zwischen den
gewöhnlichen Fähnlein von 20, 25 und 50 Mann und den großen Reiterfreischaren. Die ersteren wurden regelmäßig nur von Monat zu Monat in einfachen Sold genommen; waren mehrere Fähnlein zu einer
größeren Schar vereinigt, wie sie Gottfried von Rover in Tuszien 1353 befehligte, so verlangten sie einen länger befristeten Soldvertrag, im genannten Fall auf 2 Monate (II 1353, 2). Als Graf
Johann von Habsburg mit seiner Schar in den päpstlichen Dienst trat, ließ er sich gleich auf mehrere Monate Vorschuss geben, wohl zugleich als Gewähr und Unterpfand für längere Solddauer (IV
1368, 1). Herzog Werner von Urslingen, der Befehlshaber der Großen Kompagnie, schloss mit dem Statthalter der Romagna einen Soldvertrag auf 6 Monate. Ebenso Gottfried von Wachenzell am 3. Januar
1356 mit 7 Fähnlein.
Quelle: Karl Heinrich Schäfer: Deutsche Ritter und Edelknechte in Italien während des 14. Jahrhunderts. Paderborn, 1910.
