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Die Kämpfe Österreichs mit den Osmanen vom Jahre 1526 bis 1537 - Sechstes Kapitel

Güns zur Zeit der Belagerung im Jahre 1532.
Güns zur Zeit der Belagerung im Jahre 1532.

Die Stadt Güns. — Belagerung derselben durch Suleiman, Verteidigung durch Jurischitsch. — Eine scheinbare Übergabe der Stadt wird vereinbart. — Abzug des türkischen Heeres. — Ansammlung von Truppen um Wien unter dem Pfalzgrafen Friedrich. — Zug der Türken durch Steiermark. — Graz und Marburg von den Türken bedrängt. — Rückkehr des Sultans nach Konstantinopel. — 1532.

 

 

Die Stadt Güns (Kőszeg) — als Grenzort zwischen Steiermark und Ungarn zu wiederholten Malen den Angriffen von beiden Seiten ausgesetzt — war schon seit älteren Zeiten her befestigt. Die mit acht Türmen verstärkte Ringmauer war von einem bei vierzig Meter breiten und gegen zehn Meter tiefen Graben umgeben; nur durch zwei Tortürme war die Verbindung mit dem Außenfelde mittels Zugbrücken hergestellt. An der Nordwestseite der Stadt, innerhalb der Ringmauer, befand sich das im Jahre 1236 durch den Günsinger Grafen erbaute, von einem Graben umgebene Schloss, dessen zwei Türme das Vorfeld beherrschten.1 Die Stadt mit dem Schloss war nach dem Tode des Königs Matthias, 1490, an Österreich gefallen, bei welchem sie durch anderthalb Jahrhunderte verblieb; seit 1529 war sie als Pfandlehen an Niklas Jurischitsch vergeben. Die Zahl der Einwohner der Stadt betrug kaum 8000, doch hatten sich der Türkengefahr wegen die Bewohner der Umgebung, besonders eine Menge Greise, Weiber und Kinder, dahin geflüchtet. Jurischitsch war eben im Begriffe, mit seinen Leuten (10 schweren Reitern und 28 Husaren, d. i. leichten Reitern) nach Wien zu ziehen, um sich dem Heere des Kaisers anzuschließen, als der Großvezier am 6. August 1532 mit einem Teile des türkischen Heeres vor der Stadt eintraf und sie einschloss.2

 

In der Hoffnung, den Feind doch einige Tage aufhalten zu können und dann einen ehrenvollen Tod zu finden, fasste nun Jurischitsch den Entschluss, in der Stadt zu bleiben, obwohl die Zahl der Bewaffneten nebst seinen eigenen Leuten kaum über 700, meist in den Waffen kaum geübte Bürger und Bauern betrug.3

 

Vor dem Eintreffen der Türken hatte Jurischitsch noch die unmittelbar vor der Stadt gelegenen Vorstadthäuser niederbrennen und die Gräben reinigen lassen; andere Verteidigungsvorkehrungen konnten nicht mehr getroffen werden, nachdem die Absicht, die Stadt ernstlich zu verteidigen, erst im letzten Augenblicke gefasst wurde. Geschütze scheinen in der Stadt keine gewesen zu sein, die Zahl der Feuergewehre dürfte sich auf wenige Wallbüchsen, die sich im Schlosse befanden, beschränkt haben. Der Vorrat an Schießpulver konnte erst kurz vor dem Eintreffen der Türken auf wenige Zentner ergänzt werden.

 

Einige Tage später, den 9. August, traf der Sultan vor der Stadt ein und bezog südlich derselben ein Lager.4 Von hier aus entsandte der Sultan die Akindschi — die »Renner und Brenner« — unter Kasimbegs Führung nach Österreich zur Verwüstung des Landes.

 

Die Türken begannen gleich mit den Belagerungsarbeiten und errichteten an vier Orten Batterien, von welchen besonders jene mit acht Geschützen auf dem westlich gelegenen Weinberge (welcher die Stadt um 40 bis 50 Meter überhöhte) der Umfassungsmauer und dem Schlosse großen Schaden zufügte. Obwohl die Türken nur leichte Geschütze hatten — Falkonette und Falkonen, Vier- bis Zehnpfünder — wurde schon am dritten Tage nach Beginn der Beschießung die Brustwehr (Jurischitsch sagt »Hochwehr«) eingeschossen und darauf der Versuch gemacht, die Mauern mit Leitern zu ersteigen. Der Versuch misslang zwar, es blieb aber nicht bei dem einen Versuche, der Sturm wurde an diesem Tage nach und nach mit frischem Volke elfmal wiederholt. Vom 14. August an versuchten die Türken durch Petarden, Minen und mittels Untergrabungen die Stadtmauern zum Einsturz zu bringen. Es gelang ihnen auch, eine Strecke von zehn Klaftern niederzuwerfen, worauf durch anderthalb Stunden der vergebliche Versuch gemacht wurde, über die Bresche in die Stadt zu dringen. Während dieses Sturmes stand Suleiman mit seinem Großvezier und den noch immer im Lager zurückgehaltenen Gesandten Ferdinands auf der Höhe der Weinberge, um den Verlauf des Kampfes zu beobachten.5

 

