
A Lager Kasimbegs in der Nacht vom 18. auf den 19. September.
B Schertlings Angriff am Morgen des 19. September,
C Stellung des Pfalzgrafen Friedrich.
D Herausbrechen der Türken aus dem Triestingtal.
Die Akindschi unter Kasimbeg überschwemmen Niederösterreich bis an die Enns. —
Sie treten den Rückzug an und werden bei Leobersdorf von den bei Wien gesammelten Truppen angegriffen und vernichtet. — Die türkische Flottille bei Gran aufgehalten. — Krainer fallen in Bosnien ein. — 1532.
Schon vor dem Eintreffen des Sultans bei Güns war Kasimbeg mit 16.000 Mann, meist Reiterei, in mehrere Haufen geteilt, an Wiener-Neustadt vorbeigezogen, in Niederösterreich eingebrochen.1 Der Nähe von Wien, wo sich bereits Truppen gesammelt hatten, ausweichend, breiteten sich die »Renner und Brenner« (vom Volke allgemein »der Sackmann« genannt), wie vor drei Jahren, mordend und brennend über das offene Land aus und gelangten in kürzester Frist durch den Wienerwald und über das Traisenthal bis an das Ufer der Donau bei Amstetten.
Dass die zur Zeit in und um Wien zum Teil schon angesammelten Truppen den Horden Kasimbegs während ihres Vormarsches gar nicht entgegentreten, mag wohl dadurch eine Erklärung, vielleicht auch eine Entschuldigung finden, dass man die verfügbaren ohnehin noch schwachen Kräfte nicht zersplittern, sondern für den demnächst bei Wien zu erwartenden Kampf mit dem Hauptheer der Türken zusammenhalten wollte. Es bedurfte auch später noch eines Schreibens des Königs Ferdinand an den Pfalzgrafen Friedrich, um die bis gegen Linz streifenden Horden nicht ungestraft entrinnen zu lassen.
Schon am 9. September traf die weitest vorgerückte Schar der Türken an der Enns ein. Von der Stadt Steyr aus sah man die umliegenden Dörfer brennen; einige Bürger der Stadt, im Verein mit 40 kärntnerischen Reitern, glaubten mit leichter Mühe die räuberischen Scharen vertreiben zu können und unternahmen einen Ausfall, sahen sich aber bald einer solchen Zahl von Feinden gegenüber, dass sie nur zur Not noch in dem Kloster Seitenstetten Zuflucht finden konnten, von wo sie erst nach einigen Tagen zurückkehrten. Der niedrige Wasserstand der Enns machte es 500 türkischen Reitern möglich, bei Ernsthofen den Fluss zu übersetzen; andere, die ihnen nachfolgten, breiteten sich in der Gegend aus und drangen mordend und brennend über Stadelkirchen, Dietach, Wolfern und Gleink gegen Steyr vor. Bei 2000 Menschen wurden in der Umgebung ermordet oder in die Gefangenschaft geführt; sie hätten Leben und Freiheit wohl gerettet, wenn sie sich der früher bekannt gemachten Defensivordnung gefügt und rechtzeitig die angewiesenen Zufluchtsorte aufgesucht hätten. Um Schlösser oder auch nur mit Mauern umgebene Orte einzunehmen, fehlte es den schwärmenden Horden an Belagerungsmitteln und wohl auch an Zeit. So wurde das Schloss Losensteinleiten nur von einem Manne — einem Jäger und guten Schützen, der über mehrere Gewehre zu verfügen hatte — verteidigt; die Türken zogen ab, nachdem er einen ihrer Führer niedergestreckt hatte.
