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Der Tod der Verschwörer

Harmodios und Aristogeiton, die fest entschlossen waren, die Tyrannen zu stürzen, weihten einige enge Vertraute in ihren Plan ein. Ihre geheimen Treffen fanden im Haus einer außergewöhnlich mutigen Frau statt: Leaena, „die Löwin“. Sie war die einzige Frau, die an der Verschwörung teilnahm.

Da die Athener traditionell bewaffnet zu den Festlichkeiten erschienen, warteten die jungen Männer auf diesen Anlass, um ihren Anschlag auszuführen. Sie mischten sich unter die Menge, suchten die Nähe der Tyrannen – und zogen im entscheidenden Moment ihre Schwerter, um zuzuschlagen.

Harmodios handelte so schnell, dass er Hipparchos töten konnte. Doch bevor seine Gefährten ihm beistehen konnten, wurde er von den Wachen der Tyrannen niedergestreckt.

Aristogeiton eilte herbei, um seinen Freund zu retten, wurde jedoch gefasst und vor Hippias geschleppt. Der Tyrann verlangte von ihm die Namen aller Mitverschwörer. Zunächst schwieg Aristogeiton standhaft. Dann jedoch gab er vor, nachzugeben – und nannte absichtlich einige der engsten Freunde des Tyrannen, die dessen Herrschaft unterstützten.

Hippias, erschrocken und misstrauisch, ließ die Beschuldigten zusammen mit Aristogeiton ohne Gerichtsverfahren hinrichten. Erst danach erkannte er seinen Fehler. Um die wahren Verschwörer zu entlarven, ließ er Leaena festnehmen. Er wusste, dass Harmodios und Aristogeiton sie häufig besucht hatten. In der Hoffnung, sie würde unter Folter die Namen preisgeben, befahl er, sie einzukerkern und grausam zu verhören – denn er wollte alle Beteiligten töten, wie er es mit Aristogeiton getan hatte.

Doch Leaena wusste, dass das Leben mehrerer junger Männer von ihrem Schweigen abhing. Ein einziges Wort hätte sie verraten – und sie selbst dem Tod ausgeliefert. Also beschloss sie, keinen Laut von sich zu geben. Trotz unerträglicher Qualen blieb ihr Mund verschlossen. Als man sie schließlich freiließ, stellte sich heraus, dass sie sich aus Angst, im Schmerz doch zu sprechen, die Zunge abgebissen hatte.

Leaena überlebte diese Torturen nicht lange. Nach ihrem Tod errichteten ihre Freunde ein prächtiges Grabmal. Auf dessen Spitze stellten sie das Bild einer Löwin ohne Zunge – ein dauerhaftes Zeichen ihres Mutes.

Die Athener trauerten tief um Leaena und um die tapferen jungen Männer Harmodios und Aristogeiton. Doch die Herrschaft des Hippias, des Sohnes des Peisistratos, wurde von Tag zu Tag grausamer und unerträglicher.