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Wappen und Siegel der deutschen Ritter

Persönlicher Wappenschild und -Siegel waren im Mittelalter, namentlich im 13. und auch noch im 14. Jahrhundert, regelmäßig ein Vorrecht des Adels: der Könige, Bischöfe, Fürsten, Edelherren, Ritter und Rittermäßigen. Ja, erst seit dem ausgehenden 13. Jahrhundert haben die Rittermäßigen des 7. Heerschildes begonnen, eigene Wappen zu führen. Und im 14. Jahrhundert hatte noch lange nicht jeder Edelknecht ein eigenes Siegel. Unsere Ritter und Edelknechte in Italien haben nun, wenigstens soweit sie conestabiles (also Bannerherren), d. h. Führer und Bannerherren oder caporales (Unterführer) waren, Wappenschild und Siegel geführt, auch wenn sie nicht den feierlichen Ritterschlag empfangen hatten und den auszeichnenden Titel »Herr« (dominus) und »Ritter« (miles) trugen. Neben ihnen haben sicher auch alle Reiter, die sich des Rittertitels erfreuten, ohne Führer oder Unterführer zu sein (vgl. oben S. 109 f.), Wappenschild und Siegel besessen. Zwar sind uns im Vatikanischen Archiv selbst keine von deutschen Rittern ausgestellten Urkunden erhalten, wohl aber in anderen Archiven, namentlich in Mantua. Hier werden auch die beiden einzigartigen Wappenurkunden deutscher Ritter mit 10–6 farbigen Schilden aufbewahrt, die ich jüngst veröffentlichen und erläutern konnte. Unter ihnen sind mehrere Schilde von Landsleuten, die wir vom päpstlichen Kriegsdienst her kennen. Dann sei auf die wertvollen Fresken mit 26 Schilden und Helmzierden ritterlicher Volksgenossen, auf ihre Wappenröcke und die mit ihren Wappen geschmückten Streitrosse in der St. Georgskapelle zu Verona hingewiesen, die an anderer Stelle vorgelegt werden sollen. Aus alledem geht ebenfalls, wie schon aus Abschnitt 11 hervorgeht, dass unsere deutschen Reiter in Italien ohne jeden Zweifel ritterlich waren und einem der Heerschilde, meist schon von ihrem Geburtsstand her, zugehörten. In eine heraldische Würdigung dieser neuen Funde näher einzugehen, ist hier nicht der Platz. Wohl aber mag bemerkt werden, dass jeder Bannerherr in seinem Fähnlein das eigene Banner meist von einem besonderen Bannerträger (bannerarius: besonders in Pisa und im 2. Buch I 1334 No 1 ff. S. 13 ff.) vorantragen ließ. So zeigt sich auch hier die alte Übung, vornehmlich die Fahne oder das Banner (seit dem 12. Jahrhundert) zur Anbringung des Ritterwappens zu benutzen. Im Fähnlein selbst konnten daneben die rittermäßigen Reiter (nicht die Sarrianten, Knappen, raggazini) ihr eigenes Wappenschild führen.

Besonders beachtenswert ist dann, wie sich auch in Italien die Beobachtung bestätigt, dass das Wappenwesen gerade bei den Deutschen tief wurzelt, mit ihrem Denken und Tun eng verbunden ist, dass das Wappen des deutschen Ritters sein Ich und seine Ehre, die Geschichte seines Geschlechtes versinnbildlicht, während es für den Italiener eine Äußerlichkeit bleibt, die man ablegen und wechseln kann, wie ein Kleid. Zum Beweis dafür mag die köstliche Erzählung bei dem italienischen Novellisten des 14. Jahrhunderts Sacchetti herangezogen werden, von einem Florentiner Ritter aus dem bekannten reichen Geschlecht der Bardi. Er war um 1350 zum Podestà von Padua erwählt worden und schickte sich an, diesen Stadt-Oberhaupts-Posten würdig anzutreten als Ritter mit zahlreicher Umgebung. Waffen und Harnisch waren bereit. Noch hatte er keine Helmzier und fragte seine Freunde um Rat, was für eine ihm am schicklichsten sei. Da er klein von Gestalt war, kam man überein, das Gegenstück von dem zu tun, was kleine Frauen machen, indem sie sich durch hohe Absätze vergrößern: Er solle einen aufgerichteten halben Bären als Helmzier nehmen mit dem Motto »Scherz nicht mit dem Bären, sonst wirst du gebissen.« Gesagt, getan. Schon kam der Tag des Auszugs, und mit großer Feierlichkeit nahm der Ritter mit der stolzen Bärenzier Abschied von Florenz. In Bologna, wo er durchritt, machte er mit seiner reichen Begleitung und seinem gewaltigen Helme großen Eindruck. Bald kam man nach Ferrara, wo er noch stolzer einritt bis auf den Marktplatz, wo viele Soldaten des Markgrafen saßen. Da erhob sich ein riesengroßer deutscher Ritter, der Herr von Scheidegg, der die Helmzier erstaunt betrachtet hatte, und rief laut seinen Kameraden in deutscher Sprache zu: »Was ist denn das für einer, der meine Helmzier trägt?« und gleich befahl er seinem Knappen, Hengst und Rüstung zu bringen, um mit jenem zu kämpfen, den er einen Verräter schelten wolle. Vergeblich suchte man ihn zu besänftigen von italienischer Seite. Er schickte zwei Bevollmächtigte zu der Herberge, wo inzwischen der Ritter de Bardi abgestiegen war. Sie stellten die Forderung, entweder Beseitigung der Helmzier oder Zweikampf mit dem deutschen Ritter. Das war eine üble Überraschung und ein schwerer Schlag für den stolzen Florentiner. Er gab alle möglichen Erklärungen, dass er nicht zum Kampf, sondern zum Amt des Podestà gekommen sei und alle in Ferrara als seine Freunde betrachte. Die Helmzier wollte er gern retten, an Zweikampf dachte er nicht. Als ihm kein Ausweg blieb, sagte er: »Die Helmzier hat mich 5 Gulden gekostet, wenn der deutsche Herr sie unbedingt verlangt, will ich sie ihm für den gleichen Preis verkaufen.« Die Botschaft erregte große Heiterkeit bei unseren ritterlichen Landsleuten, und gleich wurde ein Knecht mit 5 Zechinen hingesandt, um die Helmzier zu holen. So blieb der Florentiner ohne Kopfbedeckung und suchte in ganz Ferrara nach Ersatz. Schließlich fand er bei einem Schilderer einen alten Helm mit einem halben goldbekleideten Mann mit einem Schwert in der Hand als Zierde. Den kaufte er, ließ ihn aber vorsichtigerweise etwas umändern und zog beglückt von dannen.

Ein anderer italienischer Ritter, so erzählt derselbe Sacchetti, hatte einen Pferdekopf auf dem Helme. Den sah eines Tages ein deutscher Ritter mit derselben angeerbten Zier. Er stellte sogleich an den Italiener die Forderung, entweder seine Zier abzulegen oder mit ihm zu kämpfen. Das aber wollte jener vermeiden und fing es schlau an. Er fragte: »Was für eine Helmzier führt denn der gestrenge Herr?« »Einen Pferdekopf!« war die Antwort. Da sagte der Italiener bescheiden: »Aber ich habe nur den Kopf einer Stute.« Mit diesem Bescheid gab sich der Deutsche zufrieden, der Italiener aber vermied den Zweikampf, bei dem er wohl nicht gut abgeschnitten hätte.


Quelle:  Karl Heinrich Schäfer: Deutsche Ritter und Edelknechte in Italien während des 14. Jahrhunderts. Paderborn, 1910.