Ungarn und Böhmen gelangen nach dem Tode König Ludwigs II. in der Schlacht bei Mohács in dauernden Besitz des Hauses Habsburg. — Erzherzog Ferdinand zum König von Ungarn gewählt. — Vertreibung des Gegenkönigs Johann Zápolya. — Türkeneinfälle nach Krain. — Zápolyas Intrigen in Konstantinopel. — Botschaft Ferdinands bei dem Sultan. — Zápolya bricht, auf türkische Hilfe rechnend, in Ungarn ein. — Zustand des türkischen Heeres. — Das österreichische Heerwesen. — Vorkehrungen Ferdinands in Voraussicht des demnächst ausbrechenden Krieges. — 1526 bis 1528.
Nach dem Tode des Kaisers Maximilian, der auf der Reise von Innsbruck nach Wien am 12. Januar 1519 zu Wels plötzlich einem hitzigen Fieber erlegen war, ging der Besitz des Hauses Habsburg, dem Gewohnheitsrechte entsprechend, an seine beiden Enkel über: an Karl, der bereits im Besitz von Spanien, Neapel und Sizilien, der burgundisch-niederländischen Gebiete und der neu entdeckten Länder in Amerika war, und an Ferdinand.
Obwohl Maximilian alles vorbereitet zu haben glaubte, um seinem Enkel Karl die Nachfolge auf dem Kaiserthron zu sichern, gelang es erst im Juni 1519, nach Überwindung mancher Schwierigkeiten und dem Aufgebot großer Summen, dessen Wahl zum deutschen Kaiser gegen den mächtigsten Bewerber, König Franz I. von Frankreich, durchzusetzen. Zwischen den beiden Brüdern kam es nun zu einem Vergleich, der erst 1522 vollständig ausgetragen wurde: Demzufolge sollten die Besitzungen getrennt und zwei Linien, die spanische und die deutsch-österreichische, gebildet werden.
Dem jüngeren Bruder Ferdinand, der mit Anna, der Schwester König Ludwigs II. von Ungarn und Böhmen, vermählt war, fielen Österreich, Steiermark, Kärnten, Krain, die Windische Mark, Istrien, Tirol und die Vorlande zu, während dem Kaiser Karl V., dem Haupte der Familie, das spanisch-burgundische Erbe verblieb.
Wie schon das Streben Kaiser Maximilians dahin gerichtet war, dem Vordringen der Osmanen gegen die christlichen Länder Einhalt zu tun, so musste dieses Streben bei dem raschen Fortschritt der osmanischen Macht jetzt umso wichtiger erscheinen. Nicht allein, um Ungarn zu schützen und den verwandtschaftlichen Pflichten zu entsprechen, sondern schon, um seine eigenen Länder vor dem Einbruch der räuberischen Horden zu bewahren, hatte Österreich schon seit Jahren Maßnahmen zur Abwehr derselben ergreifen müssen.
Als nun nach der für Ungarn so unglücklichen Schlacht bei Mohács am 26. August 1526 durch den Tod des Königs Ludwig II. der Thron von Ungarn und Böhmen erledigt war, machte Erzherzog Ferdinand, als Gemahl von Ludwigs Schwester Anna, zufolge der wiederholt geschlossenen Erbverträge1 sein Erbrecht in beiden Ländern geltend. In Böhmen wurde er auch bald als König anerkannt und am 27. Februar 1527 zu Prag gekrönt. Schwieriger gestalteten sich die Verhältnisse in Ungarn.
In dem ehrgeizigen und gewissenlosen Statthalter Siebenbürgens, Johann Zápolya, der sich von seiner Partei schon im November 1526 zu Stuhlweißenburg zum König ausrufen und krönen ließ, war dem Erzherzog ein beachtenswerter Gegner erwachsen; doch leitete die Königin-Witwe Maria, welche ohne Rücksicht auf ihr eigenes Wohl nur die Interessen ihres Hauses im Auge hatte und in jeder Weise für ihren Bruder tätig war, auch Zápolyas Antrag, sie zu heiraten, entschieden zurückwies, die Verhandlungen mit den ungarischen Großen mit vielem Geschick, und es gelang ihr auf dem Landtage zu Pressburg am 17. Dezember 1526, die Wahl Ferdinands zum König von Ungarn durchzusetzen.
Mit Hilfe seines Bruders, des Kaisers Karl V., sammelte Ferdinand ein nicht sehr zahlreiches, aber gut geschultes Heer unter dem Befehl des Markgrafen Casimir von Brandenburg-Kulmbach, mit dem er nach Ungarn eindrang und schon am 22. August 1527 seinen Einzug in Ofen hielt. Nach der Erkrankung des Markgrafen2 übernahm Niklas Graf Salm den Befehl. Der Gegenkönig Johann Zápolya, dessen Heer bei Tarczal geschlagen und fast vernichtet worden war, zog sich nun nach Siebenbürgen zurück, während in Kroatien das Heer Christoph Frangepans, der anfangs für Ferdinand, dann aber für Zápolya Partei ergriffen hatte, sich verlief, nachdem dieser am 26. September 1527 bei Warasdin tödlich verwundet worden war.
Alle diese Erfolge Ferdinands konnten auf die Stimmung in Ofen nicht ohne Einfluss bleiben; seine Wahl zum König wurde auf dem Landtage daselbst am 7. Oktober bestätigt, und seine Krönung erfolgte am 3. November 1527 zu Stuhlweißenburg. Ferdinands Anhänger wurden nun mit Gütern beschenkt, während Zápolya als Feind des Vaterlandes erklärt und seine Parteigenossen mit der Strafe des Hochverrats bedroht wurden, wenn sie nicht binnen drei Wochen vor dem König erscheinen würden.