Nachdem die auf den Höhen gelegenen türkischen Batterien nicht nur die Stadtmauern beschossen, sondern auch über die Häuser der Stadt hinweg die auf der entgegengesetzten Seite derselben stehenden Verteidiger im Rücken bedrohten, ließ Jurischitsch daselbst mit Brettern und Balken Deckungen und Rückenwehren errichten. Auch die Versuche der Türken, den Graben mit Faschinen auszufüllen und an der Stadtmauer Bollwerke aus Holz zu errichten, welche selbe überhöhten, um von hier aus die Verteidiger mit Handgeschossen zu überschütten, misslangen. Die Verteidiger brachen in der Nacht Löcher

 

am Fuße der Stadtmauer und steckten die Bollwerke in Brand, indem sie mit leicht brennbaren Stoffen gefüllte Fässer unter dieselben warfen und sie entzündeten. Bei einem Sturme am 27. August gelang es den Türken wiederholt, ihre Fahnen auf der Stadtmauer aufzupflanzen; jedesmal wurden sie aber wieder hinabgestürzt.

 

Am 28. August zur Übergabe der Stadt aufgefordert, erwiderte Jurischitsch: »Nicht ihm, sondern seinem Herrn, dem Könige, gehöre Schloss und Stadt; sie seien ihm nur anvertraut, und er werde sie daher auch niemandem überliefern, so lange er lebe. Ebenso könne er auch nicht Tribut zahlen, den er nicht habe.6 Zweimal noch wurde diese Aufforderung zur Übergabe der Stadt, und zwar mit der Frage wiederholt, ob Jurischitsch keine andere Antwort geben wolle?

 

Zwei Stunden später wurden im türkischen Lager die Heerespauken gerührt und abermals der Versuch gemacht, mit aller Gewalt in die Stadt zu dringen. Es war dies der achtzehnte und auch der letzte Anlauf, zu dem die Türken von ihren Offizieren schon mit Schlägen angeeifert werden mussten. Achtmal wehten die Fahnen der Angreifer schon auf den Wällen, jedesmal wurden sie wieder herabgeworfen. Endlich gelang es ihnen, in die Bresche einzudringen; mit großem Verluste mussten sich die Verteidiger auf den hinter derselben hergestellten Wall zurückziehen. Da erhob das in der Stadt angesammelte Volk — den unvermeidlichen Untergang voraussehend — ein so durchdringendes Geschrei, dass die Angreifer, in dem plötzlichen Lärm eine unerwartet anrückende Hilfe vermutend, gegen Mittag vom Sturme abließen und sich mit dem Verluste zweier Fahnen zurückzogen. Die Belagerten waren über diese überraschende Wendung selbst so erstaunt, dass sie selbe nur einem Wunder zuschreiben zu können glaubten.7

 

Drei Stunden später kamen vier Türken als Abgesandte des Großveziers zur Stadt, welche die Botschaft brachten, dass Jurischitsch wegen der tapferen Verteidigung derselben beim Sultan Gnade gefunden habe, und denselben aufforderte, sich zu einer Unterredung in das türkische Lager zu begeben.

 

Im Bewusstsein, dass die Stadt nicht länger mehr zu halten wäre,8 entschloss sich Jurischitsch nach kurzer Beratung, einen Geleitsbrief zu verlangen, und verfügte sich nach Erhalt desselben — obwohl selbst verwundet — zu Ibrahim, in der Hoffnung, ehrenvolle Übergabebedingungen erwirken zu können oder doch Zeit zu gewinnen. Sicherheitshalber beließ er zwei der Boten in der Stadt zurück und ordnete vor seinem Abgang an, man möge, wenn ihm ein Leid geschähe, keine Rücksicht auf ihn nehmen.

 

Von Ibrahim wurde Jurischitsch wohlwollend empfangen und zuerst über sein Befinden befragt. Auf die weitere Frage, ob er denn von seinem Herrn noch Hilfe erwarte, ging Jurischitsch nicht ein. Als aber Ibrahim ihm mittheilte, dass er beim Sultan Gnade für ihn erwirkt habe, dass dieser ihm Stadt und Schloss und alles, was darin wäre, schenke, und ihn dann aufforderte, zum Sultan zu gehen, erwiderte Jurischitsch ausweichend — indem er dem Großvezier den Kleidsaum küsste —, er wisse, dass der Sultan jedenfalls gut heißen würde, was Ibrahim verspreche. Der jeder Schmeichelei zugängliche Großvezier, welcher mit der Annahme des Geschenkes auch die Berechtigung, es zu gewähren, anerkannt sah, stand nun von jeder weiteren Forderung ab.

 

Auf Jurischitsch’ Ansuchen wurde hierauf die in den Laufgräben zurückgebliebene türkische Besatzung zurückgezogen, zur Bewachung der Bresche aber und der Stadttore eine türkische Wache gegeben, welche am 29. August aufzog und auf dem höchsten Turm der Stadt eine Fahne aufpflanzte.9

 

Als ein Janitscharenhauptmann, der Jurischitsch zurückgeleitete, das Schloss und die tapferen Ritter, welche es verteidigten, zu sehen verlangte, wurde ihm dies unter dem Vorwande, dass es Spanier und Deutsche wären, auf die Jurischitsch zu wenig Einfluss habe, verweigert.10 Für Ibrahim und die anderen Hauptleute schickte nun Jurischitsch alles Silberzeug, das er im Besitz hatte, und erhielt dagegen im Namen des Sultans ein Ehrenkleid.11 Der Anforderung, nach dem Abzug des türkischen Heeres die später kommenden Kranken und Nachzügler unbehelligt zu lassen, wurde selbstverständlich entsprochen.

