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Warum gab es nur drei deutsche Kaiser?

Symbolbild drei deutsche Kaiser.
Symbolbild drei deutsche Kaiser.

Die Frage, warum es „nur drei deutsche Kaiser“ gab, wirkt auf den ersten Blick einfach, ist aber in Wirklichkeit eng mit einem ganz bestimmten historischen Moment verknüpft. Gemeint ist fast immer das Jahr 1888, das als Dreikaiserjahr bekannt geworden ist. In diesem Jahr regierten im Deutschen Kaiserreich nacheinander drei Monarchen: Wilhelm I., sein Sohn Friedrich III. und schließlich dessen Sohn Wilhelm II.. Dass es genau drei waren, lag jedoch nicht an einem politischen Plan oder einer strukturellen Besonderheit des Kaiserreichs, sondern an einer Verkettung von biologischen, medizinischen und historischen Umständen, die sich in diesem Jahr auf dramatische Weise überlappten.

Um das zu verstehen, muss man zunächst klären, was mit „deutschen Kaisern“ überhaupt gemeint ist. Der Titel „Deutscher Kaiser“ existierte nur von 1871 bis 1918, also für vergleichsweise kurze 47 Jahre. Er entstand im Zuge der Reichsgründung nach dem Sieg über Frankreich im Krieg von 1870/71. Am 18. Januar 1871 wurde Wilhelm I. im Spiegelsaal von Versailles zum Deutschen Kaiser proklamiert. Damit wurde aus dem König von Preußen zugleich das Oberhaupt eines neu gegründeten Nationalstaats, des Deutschen Reiches.

Schon diese Konstruktion ist wichtig: Der Deutsche Kaiser war nicht einfach ein eigenständiger Monarch wie etwa der König von Frankreich oder Großbritannien, sondern in Personalunion immer auch König von Preußen. Das bedeutete, dass die Thronfolge nicht frei gestaltet werden konnte, sondern den preußischen Erbregeln folgte. Der Kaiserthron war also direkt an die preußische Dynastie der Hohenzollern gebunden. Es gab keine separate „deutsche“ Kaiserlinie, sondern nur die preußische Königsfamilie, die zusätzlich den Kaisertitel trug.

Wilhelm I., der erste Deutsche Kaiser, war bei seiner Kaiserkrönung bereits 73 Jahre alt. Als er 1871 den Titel annahm, hatte er bereits ein langes politisches Leben hinter sich. Er war kein junger Staatsgründer, sondern ein alter Monarch, der eher widerwillig in die Rolle des Kaisers hineingewachsen war. Sein eigentliches politisches Gewicht lag weniger in seiner eigenen Initiative als in der Zusammenarbeit mit seinem Reichskanzler Otto von Bismarck, der als Architekt der Reichsgründung gilt.

Dass Wilhelm I. so alt war, ist der erste entscheidende Faktor dafür, warum es im Jahr 1888 zu drei Kaisern kam. Als er am 9. März 1888 starb, war er 90 Jahre alt – ein außergewöhnlich hohes Alter für die damalige Zeit. Sein Tod war zwar kein plötzliches Ereignis, aber dennoch ein Einschnitt, weil er eine lange Phase der Stabilität beendete.

Sein Nachfolger wurde sein Sohn Friedrich III. Dieser war zu diesem Zeitpunkt ebenfalls kein junger Mann mehr, sondern bereits 56 Jahre alt. Das allein wäre noch kein Problem gewesen, doch Friedrich war schwer krank. Er litt an Kehlkopfkrebs, einer Erkrankung, die im 19. Jahrhundert kaum behandelbar war. Schon vor dem Tod seines Vaters war klar, dass Friedrich gesundheitlich stark eingeschränkt war. Es gab sogar Diskussionen darüber, ob er überhaupt regierungsfähig sein würde.

Trotzdem trat er nach dem Tod Wilhelms I. die Herrschaft an. Seine Regierungszeit begann am 9. März 1888 – und endete bereits am 15. Juni desselben Jahres. Damit regierte er nur 99 Tage. Diese extrem kurze Amtszeit ist der zweite entscheidende Faktor für das Dreikaiserjahr. Wäre Friedrich III. gesund gewesen und hätte er, sagen wir, zehn oder zwanzig Jahre regiert, dann hätte es im Jahr 1888 natürlich nur einen Kaiser gegeben, nämlich ihn. Dass er so früh starb, führte dazu, dass noch im selben Jahr ein dritter Herrscher den Thron bestieg.

Dieser dritte Kaiser war Wilhelm II., der Sohn Friedrichs III. Er war zum Zeitpunkt seiner Thronbesteigung erst 29 Jahre alt und gehörte damit einer ganz anderen Generation an als sein Großvater Wilhelm I. und sein Vater Friedrich III. Mit ihm begann eine neue Phase der deutschen Geschichte, die sich deutlich von der vorherigen unterschied.

Die oft gestellte Frage „Warum gab es nur drei deutsche Kaiser?“ ist also eigentlich missverständlich formuliert. Es gab nicht insgesamt nur drei deutsche Kaiser – insgesamt waren es drei in diesem einen Jahr. Zählt man die gesamte Zeit des Deutschen Kaiserreichs von 1871 bis 1918, dann gab es tatsächlich ebenfalls nur drei verschiedene Personen, die den Titel trugen: Wilhelm I., Friedrich III. und Wilhelm II. Aber das liegt daran, dass das Kaiserreich insgesamt nur 47 Jahre existierte und die Thronfolge in dieser Zeit innerhalb einer einzigen Familie stattfand.