Als Hans Ungnad an der Spitze von 1000 geharnischten Reitern aus Steiermark auf dem Zuge nach Linz, wo König Ferdinand mit seiner Familie weilte, in der Stadt Steyr anlangte, forderten ihn die Bürger dringend auf, in Gemeinschaft mit ihnen die eben im Anzug befindlichen Türken anzugreifen und zu vertreiben. Ungnad ritt mit zehn Pferden auf Kundschaft vor die Stadt, kehrte aber, als er überall Feuer aufgehen sah, sofort wieder zurück, um zu beraten, was weiter zu tun wäre. Als hierauf Ferdinands Türhüter Zedlitz in die Stadt einritt und im Namen des Königs den schleunigen Aufbruch Ungnads verlangte, da man in Linz schon das Sengen und Brennen des Feindes wahrgenommen hatte, ließ er sich nicht mehr zurückhalten und setzte mit seiner schon bereitstehenden Truppe den Marsch fort. Auf dem Wege nach Linz, bei Gleink angelangt, sah man einige Tausend Türken bereits vereint; das Erscheinen der geschlossenen Reiterschar allein reichte aber hin, die eben mit der Plünderung der Kirche zu Dietach begriffenen Türken mit Zurücklassung der Beute über die Enns zurückzutreiben. Die Bürger von Steyr machten es zwar Ungnad zum Vorwurf, dass er ihrer Aufforderung nicht entsprach; was sie aber beabsichtigten, war nun doch erreicht, denn die Türken waren erschreckt geflohen.2
Ein Teil der bei Stadt Steyr abgewiesenen Schar, zu der vielleicht das Gerücht vom Rückzug der Türken gedrungen sein konnte, zog wohl mit der Absicht, sich dem Hauptheer anzuschließen, im Ennstal aufwärts über Weyer, das niedergebrannt wurde, bis gegen Altenmarkt. Am Pfaffensteg und Sattelhag trat den Türken der Landsturm der Herrschaft Gallenstein entgegen und wies sie blutig zurück.3 Einzelne Reiter gelangten bis in das Salzathal, wo sie aber durch Verhaue aufgehalten und durch die ergrimmten Bauern niedergemacht wurden.
Eine andere Schar der Türken — die größte unter Kasimbegs Führung — ging von Amstetten über Biberach nach Waidhofen, wo sie am 8. September anlangte. Ohne sich lange aufzuhalten, zogen die Türken nun an der mit Mauern umgebenen Stadt vorüber nach Ipsitz, das in Flammen aufging. Am 9. unternahmen die Bürger von Waidhofen im Verein mit den daselbst angesammelten Schmiedmeistern der Umgebung und mit deren Gesellen einen Ausfall gegen die die Stadt neuerdings bedrohenden Scharen, welche sie mit einem Regen von brennenden Pfeilen überschütteten und die Vorstadt Krauthofen in Brand gesteckt hatten, während der bischöfliche Pfleger Willibald von Pirching mit den gesammelten Holzknechten den Türken in den Rücken fiel.4 Gegen 400 gefangene Christen wurden befreit, 200 Türken blieben auf dem Platz, und bei 300 Pferden wurden erbeutet.
Kasimbeg scheint bis dahin von den Bewegungen des türkischen Heeres keine Kenntnis gehabt und hier erst durch Gerüchte in Erfahrung gebracht zu haben, dass der Sultan auf die Belagerung von Wien verzichtet und den Rückzug angetreten habe. Als er nun selbst den Entschluss zum Rückzug fasste, ließ er einen Teil seiner Gefangenen, welche ihn in seiner Bewegung hinderten (übertrieben wird wohl die Zahl von 4000 angegeben), niedermachen und teilte seine Scharen in zwei Abteilungen, von welchen die kleinere, von Ferisbeg geführt, in den Nächten durch die Wälder und über die Gebirge sich Bahn brechend nach Ungarn entkommen sein soll, während Kasimbeg selbst — dem Donauthale (wo sich bereits Truppen gesammelt hatten) ausweichend — suchte er, nördlich des Hochgebirges, die ungarische Grenze zu erreichen oder nach Steiermark durchzubrechen.
