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Alexander als König

Philipp, König von Makedonien, hatte – wie wir gesehen haben – einen großen Fehler: Er trank zu viel. Oft war sein Verstand vernebelt und sein Gang unsicher. Einen Betrunkenen kann niemand respektieren, und so machte man sich über Philipp lustig, sobald er sich in diesem Zustand zeigte.

Selbst Alexander, sein eigener Sohn, verachtete ihn in solchen Momenten. Als er seinen Vater nach einer seiner Ausschweifungen taumeln und stürzen sah, rief er spöttisch: „Seht nur! Ein Mann, der von Europa nach Asien ziehen will, kann nicht einmal sicher von einem Lager zum anderen gehen.“

Alexander war über die Erfolge seines Vaters ohnehin unzufrieden. Einmal rief er wütend aus, es bleibe für ihn nichts mehr zu tun, wenn Philipp tatsächlich die Perser besiege und Asien erobere.

Man kann sich daher leicht vorstellen, dass er den Tod seines Vaters kurz vor Beginn des Feldzugs nicht allzu sehr betrauerte. Mit zwanzig Jahren wurde er Herrscher über ein gewaltiges Heer, unermessliche Reichtümer und über alle griechischen Städte, die damals zu den prächtigsten der Welt gehörten.

Auch die Athener empfingen die Nachricht von Philipps Tod mit großer Freude, da sie nun ihre Freiheit zurückzuerlangen hofften. Demosthenes war besonders begeistert, seinen verhassten Gegner loszuwerden. Mit einem Blumenkranz auf dem Kopf lief er durch die Stadt, schüttelte jedem die Hand und rief laut seine Glückwünsche aus.

Seine Freude war so groß, weil er – wie alle Athener – glaubte, ein junger Mann wie Alexander könne sich niemals behaupten. Sie hofften, wieder die führende Macht Griechenlands zu werden.

Auch die Thraker glaubten, Alexander könne die Pläne seines Vaters nicht fortführen, und erhoben sich. Der junge König musste seine Herrschaft mit einem Feldzug gegen sie beginnen.

Drei Monate vergingen. Die Griechen hörten nichts von Alexander oder seinem Heer und glaubten, er sei besiegt und getötet worden. Die Thebaner wähnten den richtigen Moment gekommen, erhoben sich und erklärten, sie würden sich nie wieder dem makedonischen Joch beugen.

Doch sie sollten diese voreilige Erklärung bitter bereuen. Alexander war nicht tot – er hatte die Thraker vollständig besiegt. Ohne zu zögern marschierte er nach Böotien, belagerte und eroberte Theben. Die Stadt wurde zerstört, die Einwohner getötet oder in die Sklaverei verkauft, die Mauern niedergerissen. Nur das Haus des Dichters Pindar blieb stehen, denn Alexander bewunderte dessen Lieder.

Die anderen griechischen Städte, erschrocken über die furchtbare Strafe, sandten Gesandte zu Alexander. Sie boten ihm nicht nur Gehorsam an, sondern auch Männer, Geld und Vorräte für seinen geplanten Feldzug nach Asien. Alexander nahm diese Angebote gnädig an und marschierte anschließend weiter nach Süden bis nach Korinth.