Die wichtigste Seite oder den wichtigsten Inhalt unserer Soldlisten haben wir in den vielen Hunderten deutscher Namen und Familien zu sehen, die uns hier zu Gesicht kommen. Beim ersten Anblick wird man aber über die verderbte Schreibweise erschrecken. Man könnte sogar bei manchen ernstlich Bedenken hegen, sie für deutsche anzusehen, wenn sie nicht ausdrücklich als Teutonici bezeichnet würden.
Zunächst müssen wir daran denken, wie auch in den heimatlichen Aufzeichnungen aus dem Mittelalter die deutschen Namen von den deutschen Schreibern in lateinischen wie deutschen Urkunden oft sehr verunstaltet und sogar in demselben Schriftstück verschieden wiedergegeben sind. Wir dürfen uns deshalb nicht wundern, dass die italienischen Schreiber die meisten Namen mehr oder weniger verunstalteten, sodass oft ein längeres Nachdenken und Vergleichen nötig ist, um die rechte Spur zu finden. Waren es doch fremdartige Laute, die sie von den deutschen Reitern hörten und in ihre Listen eintrugen. Die Ausgabebücher, aus denen wir unsere Soldlisten entnehmen konnten, bringen aber wieder bloß Kopien der eigentlichen Soldlisten. Daher sind manche seltsame Hör- und Schreibfehler zu erklären. Es soll z. B. heißen: Derbestan; de Herberstein; Bramante: Brabant; Esterlich und Sterlich: Österreich; Transporch, Storpur, Starpur: Straßburg; Guizziporch: Würzburg; Inghundio: Iggendorf; Brelunberg: Freienberg oder Freudenberg usw. Wie die deutschen Namen in Italien verschrieben wurden, sieht man auch recht deutlich an der Ritterliste von der Kaiserkrönung Heinrichs VII., wo für Braunshorn „Breneser“, für Burtscheid „Borsier“, für Hammerstein „Anmestien“, für Straßburg „Strabor“, für Sinzig „Sanchy“ usw. steht.
Im Allgemeinen lassen sich bei der italienischen Schreibweise unserer Listen einige, meist heute noch im Italienischen geltende Regeln aufstellen, um den deutschen Namen leichter zu erkennen. Ein H wird meist ausgelassen, also Al = Hal, Aniz = Haniz (Hans); manchmal wird es aber gesetzt, wo es im Deutschen (und Lateinischen) fehlt, z. B. de Hoch = von Ochen (Aachen), hostiarius = ostiarius; ein k vor hellen Vokalen wird, wie im heutigen Italienischen, durch ch, sonst durch c wiedergegeben, also Annechin = Hannekin. Diphthonge werden meist nicht geschrieben, sondern nur der von beiden bei der Aussprache gerade vorlautende oder gehörte Vokal, also sten = stein; stim, stan = stein; Amersten = Hamerstein; Ebresten = Eberstein; Righisten = Reichenstein; Sper = Speyer; em oder im = heim, also Bergem = Bergheim; Lando = Landau; Agheno = Hagenau; Sulim = Saulheim; Ucloven = Hügelhoven. In der Endung bedeutet borg, merch, uerg, barg sowohl berg wie bürg, also Lorimerg = Laurenburg; dor, tor, trop bedeutet Dorf, also Gustor = Gusdorf. Ein bloßes S kann unseren Laut Sch wiedergeben, also Suonich = Schöneck. Oft wird auch statt dessen ein X gesetzt, also Xanbach = Schambach, Xoemborg = Schauenburg u. a. Unser w wird durch v, u, gu, qu bezeichnet, also Vier = Weier, Quartemerch = Wardenberg; a und o werden häufig verwechselt, also Robestim = Rabestein; Scioftisim = Schaffhausen.
Die Endungen werden oft latinisiert, also Aspia = Asberg, Spia = Speyer, Stira = Steier; mitunter wird das Wort auch zusammengezogen und verkürzt, also Gozus, Gocius = Gottfried, Göz; Vivelkoven = Wevelinkhofen. B, P und V (W) werden verwechselt, also Vensem = Bensheim; Verlinch = Berlingen; Vincistorf = Pingsdorf. Wie in deutschen mittelalterlichen Urkunden, namentlich vom Niederrhein (sticht, schricht = Stift, Schrift), wird ch und f verwechselt, also Staucha = Staufen.