Was die Kaiser Friedrich III. und Maximilian I. schon lange angestrebt hatten, die Erwerbung Ungarns und Böhmens für das Haus Habsburg, war endlich erreicht. Ob die Vereinigung dieser Reiche mit Österreich eine bleibende sein würde, vermochte damals kein Mensch vorauszusehen. Darüber durfte man sich jedenfalls keiner Täuschung hingeben, dass noch große Schwierigkeiten zu überwinden sein würden. Denn nicht die Überzeugung, dass die Verbindung dieser drei Ländergruppen allen zum Vorteil gereichen würde, hatte dieselbe herbeigeführt, sondern das Interesse einflussreicher Persönlichkeiten; persönliche Sympathien und Antipathien hatten die Wahl des Erzherzogs Ferdinand zum König von Ungarn und Böhmen bewirkt.
Dass die Gründung einer kräftigen Monarchie an der mittleren Donau angesichts der von den Türken fortdauernd drohenden Gefahren geradezu eine Lebensfrage für Mitteleuropa sei, sahen gewiss nur wenige von den maßgebenden Persönlichkeiten ein. Wie die böhmischen Stände darüber dachten, zeigt ihr Beschluss, dem König vorstellen zu lassen, dass sie es für nützlicher hielten, wenn er nicht König von Ungarn wäre, weil der Schutz dieses Reiches gegen die Türken ungeheure Kosten verursachen würde. In Ungarn war der Hass gegen die Deutschen in weiten Kreisen lebendig, und gar viele dachten im Innern, dass sie lieber den Türken als jenen untertan sein möchten.
Es bedurfte daher noch großer Anstrengungen und umsichtigen Vorgehens, wenn es gelingen sollte, den Gegenkönig Zápolya ganz aus Ungarn zu verdrängen, das Reich gegen die Türken zu schützen und das Misstrauen gegen das Haus Habsburg, mit dem man die Herrschaft der Deutschen identifizierte, zu überwinden.3
Nachdem Zápolya, durch die Einwohner Siebenbürgens aus dem Lande vertrieben, in Oberungarn seines Anhanges beraubt und genötigt war, nach Polen zu fliehen, entschloss er sich, die Unterstützung des Sultans Süleiman II. anzusuchen. Dass dieser ihm nicht aus Liebe zu seiner Person Hilfe leisten, sondern den Thronstreit nur benützen würde, um Ungarn, wenn auch nicht ganz zu unterjochen, so doch zu einem Vasallenfürstentum wie die Walachei und die Moldau zu machen, war vorauszusetzen.
Dass Johann Zápolya, selbst wenn es ihm gelang, Ferdinand ganz aus Ungarn zu verdrängen, imstande sein würde, sich aus der erdrückenden Umarmung seines Beschützers zu befreien, glaubte er selbst nicht. Nur das Streben, die Krone Ungarns zu behaupten und sich an seinem Gegner zu rächen, ließen ihn die Gefahr, welche er dadurch über sein Vaterland heraufbeschwor, vergessen. Er verschmähte schließlich auch nicht, die Hilfe der Türken selbst mit dem Ruin seines Vaterlandes zu erkaufen!
Obwohl ein eigentlicher Kriegszustand seit der Schlacht bei Mohács zwischen der Türkei einerseits und den nun vereinigten österreichisch-ungarischen Ländern nicht bestand, währten die Raubzüge an der Grenze ununterbrochen fort. Noch während des Jahres 1527 hatten die Türken sich in Kroatien festgesetzt und sich der Schlösser Udbin, Corbava, Modruš und Požega, das vorübergehend auch der Sitz eines Sandschaks wurde, bemächtigt.
Krain, das die Türken in kürzester Zeit erreichen konnten, war nun zunächst ihren Einfällen ausgesetzt. Die Sendung des Blas Radošić aus Möttling an den Pascha von Belgrad, um ihn von der Unterstützung Zápolyas abzubringen und durch Überbringung eines Geschenkes von 6000 Dukaten zu friedlichem Verhalten zu bewegen, scheiterte an der Unterstützung, die der Sultan Zápolya in Ungarn bereits gewährte.
Auch nach Dalmatien fielen die Türken aus Bosnien wieder ein; sie nahmen die festen Plätze Obrovac und Vrana und belagerten die Festung Clissa unweit Spalato, zogen aber bald ab, ohne sie einzunehmen.4
Im folgenden Jahre (1528) hatte Krain vier Türkeneinfälle zu erleiden. Obwohl schon am 1. Februar vom Ban von Kroatien die Nachricht an den Landeshauptmann von Krain, Niklas Thurn, gelangte, dass Türken aus Bosnien im Anzuge seien, konnte das anbefohlene Aufgebot von 60 Reitern und einigen hundert Bauern unter dem Abt von Sittich und Bernhard Ritschan nebst einigen Adeligen nicht hindern, dass am Morgen des 9. März bei 1000 Reiter brennend und plündernd vor Adelsberg eintrafen, ehe der Pfleger die für Einfälle verabredeten Alarmsignale abgeben konnte. Durch das sich sammelnde Aufgebot vom weiteren Vordringen abgeschreckt, kehrten sie, einige hundert Gefangene mitführend, über Zirknitz, Reifnitz und Gottschee zurück und überschritten am 12. März bei Kosstel die Una. Unterwegs, bei Schilchentabor, nahmen sie noch florentinischen Kaufleuten ihre Waren ab. In Kosstel blieben gegen 500 Türken im Hinterhalt zurück und fielen wieder in Gottschee ein, von wo sie bei hundert Gefangene von der Feldarbeit fortschleppten.
Der Landeshauptmann berichtete über diesen Einfall an den König; er hob die Nutzlosigkeit des bäuerlichen Aufgebotes hervor, „das nicht standhalte und mit dem keine Ehre zu erjagen wäre“, und schilderte die Notwendigkeit der Aufstellung eines Kriegsvolkes, d. i. besoldeter Berufssoldaten, sowie die Unzulänglichkeit des Kundschaftswesens. König Ferdinand entgegnete auf diese Klagen, das Geld für den Kundschaftsdienst sei längst angewiesen; wegen der notwendigen Verteidigungsanstalten wolle er sich mit dem Landeshauptmann beraten, doch könne er jetzt aus dem Kammergut keine Hilfe leisten und erwarte, dass die Stände das Ihrige tun werden. Den Bauern im kroatischen und windischen Lande wolle er befehlen, dass sie mit den auf königliche Kosten erhaltenen Reitern dem Lande Krain zu Hilfe kommen. Auch für die Grenzflecken Wichitsch (Bihacs)5 und Repitsch habe der König Vorsorge getroffen; auch hoffe er, auf dem Reichstage zu Regensburg Hilfe gegen die Türken zu erlangen und damit nicht nur seine Länder zu schützen, sondern auch dem Feinde in seinem eigenen Lande entgegentreten zu können.
