Die Athener zitterten vor Angst, als Demetrios mit strengem Blick in ihre Stadt einzog. Ihre Furcht wuchs noch, als er alle angesehenen Bürger auf den Marktplatz beorderte. Niemand wagte, sich zu
widersetzen. Das siegreiche Heer umzingelte sie, jeder Soldat mit gezogenem Schwert – ein Anblick, der die Athener das Schlimmste erwarten ließ.
Demetrios trat vor und sprach mit scharfen Worten zu ihnen. Die Bürger glaubten, ihr letztes Stündlein habe geschlagen. Er tadelte sie heftig für ihren Verrat und ihre Undankbarkeit und erklärte,
sie verdienten den Tod durch seine Hand. Doch dann schloss er – völlig unerwartet – mit den Worten, er wolle seine Macht lieber durch Gnade zeigen als durch Blutvergießen.
Er fügte hinzu, dass er wisse, wie sehr die Stadt gelitten habe, und dass er bereits Getreide in jedes Haus habe bringen lassen, damit die Athener bei ihrer Rückkehr ihre Familien nicht hungernd
vorfänden.
Die plötzliche Wendung von Todesangst zu Erleichterung war so überwältigend, dass die Athener beinahe ohnmächtig wurden. Doch als sie wieder zu Atem kamen, brach ein gewaltiger Jubel aus – ein
Dankeschrei für den unerwartet gnädigen Eroberer.
Demetrios war ebenso großzügig wie tapfer, doch sein Ende war tragisch. Nach einem langen Leben voller Kriege – und nachdem er Makedonien erobert und wieder verloren hatte – geriet er in die
Hände seines Rivalen Seleukos, der ihn bis zu seinem Tod gefangen hielt.
Etwa zur gleichen Zeit traf Makedonien und Griechenland ein neues Unglück: Ein Einfall der Gallier. Sie strömten aus den nördlichen Bergen herab, um den Tempel von Delphi zu plündern.
Doch wie schon einst zur Zeit des Xerxes entging der Tempel der Zerstörung – diesmal durch ein plötzliches, furchterregendes Gewitter. In der Dunkelheit gerieten die abergläubischen Gallier in
Panik, stürzten übereinander her und kämpften in der Verwirrung gegeneinander, sodass viele von ihnen starben.
Die Griechen, ermutigt durch die Erinnerung an frühere Siege, beschlossen nun, sich selbst zu verteidigen. Sie stellten ein Heer auf und schlugen die Eindringlinge vernichtend. Brennos, der
Anführer der Gallier, nahm sich aus Verzweiflung das Leben, während die Überlebenden nach Kleinasien flohen und sich dort in einer Provinz niederließen, die später nach ihnen Gallien genannt
wurde.