Sehen wir uns nach diesen Vorbemerkungen die Namen unserer Reiter näher an, um ihre Herkunft zu bestimmen. Von den über 2300 in unseren Listen aufgezählten Reitern ist kaum die Hälfte der Herkunft nach unmittelbar gekennzeichnet. Dahin gehören in erster Linie die Ministerialen oder Patrizier aus Bischofs- und Reichsstädten. Köln steht an der Spitze mit über 70 Reitern, bei denen es jedes Mal heißt de Colonia; dazu kommen solche, die ohne den Zusatz de Colonia doch als Kölner weithin bekannt sind, wie der 1350 genannte Werner von Overstolz und der ebenda erscheinende Dietrich von Schidderich. Man wird auch angesichts dieser Tatsache, dass Köln (und seine Diözese) ganz besonders hohe Zahlen bei dem Kriegsdienst in Italien aufweist, an die Zeit der römischen Imperatoren zurückdenken, wo gerade die Stadt Köln und das Ubierland bereits durch die Anzahl der im römischen Dienste stehenden Krieger hervorragten.
Nach Köln in weitem Abstand folgt Straßburg mit über 25, Basel mit 15, Nürnberg mit 11–12 (einige werden aber von der Nürburg sein); Düren, Mainz, Aachen mit je 8–9, Rotenburg und Wien mit 7; Bonn, Limburg, Konstanz mit je 6; Boppard, Maastricht und Würzburg mit 5; Lüttich, Metz, Regensburg, Speyer, Trier mit 4–5; je 3 aus Augsburg, Andernach, Kaiserswerth. Nach vielen anderen Ortschaften werden je 1 bis 2 Reiter genannt, z. B. Brixen, Buchau, Bacharach, Bern, Chur, Gera, Gießen, Hagenau, Hall, Innsbruck, Lausanne, Löwen, Luzern, Luxemburg, Meran, München, Nivelles, Reichshofen, Rottweil, Salzburg, Schaffhausen, Schlettstadt, Steier, Trient, Überlingen, Ulm, Weißenburg, Wesel, Xanten, Zabern, Zülpich, Zürich u. a. Abgesehen von diesen Städtenamen erfahren wir nur ganz selten und mehr zufällig, aus welcher Diözese ein Ritter stammte, z. B. bei Hanneken von Bongard aus der Diözese Köln, Hüglin von Schöneck aus Basel, bei dem deutschen Reiterführer Fayssard de Montibus aus der Diözese Lüttich. Bloß in der Soldliste von 1327 sind öfter die Diözesen angegeben.
Bei einer bedeutenden Zahl von Reitern geht dann mehr oder weniger deutlich aus ihrem Familiennamen bzw. ihrer Burg hervor, woher sie kamen, z. B. von Alpen, Altenhofen, Altenberg, Alsdorf, Anxtel, Aar, Bachern, Baier von Boppard, Bedburg, Berg, Bergheim, Berse, Billig, Blankenberg, Bolindorf, Brakel, Broich, Brohl, Bunde, Bürgel, Caster, Deutz, Euskirchen, Flodorf, Frankenberg, Freienberg, Genepe, Gevenich, Gimnich, Gysendorf, Gladbach, Godesberg, Gore, Groesbeck, Gustorf, Hausen bei Jülich, Hompesch, Iggendorf, Jülich, Kaldenkirchen, Kempenich, Kierberg, Kleve, Königswinter, Langsdorf, von der Leyen, Lechenich, Lennep, Lich, Lo, Lövenich, Loverich, Lülsdorf, von der Mark, Momme, Mondorf, Morken, Molenark, Nideggen, Nörvenich, Nürburg, Oberstolz, Oer, Paffendorf, Palant, Patern, Pingsdorf, Poppeisdorf, Proist, Pulheim, Quadrat, Quad, Raymersbeck, Randerath, Rheydt, Rode (Merode), Rore, Rover, Romberg, Schwalenberg, Schidderich, Sevenar, Severnich, Siburg, Sittard, Sitterode, Sindorf, Sobbe von Iggendorf und von Altena, Spe, Spiegel, Spill, von der Stesse, Troisdorf, Ubach, Vannekum, Wevelinkhoven, Wickrath u. a. Alle diese hatten ihren Stammsitz, ihre väterliche Burg in der Diözese Köln oder wenigstens in deren unmittelbarer Nachbarschaft (Oer in Westfalen).
