Als Agis erfuhr, was während seiner Abwesenheit in Sparta geschehen war, kehrte er eilig zurück. Doch bei seiner Ankunft stellte er fest, dass die Partei der Reichen inzwischen so mächtig
geworden war, dass er ihr nichts entgegensetzen konnte. Wie zuvor Leonidas und Kleombrotos musste auch er in einem Tempel Zuflucht suchen.
Seine Frau Agiatis, die krank im Haus lag, konnte ihm nicht folgen. Doch einige treue Freunde begleiteten ihn und hielten Wache. Ihre Vorsicht war nötig, denn Agis verließ jede Nacht heimlich den
Tempel, um sich zu waschen und zu erfrischen.
Zwei dieser Freunde erwiesen sich jedoch als Verräter. Sie nahmen Bestechungsgelder der Ephoren an und verrieten ihnen, dass Agis den Tempel jede Nacht verließ – und warum.
So vorbereitet, überfielen die Ephoren die kleine Gruppe in der folgenden Nacht und warfen Agis ins Gefängnis. Auf Befehl des zurückgekehrten Leonidas wurde er vor Gericht gestellt und zum Tode
verurteilt. So starb Agis mit nur zweiundzwanzig Jahren – nach drei vergeblichen Jahren, in denen er versucht hatte, Sparta zu seiner alten Einfachheit und Tugend zurückzuführen.
Leonidas begnügte sich nicht mit dem Tod des jungen Königs. Er zwang die Witwe Agiatis, seinen Sohn Kleomenes zu heiraten, obwohl dieser noch ein Knabe und jünger war als sie. Doch Agiatis gewann
bald großen Einfluss auf den jungen Prinzen. Sie erzählte ihm so viel über Agis, dass Kleomenes beschloss, seinem Beispiel zu folgen.
Nach Leonidas’ Tod bestieg Kleomenes den Thron – und wurde, geprägt durch die Lehren seiner Frau, ein bedeutender und tugendhafter Herrscher. Er vertrieb die reichen und korrupten Ephoren und
verteilte anschließend, wie Agis es geplant hatte, den gesamten Besitz gerecht unter dem Volk.
Als Aratos von den Reformen des Kleomenes hörte, fürchtete er, Sparta könne seine frühere Macht zurückgewinnen und erneut versuchen, über Griechenland zu herrschen. Um dies zu verhindern,
beschloss er, den jungen König anzugreifen, solange dieser noch unerfahren schien.
Er rückte mit einem starken Heer vor – doch zu seinem Entsetzen wurde er von Kleomenes vernichtend geschlagen. Mehrere kleinere Städte wollten nun den Achäischen Bund verlassen und sich Sparta
anschließen. Aratos wurde dadurch nur noch entschlossener, Spartas wachsende Macht zu brechen.
In seinem Eifer vergaß er jede Vorsicht und bat sogar Antigonos Doson, den König von Makedonien und Nachfolger des Antigonos Gonatas, um Hilfe. Dieser Herrscher trug den Beinamen Doson („der
geben wird“), weil er seinen Gefolgsleuten ständig Geschenke versprach, die er nie einlöste.
Antigonos Doson war nur allzu bereit, ein makedonisches Heer nach Griechenland zu entsenden. Er besetzte nicht nur die Festung am Isthmus von Korinth, sondern schickte auch Truppen weiter auf den
Peloponnes.