Die Türken berührten im Rückzug Gaming, wo der Pfarrer enthauptet wurde. An Lilienfeld, Hainfeld und Altenmarkt zogen sie ohne Aufenthalt vorbei und gelangten in das Triestingthal, wo Kasimbeg am Morgen des 18. September bei Pottenstein ein Lager bezog.5
Die zur Verteidigung Wiens aufgebotenen Truppen lagerten bisher untätig in der Wolfsau (Brigittenau) und am linken Ufer der Donau gegen Korneuburg. Katzianer war mit österreichischen Truppen schon am 6. oder 7. September über den Semmering gegangen, um dem Sultan in Steiermark zu folgen. Bei Baden stand Christoph Rauber, der Bischof von Laibach, mit einigen tausend Mann. Auf die Meldungen des Letzteren vom 10. und 12., dass bei 10.000 Türken im Wienerwald versteckt wären und bei Neustadt oder Baden herausbrechen dürften,6 verlegte der Pfalzgraf sein Hauptquartier nach Laxenburg und bezog endlich am 16. September, als die Kundschaftsnachrichten darauf hinwiesen, dass insbesondere das Triestingthal ins Auge zu fassen sei, ein Lager am Eingange dieses Tales vor Leobersdorf. Am 18. morgens empfing der Pfalzgraf die gewisse Nachricht, »dass der Feind mit großer Macht, die man nicht wohl überschlagen kann, mit viel Vieh und gefangenen Christen liege in seinem Lager beim Markte Pottenstein und sei im Begriff, von dort aufzubrechen«.7 Zugleich kam die Nachricht, dass dem im Triestingthal stehenden Feinde der Weg nach Steiermark sowohl zurück über Hainfeld gegen Mariazell als auch über Piesting und Gutenstein gegen das Höllenthal durch Verhaue unwegsam gemacht worden sei, daher dessen Vorbrechen in die Neustädter Ebene zu erwarten wäre.
Pfalzgraf Friedrich beorderte nun den 18. September gegen Abend den Hauptmann des von der Reichsstadt Augsburg gestellten Kontingentes, Sebastian Schertlin von Burtenbach, einen bewährten Kriegsmann,8 mit 300 Hakenschützen, welchen sich unterwegs noch das Fähnlein des Hauptmannes Oberstein anzuschließen hatte, dem Feinde in den Rücken zu fallen. Unter Führung des ortskundigen Marktrichters von Leopoldsdorf gelangte Schertlin bei St. Veit von der Straße nach rechts abbiegend am 19. noch vor Tagesanbruch über den Hohen Schlatten auf den hinter Pottenstein gelegenen dicht bewaldeten Hausberg. Als seine Truppen hier auf die feindlichen Vorposten stießen, wurde ein Türke gefangen, der aussagte, dass im Tal 10.000 Türken seien und nicht wüssten, wo hinaus. Von einer Waldblöße konnte man auch die feindlichen Lagerfeuer im Tal wahrnehmen. Schertlin fertigte noch einen Boten an den Pfalzgrafen ab mit der Meldung, »er sei hinter dem Feinde, gedenke den Bären aus dem Loch zu treiben, und werde mit Gottes Hilfe bei Anbruch des Tages zum Angriff schreiten«.