Andere wiederum stammten vom Mittelrhein, Main, Lahn und Mosel wie die von Bibra, Bolanden, Elz, Dietz, Falkenstein, Felsberg, Hammerstein, Helfenstein, Laurenburg, Lich, Löwenstein, Meisenheim, Momberg, Münzenberg, Ostheim, Rau, Reichenberg, Reichenstein, Rheineck, Rockenberg, Rodenstein, Seyn, Waldeck.
Eine große Menge lässt sich für Süddeutschland (Schweiz, Tirol, Kärnten u. a.) festlegen: die von Altorf, Ansbach, Asberg, Auchsesheim, Aulicon, Brandenstein, Breckerau, Burladingen, Dürmenz, Engelberg, Enzberg, Feringen, Freiburg, Freistadt, Habsburg, Haslach, Hechingen, Herberstein, Hohenstein, Jagsburg, Kress von Kressenstein, Kufstein, Landau, Landenberg, Landsberg, Lassberg, Lavantal, Lichtenstein, Mangolting, Melchingen, Montfort, Montafon, Münchenstein, Münchingen, Neuenburg, Neuneck, Nidau, Partenstein, Rämsberg, Ramstein, Reischach, Rosenberg, Saulheim, Schauenburg, Schöneck, Sperberseck, Staufen, von der Tann, Thurnstein, Tierstein, Toggenburg, Ufhausen, Udicon, Urach, Urslingen, Villach, Wachenzell, Waidenberg, Wartenberg, Wolf von Wolfurt, Wurmlingen usw.
In 12 Fällen heißt es nach dem Vornamen des betreffenden Reiters ganz allgemein „de Alamannia“ bzw. „de Camagna“, 9-mal de Austria, 14-mal de Osterich etc. (Österreich), 5-mal von Brabant, je 3-mal von Flandern und Bayern (Baviera), je einmal von Schwaben (Suevia) und Lothringen (Loreno).
An dieser Stelle mag auch erwähnt werden, dass manche unserer Reiter mehr oder weniger feststehende und vielleicht schon lange zu Familienbezeichnungen gewordene Spitznamen führen wie Bock (hircus), Fleck, Flasch, Hafersack, Hochmut, Hund, Quad (bös), Rover (Räuber), Radicopp (d. h. wohl Rattenkopf), Paff, Pech, Unbescheiden, Ule (Eule), Wachesser (Weckesser). Das ist eine auch beim Stadtpatriziat bekannte Erscheinung.
Bei vielleicht einem Drittel der in unseren Listen genannten Reiter konnte die Herkunft aus ihren Namen entweder gar nicht oder nicht mit Sicherheit festgestellt werden, meist weil der Name zu undeutlich geschrieben und mehr oder weniger von dem italienischen Schreiber verunstaltet war, in vielen Fällen aber wohl auch deshalb, weil das betreffende Geschlecht oder seine Burg nicht mehr existiert und in den vorhandenen oder zugänglichen Urkundenbüchern nicht genannt wird. Da kommt uns wenigstens teilweise eine Beobachtung über die Vornamen zu Hilfe. Sie erscheinen in unseren Listen meistens latinisiert und italianisiert, wie Arrigus, Anrichus = Heinrich; Artimannus = Hartmann; Brocardus, Brochinus = Burkhard; Herestus = Ernst; Anichinus, Honechinus, Aniz etc. = Johannes, Hans; Gobulus, Gocius = Gottfried, Göz; Guarnerius, Verechinus = Werner; Gonterius = Günther; Jachelinus = Jakob; Fredericus = Friedrich; Gabvardus = Gebhard; Ermannus, Erminus = Hermann; Artellinus = Hertel (Herthling?); Tedericus = Dietrich; Perrozzonus = Peter; Inghilbertus = Engelbert usw.