 

Dass Güns dem Andränge der Türken nicht länger mehr widerstehen konnte, scheint weder der Großvezier noch der Sultan rechtzeitig erkannt zu haben, und deshalb begnügte sich ersterer, der Jurischitsch schon seit seiner Verwendung als Gesandter kannte, mit einem Scheinerfolge, der ihm unter den gegenwärtigen Verhältnissen erwünscht schien, und den anzunehmen er auch den Sultan leicht überredete.

 

Während im türkischen Lager die Scheincapitulation von Güns als ein errungener Sieg gefeiert wurde (der Muteferika, welcher dem Sultan die Nachricht von der Übergabe der Stadt überbrachte, wurde ebenso wie Ibrahim reich beschenkt), schrieb Jurischitsch an König Ferdinand, dass er vermute, der Türke werde nicht nach Wien aufbrechen, sein Vorhaben wäre vielmehr, das Land bis Slavonien zu verheeren und sich zu rühmen, der Kaiser habe nicht offen sich im Felde mit dem Sultan zu messen.

 

Am 30. August, nachdem der Sultan noch die Nachricht von der Einnahme Ödenburgs erhalten hatte, wohin von Wien aus Truppen zur Beunruhigung des türkischen Lagers geschickt worden waren, empfing er die Glückwünsche seiner Würdenträger und zog am 31. nach Eisenstadt, das bereits von seinen Truppen besetzt war. Von hier aus wurden die Gesandten Ferdinands mit einem Schreiben Ibrahims entlassen, worin er die Absicht des Sultans bekannt gibt, den Rückzug anzutreten, weil dieser den so eifrig gesuchten Kaiser Karl V. nicht gefunden habe. Die Gesandten wurden durch 500 Reiter Steyren Brück an der Leitha geleitet; von dort Wien weiterreitend, sahen sie dann die in ihren Rücken gelegenen Orte in Flammen aufgehen.

 

Unwillkürlich stellt man die Frage, weshalb Suleiman an der kleinen, kaum gerüsteten Stadt Güns nicht vorüberzog, und ob sie beobachten zu lassen, nicht vollkommen genügt hätte.

 

Dass die Donauflottille, welche die schweren Geschütze gegen Wien bringen sollte, erst bis Gran gelangt und dort aufgehalten worden war, konnte dem Sultan bei seinem Eintreffen vor Güns wohl bekannt sein. Bevor das türkische Heer die schweren Geschütze an sich gezogen hatte, konnte aber an eine Belagerung der Stadt Wien nicht gedacht werden. Es lag daher nahe, noch vor dem Weitermarsch durch die Eroberung von Güns einen allem Anschein nach leichten Erfolg zu erringen. Durch den unerwarteten Widerstand, welchen die kleine Stadt Güns leistete, ging aber Zeit verloren, und die Witterungsverhältnisse konnten bei längerem Zögern dem türkischen Heer ebenso verderblich werden wie vor drei Jahren; endlich kamen die Nachrichten über die Heeresmassen, welche sich zum Teil um Wien bereits gesammelt hatten und noch erwartet wurden. Es waren dies wohl Gründe genug, um das Aufgeben des gegen Wien gerichteten Zuges berechtigt zu finden. Um aber den Rückzug vor Einnahme der Stadt Güns, deren Widerstandsfähigkeit sowohl von Ibrahim wie vom Sultan überschätzt worden sein dürfte, nicht als einen erlittenen Misserfolg erscheinen zu lassen, begnügte man sich auch mit der scheinbaren Übergabe dieser kleinen, so tapfer verteidigten Stadt, um dadurch in den Augen der Türken alle durch ihre Geschichtsschreiber für diesen Rückzug später geltend gemachten prahlerischen Scheingründe glaubwürdig erscheinen zu lassen.12

 

Um den Rückzug durch die von den Türken bereits ausgesogenen Landstriche des südwestlichen Ungarns zu vermeiden, wohl auch um die Länder des Kaisers möglichst zu schädigen, vielleicht auch in der Hoffnung, durch die Wegnahme der zur Verteidigung kaum vorbereiteten blühenden Stadt Graz noch einen leichten Erfolg erringen zu können, entschloss sich der Sultan, den Weg durch die vom Kriege bisher verschont gebliebene Steiermark einzuschlagen.

 

Von Eisenstadt wandte sich der Sultan gegen Wiener-Neustadt, wo Michael Lamberg alle Vorbereitungen zu einer hartnäckigen Verteidigung getroffen hatte, berührte jedoch diese Stadt nicht, sondern zog auf die Nachricht einer zur Kundschaft über Gloggnitz gegen Schottwien entsendeten Türkenschar, dass die Straße über den Semmering durch eine Befestigung bei der Burg Klamm abgesperrt wäre, mit dem Großteil seines Heeres nach Süden, durch das Pittenthal.13

 

In Wien wurde zwar seit 1529 mit Eifer an der Umgestaltung der Festungswerke nach neuerem System gearbeitet, der beständige Geldmangel machte jedoch die energische Durchführung der begonnenen Arbeiten in so kurzer Zeit unmöglich.14 Einem erneuten Angriff der Türken, wie vor drei Jahren, hätte die Stadt nun ohne ergiebige Hilfe von außen kaum zu widerstehen vermocht. Um die Türken an der Ostgrenze des deutschen Reiches aufzuhalten, musste man ihnen ein starkes, wohlgerüstetes Heer in offenem Felde entgegenstellen können.

