Obwohl die Herrschaft der Dreißig Tyrannen in Athen nur von kurzer Dauer war, hinterließ sie tiefe Spuren. In dieser Zeit ließen sie rund 1500 Männer hinrichten und verbannten zahlreiche
rechtschaffene Bürger. Selbst Sokrates geriet in ihren Fokus – auch ihn hätten sie nur zu gern beseitigt, obwohl er als einer der größten Denker der Geschichte galt.
Da diese Gewaltherrschaft den Athenern von den siegreichen Spartanern aufgezwungen worden war, reifte bald der Entschluss, sich davon zu befreien. Unter den Vertriebenen befand sich auch
Thrasybulos, ein überzeugter Patriot.
Vom Leid seiner Mitbürger tief bewegt, begann er, Widerstand zu organisieren. Er sammelte eine kleine Schar entschlossener Männer um sich, drang überraschend in die Stadt ein, vertrieb die
spartanischen Besatzer und stürzte die Herrschaft der Tyrannen – ein kühner Schlag, mit dem kaum jemand gerechnet hatte.
Einige Jahre später machten sich die Athener daran, die Langen Mauern wieder aufzubauen, die der spartanische Feldherr Lysander einst unter feierlicher Musik hatte niederreißen lassen. Die
Erleichterung über das Ende der Tyrannei war so groß, dass sie ihrem Befreier Thrasybulos Statuen errichteten und bei öffentlichen Festen Lieder zu seinen Ehren sangen.
In Sparta hingegen hatte sich die Stimmung gewandelt. Der Sieg über Athen hatte bei vielen ein Gefühl der Überlegenheit entstehen lassen. Stolz und Selbstüberschätzung breiteten sich aus – und
mit ihnen jene Haltung, die oft den Anfang vom Niedergang markiert.
Lysander hatte bei seinen Feldzügen in Athen und den Städten Attikas große Reichtümer erbeutet, die vollständig nach Sparta gebracht wurden. Die Ephoren zögerten zunächst, dieses Gold anzunehmen,
da sie Reichtum als Quelle von Verderbnis betrachteten. Schließlich entschieden sie sich jedoch, es zum Ausbau ihrer Stadt zu verwenden.
Lysander selbst bewies dabei persönlichen Verzicht. Obwohl er großen Einfluss besaß, behielt er nichts von der Beute für sich. Im Gegenteil: Als er starb, war er so arm, dass der Staat die Kosten
für seine Bestattung übernehmen musste.
Die Spartaner ehrten ihn dennoch in besonderer Weise. Sie bereiteten ihm ein würdiges Begräbnis und sorgten darüber hinaus für seine Familie: Seine Töchter erhielten eine Mitgift, und man half
ihnen, standesgemäße Ehen zu schließen.