Nun tritt eine gewisse Regelmäßigkeit in dem Gebrauch mancher Vornamen für einzelne Gegenden zutage. Die Vornamen Angelin, Brochard (Burkhard), Bertold, Eberhard, Eginolf, Göz, Gozolin, Jachelin, Hartwig, Hugolin, Mansus = Manz, Marchelm, Markolin, Rudolf, Siz, Ulrich, Wölflin werden vorwiegend, ja fast ausschließlich bei süddeutschen Rittern beobachtet; auch Friedrich in der Abkürzung Fritz findet sich beinahe nur für solche. Dagegen ist der Vorname Johannes in der Abkürzung Anechin, Hanneken fast ebenso ausschließlich bei Reitern aus Köln und seiner weiteren Umgebung anzutreffen, Aniz aber für Süddeutschland. Für dieselbe Kölner Gegend werden häufig gebraucht Arnold, Celichin (Tilmann), Gottfried, Lambert, Raynald, Walram, auch Gobel, Reiner, Walter und Wilhelm.
Ungefähr gleichmäßig verbreitet erscheinen die Vornamen (wir lassen sie nach der ungefähren Häufigkeit des Gebrauches folgen): Heinrich, Konrad, Johannes, Friedrich, Nikolaus, Peter, Paul, Gerhard, Hermann, Bernhard, Dietrich, Philipp, Stephan, Jakob, Werner, Michael, Karl, Ludwig, Georg, Richard, Laurenz; Engelbert, Gebhard, Hertel, Raimund, Otto, Martin, Anton, Adam.
Seltenere Vornamen sind: Albich, Alfred, Alhard, Arnim, Aquilin, Augustin, Aichelwart, Balduin, Bartholomäus, Benichin, Brancor, Cervel, Clemens, Colin, Ermin, Fastrard (Fayssard), Fred (Alfred), Fermolin, Franceschin (Fränzchen), Franco, Garin, Gerlach, Gilbert, Guerchin, Guido, Guilimer, Hartman, Hunichin, Humbert, Imbert, Ingilhard, Juvavus, Leonhard, Linard, Loffus, Luff (Ludolf), Luzichin (Ludwig), Markolf, Matheus, Nerp, Olof, Ripold, Robert, Roland, Röttger, Rudiger, Siegfried, Sieghard, Simon, Staz (Anastasius oder Eustachius), Stich, Thebald, Vilichin (Wilhelm).
Mit den beiden letzten Namenkategorien kann man für die Herkunft des Trägers wenig anfangen.
Die Form des Zunamens lässt dann auf süddeutsche Herkunft schließen, wenn er auf „-lin“ (Scheuerlin), „-ingen“ (Burmelingen, Geringen) oder „-inger“ (Altinger, Galtinger, Gilinger, Salzinger), „-ach“ (Sailach, Ach) endet. Sind schließlich die vor und nach einem in seiner Herkunft unbestimmten Reiter genannten Mitglieder eines Fähnleins mit Sicherheit einer gewissen Gegend, etwa der Kölner Diözese oder der Schweiz, zuzuschreiben, so besteht die Wahrscheinlichkeit, dass auch der oder die unbestimmten Reiter dieser Gegend angehören.
Weisen aber zwei oder gar alle drei dieser unserer Merkmale – der Vorname, der Zuname und die Umgebung – auf dieselbe Gegend hin, so kann man den Reiter mit Sicherheit für sie in Anspruch nehmen. Es bleibt dann der Lokalforschung überlassen, die Familie oder den Ritter selbst in der Heimat nachzuweisen. Dies war auch das Hauptziel unserer Untersuchung, soweit sie mit den allgemein zugänglichen Hilfsmitteln (Urkundenbücher und Literatur) geführt werden konnte.
Abschnitt 10 a. Auffindung in heimatlichen Urkunden.
Nur bei verhältnismäßig wenigen Rittern und Edelknechten gelang es uns, sie vor oder nach ihrem Auftreten auf italienischem Boden auch in ihrer deutschen Heimat urkundlich aufzufinden. Das kommt teils daher, dass die meisten Reiter als junge Edelknechte oder Knappen nach Italien zogen, bevor sie in den heimatlichen Urkunden als selbstständige Persönlichkeit auftraten, teils daher, dass manche lange Zeit – 10 bis 20 und mehr Jahre – in Italien nachweisbar sind und vielleicht immer dort blieben. Viele werden auch in der offenen Feldschlacht oder im nächtlichen Überfall und Hinterhalt ihr Leben verloren haben. Schließlich stellte sich bei manchen Rittergeschlechtern heraus, dass es eine ganze Anzahl gleichnamiger Familien und Burgen gab, z. B. von Lichtenstein, von Berg, von Stein, von Reichenstein u. a., sodass eine Identifizierung zu sehr erschwert wurde. Hier kann nur der ortskundige, heimische Forscher in die Geschichte der einzelnen Geschlechter so eindringen, dass er auch die ins Welschland gezogenen Mitglieder festzulegen vermag.