Schertlins Absicht wurde durch den Eifer einiger Schützen vereitelt, die auf feindliche Vorposten stießen und vorschnell Feuer gaben. An einen Überfall konnte nicht mehr gedacht werden, weil hierdurch das feindliche Lager alarmiert worden war. Da aber zu erwarten stand, dass der Feind vor Tagesanbruch nicht zum Angriff, dem Schertlins kleine Schar nicht zu widerstehen vermochte, übergehen dürfte, ließ dieser unter dem Schutz der Nacht durch seine Leute eine so ausgedehnte Front in der Flanke und im Rücken des Gegners annehmen und durch Schreien und Schießen sowie mit Trommeln und Hörnern solchen Lärm schlagen, dass die Türken, sich von einer Übermacht umfasst wähnend, eiligst das Lager abbrachen und den Rückzug gegen Leobersdorf antraten. Bei Tagesanbruch begünstigte ein dichter Nebel das Vorgehen Schertlins, und der Rückzug der feindlichen Scharen, von welchen einzelne Haufen unterwegs abfielen und sich gegen Süden wandten, artete bald in wilde Flucht aus.9
Mittlerweile hatte der Pfalzgraf Schertlins Botschaft empfangen und eine Stunde vor Tagesanbruch (19. September) sein Lager alarmiert. Um den Feind zu empfangen und am Ausbruch in die Ebene zu hindern, bezog der Pfalzgraf eine Stellung am linken Ufer des Triestingbaches, von welcher aus er mit seinen Geschützen — es sollen deren 70 gewesen sein — den Ausgang des Tales bestreichen konnte. Als nun die Türken hier angelangt die zum Kampfe bereiten Scharen vor sich sahen, wurden sie von panischem Schrecken erfasst. Unfähig stehen zu bleiben, schob der nachdrängende Haufe unaufhaltsam vorwärts. Während das Geschützfeuer in der andrängenden Masse zu wirken begann, warfen sich Reiter und Fußgänger teils rechts abspringend über den Bach, um jenseits durch den Wald und über Enzesfeld fliehend Schutz zu suchen, teils auf den linken Flügel der Reichstruppen bei Leobersdorf, den sie nach erbittertem Kampfe mit dem Säbel verdrängten, um sich in die Ebene zu ergießen.10 Letztere wurden von den schlesischen Reitern verfolgt und in den Sumpf südlich von Schönau gedrängt, wo ihre ermatteten Pferde den Dienst versagten; zu Fuß setzten sie den Kampf noch fort, viele wurden getötet, andere flüchteten in den nahen Föhrenwald.
Kasimbeg selbst, der mit dem größten Teil der Reiter schon zu Beginn des Gefechtes über den Bach gegen Enzesfeld ausgebrochen war, scheint hier gefallen zu sein.11 Seine Schar floh unter Führung Osman's, von leichten Reitern verfolgt, längs des Gebirges nach Süden, und traf in der Nähe von Weikersdorf12 auf die aus Steiermark zurückkehrenden Reiter Katzianers13 und Ungnads, von welchen sie in der Front angegriffen, zerstreut und fast aufgerieben wurden. Die Reste dieser Schar flohen gegen Neunkirchen und fielen an der Schwarza in die Hände der Reiter Joachims von Brandenburg, von welchen sie vollständig vernichtet wurden.
Über die Stärke der Türken, als sie noch im Lager zu Pottenstein standen, ist man wohl nicht im Klaren; der Verlust aber, den sie an Gefallenen am 19. September erlitten, kann immerhin auf 6000 bis 8000 geschätzt werden.14
Jene Scharen der Türken, welche gleich nach der Alarmierung des Lagers durch Schertlin aus demselben entwichen waren, verloren sich in den umliegenden Tälern, in welchen noch manche Orte, wie Hörnstein und Piesting, verbrannt wurden.15 Selbst bis Gutenstein drangen noch einzelne Reiter vor.16 Eine Schar, vielleicht in der Hoffnung, das Heer des Sultans noch in Steiermark erreichen zu können, drang in das Pittenthal ein, wo sie durch die Bauern bei Seebenstein über einen Felshang gegen Scheiblingkirchen herabgestürzt wurden, welcher Fels noch heute der „Türkensturz“ heißt.17 Wenigen gelang es, noch nach Ungarn gegen den Plattensee zu entkommen; erschöpft und ermüdet, wurden die meisten von den Bauern niedergemacht.
