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Die Menge der deutschen Reiter im Dienste des Kirchenstaates und ihr Verhältnis zu den nichtdeutschen.

Von der Menge unserer ritterlichen Landsleute in Italien während des 14. Jahrhunderts können wir uns einen Begriff machen, wenn wir in den Soldlisten über 700 deutsche Reiterführer und Bannerherren finden. Manche von ihnen haben 50, 100 und mehr (Herzog Werner 1150!) Reiter unter ihrer Fahne. Nehmen wir aber als Durchschnittszahl des einzelnen Banners auch nur 20–25 Reiter an, so ergibt sich, dass rund 15 000 schwer gewappnete Reiter aus deutschen Geschlechtern in den päpstlichen Kriegsdienst innerhalb eines verhältnismäßig kurzen Zeitraumes getreten sind. Dazu kommen noch die nicht in unseren Listen aufgezählten und genannten Sarrianten der Runtzite, die Knechte und Knappen. Sie verteilen sich auf eine Periode von 50 Jahren (1321–1370). Aber im Jahre 1350 sehen wir doch allein in der Romagna 3000 deutsche Reiter im Dienst des Kirchenstaates und ungefähr 2000 im Jahre 1356 unter Kardinal Albornoz in der Mark Ancona. Wenn wir bedenken, dass das ganze Bistum Worms in den Landfriedensbündnissen nur 10 Helme stellen sollte oder dass sich unsere Kaiser bei ihren Römerzügen meist mit 1000 bis 2000 deutschen Reitern begnügten, so erscheinen die obengenannten Zahlen doch als ganz bedeutend. Nebenbei mag bemerkt werden, dass die Gegner fast regelmäßig ebenfalls deutsche Ritter in Dienst nahmen und zwar möglicherweise in einer annähernd gleich hohen Zahl.

 

So können wir uns einen Begriff von der Menge deutscher Reiter in Italien während des 14. Jahrhunderts machen. Dazu kommen, wenigstens teilweise, die deutschen Reiterfreischaren (Ritterbünde, auf Italienisch compagnie) in Italien. Ja selbst die sogenannte rein italienische Kompagnie von St. Georg bestand zum überwiegenden Teil aus unseren ritterlichen Landsleuten.

 

Sehen wir uns einmal Zeit und Gegend ihres Auftretens in unseren Soldlisten näher an. Gegen die Visconti finden wir während der Jahre 1322 und 1323 in unseren Quellen 11 deutsche Hauptleute mit rund 750 Reitern im Heere des Legaten Bertrand, 1328 nur etwa 10 Banner mit rund 270 Mann. Die Mehrzahl der übrigen Reiter sind damals Franzosen gewesen. Denn von Papst Johann XXII. wird erzählt, dass er gegen die Deutschen ziemlich voreingenommen war und sie in seinem Kampfe wider die Gibellinen nicht gebrauchen wollte. Vielleicht hat er in der Tat gerade aus diesem Grunde manches deutsche Dienstangebot, wie z. B. das des Grafen Friedrich von Hohenzollern (1327), abgelehnt.

 

Freilich im Jahre 1334 erscheint beinahe die Hälfte der Reiter, über 30 Banner mit rund 800 Mann, als Deutsche.

 

In der Mark Ancona werden 1325/26 vier deutsche conestabiles mit rund 130 und 1328/29 acht Hauptleute mit rund 200 Reitern genannt. Die Mehrzahl der Reiterei bestand aus Italienern. 1341 finden sich sieben deutsche Hauptleute mit 173 Mann, später noch weniger. Auch die Verwaltung der Provinz Spoleto zog zeitweise deutsche Reiter in ihren Sold. Besonders zahlreich aber erscheinen deutsche Banner und Reiter im Heere der Provinz Romagna während des Jahres 1350, als der Statthalter Astorgius von Duraforte die Manfredi von Faenza, die Ordelaffi von Forlì und die Pepoli von Bologna zur Unterwerfung zwingen wollte. Wir sehen im unmittelbaren Sold des Statthalters bzw. der Provinz 50 deutsche (darunter drei burgundische) Fähnlein mit über 1200 Reitern, dazu noch 15 deutsche Korporale mit 70 Reitern im Banner des Statthalters selbst. Im Oktober 1350 nahm er auch das Heer Herzog Werners von Urslingen mit 1150 Reitern in Sold. Hierzu kamen schon seit dem Frühjahr 1350 mehrere deutsche Ritter, deren Banner nicht angegeben werden, ferner 11 deutsche Fähnlein des verbündeten Mastinus de la Scala von Verona mit 200 Reitern, 8 deutsche Banner der Visconti mit rund 180 Mann, 3 Fähnlein der Este von Ferrara und eines von den Pepoli (Bologna), also im Ganzen während des Sommers an 1800 und vom Oktober an rund 3000 deutsche Reiter.

 