Immerhin haben wir allein von den im päpstlichen Dienste stehenden Rittern ungefähr 100 in heimatlichen Urkunden wieder angetroffen. Verhältnismäßig leicht waren die hervorragenderen Persönlichkeiten aufzufinden, wie Herzog Otto von Braunschweig, die Grafen Johann und Rudolf von Habsburg, Gottfried von Jülich, Wilhelm von Berg, Otto von Eberstein, Engelbert von der Mark, die Freiherren Berengar, Hermann und Rudolf von Landenberg, die Grafen Konrad, Luz und Eberhard von Landau, Ritter Hanneken (Anechino) von Bongard, der berühmte Söldnerführer; Ritter Gottfried von Bongard, kaiserlicher Konstabular, der sich mit seinem Banner und anderen deutschen Reiterführern beim Sturm auf Fermo 1355 auszeichnete; Graf Heinrich von Flandern, die Grafen von Freiburg, von Neuenburg, von Lupfen, Wartenstein, Eberstein, Tierstein, von Nidau u. a.
Aber auch bei manchen schwierigeren Namen gelang es, den Träger in der Heimat wiederzufinden, zum Teil mit weiteren bemerkenswerten Nachrichten. Ritter Johann von Reischach aus dem bekannten Adelsgeschlecht der Konstanzer Diözese z. B. stand 1356 als Reiterführer im päpstlichen Sold, war später in den Dienst von Florenz und um 1368 in den von Perugia getreten. Wahrscheinlich während seines Aufenthaltes in Italien erhielt er den Beinamen Flasch. In Perugia befehligte er mit Johann von Riethen aus der Diözese Augsburg die Reiterei während des dreijährigen Krieges mit der Kurie. Infolgedessen wurden im Jahre 1370 über beide nicht nur in Italien, sondern auch in Deutschland päpstliche Bannbullen veröffentlicht. Wir sehen aber beide noch im Jahre 1373 mit ihren „Brigaden“ im Peruginer Kriegsdienste. Als Reischach dann aus Italien in die Heimat zurückgekehrt war, hatte er und seine Familie (seine Gattin hieß Anna, sein Sohn wahrscheinlich Konrad) Gewissensbedenken wegen der päpstlichen Zensuren: Er pilgerte nach Avignon, um Absolution zu erbitten. Er erhielt sie, aber unter schweren Bußbedingungen, die ihm ein päpstlicher Pönitenziar auferlegte: der apostolischen Kammer Schadenersatz in Geld zu leisten, eine Sühnekapelle an bestimmtem Orte zu errichten und strenges Fasten zu üben. Erst später wurden ihm leichtere Bedingungen gewährt, da er infolge körperlicher Gebrechen die ersten nicht erfüllen konnte.
In demselben Jahr wird er in der Heimat mit dem gleichen Beinamen (Flach = Flasch) zusammen mit einigen anderen Rittern als Vertrauensmann der Herzöge von Österreich genannt (v. Hornstein S. 33 m).
Von dem im Jahre 1376 zum Marschall des Herzogtums Spoleto ernannten Ritter Hüglin von Schöneck aus Basel besitzen wir nicht nur aus unseren Quellen und dem Baseler Urkb. zahlreiche Daten seiner Laufbahn, sondern auch seinen figürlichen Grabstein und eine wertvolle Portraitstatue in der Katharinenkapelle bei S. Leonhard in Basel (Abbildung nebenan).
Wir lernen ihn zum ersten Mal 1354 als „serviens armorum“ an der päpstlichen Kurie in Avignon kennen (2. Buch S. 201, 1354, 5). Die servientes armorum bildeten eine Art von Palastgarde, die das besondere Vertrauen der Kurie und des Papstes genoss. Sie wurden oft zu wichtigen Missionen politischer und finanzieller Art abgeordnet. Im Unterschied zu den scutiferi oder domicelli pape, die alle aus vornehmen Adelsfamilien entnommen wurden, konnten sie dem einfachen Ritterstand oder auch dem Bürgerstande angehören.
