Die Umgangssprache unserer ritterlichen Landsleute unter sich im persönlichen Verkehr wie im Felde war die deutsche. Von den zahlreichen Beweisen dafür seien zwei bemerkenswerte Beispiele
herausgehoben. In den lateinischen Annalen von Parma wird einmal erzählt, dass am 16. Juni 1334 alle Reiterführer (conestabiles) des Statthalters von Parma in den dortigen Dom gingen, um
unmittelbar vor dem Kriegszug noch einer Messe beizuwohnen. Bei dieser Gelegenheit wurden 2 Banner mit dem kaiserlichen Wappen auf den Hochaltar gelegt und vom Priester geweiht. Alle deutschen
Krieger, die im Dom versammelt waren, gaben sich beim heiligen Amt den Bruderkuß. Sie füllten den ganzen Domchor und die Sakristei, wo sie lange Zeit bis zum Mittag in ihrer Sprache miteinander
Rat hielten (multa verba inter se dixerunt in lingua eorum). Dann ging's in den Feldzug gegen die Herren von Correggio. In der wertvollen Chronik des Dominicus de Gravina wird bei der Eroberung
einer italienischen Stadt durch deutsche Ritter auf den feststehenden Gebrauch der letzteren hingewiesen, ihre im Gefecht gefangenen Landsleute ritterlich zu behandeln und auf Ehrenwort
freizulassen. Das machte sich ein vornehmer und kluger Italiener zunutze, indem er in deutscher Sprache (Theotonice alloquens) um seine Freilassung bat und sie auch erhielt. Ein andermal wollte
der Bruder des Königs von Ungarn, der Woiwode Stephan, mit den deutschen Reitern persönlich verhandeln. Da er aber nicht Deutsch sprach und wohl auch der lateinischen Sprache nicht genügend
mächtig war, ließ er durch seinen Dolmetscher mit den deutschen Führern lateinisch verhandeln. Wir sehen daraus, dass wenigstens unsere conestabiles und caporales der lateinischen Sprache mächtig
waren. Dies wird durch den persönlichen Briefwechsel zahlreicher deutscher Führer im Archiv Gonzaga bestätigt. Zwar ist die Form ihrer lateinischen Sätze manchmal recht seltsam, aber das beweist
doch nur, dass sie Latein wirklich verstanden. Ich werde diese Briefe im 3. Buch zusammenhängend veröffentlichen. Auch die vielen lateinischen Verträge und Urkunden aller Art, die von unseren
Rittern eingegangen oder ausgestellt wurden, lassen darauf schließen, dass vielen diese Sprache nicht fremd war.
Da der oft genannte Marschall des Herzogtums Spoleto, Hüglin von Schöneck, wiederholt in Südfrankreich am päpstlichen Hof zu Avignon erscheint, wird ihm auch das Französische nicht ganz fremd
gewesen sein. Dasselbe dürfte von vielen deutschen Rittern gelten, die ebendorthin zogen, um Sold zu empfangen oder sonstige Verhandlungen zu pflegen, wie Graf Gottfried von Jülich, Engelbert von
der Mark usw. und späterhin Graf Ludwig von Landau, Graf Heinrich von Lupfen, ebenso von Herzog Otto von Braunschweig, der sich in erster Ehe 1351 in Frankreich mit Jolanthe, Witwe König Jakobs
II. von Mallorca, verheiratet hatte.
Bemerkenswert ist auch, dass 1349 zwei deutsche Ritter aus dem Heere des Herzogs Werner von Urslingen und Konrad Wolfs zu Verhandlungen nach Neapel geschickt und dort von dem
französisch-anjovinischen König ehrenvoll empfangen und zur Tafel gezogen wurden. Sie blieben im königlichen Palast über Nacht und kehrten am anderen Tage mit zwei Rittern des Königs von Neapel
zu ihrem Heere zurück.
Von einem anderen deutschen Ritter, Albert Sterz, wissen wir, dass er auch die englische Sprache beherrschte und deshalb Anführer der »englischen Kompagnie« sein konnte. Am allermeisten
interessiert uns natürlich die Frage nach dem Verhältnis unserer ritterlichen Landsleute zur italienischen Sprache.