Die Stände sahen sich somit vorläufig wieder auf ihre eigenen Kräfte angewiesen. Der Ende März versammelte Ausschuss derselben bestellte nun auf eigene Kosten die sofortige Aufstellung von 400 „gerüsteten Pferden“, sogenannten „Provisionern“, d. i. gegen Lohn aufgenommene schwere Reiter, dann von 200 kroatischen Pferden, d. i. leichten Reitern, und von 200 „Martolosen“6 für die Kundschaft. Zum Feldhauptmann ernannten sie den Bernhard Ritschan. Als Viertelmeister wurden Heinrich Wernecker für Unterkrain mit dem Sammelorte Tschernembl und Niklas Rauber für den Karst mit dem Sammelorte Adelsberg bestimmt. Auch für die Grenzorte Wichitsch und Bründl wurde angemessen gesorgt und zur schnellen Verbreitung von Nachrichten für die Kreidfeuer und Kreidschüsse neue Anordnungen getroffen. Die Schnelligkeit der türkischen Reiter sollte nur zu bald die zum zweiten Male getroffenen Verteidigungsanstalten als ungenügend erscheinen lassen.
Kaum erging am 8. Juli 1528 von Seiten des Landeshauptmannes ein Aufruf, in welchem ein bevorstehender Einfall der Türken bekanntgegeben wurde, so erschienen am 9. schon bei 6000 Mann derselben, die ihren Weg über Kosstel, Gottschee, Reifnitz und Auersperg genommen hatten, auf dem Islerfelde und bezogen unweit Laibach, bei Marein, ein Lager. Eine vom Landeshauptmann von Laibach aus unternommene Rekognoszierung ergab, dass mit den vorhandenen Kräften gegen die Übermacht des Feindes nichts auszurichten wäre. Streifende Türkenhaufen zogen nun von Marein über die Save gegen Mannsberg nach Littau, Seisenberg und Sittig. Als der Feldhauptmann Ritschan mit dem indessen gesammelten Aufgebot am 10. Juli ihnen folgen wollte, erhielt er die Nachricht, dass sie in der Nacht schon abgezogen wären. Bei Reifnitz holte er sie ein, wagte aber nicht mehr, sie anzugreifen. Aufgebot sowohl als die Provisioner hatten sich schnell genug eingefunden; sie waren jedoch zu schwerfällig den leichten türkischen Reitern gegenüber und zu gering an Zahl gegen deren mehrfache Übermacht.
Da ein neuer Einfall nur zu bald zu erwarten war, wandten sich die Stände von Krain abermals an den König und auch an die Nachbarländer um Hilfe. Die Kärntner sandten 500 Fußknechte unter dem Hauptmann Christof Salier, die Steirer 300 Reiter und 700 gerüstete, d. h. mit Feuergewehren ausgerüstete Fußknechte unter den Hauptleuten Abel von Holneck und Stephan Graswein, und aus Görz kam Fußvolk unter Niklas von Thurn. Oberösterreich sandte einen Geldbeitrag, während Niederösterreich sowie Tirol sich ablehnend verhielten und auf die künftige Beratung bei einer allgemeinen Landesversammlung hinwiesen. Auch aus Kroatien zogen die Grafen Wolf und Christof Frangepan aus Bründl und der Graf von Krabau („Corbaria“) mit 80 leichten Reitern herbei. Das Fußvolk der Landschaft war in Rudolfswerth, Möttling und Landstraß verteilt. Zum Hauptmann der Bauernschaft wurde Friedrich Paradeiser bestellt, während Bernhard Ritschan den Oberbefehl über die ganze Streitmacht führte.
Es währte auch nicht lange, so fand der dritte Einfall der Türken nach Krain im Jahre 1528 statt. Schon am 2. Oktober hatte der Hauptmann von Zengg und Graf von Clissa, Peter Kružić, das Anrücken derselben gegen Ottocac gemeldet. Diesmal nahmen sie den Weg über Möttling, wohin auch das Aufgebot beordert worden war. Auf der Straße zwischen Laibach und Möttling, unweit Neustadtl (Rudolfswerth?), trafen die gesamten Streitkräfte des Landes mit den Türken, die man auf 5000 Mann schätzte, zusammen. Der Kampf währte zwei Stunden, bis der Einbruch der Nacht demselben ein Ende machte. Die Türken wurden in die Flucht geschlagen und von den Reitern verfolgt. Als der Anführer der Türken seine Sache verloren gab, befahl er, die Gefangenen zu töten; doch sollen nur die älteren Leute niedergemacht, die jüngeren aber fortgeschleppt worden sein. Der Verlust der Türken betrug an 700 Tote und Verwundete nebst vielen Gefangenen, während jener des christlichen Volkes unbedeutend war.
Noch ein vierter Einfall erfolgte am Freitag nach Allerheiligen, den 3. November. Eine Raubschar überschritt die Kulpa unterhalb Möttling und drang bis in die Gegend am Gurkfluss vor, wo sie der Pfleger von Maichau, Hans Pülcher, mit 30 leichten Reitern angriff, 16 Türken tötete und 20 Pferde erbeutete. Schon am folgenden Tage zogen die Türken schleunigst ab, um nicht durch die infolge heftiger Regengüsse angeschwollene Kulpa abgeschnitten zu werden.