Hüglin wurde auch 1372, obwohl abwesend, in den Listen der servientes weitergeführt und besoldet (ebd. S. 202). 1360 finden wir ihn als Bannerführer im päpstlichen Kriegsdienst in Italien. 1374 und 1375 wird er wiederholt als Bevollmächtigter des im päpstlichen Kriegsdienst stehenden Reiterobersten Berthold von Münchingen aus Schwaben in unseren Akten genannt (2. Buch S. 205 u. 207).
Um für die Kurie besser in Italien wirken zu können, hatte er mehrere Jahre lang seinen Wohnsitz in Vicenza in der Lombardei aufgeschlagen, von wo er 1369 dem Baseler Leonhardstift Reliquien des hl. Theobald aus Gubbio übermittelte und 1375 an demselben Stift sein Anniversar fundierte und für das Kirchenbauamt spendete (ebd. S. 160). Er genoss in Basel hohes Ansehen, wie sein dort aufgestelltes Steinbild zeigt, ebenso in Vicenza, wo man ihn in einer Urkunde als venerabilis dominus bezeichnet findet.
Als Gregor XI., 1376 von Avignon nach Rom zurückkehrte, befand sich Hüglin von Schöneck unter der ritterlichen Schutzwache des Papstes, nachdem er am 17. Juni desselben Jahres die Ernennung zum Marschall des päpstlichen Herzogtums bzw. der Provinz Spoleto erhalten hatte (ebd. S. 159 f.). Wie lange er dieses Ehrenamt bekleidet hat und wann er, vermutlich hochbetagt (nach mindestens 23-jährigem päpstlichen Dienst), gestorben ist, wissen wir nicht.
Ritter Winand Boc oder Buc von Brubach (I 1327, 12) aus der Kölner Diözese, der erst Reiterführer im päpstlichen Dienst und dann Reichsmarschall Ludwigs des Bayern in Pavia war, bekräftigte geraume Zeit später im Jahre 1369 mit seinem schönen Wappensiegel das Landfriedensbündnis zwischen Rhein und Maas als Vertreter des limburgischen Adels.
Einen rheinischen Ritter, Isbrant Pruit, finden wir lange Jahre nach seinem italienischen Kriegsdienst in der Umgebung des Grafen Adolf von Kleve wieder (I 1328, 7 ae).
Auch Kleriker kämpfen im päpstlichen Heere. Von einem Junker Arnold von der Straten erfahren wir, dass er in früher Jugend in den Zisterzienserorden eingetreten war und sogar die Subdiakonatsweihe empfangen hatte. Aber es hielt ihn nicht hinter den Klostermauern. Er trat um 1321 als Edelknecht in das päpstliche Heer der Lombardei, wo er 6 Jahre lang Kriegsdienste leistete. Er verlor dabei 10 Hengste in den Gefechten und erlitt dreimal Kriegsgefangenschaft. Im Jahre 1327 wurde er dann auf sein Ansuchen durch den Papst von den Gelübden dispensiert (I 1327, 6, dazu 2. Buch S. 208, 2). Um dieselbe Zeit stand im päpstlichen Heer ein Herr Johannes de Vienna (nicht Wien, sondern Vienne) mit 40 Edelknechten, der zugleich Domdechant von Le Mans war, wie im Jahre 1347 Erzbischof Balduin von Trier den Pfarrinhaber Gerhard von Dytkirchen und einen Kirchherrn Johann von Hohenfels zum Kriegsdienst gegen Ludwig den Bayern gewann. Auch Graf Friedrich V. von Toggenburg, den wir 1327-29 im päpstlichen Kriegsdienst als Bannerherrn mit nahezu 50 Rittern finden, war 1321 Pfarrinhaber zu Beroldswil und noch 1334 Konstanzer Domherr. Erst um 1336 trat er in den Laienstand zurück und ehelichte Kunigunde von Vatz.