Es ist nach allen unseren Quellen nicht daran zu zweifeln, dass die Mehrzahl Kenntnis und Übung derselben besessen hat. Das brachte schon der fast tägliche Verkehr mit Leuten aus dem Volke mit
sich. Dazu wird es durch einzelne Anekdoten des italienischen Novellisten Sacchetti aus dem 14. Jahrhundert bewiesen, namentlich durch die eine über den italienischen Ritter, der die gleiche
Helmzier wie ein deutscher trug. Als der letztere deshalb Aufklärung und Genugtuung forderte, fragte ihn der Italiener, ängstlich und schlau zugleich, in seiner Sprache, was für eine Helmzier
denn eigentlich der deutsche Herr trüge. Dieser antwortete ganz erstaunt über die törichte Frage: »la testa d'un cavallo«. Darauf sagte der Italiener dann, dass er nur la testa d'una cavalla
führe, und verblüffte damit den guten Deutschen, der nicht mehr auf Genugtuung bestand. Das Wortspiel ist doch nur im Italienischen leicht verständlich und witzig.
Von Hüglin von Schöneck wissen wir, dass er seinen Wohnsitz in Vicenza hatte und von den dortigen Bürgern hoch verehrt wurde. Er muss also die italienische Sprache beherrscht haben. Das war
überdies für ihn unerlässlich, als er 1376 das Marschallamt von Spoleto erhielt. Johann von Bongard wurde nach einem entscheidenden Siege über die »englische Kompagnie« in Perugia mit großen
Ehren empfangen, mit dem Bürgerrecht und einem stattlichen Palast beschenkt. Ebenso geschah es zwei anderen deutschen Führern, Albert und Andreas. Sie mussten also wohl gut Italienisch sprechen.
Viele unserer ritterlichen Landsleute werden sich auch in Italien verheiratet haben. Wir wissen es sicher von Graf Ludwig von Landau, der eine Visconti heiratete (vgl. oben S. 95), von Herrn
Arnold Teutonicus, der die Erbtochter der reichen Edelfamilie Buonacorsi de Vico im Jahre 1318 heimführte (Staatsarchiv Pisa, vgl. 3. Buch der deutschen Ritter, Pisa 1319), von Herzog Otto von
Braunschweig, der in zweiter Ehe die Königin Johanna von Neapel heiratete; sein Bruder Balthasar heiratete die Erbtochter des Grafen von Fondi (vgl. 2. Buch S. 204).
Manche deutsche Ritter nahmen gar ausgesprochen italienische Namen an, sei es nun, dass sie sich persönlich ganz eingebürgert hatten, oder dass sie schon in Italien geboren waren, wie Tadeus de
Lucca mit dem gut schwäbischen Wappenschild der Eschbach (Wappenurkunde, Schild 56), ferner Reynald Masarelli, Gottfried Malatacha, Nikolaus de la Fontana (2. Buch, Register 1), die unzweifelhaft
deutschen Ursprungs sind. In Mantua wird einmal ein deutscher Reiter Raynald de Bononia (Bologna) genannt, aber ausdrücklich als Teutonicus bezeichnet (3. Buch, Verona 1358 No. 34). Der
Reiteroberst Heinrich von Eglingen wurde schon allgemein nach seinem Wappenbild »de la Scala«, wie ein Italiener genannt.
Die Fürsten (principi) von Altemps in Rom stammen allerdings nicht von einem mittelalterlichen deutschen Ritter ab, sondern von einem 1586 durch Sixtus IV. legitimierten Bastard des Kardinals und
Konstanzer Bischofs Max Sittich von Hohenems. Die Familie ließ sich später in Rom nieder, wo sie den halbitalianisierten Namen Alt(Hoch)emps annahm und noch blüht.
Die heutige Familie Cavour leitet ihren Ursprung von einem deutschen Ritter Benz (Bernard) ab, der schon mit Friedrich Barbarossa nach Italien gekommen sein soll, und führte den deutschen
Wappenspruch »Gott will Recht«. Die noch in Unteritalien blühende Familie der Marchesi di Sterlich stammt von einem deutschen Ritter »von Österreich« ab. Die Smeducci von S. Severino, die
Euffreducci von Fermo, die Ordelaffi von Forli, die Manfredi von Faenza, die Guidi di Romagna und viele andere Edelfamilien haben ebenfalls deutschen Ursprung (Litta).
Quelle: Karl Heinrich Schäfer: Deutsche Ritter und Edelknechte in Italien während des 14. Jahrhunderts. Paderborn, 1910.