Der letzte Besitz Ungarns in Bosnien, die Stadt Jajce mit ihrer Umgebung, welche vom Ban Keglević an König Ferdinand übergeben worden war, ging nun auch an die Türken verloren. Schon zu Anfang des Jahres 1528 erschienen dieselben unter Führung der Paschas von Bosnien und Semendria, Husrevbeg und Jahjogli, vor Jajce, das ungenügend ausgerüstet und von Lebensmitteln entblößt, mit österreichischer Besatzung versehen war und von dem Befehlshaber Gorbonog nach zehntägiger Beschießung gegen freien Abzug der Besatzung an die Türken übergeben wurde; ausnahmsweise wurde diese Bedingung auch eingehalten. Mit Jajce zugleich fielen auch die Reste des gleichnamigen Banates mit Banjaluka, das von Radović ohne Verteidigung übergeben wurde. Wenn eine heldenmütige Verteidigung dieser beiden Plätze auch wenig Erfolg versprach und ein Entsatz weder von Kroatien noch von Krain aus zu erwarten war, so blieb den Befehlshabern derselben doch der Vorwurf der Feigheit nicht erspart.
Die Notwendigkeit, eine stehende Besatzung in Krain und an der kroatischen Grenze zu erhalten, wurde nun abermals in Erwägung gezogen. Anfangs 1529 verlegte auch König Ferdinand 1500 spanische Fußknechte nach Krain, die meist zur Besetzung der verschiedenen Grenzorte verwendet und vom König bezahlt wurden. Um die Mittel zur Verteidigung aufzubringen, wurden nebst Krain auch Kärnten und Steiermark beigezogen und in allen österreichischen Erbländern ein Teil der Kirchenkleinodien zu Geld gemacht. Manche Grenzorte wurden nun auch neu befestigt und ausgerüstet. Die Wiedereroberung des an die Türken verlorenen kroatischen Schlosses Udbin, welche der König wünschte, erklärten die Stände wegen Mangels der nötigen Geschütze nicht unternehmen zu können.
Während dieser Vorgänge an der Grenze dauerten die Bestrebungen Ferdinands, seine Herrschaft in Ungarn auszudehnen und zu festigen, mit wechselndem Erfolge fort. Größere Einfälle der Türken nach Krain und Kroatien unterblieben während des Jahres 1529, da schon zu Beginn desselben in Konstantinopel die Vorkehrungen für einen Zug durch Ungarn nach Wien und selbst bis in das Herz Deutschlands, welchen Süleiman schon seit Jahren plante, getroffen wurden. Der kleine Krieg — gegenseitige Raubzüge — war an der Grenze jedoch fortdauernd an der Tagesordnung. So berichtet Jurischitsch aus Möttling am 24. August 1529 über einen Streifzug des Grafen von Zrinyi nach Bosnien, dem wieder ein Einfall von 200 Türken in Krain folgte, die mit einigen Verlusten zurückgetrieben wurden.
Zápolya hatte den Hieronymus Łaski, einen polnischen Edelmann, der sich seinem Dienste weihte, nach Konstantinopel geschickt, um über ein Bündnis mit dem Sultan zu verhandeln. Łaski traf am 22. Dezember 1527 dort ein und fand die Unterstützung des Ludovico Gritti7, der sich durch seine Kenntnisse der abendländischen Verhältnisse das vollste Vertrauen des Großwesirs Ibrahim8 erworben hatte. Über die Ansichten der Pforte konnte Zápolyas Gesandter bald Gewissheit erlangen. Die Anforderung, ein Bündnis mit Zápolya einzugehen, wurde anfangs mit Spott und Hohn aufgenommen und ihm jedes Recht auf ein Land abgesprochen, welches man vermöge des, wenn auch nur vorübergehenden Besitzes, als Eigentum des Sultans betrachten müsse. Bald aber fand man, dass es von Vorteil wäre, sich in einem von Parteien zerrissenen Lande der schwächeren zu bedienen, um mit ihrer Hilfe in den Besitz des Ganzen zu gelangen. Łaski, ein gewandter und schlagfertiger Diplomat, ließ nichts unerwähnt, was geeignet erscheinen konnte, den Wert eines Bündnisses mit Zápolya für die Pforte in ein möglichst günstiges Licht zu stellen. Seine Bemühungen wurden auch von Erfolg gekrönt, denn der Sultan begriff, dass für ihn nichts günstiger sein konnte, als wenn er in Ungarn selbst einen Bundesgenossen gegen das Haus Habsburg fände, in welchem er das Haupthindernis für die Ausbreitung der türkischen Macht nach Westen sah. In einer Audienz, die Łaski am 27. Januar 1528 gewährt wurde, erklärte der Sultan, dass er Ungarn, welches er durch seinen Säbel und das Recht des Krieges erworben habe, an Zápolya abtrete und ihm gegen Ferdinand von Österreich beistehen werde, wogegen Łaski schwor, dass sein König immer der Freund seiner Freunde und der Feind der Feinde des Sultans sein würde. Am 29. Februar 1528 wurde ihm die Bundesurkunde eingehändigt und auch gleich die Rüstungen zu einem Zuge nach Ungarn angeordnet.
Um nicht vom Sultan allein abzuhängen, suchte Zápolya auch Verbindungen mit England, Frankreich und mit deutschen Reichsfürsten; doch nur Frankreich, von dem Zápolya schon bisher mit Geld unterstützt wurde, zeigte sich geneigt, ein Bündnis einzugehen und zur Eroberung Ungarns monatlich 20.000 Goldtaler zu zahlen.
Auch wurde Zápolya noch ausgiebigere Unterstützung versprochen, wenn er sich verpflichte, nicht nur den Krieg gegen Ferdinand fortzusetzen, sondern auch nach dessen Besiegung die Franzosen in Italien mit Truppen zu unterstützen und, im Falle er ohne Leibeserben sterben sollte, einem französischen Prinzen die Nachfolge in Ungarn zu sichern.
