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Die Jahreszeit der Kriegführung und die Kriegskosten

Die bisherige Anschauung, dass man im Mittelalter bloß während der warmen Jahreszeit von Mai bis Oktober Krieg geführt habe (Ricotti I, S. 62), wird durch unsere Soldlisten wesentlich eingeschränkt und korrigiert. Wir brauchen nur an die Große Kompagnie Herzog Werners von Urslingen zu erinnern, die gerade während des Winterhalbjahres vom Statthalter der Romagna in Kriegsdienst genommen wurde (IV 1350, 1). Die große Schlacht an der Addabrücke fand im Februar 1324 statt, die Schlacht bei Paterno am 29. April 1355, die Eroberung von Piacenza durch die päpstlichen Reiter im März 1323. Die Belagerung von Castro Carro im Januar 1358, ebenso die von Forli. Im Januar 1348 begann der Statthalter von Tuszien seine Unternehmung gegen Toscanella und Bagnorea. Der Krieg gegen Johann von Vico, den Präfekten, hatte seinen Anfang im November 1353 und währte den Winter hindurch. Im Frühjahr wurde er beendet (II 1353, 134; 142, 4, 5, 15 usw.). Die meisten Unternehmungen kriegerischer Art sind freilich auch nach unseren Listen in die Zeit vom Mai bis Oktober gelegt worden.

Die Höhe der Kriegskosten eines Feldzuges lässt sich an der Hand unserer Soldverträge annähernd bestimmen. War doch die schwere Reiterei die bei weitem wichtigste und teuerste Waffe. Es ergibt sich aus den von uns oben in Abschnitt 4 beleuchteten Soldverhältnissen, dass die Kriegskosten in Italien während des 14. Jahrhunderts sanken, weil der Sold für Ritter und Reisige vermindert wurde. Wir brauchen nur die Löhnung von Ritter und Edelknecht, die in den zwanziger Jahren 16 und 10 bzw. 8 flor. monatlich betrug, sowie die des Ronziten, die 4 flor. ausmachte, mit den entsprechenden Sätzen in der Mitte des 14. Jahrhunderts zu vergleichen, die für jeden ritterlichen Edelknecht auf 1½ flor., für den Ronzit auf 2 bis 1 flor. sanken. In gleicher Weise war die Provision der Hauptleute herabgegangen. Martin V. schließlich bewilligte im Jahre 1419 für die Lanze zu 3 Pferden und Reitern nur 10½ flor., das macht auf den Mann noch keine 4 flor. Freilich sind hin und wieder, je nach der Notlage des Staates, die Löhnungen erhöht worden, aber im Ganzen bleibt doch der deutliche Eindruck ihres allmählichen Rückgangs.

Wenn wir das 13. Jahrhundert nach unseren Darlegungen in Abschnitt 4 hinzunehmen, wird dieser Eindruck nur noch verstärkt.

Sehen wir einmal, der einfacheren Rechnung wegen, von dem Sold der Hauptleute und Bannerherren ab, so kostete die monatliche Unterhaltung von 2000 Reitern in Goldgulden ausgedrückt nach den Soldsätzen Ludwigs des Heiligen auf seinen Kreuzzügen 50.000 flor., nach denjenigen Friedrichs II. 40.000 flor., nach der Speyrer Urkunde von 1310 für die Italienfahrt 30.000 flor., nach den Soldbedingungen Karls von Calabrien von 1327 24.000 flor., nach den Löhnungen der zwanziger Jahre unter Kardinallegat Bertrand, wenn wir das Fähnlein zu 5/6 aus Edelknechten und zu Einsechstel aus Rittern nehmen, ungefähr 22–23.000 flor. In der Mitte des 14. Jahrhunderts im Patrimonium Petri 14.000 flor., unter Kardinal Albornoz 13–14.000 flor. Als die „Lanzen“ zu 3 Pferden aufkamen (18–20 flor.) in den siebziger Jahren 12–13.000 flor., im Jahre 1407 und 1412 nur 8000 flor., im Jahre 1419 kaum 7.000 flor. Bei den Lanzen müssen wir freilich bedenken, dass der 3. Reiter stets nur Knappe mit einem Ronzit war, also nicht den vollen Wert eines Edelknechtes hatte. So hätten wir, um im Vergleich mit der Zeit vor dem Aufkommen der Lanzen zu bleiben, den Sold für die letzteren um ca. ein Viertel zu erhöhen.

Besonderes Interesse haben für uns die Kriegskosten in den zwanziger Jahren und um die Mitte des 14. Jahrhunderts. Aus den Zentralregistern der päpstlichen Kammer wissen wir, dass während der Jahre 1321 bis 1324 dem Kardinallegaten Bertrand von der päpstlichen Kammer zur Kriegführung in der Lombardei 411.550 flor. gesandt wurden. Dazu kamen an Zehntgeldern u. a. noch 61.896 flor. Von 1324 bis 1327 hat die päpstliche Kammer zu dem gleichen Zweck die ungeheure Summe von 1.121.712 flor. über die Alpen gesandt. Dazu kamen noch aus Zehntgeldern u. a. 42.651 Gulden. Im Jahre 1325 allein wurden für den italienischen Krieg 430.000 flor. verausgabt, während die Kriegskasse des Legaten in den zwei Jahren von 1328 bis April 1330 noch 412.598 flor. verbrauchte, von denen 390.000 der päpstlichen Kammer in Avignon entstammten (I 1328, a). Wenn wir ½ dieser Ausgaben auf die Reiterei rechnen, wofür wir gute Gründe haben, so reichte die Summe des Jahres 1325 gerade aus, um 2000 Reiter zu besolden, und diejenige der Jahre 1328–1330 nur noch für 1000 Reiter. Freilich wird die wirkliche Zahl der Reiter das Jahr über in den Sommermonaten stärker, im Winter schwächer gewesen sein.

Für den Krieg in der Romagna sind nach Intr. Exit. 245 f. 171 ss. im Jahre 1350 aus der päpstlichen Kammer 127.500 flor. überwiesen worden.

Für das Jahr 1355 haben wir in Intr. Exit. 276 die Kriegsausgaben während der Monate Juli bis Dezember. Im Juli sind sie am höchsten mit rund 22.000 flor., im August rund 21.000 flor., im Dezember noch ca. 8500 flor. Bei einem Durchschnitt von 15.000 flor. monatlich können wir die Jahresausgaben auf 180.000 flor. rechnen.

Nach der obigen Rechnungsart würde das auf die Sommermonate ca. 2000 Reiter, auf die Wintermonate bloß 500 machen, was in der Tat mit den Listen ungefähr stimmt (die nichtdeutschen Reiter dieses Jahres hinzugerechnet).


Quelle:  Karl Heinrich Schäfer: Deutsche Ritter und Edelknechte in Italien während des 14. Jahrhunderts. Paderborn, 1910.