 

Schon Ende Mai 1532 hatte der Reichstag zu Regensburg, zwar nicht wie Kaiser Karl V. wollte, 60.000 Mann,15 aber doch 40.000 bewilligt, welche bis 15. August unter Führung des Pfalzgrafen Friedrich, Herzog in Baiern, bei Wien versammelt sein und vorläufig am linken Ufer der Donau, auf dem Wolfsfelde, d. i. zwischen der Brücke über den nördlichen Arm der Donau bis gegen Korneuburg, ein Lager beziehen sollten. Der Kaiser selbst hatte die Sendung von 40.000 Mann — Italiener, Spanier und deutsche Landsknechte — in Aussicht gestellt und den Ankauf von schweren Geschützen in Nürnberg angeordnet. Der Papst hatte seinen Neffen, den Cardinal Hippolyt von Medici, mit 100.000 Goldgulden zur Anwerbung ungarischer Truppen nach Deutschland gesandt.16 Böhmen und die übrigen Länder Ferdinands hatten hohe Steuern bewilligt und die Beistellung von Truppen in reichlichem Maße zugesagt. Doch war die Ausführung aller dieser Maßnahmen wieder eine so lässige, dass die Erwartung des Kaisers, gegen Ende August schon ein Heer von mehr als 85.000 Mann in und um Wien versammelt zu sehen, nicht erfüllt wurde.17 Zur Zeit, als die Türken schon an der österreichischen Grenze standen, war ein großer Teil der Truppen noch sehr weit von Wien entfernt. Obwohl der hohe Wasserstand der Donau den Transport der Truppen sehr erschwerte, waren Anfang September von den Reichstruppen erst 22.000 Mann in Wiens Umgebung,18 und die Truppen des Kaisers dürften kaum früher angelangt sein.19

 

Als die Nachricht vom Abzug des Sultans von Güns in Wien eintraf, wurden von den daselbst stehenden Truppen unter dem Oberbefehl Johann Katzianers 2200 deutsche Reiter unter Montfort und Losenstein sowie eine Anzahl leichter Reiter unter Bakic zur Beobachtung des Feindes entsendet. Als Katzianer am 8. September in Wiener-Neustadt eintraf, hörte er, dass das türkische Heer schon vor einigen Tagen an dieser Stadt vorbeigezogen wäre, ohne sie zu berühren, dann aber den Weg durch das Pittenthal und über den Wechsel gegen Graz eingeschlagen habe.20 Auf den Rat des Bakic zog nun Katzianer nicht dem Feinde unmittelbar nach, sondern schlug den weniger beschwerlichen und deshalb näheren Weg über den Semmering nach Steiermark ein, wohl in der Hoffnung, die nur schwach besetzte Stadt Graz noch vor dem Eintreffen der Türken erreichen zu können.

 

Der Sultan, welcher durch das Pittenthal und über den Wechsel gezogen war, langte am 5. September bei Dechantkirchen an. Von seitwärts streifenden Horden traf eine am 7. vor Kirchberg ein, wo die Besatzung die Übergabe des Schlosses verweigerte; eine zweite Horde beschoss das am Südabhange des Wechsel gelegene Schloss Festenberg. Am 6. langte der Sultan vor Grafendorf an, wo die Bewohner sich in die Kirche geflüchtet hatten; die Türken legten an den Türen Feuer an und erstickten die Unglücklichen. Über Hartberg traf der Sultan am 9. bei Maierhöfing (Höfing an der Feistritz?) ein und zog über Picheisdorf (am 10.) und Gleisdorf gegen Graz, vor welcher Stadt die ersten Haufen der Türken am 11. eintrafen.

 

Infolge heftiger Regengüsse und schlechter Wege hatten die Türken in dem gebirgigen Lande arg zu leiden; sie hielten sich daher auch nicht lange auf und zogen oft selbst an schwach befestigten Orten, ja sogar an Kirchen, hinter deren Umfriedungsmauern die Bewohner Schutz gesucht hatten, vorbei, ohne sie anzugreifen. An manchen Orten fanden sie auch ernsten Widerstand: So brachten Bauern am 9. September 46 Pferde nach Graz, welche sie am Tage zuvor den Türken bei einem Überfall abgenommen hatten, und bei Gleisdorf überfiel ein Herr von Polkau (oder Petowa) eine lagernde Türkenschar im Schlaf, musste aber bald der Übermacht weichen und wurde mit mehreren seiner Leute gefangen und enthauptet.21 Unsäglich hatte aber das Land zu leiden, wo Raub, Mord und Brand weit und breit längs der Heerstraße den Zug der Türken kenntlich machten.