Ferdinand musste, um mit Erfolg gegen Ungarn auftreten zu können, dahin streben, den Sultan zum Frieden oder doch zu einem mehrjährigen Waffenstillstand zu bewegen. Wenn Ferdinand auch schon im April 1527 sicheres Geleit für eine Botschaft verlangt hatte, so schickte er doch erst im Frühjahr 1528 den Ungarn Johann Hobordancz in Begleitung des Krainers Sigmund Weichselberger an den Sultan, um den Abschluss eines Friedens und die Herausgabe einer Reihe von Grenzfestungen zu verlangen.
Die Gesandten Ferdinands trafen erst am 29. Mai 1528, nachdem der Vertrag zwischen dem Sultan und Zápolya bereits abgeschlossen war, in Konstantinopel ein, wo sie ehrenvoll empfangen und am dritten Tage zur Audienz zugelassen wurden; einen Erfolg hatten aber alle ihre Verhandlungen nicht. Der Sultan verlangte vor allem die Räumung Ofens und ganz Ungarns, worauf man erst mit Ferdinand über Deutschland verhandeln könne. Schließlich trug der Sultan in der am 28. Juni bewilligten Abschiedsaudienz den Gesandten höhnend auf, ihrem Herrn zu sagen, dass er selbst mit aller seiner Macht zu ihm kommen werde, um in eigener Person die verlangten festen Plätze zurückzustellen. Eine schriftliche Antwort wurde den Gesandten versprochen; doch wurden sie vorläufig auf Betrieb der venezianischen Botschaft, welche sie als Spione hinstellte, in enger Haft gehalten und erst im November entlassen.
Es gelang Zápolya, der in Polen vom Adel unterstützt wurde und einige Truppen angeworben hatte, einen Einfall in Oberungarn zu unternehmen, wo er großen Anhang fand. Bei der Burg Sárospatak schlug er am 25. September 1528 die Truppen Ferdinands mit einem Verluste von 500 Mann. So unbedeutend dieses Treffen auch war, so hatte Zápolya doch den Erfolg, dass er nun wieder in Ungarn vorzudringen wagte, wo sich ihm allerhand Volk anschloss. Den Truppen Ferdinands ausweichend, ging er hierauf über Debrecen und Großwardein nach Makó, wo er mit Mehmedbeg, dem Pascha von Semendria, der ein Heer zu seiner Unterstützung bereit hielt, eine Zusammenkunft verabredet hatte. Da der Befehlshaber von Temesvár die Übergabe dieser Festung verweigerte, wollte Zápolya, gedeckt durch die Nähe der Türken, die Ankunft des Sultans in Lippa abwarten.
Während Ferdinand, dem Mangel an Geld die dauernde Unterhaltung von Truppen sehr erschwerte, die anfangs errungenen Vorteile nicht ausnützen konnte, unterließ Zápolya nichts, um die Ungarn gegen ihn aufzureizen, wobei ihm der Paulinermönch Georg Utiesenovich (auch Martinusius und Martinuzzi genannt) vorzügliche Dienste als Agent leistete.9
Auf die Nachricht, dass der Sultan mit Zápolya ein Bündnis geschlossen habe und ihm mit einem Heere zu Hilfe kommen werde, während Ferdinand weder die Anhänger seines Rivalen zu unterdrücken und die Ruhe im Innern herzustellen noch das Land gegen die Türken zu schützen vermochte, ging das Vertrauen zu letzterem gänzlich verloren. Zahlreiche Edle, die sich ihm früher angeschlossen hatten, trugen nun, als ihn das Glück verließ, kein Bedenken, abzufallen. Der Parteikampf im östlichen Ungarn wie in Siebenbürgen und in Kroatien entbrannte nun mit neuer Heftigkeit, und die Ausschreitungen der oft nicht bezahlten Truppen trugen nicht wenig dazu bei, die Abneigung der Ungarn gegen Ferdinands Herrschaft zu verstärken.
Um in seinen anderen Ländern und auch in Deutschland die Mittel zum Kriege zu erhalten, hatte Ferdinand selbst Ungarn schon im März 1528 verlassen. So viel ihm auch an Truppen und Geld zugesichert wurde, so waren die gewährten Mittel doch zu gering und flossen zu langsam ein, um ein größeres Heer aufzustellen, ja, um auch nur die in Ungarn stehenden Truppen zu bezahlen und genügend auszurüsten. Weder gegen Zápolya vermochte man etwas Ernstliches zu unternehmen, noch die Festungswerke in Verteidigungszustand zu setzen. Die Stimmung in Ungarn, wo man sich Ferdinand gerade deshalb unterworfen hatte, weil man von ihm Schutz ohne eigene Anstrengung erwartete, wurde immer schlechter, als man sich in dieser Hoffnung getäuscht sah. Seine Anhänger verloren das Vertrauen zu seiner Macht und klagten ihn der Wortbrüchigkeit an; seine Gegner wünschten sogar die Türken herbei.
Als die Gesandten König Ferdinands endlich aus Konstantinopel entlassen wurden, waren alle Vorkehrungen zum Abmarsch des türkischen Heeres getroffen. Wie zum Hohn für die Gesandten wurde am 18. März 1529, drei Tage vor ihrem Abgang, die Ernennung des Großwesirs Ibrahim zum Serasker, d. i. zum obersten Feldherrn, mit unerhört hohen Einkünften und mit ganz außergewöhnlichen Vollmachten und Ehrungen kundgemacht und demselben zugleich die Beglerbegschaft von Rumelien verliehen.