Einen edelfreien Wilhelm von Wevelinkhoven, der 1350 als Korporal unter dem Banner des Statthalters der Romagna stand, können wir seit 1354 in der rheinischen Heimat nachweisen und erfahren, dass seine Eltern während der Abwesenheit Wilhelms ihre Burg Wevelinkhoven dem Kölner Erzbischof zum Offenhaus, d. h. abhängig gemacht hatten. Nach anfänglichem Widerstreben bekannte er sich dann mit dem geschlossenen Vertrag zufrieden. Weiter finden wir in der Heimat wieder den Edelherrn Gerhard von Altenhoven (I 1322, 5), Friedrich von Bylant (II 1354, 40), Rudolf von Colonster (I 1327, 4), Aichelwart von Falkenstein (I 1357, 107), Wilhelm von Eis (I 1353, 141), Heinrich von Ensberg (II 1353, 62), Johann von Gimnich (II 1354, 2013), Ritter Sobb von Iggendorf (IV 1350, 9), Dietrich Judenbret (?) (I 1355, 11), Freiherr Friedrich von Krenkingen (IV 1350, 53), Ritter Johann von Lülsdorf (IV 1350, 43), Junker Heinrich von Merzenich (I 1327, 8), Ritter Mulrepesch von Limburg (I 1322, Nr. 11), Marchelm von Melchingen (II 1353, 814), Hugo von Neuneck (I 1360, 5), Hartnit von Partenstein (I 1356, 101), Heinrich von Ramsberg (II 1354, 28), Walter von Ramstein (IV 1368, 5), Niebelung Stanghe (III 1343, 9), Ritter Burkhard Salzfass (II 1354, 17), Pawin von Hemberg (I 1334, 6), Werner und Stael von Holstein (ebd. 15), Burggraf Gerhard von Odenkirchen (ebd. 19), Werner von Overstolz, Dietrich von Schidderich, Konrad Wolf von Wolfurt, Mulard von Broich, Bertold von Münchingen, Konrad von Schöneck, Konrad von Rayne, die beiden Ritter Konrad Münch von Münchenstein und sein Sohn Johann Münch von M., Hartmann vom Stein, Heinrich von Meldegg. Wahrscheinlich ist ferner Hartmann von Iberg (2. Buch S. 155 von 1328 Nr. 10) Ritter Hartmann II. von Iberg am Inwilerberg (Luzern) und zu Mellingen, Sohn Walters III. von Iberg. Rudgerus von Klingenberg (ebd. Nr. 22) vielleicht der 1301 als Bruder Heinrichs von Kl. genannte Rümelin von Kl. aus dem Bistum Konstanz. Ghelof von St. Gallen (2. Buch S. 114 Nr. 22) gehörte sehr wahrscheinlich der abtlich St. Galler Ministerialenfamilie von Rorschach und Rosenberg an, wo der Name Eglolf erblich erscheint. Unter dem ebd. Nr. 4 genannten Arrigus de Anspurg ist vermutlich der Truchsess Heinrich von Habsburg (1346–62) gemeint. Der Bannerführer Jost de Urun (2. Buch S. 36 Nr. 58) von 1355 ist höchstwahrscheinlich Jost von Moos aus der Urner Ministerialenfamilie, die auch in österreichische Dienste trat. Er war 1333 Burggraf von Neuhabsburg. Ebenso ist hinter dem Bannerherrn Johann de Uri (ebd. S. 61 Nr. 43a) ein Johann von Moos zu vermuten, der 1354 Reichsvogt in Ursern war. Rudolf von Rot (S. 141 Nr. 19, Bannerherr) ist vielleicht als der Stammvater des um jene Zeit emporgekommenen Luzerner Geschlechts von Rot anzusehen. 1352–57 wird Rudolf als Ratsmitglied von Luzern genannt. Sein gleichnamiger Sohn erscheint später als Vogt zu Rotenburg, als Schultheiß und Ammann und ehelichte Elisabeth von Hunoberg. Seine Tochter oder Nichte war verheiratet mit Petermann von Ringgenberg, aus dem alten Dynastenhaus gleichen Namens (Durrer). Ritter Gotfried von Flodorp, der 1354 im Kriegsdienst des Patrimoniums genannt wird (2. Buch S. 115 Nr. 37, 3), erscheint schon 1339 mit seinem Wappensiegel in der niederrheinischen Heimat. Arnold »der Esel« (2. Buch S. 20 Nr. 23) aus stadtkölnischem Rittergeschlecht besiegelte 1355 auf Seiten der Jülichschen Ritterschaft den Tausch von Montjoie gegen Gasten.