 

Während der Sultan in Gleisdorf verblieb, wo die Häuser zwar niedergebrannt wurden, die Bewohner aber in dem zur Verteidigung eingerichteten Tabor Schutz fanden,22 begann am Morgen des 12. September der Zug der Türken an Graz vorüber. Da dichter Nebel die Aussicht verwehrte, wurde erst nach dem Aufsteigen desselben von den Mauern der Stadt aus und vom Schlossberge ein nicht unwirksames Feuer auf den vorüberziehenden Feind eröffnet, das nur mit geringerem Erfolg erwidert wurde.23 Ein Ausfall konnte bei dem Mangel an wehrhaften Leuten, die zumeist nach Wien gezogen waren, nicht unternommen werden. Der Zug der Türken an der Stadt vorüber währte den ganzen Tag hindurch, und als gegen Abend der Sultan selbst sich nahte, ließ er unter Paukenschall durch die Janitscharen einige Gewehrsalven gegen die Mauern der Stadt abgeben. Nachts lagerte der Sultan in Harmsdorf und setzte nach Niederbrennung der Murvorstadt und der umliegenden Orte am Morgen des 13. September den Marsch fort.24

 

Nach dem Abzug der Türken, am Morgen des 13., nach einem beschwerlichen Marsche, traf auch Katzianer in Graz ein. Wegen Ermüdung der Pferde konnte die Verfolgung des Feindes mit den schweren Reitern nicht gleich aufgenommen werden, doch eilte er am folgenden Tage mit den wehrfähigen Bürgern aus Graz und einigen Reitern den Türken nach, welche schon seit dem vorigen Tag bei Fernitz die Mur mit den notdürftigsten Mitteln, sogar schwimmend, zu übersetzen im Begriffe waren, und soll ihrer Nachhut erhebliche Verluste beigebracht haben.25 Mit einiger Beute und vielen Gefangenen kehrte er nach Graz zurück, um auf dem Wege, welchen der Sultan herübergezogen war, nach Österreich aufzubrechen, wo er noch Gelegenheit fand, den zurückkehrenden Scharen Kasimbegs den Einbruch nach Steiermark zu verwehren.26

 

Schon am 15. September lagerte der Sultan auf dem Leibnitzer Felde, wo aus dem Sulm- und Saggau-Tale reichliche Vorräte zugebracht wurden. Der Markt Leibnitz wurde geplündert, die Bewohner, welche in einer Kirche mit ihrer Habe Zuflucht gesucht hatten, nach dem Einreißen derselben teils gefangen, teils ermordet. Um vom Murthal in das Drauthal zu gelangen, musste auf beschwerlichem Wege das Posruck-Gebirge überschritten werden. St. Egyd und die anderen an der Straße gelegenen Orte wurden niedergebrannt und die Burg bei Witschein erstürmt.

 

Schon am 15. September langten mehrere Haufen Türken vor Marburg an: Einer derselben begann sogleich die Stadt, welche man der Draubrücke halber zu gewinnen suchte, zu bestürmen, während ein anderer auf einer Furt unterhalb der Stadt die Drau überschritt und sich über das Draufeld ergoss. Am 17. langte der Sultan selbst vor der Stadt an, die vom Richter Willenrainer verteidigt wurde.27 Nachdem die Versuche, die Stadt zu nehmen, missglückt waren, wurde unter des Großvezirs Aufsicht oberhalb der Stadt, bei Lembach, mit Zuhilfenahme der Mühlen der Umgebung eine Brücke geschlagen. Erst am 21. September konnte der Übergang des Heeres über den Fluss beendet werden. Infolge der Nachricht, der Feind greife die Nachhut an, entstand auf der Brücke eine Panik, welche große Verluste an Mannschaft und Gepäck zur Folge hatte.

 

Während des Aufenthaltes bei Marburg und auf dem Pettauer Felde wurden die Schlösser Lembach und Burg Schleinitz erobert, und nebst vielen anderen Orten und Schlössern gingen auch Gonobitz, St. Oswald und Obdach in Flammen auf. Vor der Burg Pfaffenstein wurden die Türken zurückgewiesen.28 Türkische Horden durchstreiften die Gegend bis Neuhaus und Cilli; einige gelangten sogar bis St. Leonhard im Lavanttal und von da über die Wildalpe nach Hüttenberg, wo sie vom Landeshauptmann Veit Welzer angegriffen und zerstreut wurden.29 Nach dem Übergange über die Drau wurde Ibrahim für seine unermüdliche Tätigkeit abermals vom Sultan reich beschenkt. Am 26. September wurde die Brücke oberhalb Marburg durch Nachzügler in Brand gesteckt.

 

Das türkische Heer zog nun am rechten Ufer der Drau auf ungebahnten Wegen und unter fortwährenden Regengüssen über das Kalusgebirge nach Viniza in Kroatien und setzte den Weg über Warasdin fort. Daselbst tötete eine Kugel aus dem Schloss Rassina einen Bruder des Defterdar Schaaban, worauf die Stadt unter allgemeinem Gemetzel der Einwohner niedergebrannt wurde.30 Hier trennte sich das Heer; der Sultan zog mit den Janitscharen und den Sipahis in der Drauebene weiter, über Capronza (Koprainiza) und Voröcze nach Posega, das er einnahm und niederbrannte, während Ibrahim mit dem Nachtrab des Heeres über Kreuz, Gudovez und Chasma der Save zuzog, um sich bei Belgrad wieder mit dem Sultan zu vereinigen.31 Die unweit Essego gelegenen Schlösser Podgaracs und Nassicz sandten ihre Thorschlüssel als Zeichen der Unterwerfung; Suleiman verlieh sie mit ihrem Gebiet dem Großvezier als Lehen zur Belohnung des glücklich beendeten Raubzuges. Gegen 30.000 Sklaven schleppte das türkische Heer aus Steiermark, Ungarn und Kroatien mit sich. Jenseits des Flusses Bossut — einem kleinen Wasser, das sich von Vinkovce gegen die Save wendet — wurde der Sklavenraub eingestellt, weil hier das Gebiet des Sultans begann.32

 

Am 12. Oktober hielt der Sultan, nachdem er wieder mit dem Großvezier zusammengetroffen war, seinen Einzug in Belgrad. Von hier aus wurde ein Siegesschreiben an den Dogen von Venedig geschickt, in welchem der Abzug des Sultans wieder mit den schimpflichsten Schmähungen gegen den Kaiser zu verdecken gesucht wurde.