Das türkische Heer war im 16. Jahrhundert sowohl durch seine Größe wie durch seine trefflichen Einrichtungen in seiner Art allen Heeren der christlichen Nachbarstaaten weit überlegen. In jedem der eroberten Länder waren für die Krieger zahlreiche Lehen (Timar) geschaffen worden, von denen jedes einen oder mehrere Reiter zu stellen hatte. Nach der Eroberung Ägyptens und Syriens konnte leicht eine Macht von 100.000 Mann regulärer Reiterei — Sipahi — aufgestellt werden. Den Kern des türkischen Fußvolkes bildeten die Janitscharen: sie ergänzten sich durch regelmäßige Aushebung der kräftigsten Christenknaben in den eroberten Ländern und durch die von Raubzügen eingebrachten Knaben, welche in harter Arbeit und strenger Zucht zum Kriegsdienste herangebildet wurden. Ihre Stärke belief sich unter Süleiman auf 15.000 Mann. Bis zu Süleimans Zeiten war den Janitscharen das Heiraten verboten; die Aufhebung dieses Verbotes führte dann die Einreihung ihrer Kinder in die Truppe herbei und förderte sehr ihren Verfall. Weiters kamen hinzu die Piade oder Azab, d. i. Fußtruppen in der Stärke von mehr als 80.000 Mann, die von den Sandschaks beigestellt und erhalten wurden. Als Stamm der Geschützbedienung fanden sich meist Renegaten — Ungarn, Serben und Italiener —, denen die Ausbildung der Artillerie oblag. Es bedurfte daher nur eines Befehls des Sultans, so stand ein zahlreiches, zum Kriege vorbereitetes Heer zu Pferde und zu Fuß bereit, das im letzten Augenblicke durch Anwerbung leicht noch vermehrt werden konnte. Diesem schloss sich weiters in unbestimmter Zahl die Schar der „Akindschi“, das sind Streifer, an, ihrer Schnelligkeit und Grausamkeit wegen die „Renner und Brenner“ genannt, die vom Raube lebten.10
In Österreich hing das Heerwesen zumeist von den Ständen ab, die auf bestimmte Zeit ein Landesaufgebot oder eine Anzahl anzuwerbender Knechte bewilligten. Die gesamten waffenfähigen Männer wurden wohl nur ausnahmsweise in den meistbedrohten Gegenden aufgerufen; es waren dies zusammengeraffte Haufen, die sich mit den Türken nicht messen konnten. Reiterheere, früher vom Adel gebildet, hatten seit dem Aufkommen der Feuerwaffen immer mehr an Bedeutung verloren, und nur ausnahmsweise fühlten sich einzelne Adelige noch zum Kriegsdienste verpflichtet. Die Hauptrolle spielten nun Söldner, die erst im Kriegsfalle durch kriegserfahrene Führer auf bestimmte Zeit angeworben wurden; sie standen an Kriegstüchtigkeit den Türken nicht viel nach, doch forderte ihre Erhaltung große Summen, und an Geld fehlte es in den österreichischen Ländern stets. Die gewöhnlichen, von der Bewilligung der Stände unabhängigen Einkünfte des Landesherrn reichten kaum aus, die Kosten der Verwaltung und des Hofstaates sowie die Zinsen der immer mehr anwachsenden Schulden zu bestreiten. Die österreichischen Erbländer allein waren auch nicht umfangreich genug, um eine Macht, wie jene der Türken zur Zeit war, aufzuhalten.
Bis nun das nötige Geld zur Anwerbung der Söldner aufgebracht war und bis sie angeworben wurden, verging oft so viel Zeit, dass der Feind schon lange im Land sein und verschiedene Vorteile errungen haben konnte, ehe noch Truppen zur Verteidigung des Landes bereit standen. Nicht selten geschah es daher auch, dass im entscheidenden Augenblicke die Truppen, wenn der Sold nicht rechtzeitig gezahlt wurde, den Gehorsam versagten oder, wenn von den Reichsständen beigestellt, zurückgezogen wurden.
König Ferdinand war schon Ende 1528 vollkommen überzeugt, dass der nächste Kriegszug der Türken einem Angriff auf Wien gelten werde. Fiel ihnen diese Stadt in die Hände, so war auch ihre Herrschaft über Ungarn entschieden. Die Macht der Osmanen, welche damals ihren Höhepunkt erlangt hatte, stand dann an den Grenzen des Deutschen Reiches, das, politisch ohne festen Halt und jetzt auch durch die religiösen Wirren zerrissen, auf die Dauer kaum zu widerstehen vermocht hätte. Ferdinand meinte, Süleiman habe die Absicht, nach der Einnahme von Wien daselbst zu überwintern und im nächsten Frühjahr zur Unterwerfung Deutschlands zu schreiten.11 Er bot daher auch alles auf, um sowohl die österreichischen Lande wie auch Deutschland zu ausgiebiger Hilfe herbeizuziehen.
In Deutschland verfolgte man das Anwachsen der habsburgischen Macht nur mit eifersüchtigen Blicken; von den Reichsständen war daher auch kaum mehr zu erwarten, als dass sie die zur Abwehr der ihnen unmittelbar drohenden Gefahr nötige Hilfe gewährten, im Übrigen aber es Österreich überließen, sich in Ungarn festzusetzen, wenn sie nicht gar Bündnisse mit Zápolya gegen Österreich eingingen.
Schon seit dem Frühjahr 1528 machte König Ferdinand alle Anstrengungen, um sich zum Widerstand zu rüsten. Ende März hatte er die mährischen Stände nach Znaim berufen, um ihnen die Gefahr für Mähren ans Herz zu legen und eine ausgiebige Türkenhilfe zu begehren; sie bewilligten 3000 Mann zu Fuß und 200 Reisige. Von da eilte er nach Prag. Über des Burggrafen Löw von Rosmital Vorstellung bewilligten die Stände 6000 Mann zu Fuß und 1000 Reiter. Im November fand ein Landtag in Wien statt. Dann verfügte sich der König nach Graz und in der letzten Woche des Jahres nach St. Veit in Kärnten und schließlich nach Innsbruck, wo er bis Ende Januar 1529 weilte, um persönlich für eine ausgiebige Türkenhilfe anzueifern.
Von Innsbruck eilte der König zum Reichstag nach Speyer, wo er bis 25. April verblieb. Die ihm feindlich gesinnten Fürsten, besonders die Herzöge von Bayern, bereiteten ihm hier erhebliche Schwierigkeiten; sie stellten die Größe der Türkengefahr in Abrede und beantragten, dass vor der Beschlussfassung Kundschafter abgesendet werden mögen, um über den Anzug der Türken verlässliche Nachrichten zu erhalten. Sie meinten auch, dass Ferdinand den Krieg vermeiden könnte, wenn er sich entschließen wollte, Ungarn ganz an Zápolya zu überlassen. Endlich wurde eine Reichshilfe bewilligt, jedoch in so beschränktem Maße, dass sie mit der Gefahr, welcher zu begegnen war, wohl nicht im Einklang stand, und selbst diese wurde an Bedingungen geknüpft, welche die Religionsfreiheit betrafen. Von Speyer kehrte der König nach Linz zurück, um auch hier mit den Ständen zu verhandeln.