Abschnitt 10b
Betrachten wir nun nach diesen Vorbemerkungen die deutschen Landschaften, aus denen unsere Reiter herstammen, so ergibt sich, dass ziemlich ausschließlich West- und Süddeutschland (im alten,
großen Sinne) beteiligt sind. Von Westdeutschland kommt vornehmlich das Rheinland und hier wiederum ganz besonders die Kölner Diözese und die Grafschaft Jülich in Betracht; von Süddeutschland
besonders die alamannischen Gebiete, also die deutsche Schweiz, Baden, Württemberg, Schwaben. Die fränkischen Gaue sind weniger stark vertreten, verhältnismäßig selten Hessen. Zahlreich
erscheinen österreichische Reiter, selten bayerische im päpstlichen Kriegsdienst.
Diese unterschiedlich starke Beteiligung deutscher Gaue an der Italienfahrt hat ihren mehr oder weniger augenscheinlichen Grund in den politischen Verhältnissen. Wir müssen zwei Perioden unterscheiden: Die Zeit Ludwigs des Bayern und die seines Nachfolgers, Karls IV. Zur Zeit des ersteren drehte es sich während der zwanziger Jahre des 14. Jahrhunderts um die Lombardei und den Kampf zwischen Kaiser und Papst, sowie um den Gegensatz zwischen Habsburg und Wittelsbach. Schon 1320 war ja ein Bündnis zwischen Friedrich dem Schönen von Österreich einerseits und König Robert von Neapel und dem Papst andererseits zustande gekommen, mit der Bestimmung, dass sie einander in der Lombardei helfen sollten (vgl. ob. Abschnitt 2 S. 11). Wir treffen deshalb während dieser Zeit vornehmlich österreichische und habsburgische Ministeriale oder Anhänger Friedrichs des Schönen bzw. Gegner Ludwigs des Bayern im päpstlichen Heer. Dazu kam dann die besondere Politik der mächtigen Grafen von Virneburg, die auf Seiten von Johann XXII. standen, und der Grafen von Jülich, die den Papst zur Besetzung des Kölner Erzstuhles mit einem Spross ihres Hauses nötigten – und es auch mit Frankreich nicht verderben wollten. Ebenso ging die Politik der Grafen von der Mark mit Johann XXII. Sie hatten überdies einen ihrer Verwandten, den Grafen Adolf auf dem Lütticher Bischofsstuhl, der einer der hartnäckigsten Gegner Ludwigs des Bayern und Anhänger des Papstes war. Er stand zudem in französischem Sold.
So kommt es, dass wir auch aus der Kölner und Lütticher Diözese viele Reiter während der zwanziger Jahre im päpstlichen Dienste sehen.
Ein ganz anderes Bild tut sich vor uns auf während der Regierung Kaiser Karls IV., der nicht nur den Gegensatz zwischen Papst und Kaiser auszugleichen, sondern auch in ein freundschaftliches Bundesverhältnis umzugestalten wusste. Jetzt treffen wir auch viele Reichsministeriale aus Schwaben und den Rheingegenden unter den päpstlichen Reitern an. Dass verhältnismäßig wenig Reiter aus Hessen und Franken damals nach Italien zogen, hat seinen Grund in den dortigen Gegensätzen und Fehden zwischen Rittern und Landesherren. Die bekannten Ritterbünde ließen hier alle Kräfte im eigenen Land notwendig erscheinen. Nord- und Ostdeutschland aber sandten die verfügbaren Männer noch unter dem Zeichen der „Heidenfahrten“ zur Kolonisation im Osten wie zu den Kämpfen des Deutschordens mit Polen und Litauen oder zu den Kriegen der Hanse mit Dänemark. Doch zeigen uns mehrere hervorragende Vertreter des norddeutschen Rittertums wie die Herzöge von Braunschweig, der ostfriesische, sagenberühmte Held Otto ten Brok und Herr Heinrich von Mecklenburg, dass auch von dort der Ritt ins Wälschland unternommen wurde.
Quelle: Karl Heinrich Schäfer: Deutsche Ritter und Edelknechte in Italien während des 14. Jahrhunderts. Paderborn, 1910.