 

In Konstantinopel langte der Sultan am 18. November an, wo fünf Tage hindurch ein Siegesfest gefeiert wurde. Bei den osmanischen Geschichtsschreibern wird der Zug Suleimans im Jahre 1532 als »der alemanische Krieg wider den König von Spanien« angeführt.

 

 

1Von den alten Befestigungen der Stadt Güns sind noch viele Reste zu sehen. Die genaueren Nachrichten über dieselben verdanke ich der Mitteilung des in der Militär-Unterrealschule daselbst kommandierten Herrn Major Stephan Muchar, der mir auch zwei durch Herrn Hauptmann Ferdinand Kuzek hergestellte Kopien eines im Stadthause daselbst befindlichen Ölgemäldes mit der Ansicht der Stadt sowie eines Kupferstiches aus dem Jahre 1745 mitteilte, nach welchen die Form der Befestigung mit ziemlicher Genauigkeit sichergestellt werden kann.

 

2Martin Rosnak, „Belagerung der königlichen Freistadt Güns im Jahre 1532“, gibt den 6. August als Ankunftstag des Großveziers an. Die anonyme Schrift: „Die türkische Belagerung von Güns“ setzt die Ankunft des ganzen türkischen Heeres zwischen den 6. und 10. August fest.

 

3In einem Bericht an König Ferdinand vom 28. August 1532 sagt Jurischitsch: „Aber demnach, gnädiger König, hab ich gedacht Euer Königl. May. und der ganzen Christenheit Wohlfahrt und Nutz, und hab daran gesetzt mein Leib und Gut und ein Mehreres, etlich tausend Frauen, Jungfrauen, junge Mannspersonen, und darunter viel mehr, die hereingeflohen sind, vor dem Tod des grausamen Feindes, und hab mich unterstanden, also den schlechten Flecken des tyrannischen Kaisers und seiner Macht, wie er dann in eigener Person hier vor der Stadt liegt, zu wahren, nicht darum, dass ich hätt gedacht, mich seiner Macht zu erwehren, sondern allein ihn aufzuhalten eine Zeitlang, damit Euer May. mit dem römischen und christlichen Kaiser, Euer May. Bruder, und mit anderen christlichen Fürsten besammeln, den Türken zu überziehen und ihm (mit Hilfe des allmächtigen Gottes und Jesu Christi, der uns mit seiner bitteren Marter, Leiden und Blut erlöst hat) Widerstand tun, und hab darum alle Sachen in gewissen Tod gestellt; Gott wolle die Sachen gegen meiner Seele mit Barmherzigkeit richten.“ Jurischitsch schildert dann seine Lage, erwähnt die seither geschehenen Vorkommnisse und sagt, dass er im Begriffe war, mit 10 schweren Reitern und 28 Husaren nach Wien zu ziehen, sich dann aber entschlossen habe, in Güns zu bleiben, obwohl er „kein Kriegsvolk und niemand anders als die elenden armen Bauern, so hierher geflohen sind“, hatte, „und derselben sind im Anfang nit mehr mit der Wehr gewesen als siebenhundert, jetzt sind ihrer nit der Halbteil; dazu sind mir all meine Diener, die Befehl gehabt, erschlagen und erschossen.“ (Göbel, Beiträge zur Staatsgeschichte von Ungarn, S. 204.)

 

4Der Sage nach wäre das Zelt des Sultans auf dem südwestlich der Stadt gelegenen Hügel, »Am Stein« genannt, gestanden, während das Zelt Ibrahims sich auf dem Anger der Vorstadt »Ungarmarkt«, wo jetzt die Kapelle steht, befunden hat.

 

5Göbel, S. 399, »Bericht des Jurischitsch an König Ferdinand«, und Rosnak, S. 31, der sich an die Beschreibung des Bischofs Paulus Jovius und an ein Manuskript hält, das sich im Kloster zu Lackenhaus befunden hat, dermalen aber im Stadtarchiv zu Güns sein dürfte.

 

6Bericht des Jurischitsch an König Ferdinand (Göbel).

 

7Später wurde erzählt, der Schutzpatron von Güns, der heilige Martin, wäre mit gezogenem Schwert in den Wolken erschienen und hätte die Türken zurückgetrieben.

 

8In dem Berichte vom 30. August schreibt Jurischitsch: »Ich hab gesehen nur die Not, da ist gewesen kein Pulver mehr weder zum Handgeschütz weder zum Haken, ich hab kein Mann gesehen, so überblieben sein, der mehr ein Last hat gehabt sich zu wehren, es wäre auch unmöglich gewesen, eine Stunde ferner sich zu erhalten.«

 

9Nach Mitteilung des Herrn Major Muchar wird im städtischen Archiv ein kaum 1 Dezimeter breiter, 1 Meter langer, jetzt gelber, verschossener Seidenstreifen als die auf dem Turm aufgesteckt gewesene Fahne gezeigt.

