Alexander marschierte weiter nach Süden, während Darius mit einem riesigen Heer nach Norden zog, um ihn abzufangen und seinen Vormarsch zu stoppen.
Durch einen außergewöhnlichen Zufall verfehlten sich die beiden Heere: Sie durchquerten zwei verschiedene Schluchten desselben Gebirges und zogen aneinander vorbei. Alexander bemerkte dies als
Erster und kehrte sofort um – entschlossen, den Feind zu finden und zu besiegen.
Schon bald trafen die Heere bei Issos aufeinander. Die Perser erlitten eine vernichtende Niederlage, Darius floh, und seine Mutter, seine Frau und seine Kinder gerieten in Gefangenschaft.
Nach der Schlacht besuchte Alexander die königlichen Frauen in ihrem Zelt, um ihnen zu versichern, dass sie mit größtem Respekt behandelt würden. Er wurde von seinem Freund Hephaistion begleitet,
der größer und kräftiger war als er. Als die beiden in ihrer schlichten Rüstung eintraten, verwechselte die Königinmutter Sisygambis Hephaistion mit dem König und warf sich vor ihm nieder, um
Gnade zu erflehen. Als sie ihren Irrtum bemerkte, war sie zutiefst beschämt. Doch Alexander beruhigte sie freundlich, legte den Arm um seinen Freund und sagte: „Er ist mein anderes Ich.“
Alexander behandelte die persischen Frauen mit großer Freundlichkeit und besuchte sie oft, um sich mit ihnen zu unterhalten. Da er sie stets untätig vorfand, glaubte er, ihnen müsse die Zeit
schwerfallen, und bot ihnen einmal an, ihnen das Spinnen und Weben beizubringen – Tätigkeiten, die griechische Frauen sehr schätzten.
Doch Sisygambis brach in Tränen aus und fragte, ob er sie zu Sklavinnen machen wolle, denn persische Frauen betrachteten jede körperliche Arbeit als entehrend. Alexander bemerkte ihren Kummer,
eilte zu ihr und versuchte zu erklären, wie glücklich griechische Frauen bei ihren kunstvollen Arbeiten seien.
Als er jedoch sah, dass die königliche Familie lieber untätig bleiben wollte, drängte er ihnen nie wieder eine Beschäftigung auf. Im Gegenteil: Er begegnete ihnen mit so viel Sanftmut und
Respekt, dass Sisygambis ihn bald wie einen eigenen Sohn liebte.