Als um die Mitte Juni der Kundschaftsbericht einlangte, dass die Spitze des türkischen Heeres an der Save angelangt sei, berief König Ferdinand die zur Leitung der Reichshilfe gewählten Fürsten nach Regensburg, wo er am 25. Juni eintraf. Die Führung der nun schleunigst einberufenen Reichshilfe wurde dem Pfalzgrafen Friedrich bei Rhein, Herzog in Bayern, übertragen, der aber lange überlegte, ob er die Wahl zum Führer annehmen sollte, und vorher noch Abgeordnete nach Ungarn schickte, um zu erheben, ob das Anrücken der Türken auch gewiss sei.12
Auf dem mittlerweile nach Budweis einberufenen Landtag der Böhmen, bei dem der König am 9. Juli eintraf, wurde mit Rücksicht auf die größere Gefahr auch eine weit größere Hilfe als im Vorjahre bewilligt, welchem Entschlusse auch Schlesien und die Lausitz beitraten.
Für Niederösterreich wurde für den 12. Juni ein Landtag anberaumt, zu dem der Statthalter Georg von Puchheim und die Räte Hans von Eibeswald und Felizian von Petschach entsendet wurden. In der denselben erteilten Instruktion13 wird in eingehender Weise die außerordentliche Gefahr, welcher namentlich Österreich unter der Enns ausgesetzt ist, geschildert und darauf hingewiesen, wie dringend notwendig zu deren Abwehr eine ausgiebige Hilfe sei. Ferdinand betont darin, dass, falls aus den Ländern rechtzeitig ein genügender Zuzug von Kriegsvolk stattfinden sollte, „welchen wir ungefährlich und dennoch nicht zum höchsten auf ein 40 tausend zu Fuß und 10 tausend gerüstete Pferde, außerhalb deren wir aus unserem Königreich Ungarn haben mögen, anschlagen“, der Feind in einer Schlacht zu bekämpfen wäre. Er hebt die gänzliche Unzulänglichkeit seiner eigenen Geldmittel hervor, darauf hindeutend, dass er nach dem Tode des Kaisers Maximilian die Kammergüter mit großen Schulden überlastet gefunden habe, auch ihm „auf Zurichtung der Artillerie, Stiftung und Kriegsmunition und Fürsehung des Proviants“ unerschwingliche Kosten erwachsen, und diesfalls noch immer keine Minderung, wohl aber täglich eine Vermehrung der Auslagen sich ergebe. Er erklärt sich bereit, die Kammergüter aufs Äußerste in Anspruch zu nehmen; die Landschaft möge ihm diesfalls ihre Ansicht und Anträge bekanntgeben. Ferdinand weist ferner darauf hin, dass er keine Mühe spare und im letzten strengen Winter persönlich bei mehreren Landtagen anwesend gewesen wäre; für eine gemeinschaftliche Beratung aber keine Zeit mehr sei, „dieweil uns der Türke dermaßen übereilt und so nahend ist“.
Die Bemühungen Ferdinands fanden aber bei den Landtagen wenig Entgegenkommen. Die von den Ländern im Ganzen bewilligte Die Türkenhilfe betrug nicht mehr als 349.000 Gulden, darunter von Österreich ob und unter der Enns 80.000 Gulden,14 während das Erfordernis auf vier Monate vom 1. Juni an auf mehr als 645.000 Gulden veranschlagt war.
Auch an Kaiser Karl V. wandte sich Ferdinand um Hilfe; dieser war jedoch noch immer mit dem Papst, mit Frankreich und der Republik Venedig im Kriege, welchen es um den Abschluss eines definitiven Friedens nicht zu tun war. Mit Papst Clemens VII. kam endlich am 29. Juni, mit Frankreich der Friede von Cambrai erst am 5. August zum Abschluss, viel zu spät, um die in Italien frei gewordenen Truppen des Kaisers noch rechtzeitig gegen die Türken verwenden zu können, wie es Ferdinand durch seinen Gesandten Nogaroli verlangte.
Schließlich richtete König Ferdinand auch ein Manifest an die gesamte Christenheit, um sie zu Beiträgen für die Unterhaltung des Heeres gegen die Türken aufzufordern.15
Noch im letzten Augenblicke entschloss sich Ferdinand, um die Kriegsgefahr von seinen Ländern abzuwenden, zu dem Versuche, die Pforte durch große Opfer zum Frieden zu bewegen. Ende Juli wollte er den Niklas Jurischitsch als Gesandten an den Sultan schicken und gab ihm Vollmacht, für einen Frieden oder doch wenigstens einen zehnjährigen Waffenstillstand und die Herausgabe einiger der im Jahre 1526 eroberten festen Plätze — im Notfalle auch ohne diese — zu verhandeln, gegen Zuerkennung einer jährlichen Pension (das Wort Tribut wollte man vermeiden) bis zu 10.000 Dukaten an den Sultan und an den Großwesir Ibrahim bis zu 6000, oder für letzteren ein für allemal ein Geschenk bis zu 40.000 Dukaten. In einem Briefe aus Möttling in Krain zeigt aber Jurischitsch an, dass es ihm nicht gelungen war, auf sein Ansuchen um freies Geleit eine Antwort zu erhalten.
1Kaiser Friedrich III. erhob schon nach dem Tode des Königs Ladislaus Postumus Erbansprüche für das Haus Habsburg, die Kaiser Maximilian I. nach dem Tode des Königs Matthias Corvinus erneuerte. Erbverträge wurden dann zwischen König Wladislav II. und Kaiser Maximilian I. auf dem Pressburger Landtag 1491 geschlossen, dann 1506 und 1515 erneuert und schließlich gelegentlich der Wechselheirat zwischen den Erben beider Regentengeschlechter bestätigt.