 

10Die Erzählung dieses Vorfalles scheint später Anlass dazu gegeben zu haben, dass man die Verteidigung von Güns spanischen und deutschen Landsknechten zuschrieb.

 

11Der Bericht Jurischitsch’, vollinhaltlich in Göbels »Beiträgen zur Geschichte Europas etc.«, sagt: »Aber als viel ich Silbergeschirr hab gehabt, da hab ich dem Ibrahim Wascha und anderen Obersten Bevelchsleuten geschenkt, dagegen hat mich der Ibrahim Wascha im Namen des Kaisers mit einem Rock vereert, der kost mich wahrlich teuer genug.«

 

12Das lange Zögern des türkischen Heeres vor Güns gab Anlass zu dem wohl nicht glaubwürdigen Gerücht, dass Kaiser Karl V. den Großvezier bestochen habe, um den Sultan vom Zuge gegen Wien abzuhalten.

 

13Da die Angaben über den Zug des türkischen Heeres durch das Pittenthal wenig verlässlich sind, lag es nahe, zu bezweifeln, ob selbiges diesen Weg auch eingeschlagen habe. Die Verbindungswege von Güns gegen Steiermark waren bis in die neueste Zeit nur Feld- und Waldwege, daher für die Heeresmasse wohl wenig geeignet. Nachdem aber erwiesen ist, dass der Sultan an Wiener-Neustadt vorüberzog und am 11. September in Dechantkirchen angelangt war, so ist wohl anzunehmen, dass die Angabe Herberstein's (Anmerkung 20) richtig ist, und das Gros des türkischen Heeres durch das Pittenthal abzog, was übrigens nicht ausschließt, dass kleinere Abteilungen desselben auch auf anderen Wegen Steiermark erreicht haben können.

 

14Im Jahre 1532 war in Wien der Bau von drei Bastionen: Burg-, Lübl- und Schottenbastei beinahe vollendet, und letztere wieder eingestürzt. Eine Änderung der übrigen Teile der Umfassung nach neuerem System war zu Ende des XVI. Jahrhunderts noch nicht fertiggestellt (Camesina, Beiträge zur Geschichte Wiens im XVI. Jahrhundert).

 

15Die auf dem Reichstag zu Regensburg von Kaiser Karl V. angeforderte Kriegsmacht betrug 90.000 Mann auf sieben Monate, und zwar: 40.000 gerüstete und 20.000 leichte Pferde, 18.000 gute Schützen, Spanier, sollten aus Italien herausgezogen werden, 12.000 lange Spieße, 10.000 kurze Wehren, dazu sollten noch kommen: 2.000 Kanonatoren zum Geschütz, überdies 50.000 Keilige Haufen zum Fußvolk; von den Eidgenossen 2 bis 3 Tausend Kriegsknechte und 5 bis 6 Tausend auf Kosten des allgemeinen Fonds (k. u. k. Kriegsarchiv, Fasz. 9, Nr. 6).

 

16Der päpstliche Legat brachte auch italienische Offiziere mit und überreichte den beiden Ungarn, Valentin Torvik und Paul Makir, Fahnen mit dem Bilde des Fürsten (Buchholz, IV. 109).

 

17Schreiben des Kaisers an die Königin Maria vom 13. August 1532 (Lang, Correspondenz Karl V., II, 3).

 

18Nach dem Briefe eines Hauptmannes aus Augsburg (Gübl, 315).

 

19Am 14. August waren die aus Italien kommenden Truppen des Kaisers — Spanier und Italiener — erst in Brixen, wo sie die Vorstadt Stulfs niederbrannten.

 

20Nach Herberstein’s Tagebuch bei Rosnak, S. 56. Herberstein sagt: »Über den Hartberg«, worunter wohl der Wechsel gemeint sein wird.

 

21Hammer II, 93, sagt: »Sowohl das Tagebuch des Sultans als die Reichsgeschichte bekennen einen harten Kampf mit den Ungläubigen, in welchem 400 derselben blieben und viele mit ihrem Anführer gefangen wurden.«

 

22Ein Brief des Vicedoms zu Graz an den Lamberg’schen Vicedom in Wolfsberg vom 14. September (Kriegsarchiv, Fasz. 9, Nr. 2) sagt: »… aber der Kaiser ist zu Gleisdorf hüben, sich um den Tabor der Kirchen mit seinen Janitscharen hastig angenommen, also haben die Gleisdorfer ihre Häuser, so den Tabor nachent gelegen, selbst anzündet und verbrannt, dadurch den Tabor erhalten, aber was unterblieben ist, dieselben Häuser haben die Türken verbrannt.«

 