Als in Tuszien zu Ende des Jahres 1353 der Feldzug gegen den Präfekten von Vico begann, waren im päpstlichen Heere 16 deutsche Banner mit rund 320 Reitern. Es konnte aber kein Erfolg erzielt werden. Im März 1354 standen schon 24 deutsche Fähnlein bereit mit 480 Reitern. Der Kardinal Albornoz begann jetzt den Angriff von Neuem mit mehr Erfolg. Zur Zeit der Übergabe Orvietos und der Unterwerfung des Präfekten am 5. Juni 1354 zählen wir an 30 Fähnlein im Heere des Legaten mit etwa 600 Reitern. Weitere Abteilungen wurden hinzugeworben, sodass im Sommer 1355 dem Legaten über 50 deutsche Geschwader mit etwa 1000 Rittern zur Verfügung standen. Damals wurde die Stadt Fermo erobert und Gentile da Mogliano zur Unterwerfung gezwungen. Der päpstliche Gonfaloniere Rudolf von Camerino brachte dem Belagerungsheer der Malatesta vor Paterno eine schwere Niederlage bei. Im folgenden Jahre bis zum Abgang des Albornoz (Sommer 1357) wurden die deutschen Fähnlein auf ihre Höchstzahl gebracht, sodass sich über 100 mit rund 2000 Reitern im päpstlichen Heere befanden. Damals unterwarfen sich die mächtigen Manfredi von Faenza (Nov. 1356); im Frühjahr 1357 wurde auch die aufs Tapferste verteidigte Stadt und Burg Cesena den gefürchteten Ordelaffi genommen. Im Laufe des Sommers aber entließ man die meisten deutschen Reiter, wohl auf Anordnung des neuen Legaten, eines Franzosen, Androin de la Roche. Er musste, vielleicht infolgedessen, die Belagerung des Ordelaffi in Forlì aufgeben. Im Sommer 1358 stieg dann die Zahl der deutschen Fähnlein wieder und blieb bis 1360, soweit uns die Listen erhalten sind, auf 50 bis 60 mit rund 1000 Reitern stehen. Dem noch 1358 zurückkehrenden Legaten Albornoz gelang es, im Frühling 1359 den letzten und hartnäckigsten Gegner Francesco Ordelaffi in Forlì niederzukämpfen und die Stadt zur Übergabe zu zwingen. Die Ordelaffi hatten früher auch deutsche Ritter in ihrem Dienste gehabt.

 

Was das Zahlenverhältnis der deutschen zu den nichtdeutschen Reitern betrifft, so nehmen augenscheinlich die einen zu, wenn sich die anderen vermindern. Im Jahre 1356 werden außer den 100 deutschen Reiterführern nur etwa 10 conestabiles mit nichtdeutschen Namen besoldet, im Sommer 1357 bis zum November erscheinen 3 bis 5 ungarische Führer, im Dezember sogar 16 conestabiles Ungarorum. Im Jahre 1359 zeigen uns die Listen neben 50 deutschen und 4 burgundischen Fähnlein – die letzteren teilweise auch mit deutschen Reitern – 18 Fähnlein italienischer Reiter, unter denen einzelne deutsche Namen vorkommen, wie Konrad und Ludwig, und 10 ungarische Banner. Ähnlich war es 1360. Wir sehen also, wie auch in diesen letzten Jahren noch im Heere des Legaten die deutschen Reiter die Mehrzahl bildeten. Erst wenn wir für 1359 die 14 Fähnlein Fußvolk, 30 caballarii und je 3 magistri für Geschütz und Genie, die alle anscheinend Italiener waren, zu den nichtdeutschen Reitern hinzuzählen, würden sich beide Zahlen ungefähr das Gleichgewicht halten, während 1356 das vom Kardinal besoldete Heer wegen der überaus großen Zahl der schweren Reiter zu über zwei Dritteln aus unseren Landsleuten bestand. Vielleicht ist es in den nächsten Jahren nach 1360 bei Albornoz ähnlich gewesen. Das lässt sich wenigstens aus der Aufzeichnung von 1365 entnehmen, wo wir unter 11 benannten Reiterführern in seiner Umgebung 9 als deutsche und nur einen sicher als Italiener erkennen. Ja noch in den 70er Jahren des 14. Jahrhunderts, wo die sogenannten englischen Kompagnien Italiens Söldnermacht beherrschten, finden wir einen Deutschen als Hauptmann von 50 schweren Lanzen zu je 3 Pferden mit 5 Unterführern im päpstlichen Dienste, und gleichzeitig befahl Gregor XI., den Grafen Luz von Landau mit seiner Schar in Sold zu nehmen.

 

Wie auch die italienischen Städte deutsche Reiter in Sold und Dienst hatten, geht ebenfalls schon aus unseren päpstlichen Soldurkunden hervor. In Band 3 und 4 der „Deutschen Ritter in Italien“ wird man sie später in extenso finden. Hier sei nur vorläufig kurz auf einige andere Angaben verwiesen. Wir finden sie in Rom, Florenz, Perugia, Siena, Bologna, Genua, Venedig etc., wie in den alten Gibellinenstädten Todi, Pisa, Lucca etc. In Bologna waren noch 1364 unter 19 besoldeten Fähnlein bloß 8 italienische, aber 6 deutsche und 5 burgundische; in Perugia 1355 unter 9 Fähnlein 7 deutsche, wie in dieser Stadt schon 1326 viele deutsche Reiter unter einem Oberbefehlshaber aus deutschem Geschlecht nachweisbar sind.

 

Wie sich die Feudalherren mit deutschen Reitern umgaben, erkennen wir hier an den Malatesta in Rimini, den Scaliger von Verona, den Gonzaga in Mantua, den Ordelaffi von Forlì, den Markgrafen von Este, den Visconti in Mailand, den Pepoli von Bologna, den Präfekten von Vico, den Carrara in Padua etc. Gegen Ende des 14. Jahrhunderts werden die deutschen Soldritter seltener und weichen den einheimischen Truppen.

 

Wenn wir in einzelnen Fähnlein deutscher Bannerherren auch den einen oder anderen italienischen Reiter finden, so gleicht sich dies wieder dadurch aus, dass umgekehrt unter vielen italienischen Führern manche deutsche Reiter standen. Ja, einzelne Hauptleute mit italienischen Namen hatten fast ausschließlich deutsche Reiter im Fähnlein. Ähnlich war es in den Geschwadern der wenigen burgundischen Führer.


Quelle:  Karl Heinrich Schäfer: Deutsche Ritter und Edelknechte in Italien während des 14. Jahrhunderts. Paderborn, 1910.