2Markgraf Casimir erlag seiner Krankheit noch während des Feldzuges am 21. September 1527.
3Huber, „Geschichte Österreichs“, III. Band, S. 568.
4Die Türken sollen einen Riesen bei sich gehabt haben, welcher zum Zweikampf herausforderte. Nachdem ein Söldner namens Milos Parisevich der Forderung folgte und den Kampf glücklich bestand, zogen die Türken wieder ab.
5Die Grenze zwischen Bosnien und Kroatien bildete die Save und Una. Von Sissek bis an das Adriatische Meer waren zahlreiche Schlösser und kleine befestigte Punkte, die Ferdinand schon vor 1526, soweit es möglich war, in die Verteidigung der eigenen Länder einbezogen hatte. Valvasor nennt 34 solche Grenzorte, welche zeitweise mit von Österreich beigestellten Truppen besetzt wurden und ein fortwährender Anlass des kleinen Krieges waren. Sie wechselten nicht selten ihren Herrn oder verfielen auch ganz, sodass ihre Lage jetzt manchmal kaum mehr zu bestimmen ist. Im Jahre 1525, als Lenković zum selbstständigen Grenzobersten ernannt wurde, zählte man vom Meere bis zum Zusammenfluss der Save und Una 55 solche Grenzorte, welche später nebst den Ansiedlungen in Sichelburg den Grundstock zur Organisierung der Militärgrenze bildeten, die sich bis zum Jahre 1872 erhielt.
6„Martolosen“ nannte man schon im 15. Jahrhundert die wenigen im türkischen Heere dienenden christlichen Söldner, welche, in kleine Abteilungen zusammengestellt, den Janitscharen einverleibt waren. Das Wort „Martolos“ bedeutet so viel wie Räuber oder Buschritter, und die Martolosen sollen dieser Bedeutung auch entsprochen haben. Später ging der Name auf alle nichtosmanischen Freiwilligen des türkischen Heeres und endlich auch auf jene christlichen Freiwilligen über, die über die türkische Grenze flüchteten und dann Kriegsdienste leisteten.
7Ludovico Gritti war der natürliche Sohn des ehemaligen Gesandten bei der Pforte und nunmehrigen Dogen Andrea Gritti. Charakterlos und geldgierig, reichte das Versprechen, ihm die Einkünfte des reichsten Bistums in Ungarn, Großwardein, und ein Jahresgeld von 4000 Dukaten zu verschaffen, hin, ihn für die Sache Zápolyas zu gewinnen.
8Ibrahim, der Sohn eines Fischers an der griechischen Küste, wurde als Kind von Seeräubern geraubt und gelangte seiner Schönheit und seiner musikalischen Talente wegen in den Besitz des Sultans, der ihn mit Gunstbezeugungen überhäufte. Er wurde dessen Vertrauter und Freund und endlich als Großwesir dessen Schwager.
9Georg Utiesenovich, auch Utisenovich, und nach dem Bruder seiner Mutter, eines Bischofs von Skardona, Martinusius oder Martinuzzi, gewöhnlich auch nur Bruder Georg genannt, war früh in ein Paulinerkloster in Polen getreten. Äußerst ehrgeizig und ränkevoll, erwarb er sich das Vertrauen Zápolyas während seines Aufenthaltes in Krakau und später das seiner Witwe. Im Jahre 1534 wurde er zum Bischof von Großwardein, und als er zu Ferdinands Partei übertrat, zum Primas und zum Kardinal ernannt, endlich aber 1551, als er sich des Verrates verdächtig machte, auf Befehl Castaldos zu Alvincz in Siebenbürgen ermordet.
10Die „Akindschi“, von den Deutschen „Renner und Brenner“ und auch „Sakman“ (eine oft auch für die Türken im Allgemeinen angewendete Bezeichnung) genannt, wurden von den Italienern „Guastatori“, d. i. Verwüster, und von den Franzosen „faucheurs“ und „écorcheurs“, d. i. Mäher und Schinder, genannt.
11In seiner Ansprache an die zu Speyer 1529 versammelten Reichsstände sowie in seinen Briefen an Kaiser Karl V. spricht Ferdinand diese Ansicht übereinstimmend mit den erhaltenen Kundschaftsberichten offen aus.
12Friedrich von der Pfalz und die deutschen Hilfstruppen in Kaltenbecks „Österreichische Zeitschrift für Geschichte“, 1836, S. 401.
13Wiener Archiv 9/1592, „Instruktion auf Österreich unter der Enns“, mitgeteilt im Notizblatt der Akademie der Wissenschaften, Jahrgang 1858, S. 251.
14Wiener Archiv 10/1529, „Der Landen Bewilligung und Auslage darauf, was von Kriegsvolk davon zu unterhalten ist“. Mitgeteilt im Notizblatt der Akademie der Wissenschaften, Jahrgang 1858, S. 268.
15Das Manifest scheint vom Kanzler Ferdinands, dem Kardinal Bernhard von Cles, verfasst zu sein. Nach Schilderung der Gefahren für Deutschland sowie für alle christlichen Länder und der Grausamkeiten, welche von Seiten der Türken überall, wo ihre Scharen hinkamen, verübt zu werden pflegen, schließt er mit einem Aufruf an die gesamte Christenheit, nicht nur die Gefahr von ihrem Haupte abzuwenden, sondern spricht auch die Hoffnung aus, die christlichen Brüder, welche in mehr als ägyptischer und babylonischer Gefangenschaft seufzen, zu befreien, Jerusalem wieder erobern zu können und endlich so weit fortzuschreiten, bis das Unkraut mohammedanischen Aberglaubens aus den Völkern hinweggenommen sei.
Quelle: Leopold Kupelwieser: Die Kämpfe Oesterreichs mit den Osmanen vom Jahre 1526 bis 1537. Leipzig, 1899.
© Carsten Rau