23Derselbe Brief sagt weiter: »… und am Mittwoch früh, als der Tag ansprach, haben sie angefangen zu ziehen gar vor die Stadt, hier ist ein dicker großer Nebel gewesen, dass man sie weder vom Schloss noch von der Stadt nicht wohl sehen konnte, aber mit großem Geschrei zogen sie. Auch etliche Häuser nachent herzu gelegen sein, und Philippen Trautmanstorfer hat die Tür aufgehackt und die Tisch, Bank und Kasten zerschlagen und zerbrochen. Das Kiedtscheidhüti war Heuser und Stadl bis an den Tiergarten gewesen, in dem Nebel verbrannt, und also ihr Zug gewesen den ganzen Tag bis in die Nacht, und als sich der Nebel aufgeschungen, hat man auf alle Pasteten, auch ab dem Schloss, weithin je einen geschossen, ihnen großen Schaden getan, damit sich die Heufen hindan taten, und im Zug von der Straße über ein Perg den Vogelbüchl (Kuckerlberg?) seien gezogen für Sankt Peter auf Ternitz und Gfattersdorf (Liebenau?) und aus dem Schloss hat man mit den Stangen noch zu innen gereicht, haben sie aber mit den Heufen darin, der Kaiser zog sehr bindend herauf. Als der Kaiser selbst ankam, ist es wohl fast spät gewesen: hat er auf dem Perglein seine Janitscharen ihre Handtor all aufeinander abgeschossen, auch darauf die Hörpauken schlagen und pfeifen lassen und sich bei einem Dorf nachent hier heißt Harmsdorf gelagert und etliche Furier machen und pfeifen und tanzen lassen, aber es dann mitternacht gewesen, hat er sich in ein anderes Dorf, darin Jostl und Fischmeister ein Hof und Edelmannssitz gehabt, gelagert, aber sein letztes damit abrennen gelassen denselben Hof, auch das Dorf und alle Dörfer und andere Edelsitze alle abgerissen, und am Mittwoch früh samt den Tag haben sie im Nebel zu nachts bei der Stadt einen Fort getroffen durch die Mauer der Vorstadt mit ihrem großen Haufen zu zerstören, der selbst feuern wollte. Ist aber von den Pasteten mit den Geschützen auch zu den Schenken erreicht worden, und am Dienstag abends ist der Türke über die Mauer gezogen in ein Dorf, heut Qualstorf (Kaisdorf), sich gelagert …«

 

24Osmanische Geschichtsschreiber melden, wie bei Güns, die Einnahme der Stadt, »deren Gärten und Weinberge dem Paradies gleichen, und deren Häuser und Gebäude der Aufenthalt der Gemäßigten und Reichen«. Dass der Sultan den Versuch gemacht habe, in die Stadt einzudringen, ist wohl möglich; Suleimans Tagebuch enthält jedoch kein Wort, welches darauf hinweist, dass Graz erobert worden wäre oder sich ergeben hätte. Die Sage geht, dass ein Türke bis an den Fuß des Schlossberges gelangt wäre. Zur Erinnerung daran soll der Türkenkopf am alten Stadttor angebracht worden sein.

 

25Die Nachrichten über die Ereignisse bei Graz scheinen nicht ganz verlässlich. Katzianer war mit seinen Reitern, denen er zwei Tage Ruhe gönnen musste, am 18. September schon wieder nach Österreich zurückgekehrt. Im Brief des Vicedoms heißt es: »… trotzdem fürsorglich Katzianer werde sie nicht erreichen können, denn er ist mit allen Volks hin. Was weiter sein Vornehm ist, weiß ich nicht«, erwähnt aber später: »Es hat Katzianer noch gestern bis in die sechs Pferde und acht Fußknechte die Türken nachgeschickt, etwas abzubrechen, sind noch nicht wiedergekommen, verhoffentlich werden sie viel abbrechen müssen.« Es dürfte daher der Erfolg dieses Ausfalles nicht so nachhaltig gewesen sein, wie ihn Voigt nach Herberstein schildert, wonach 8000 Türken, darunter zwei Sandschakbeys aus Anatolien, dem Schwerte erlegen sein sollen.

 

26Der Brief des Vicedoms ist vom 14. September datiert und scheint auch nicht ganz verlässlich. Er führt an, dass Katzianers Zurückberufung in Graz bereits bekannt ist, erwähnt aber auch, dass die Türken bereits auf dem Leibnitzer Felde lagerten.

 

27Irrigerweise wird gewöhnlich Sigmund Weichselberger, der Gefürte im Bordajisky’s bei der Botschaft an den Sultan im Jahre 1528, als Verteidiger Marburgs genannt, während anzunehmen ist, dass dieser, der in gleichzeitigen Dokumenten nicht genannt wird, wahrscheinlich bei Katzianers Truppen in Niederösterreich stand (Steinwenter, Suleiman vor Marburg, S. 9). Voigt, Der Freiherr Hans Katzianer, führt auch irrtümlich ein Detail an, dass Friedrich von Brandenburg bei Marburg bestanden haben soll; dieser befand sich zur Zeit jedoch bei den Truppen des Pfalzgrafen vor Wien.

 

28Wichner, Geschichte des Benediktinerstiftes Admont.

 

29Archiv für Geschichte, Statistik etc., Jahrgang 1827, S. 231.

 

30Istuanfy, Lib. LXI, S. 184.

 

31Hammer II, S. 94, führt an: Ibrahim habe von Lugovich (Ludbreg) aus einen Gefangenen namens Andreas Stadler mit einem italienischen Brief an König Ferdinand geschickt, in welchem er den Rückzug mit der lächerlichen Großsprecherei beschönigen wollte, dass der Kaiser nirgends zu finden gewesen sei, und mit den Worten, »dass die Länder des Kaisers wie seine Weiber seien, indem er weder in den einen noch bei den anderen zu finden wäre«.

 

32Hammer II, S. 95, nach den türkischen Geschichtsquellen von Dschelaksade und Petschewi, und nach Suleimans Tagebuch.


Quelle: Leopold Kupelwieser: Die Kämpfe Oesterreichs mit den Osmanen vom Jahre 1526 bis 1537. Leipzig, 1899.

© Carsten Rau