Erst in der Nähe von Belgrad erfuhr der Sultan durch einzelne Flüchtlinge das Schicksal der Scharen Kasimbegs.18
Während der Sultan vor Güns lag, gelangte die nicht unbeträchtliche türkische Flottille stromaufwärts bis Ofen, wo sie unter Gritti's Befehl gestellt wurde, um Visegrad und Gran zu nehmen. Visegrad, das nicht besetzt war, nahm Gritti mit der Besatzung der Flotille (bei 10.000 Mann) ohne Mühe; vor Gran aber fand er ernsten Widerstand. Dort befehligte nicht mehr der Erzbischof Várday, welcher — verdächtig, wieder zu Zapolya übergehen zu wollen — zu Pressburg in halber Gefangenschaft gehalten wurde, sondern Thomas Laskano, den König Ferdinand mit 1000 Landsknechten dahin geschickt hatte, und der von Bartholomäus Horvath mit den aufgebotenen erzbischöflichen Lehensleuten kräftig unterstützt wurde. Gritti schloss nun die Stadt auch zu Land ein und verhinderte mit der Flotille die Zufuhr zu Wasser. Ferdinands Flotille, deren Führer der Deutsche Corporanius war, erhielt in Pressburg den Befehl, nach Komorn zu gehen und dort die Ankunft von Schiffen mit schweren Geschützen abzuwarten. Ehe aber die Verstärkung anlangte, machte die türkische, mit Fußvolk, namentlich Bogenschützen, besetzte Flotille einen Angriff auf die bei Komorn liegenden Schiffe. Von der Strömung benachteiligt, verloren die Türken anfangs vier Schiffe; bald aber nahm das Gefecht eine andere Wendung: die Überzahl der Schiffe sowie die Menge der Geschosse, womit sie die Gegner überschütteten, brachte den Türken den Sieg; Corporanius konnte von sechzig Schiffen nur die Hälfte zurückbringen, die übrigen wurden versenkt oder fielen den Türken in die Hände, da die Besatzung zu Land entfloh.19
Wenn dieser Kampf auch einen für die christliche Flotille ungünstigen Verlauf nahm, so war doch der Aufenthalt der Türken bei Gran und der Widerstand, den die Fortsetzung der Fahrt ihrer Flotille gegen Wien erlitt, eine der Hauptursachen, dass der Sultan sich zum Rückzug gezwungen sah.
Gran hielt sich noch. Nach mehreren Ausfällen der Besatzung und nach einigen abgewiesenen Stürmen hoffte Gritti mit der Zeit, die Stadt durch Hunger zur Übergabe zu zwingen. Erst die Nachricht, dass Katzianer zum Entsatz gegen Gran aufgebrochen wäre, veranlasste Gritti, die Belagerung aufzuheben und im Oktober 1532 nach Ofen zurückzukehren.20
Da während des Zuges Suleimans der größte Teil der wehrfähigen mohammedanischen Bevölkerung Bosniens verlassen hatte, benützte Hans Pülcher, der Hauptmann der Uskoken, die Abwesenheit der Türken, um mit Freiwilligen aus Krain dort einzufallen. Er zerstörte und plünderte in Bosnien einige Flecken und Schlösser und kehrte mit Beute reich beladen und mit vielen Gefangenen sowie mit befreiten Christen zurück. Zur Wiedervergeltung fielen dann über 3000 Türken über Istrien und die Karstgegend in Krain ein. Als sie, mit Raub beladen, zurückkehren wollten, trat ihnen am 30. Juli 1532 Hans Pülcher im Verein mit Stephan Frangepan und dem Hauptmann am Karst, Jakob von Raunach, mit 800 Mann auf den Zengger Alpen entgegen und nahm ihnen ihren Raub nebst 500 gefangenen Christen wieder ab. Gegen 1000 Türken sollen damals im Kampf gefallen sein.
1Nach Buchholz, IV, 8. 12, hätte der Befehlshaber von Wiener-Neustadt, Ludwig Cowe, mit 5000 Mann einen Ausfall gegen Kasimbegs Scharen unternommen und wäre mit großem Verluste zurückgeworfen worden; ob beim Eindringen oder beim Rückzug wird nicht erwähnt. Auch ist keine Quelle angegeben, auf welche sich diese Angabe stützt. Wenn ein Ausfall auch stattgefunden hat, so dürfte er ohne Bedeutung gewesen sein.
2Kurz, »Geschichte der Landwehr in Österreich ob der Enns«.
3Wichner, »Geschichte des Stiftes Admont«, S. 106.
4Gottfried Fries, »Geschichte der Stadt Waidhofen an der Ips«, im Jahrbuch für Landeskunde von Niederösterreich, I. Jahrgang, S. 32.
5Buchholz, »Geschichte Ferdinand I.«, S. 113, und »Urkundenband«, S. 57.
