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Das Pferd Bukephalus

Als Alexander dreizehn Jahre alt war, sah er eines Tages Pferdehändler, die ein außergewöhnlich schönes Pferd vor König Philipp führten. Das Tier hatte einen weißen Fleck auf der Nase, der an einen Ochsenkopf erinnerte, weshalb man es Bu-kephalos nannte – „Ochsenkopf“.

Philipp bewunderte das Pferd und befahl seinen Stallknechten, es zu reiten, um seinen Gang zu prüfen. Doch einer nach dem anderen wurde abgeworfen. Bucephalus war wild, nervös und schreckhaft; schließlich erklärte Philipp, es sei töricht, ein so unbrauchbares Tier zu kaufen, und ließ es wegführen.

Da trat Alexander vor und bat inständig, das Pferd selbst reiten zu dürfen. Philipp lachte zunächst darüber, dass sein Sohn ein Tier zähmen wollte, das selbst erfahrene Reiter abgeworfen hatte. Doch Alexander blieb hartnäckig – und erhielt die Erlaubnis.

Der junge Prinz näherte sich dem aufgeregten Pferd ruhig, nahm den Zaum, sprach leise mit ihm und strich über seinen gewölbten Hals. Dann führte er Bucephalus einige Schritte vorwärts und wendete ihn. Alexander hatte bemerkt, dass das Pferd vor seinem eigenen Schatten erschrak.

Als der Schatten so fiel, dass Bucephalus ihn nicht mehr sehen konnte, ließ Alexander seinen Mantel fallen und schwang sich auf den Rücken des Pferdes. Bucephalus bäumte sich auf, schlug aus und raste davon – doch Alexander hielt sich fest, sprach beruhigend auf ihn ein und ließ ihn frei über die Ebene galoppieren.

Schon nach kurzer Zeit war der wilde Anfall vorüber, und Alexander kehrte auf einem nun gehorsamen Pferd zu seinem Vater zurück. Philipp war so beeindruckt von Mut, Ruhe und Geschick seines Sohnes, dass er ihm das Pferd schenkte. Bucephalus wurde Alexanders treuester Begleiter; niemand außer ihm durfte ihn reiten.

Kurz darauf – Alexander war noch nicht einmal sechzehn – wurde er in die Obhut des Philosophen Aristoteles gegeben, eines Schülers Platons und eines der größten Gelehrten seiner Zeit. Philipp schrieb ihm sogar, er sei dankbar, dass die Götter seinem Sohn erlaubt hätten, in derselben Epoche wie ein so großer Lehrer zu leben.

Alexander liebte Aristoteles und lernte bereitwillig alles, was dieser ihn lehrte. Oft sagte er, er verdanke dem Philosophen alles Gute, das er wisse. Alexanders bemerkenswerte Selbstbeherrschung, sein Urteilsvermögen und seine Ausdauer waren zu einem großen Teil Aristoteles’ Einfluss zu verdanken – und hätte Alexander stets auf seinen Rat gehört, wäre er wohl ein wahrhaft tugendhafter Herrscher geworden.

Auch wenn Alexander nicht immer nach den Tugenden handelte, die Aristoteles ihm beizubringen versuchte, vergaß er seinen Lehrer nie. Er unterstützte ihn großzügig, damit dieser seine Forschungen fortsetzen konnte, und sandte ihm auf seinen Feldzügen ganze Sammlungen der Tiere und Pflanzen, die er in fremden Ländern fand.