Wie wir gesehen haben, war Darius nach der Niederlage von Issos geflohen. Seine Angst war so groß, dass er erst am anderen Ufer des Tigris Halt machte, wo er sich wieder sicher fühlte.
Alexander verfolgte ihn jedoch nicht sofort. Stattdessen zog er zunächst die Küste entlang nach Süden. Er hielt es für klüger, alle Städte am Meer zu erobern, bevor er ins Landesinnere vordrang –
um sicherzugehen, dass ihm niemand in den Rücken fallen konnte.
Er marschierte durch Syrien und Phönizien, nahm Damaskus und Sidon ein und erreichte schließlich Tyros, eine reiche Handelsstadt auf einer Insel nahe der Küste.
Die Tyrier weigerten sich, sich zu ergeben. Alexander bereitete daher eine Belagerung vor. Da er keine Flotte besaß, begann er, einen gewaltigen Damm vom Festland zur Insel zu bauen. Das Wasser
war tief, und die Arbeiter wurden unablässig von Pfeilen, Steinen und Speeren aus der Stadt und von tyrischen Schiffen angegriffen.
Ein Sturm zerstörte den Damm sogar einmal, als er fast fertig war, sodass die Arbeiten von vorn beginnen mussten. Der hartnäckige Widerstand der Tyrier erzürnte Alexander so sehr, dass er nach
der Eroberung der Stadt viele der reichsten Bürger kreuzigen ließ.
Nachdem er Herakles auf den rauchenden Ruinen von Tyros ein Opfer dargebracht hatte, zog Alexander weiter nach Jerusalem. Er wollte die Juden bestrafen, weil sie seinen Feinden geholfen und die
Tyrier mit Nahrung versorgt hatten.
Die Nachricht von seinem Kommen erfüllte die Juden mit großer Furcht. Sie erwarteten dieselbe grausame Behandlung wie die Tyrier und wussten nicht, ob sie kämpfen oder sich ergeben sollten.
Da hatte Jaddua, der Hohepriester, eine Vision: Ein Engel des Herrn erschien ihm und sagte ihm, was er tun solle. Jaddua gehorchte. Er ließ die Leviten ihre Festgewänder anlegen, zog selbst seine
Priesterrobe an und führte die Prozession den Hügel hinab, um Alexander entgegenzugehen.
Als Alexander den feierlichen Zug sah, angeführt von einem würdevollen alten Mann, stieg er sofort von seinem Pferd, kniete vor Jaddua nieder und ehrte den Namen Gottes, der auf dessen Gewändern
stand.
Seine Offiziere waren erstaunt über diese Demut und fragten ihn schließlich, warum er einem fremden Priester solche Ehre erwies. Da erzählte Alexander ihnen von einer Vision, die er vor seinem
Aufbruch aus Makedonien gehabt hatte: Darin war ihm Jaddua erschienen und hatte ihm befohlen, furchtlos nach Asien zu ziehen, denn die Perser würden ihm ausgeliefert werden.
Alexander ging an der Seite des greisen Hohepriesters in die heilige Stadt Jerusalem und betrat die Vorhöfe des Tempels. Dort brachte er dem Herrn ein Opfer dar und sah die Bücher Daniels und
Sacharjas, in denen – so glaubte man – seine Ankunft und seine Siege vorausgesagt waren.