6Die widersprechenden Gerüchte über den Aufenthalt des Feindes dürften teilweise ihren Grund darin haben, dass man, ohne es zu wissen, bald über die Schar Ferisbegs, bald über jene Kasimbegs berichtete (Becker, »Eine Kriegsepisode aus dem Jahre 1532«, in den Blättern des Vereines für Landeskunde von Niederösterreich, Jahrgang 1884, S. 252).
7Becker, S. 253.
8Schertlin oder Schertl von Burtenbach hatte schon in der Schlacht bei Pavia 1525 und bei der Einnahme von Rom 1527 Proben seines Mutes und seiner Umsicht abgelegt (Becker, S. 253 und 254, und Gübel, Beiträge, S. 315, »von einem Scharmützel« und »Aus einem Brief des von Augsburg Hauptmann«).
9Kasimbeg soll, ehe er aus dem Lager aufbrach, an 4000 christliche Gefangene haben abschlachten lassen. Abgesehen davon, dass bei der Eile des Aufbruchs kaum Zeit gewesen sein kann, ein solches Blutbad anzurichten, sagt der Bericht bei Gübel ausdrücklich, dass während des Kampfes den Türken gefangene Weiber und Kinder abgenommen wurden.
10Dass ein Teil der Fliehenden in einem Sumpf umkam, wird von mehreren Seiten bestätigt; ob unter dem Sumpf der Teich oder die Stelle des jetzigen Schlossparkes zu Schönau, welche wohl auch versumpft gewesen sein könnte, gemeint ist, lässt sich nicht entscheiden. Jedenfalls müssen die Fliehenden die Stellung des Pfalzgrafen am linken Flügel durchbrochen haben.
11Kasimbegs Panzerstecher, der hier erbeutet wurde, befindet sich im kaiserlichen Museum.
12Der Übergang über den Semmering war bei Schottwien durch eine Befestigung gesperrt. Der Zusammenstoß der fliehenden Türken mit der eben aus Steiermark zurückkehrenden Schar Katzianers war wohl nur Zufall.
13Katzianer, der später mit dem Oberbefehl in Krain betraut wurde, unternahm im Jahre 1537 unter ungünstigen Verhältnissen einen Zug gegen die Türken nach Essegg, der unglücklich ausfiel und die Vernichtung fast seines ganzen Heeres zur Folge hatte. Selbst durch die Flucht gerettet, wurde er in Untersuchung gezogen und entfloh, als man ihn des Einverständnisses mit den Türken beschuldigte, nach Kostainiza, wo er ermordet wurde. Der Reiterführer Bakic, welcher mit Katzianer gezogen war, fand den Tod bei einem Gefecht in der Nähe von Essegg.
14Becker, »Eine Kriegsepisode aus dem Jahre 1532«, S. 257.
15Stelzhammer, »Historisch-topographische Beschreibung des Dekanates Pottenstein«, S. 121.
16Das Türkenloch am Miralbach, unweit Pernitz, dürfte seinen Namen wohl der Anwesenheit der Türken im Jahre 1532 verdanken.
17Der jetzt auf dem „Türkensturz“ stehende Bau einer Burgruine wurde erst zu Beginn dieses Jahrhunderts aufgeführt.
18Die türkischen Geschichtsschreiber sagen: „Kasim Woywoda war mit den Akindschi durch die Schichten des Leitha-Gebirges getrieben, und fand den Weg durch die Ungläubigen versperrt, sodass er nirgends hindurchdringen konnte. Die meisten Sieger fanden keinen Ausweg des Heiles, sie tranken den Trank des Märtyrertums und marschierten ab ins Paradies.“ (Buchholz, IV, S. 214.)
19Buchholz, IV, S. 110, Anmerkung.
20Fessler-Klein, Geschichte von Ungarn, III, S. 456.

Quelle: Leopold Kupelwieser: Die Kämpfe Oesterreichs mit den Osmanen vom Jahre 1526 bis 1537. Leipzig, 1899.
© Carsten Rau