Man könnte also genauer sagen: Es gab nur drei deutsche Kaiser, weil das Kaiserreich eine relativ kurze Lebensdauer hatte und die Herrschaft innerhalb der Hohenzollern-Dynastie blieb. Es gab keine Revolution oder Dynastiewechsel innerhalb dieser Zeit, die zu weiteren Kaisern geführt hätten. Erst 1918, am Ende des Ersten Weltkriegs, wurde die Monarchie abgeschafft, und Wilhelm II. musste abdanken.

Doch die eigentliche Besonderheit liegt im Jahr 1888 selbst. Dass drei Kaiser innerhalb eines Jahres regierten, war kein strukturelles Merkmal des Systems, sondern ein historischer Zufall, der sich aus der Altersstruktur der Dynastie und den medizinischen Möglichkeiten der Zeit ergab. Wilhelm I. war sehr alt, Friedrich III. war tödlich krank, und Wilhelm II. stand bereit, die Nachfolge anzutreten. Diese Konstellation führte zwangsläufig zu einem schnellen Wechsel.

Dabei spielte auch die damalige Medizin eine Rolle. Kehlkopfkrebs ist heute oft behandelbar, zumindest in einem früheren Stadium. Im 19. Jahrhundert jedoch waren die diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten stark begrenzt. Friedrich III. wurde zwar von mehreren Ärzten untersucht, darunter auch internationale Spezialisten, doch die Diagnose wurde zunächst nicht eindeutig gestellt, und die Behandlung war unzureichend. Es gab sogar Kontroversen zwischen deutschen und britischen Ärzten über die richtige Vorgehensweise. Letztlich konnte niemand seinen Tod verhindern.

Ein weiterer interessanter Aspekt ist die politische Bedeutung dieser drei Kaiser. Sie standen jeweils für unterschiedliche Richtungen und Möglichkeiten der deutschen Entwicklung. Wilhelm I. war eng mit der Reichsgründung und der konservativen Ordnung verbunden, die von Bismarck geprägt wurde. Friedrich III. galt als liberaler Hoffnungsträger, der möglicherweise Reformen eingeleitet hätte, wenn er länger gelebt hätte. Wilhelm II. hingegen verfolgte einen deutlich selbstbewussteren und teilweise aggressiveren politischen Kurs, insbesondere in der Außenpolitik.

Dass Friedrich III. so früh starb, wird von Historikern oft als eine verpasste Chance betrachtet. Es gibt zahlreiche Spekulationen darüber, wie sich das Deutsche Reich entwickelt hätte, wenn er länger regiert hätte. Manche vermuten, dass er eine stärkere Parlamentarisierung gefördert und die Macht des Kaisers eingeschränkt hätte. Andere halten diese Erwartungen für übertrieben und weisen darauf hin, dass auch Friedrich in ein komplexes politisches System eingebunden gewesen wäre, das sich nicht so leicht hätte verändern lassen.

Unabhängig davon zeigt das Dreikaiserjahr, wie stark historische Entwicklungen von individuellen Lebensumständen abhängen können. Es war kein Plan, keine bewusste Entscheidung und kein politisches Konzept, dass drei Kaiser in einem Jahr regierten. Es war das Ergebnis von Alter, Krankheit und Erbfolge – Faktoren, die sich der politischen Steuerung weitgehend entziehen.

Die Wahrnehmung dieser Ereignisse in der damaligen Öffentlichkeit war entsprechend intensiv. Zeitungen berichteten ausführlich über den Gesundheitszustand der Kaiser, über ihre Todesfälle und über die Thronwechsel. Besonders der Tod Friedrichs III. löste große Anteilnahme aus, weil viele Menschen mit ihm Hoffnungen verbunden hatten. Gleichzeitig wurde Wilhelm II. mit einer Mischung aus Neugier und Skepsis betrachtet, da er eine neue Generation repräsentierte und seine politischen Vorstellungen noch nicht klar erkennbar waren.

Wenn man also fragt, warum es „nur drei deutsche Kaiser“ gab, dann liegt die Antwort weniger in einer bewussten Begrenzung als in der Kombination aus kurzer Zeitspanne, dynastischer Kontinuität und außergewöhnlichen Umständen im Jahr 1888. Das Deutsche Kaiserreich existierte nicht lange genug, um eine größere Zahl von Herrschern hervorzubringen, und innerhalb dieser Zeit blieb die Macht in den Händen einer einzigen Familie.

Das Dreikaiserjahr selbst bleibt dabei ein einzigartiges Ereignis, weil es zeigt, wie schnell sich politische Verhältnisse ändern können, wenn mehrere entscheidende Faktoren zusammenkommen. Es war ein Jahr, in dem sich innerhalb weniger Monate eine ganze Generation von Herrschern ablöste – vom greisen Reichsgründer über den kranken Hoffnungsträger bis hin zum jungen, ehrgeizigen Nachfolger.