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Der gordische Knoten

Alexander blieb nicht lange in Karien. Er marschierte weiter und erreichte bald die Stadt Gordion in Phrygien, wo einst König Midas geherrscht hatte. In einem Tempel zeigten ihm die Einwohner stolz den Wagen, mit dem Midas einst in die Stadt eingezogen war.

Das Joch war mit einem Seil befestigt, das in einem äußerst komplizierten Knoten geschlungen war. Einer alten Prophezeiung zufolge sollte derjenige, der diesen „gordischen Knoten“ löste, Herrscher über ganz Asien werden.

Alexander, der die Weltherrschaft anstrebte, betrachtete den Knoten mit großem Interesse. Doch nach kurzem, sorgfältigem Prüfen erkannte er, dass er ihn nicht lösen konnte.

Statt aufzugeben, zog er sein Schwert und hieb den Knoten mit einem einzigen Schlag entzwei. Seitdem sagt man, jemand habe „den gordischen Knoten durchschlagen“, wenn er ein schwieriges Problem nicht mühsam löst, sondern mit einem kühnen, entschlossenen Schritt beseitigt – so wie Alexander der Große.

Von Gordion aus zog Alexander weiter nach Tarsos, das sich ihm ebenfalls unterwarf. Kurz darauf entging er nur knapp dem Tod.

Durch die sengende Sonne überhitzt, erreichte er den Fluss Kydnos – ein reißender Strom mit eiskaltem Wasser. Trotz aller Warnungen seiner Begleiter bestand Alexander darauf, darin zu baden. Die plötzliche Kälte verursachte einen schweren Krampf, und er wäre ertrunken, hätten ihn seine Männer nicht rechtzeitig herausgezogen. Doch die Unbesonnenheit brachte ihm eine gefährliche Krankheit ein, und sein Leben hing für kurze Zeit am seidenen Faden.

Sein Leibarzt war Philipp, ein griechischer Arzt, der Alexander seit seiner Geburt betreut hatte. Er pflegte ihn mit großer Hingabe und erklärte schließlich, er wolle ein starkes Heilmittel zubereiten, das den König retten könne.

Kurz nachdem Philipp gegangen war, erhielt Alexander einen Brief, der ihn warnte: Der Arzt sei vom persischen König Dareios III. bestochen worden und wolle ihn vergiften.

Alexander las den Brief, legte ihn ruhig unter sein Kopfkissen und wartete auf Philipp. Als der Arzt mit dem Becher zurückkehrte, nahm Alexander das Heilmittel in die eine Hand – und reichte ihm mit der anderen den Brief.

Während Philipp die Anschuldigung las und erbleichte, trank Alexander den Trank bis zum letzten Tropfen. Dann gab er seinem Arzt lächelnd den leeren Becher zurück.

Alexanders Vertrauen war gerechtfertigt: Das Heilmittel wirkte, er erholte sich rasch – und konnte seine Eroberungen fortsetzen.