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Der tapfere spartanische Junge

In Sparta wurden gierige und ungehorsame Kinder mit Verachtung bestraft, was sie zu einem warnenden Beispiel für die anderen Jungen machte. Alle spartanischen Kinder wurden von klein auf darauf trainiert, sofort und ohne Widerrede zu gehorchen, egal welcher Befehl erteilt wurde. Ihre Ernährung war extrem karg und beschränkte sich auf das Wesentliche.

 

Ein ungewöhnlicher Aspekt der Erziehung war, dass die Spartaner ihren Jungen beibrachten, zu stehlen. Sie wurden gelobt, wenn sie es unbemerkt taten, und bestraft, wenn sie auf frischer Tat ertappt wurden. Der Hintergrund dieses Brauchs war pragmatisch: Da die Spartaner oft in Kriege zogen und keine Trosswagen oder Versorgungseinheiten hinter sich herzogen, mussten sie sich auf das verlassen, was sie unterwegs beschaffen konnten, um ihren Hunger zu stillen.

 

Sobald ein feindliches Heer in Sicht war, versteckten die Spartaner nicht nur ihren Reichtum, sondern auch ihre Vorräte. Ohne das Stehlen als Teil ihrer Ausbildung hätten die spartanischen Soldaten während der Kriege oft unter großem Hunger gelitten.

 

Ein weiteres Element der Ausbildung war, den Mut der Jungen zu testen. Ihre Lehrer erlaubten ihnen nie, Licht zu verwenden, und schickten sie häufig mitten in der Nacht auf Botengänge, die sie möglichst schnell und ohne Fehler erledigen mussten.

 

Einmal im Jahr wurden alle Jungen zum Tempel der Artemis gebracht, wo sie einer harten Prüfung unterzogen wurden: der Auspeitschung. Wer diese Strafe ohne ein einziges Stöhnen oder eine Träne überstand, wurde für seinen Mut besonders gelobt. Einige Jungen wollten so sehr als tapfer gelten, dass sie angeblich lieber zu Tode gepeitscht wurden, als zu klagen.

 

Einer dieser Jungen wurde in vielen Geschichten verewigt, da sein Mut außergewöhnlich war. Auf dem Weg zur Schule hatte er einen lebenden Fuchs gestohlen und diesen in seinem Gewand versteckt. Der Fuchs versuchte verzweifelt, zu entkommen, und begann, in die Brust des Jungen zu beißen und ihn mit seinen Krallen zu verletzen. Doch trotz der qualvollen Schmerzen blieb der Junge völlig still und ließ sich vom Fuchs zu Tode beißen. Erst als er tot zusammenbrach, entdeckten die Lehrer den Fuchs und erkannten das unglaubliche Leid, das der Junge ertragen hatte. Seitdem werden tapfere Jungen, die Schmerzen ohne einen Laut ertragen, als „kleine Spartaner“ bezeichnet.

 

Ein weiteres Merkmal der spartanischen Erziehung war, dass die Jungen nur dann sprechen durften, wenn sie direkt angesprochen wurden. Ihre Antworten mussten kurz und prägnant sein – je weniger Worte, desto besser. Dieser sparsamer Umgang mit Worten, bei dem viel in wenigen Sätzen gesagt wurde, wurde in ganz Lakonien zur Norm und ist noch heute als „lakonischer Stil“ bekannt.

 

Die Ältesten der Stadt hielten tägliche mündliche Prüfungen ab, bei denen die Jungen schnell und präzise auf alle möglichen Fragen antworten mussten. Eine langsame oder ungenaue Antwort galt als große Schande. Diese Übungen förderten nicht nur das Gedächtnis und die Denkgeschwindigkeit der Jungen, sondern lehrten sie auch, schnell zu entscheiden und das Wesentliche auf den Punkt zu bringen.

 

Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Erziehung war der Respekt gegenüber den Älteren. Es muss ein beeindruckendes Bild gewesen sein, all diese kräftigen Jungen zu sehen, wie sie auf der Straße ihren Älteren Platz machten und sie respektvoll grüßten, selbst wenn sie dabei ihr Spiel unterbrachen.

 

Zusätzlich zur geistigen und moralischen Ausbildung wurden die Jungen auch körperlich gestärkt. Sie wurden in Gymnastik und verschiedenen sportlichen Disziplinen unterrichtet: Vom Umgang mit Waffen über das Werfen von Gewichten, Ringen, schnellem Laufen, Schwimmen und Springen bis hin zum Reiten – die Jungen waren in allem geschult, was ihre Körper stark, agil und gesund hielt.