Die Hellenen hatten noch nicht lange die Herrschaft über ganz Griechenland inne, als ein Phrygier namens Pelops die große Halbinsel im Süden eroberte. Nach ihm erhielt sie den Namen Peloponnesos. Man schrieb ihm auch zu, als Erster Münzen geprägt zu haben. Seine Nachkommen, die Pelopiden, breiteten ihre Macht über weite Teile des umliegenden Landes aus – mit Ausnahme der Argolis, wo weiterhin die Nachfahren des Danaos herrschten.
Ein Teil der Ionier und Achäer wurde von den Pelopiden aus seiner Heimat verdrängt. Diese Vertriebenen bestiegen Schiffe und suchten anderswo eine neue Existenz. Sie gründeten griechische Siedlungen auf nahegelegenen Inseln, entlang der Küste Kleinasiens und sogar im Süden Italiens.
Zu jener Zeit war Griechenland insgesamt noch dünn besiedelt. Die Menschen lebten vor allem in der Nähe ihrer Städte, während sich dazwischen weite, oft unbewohnte Landschaften erstreckten. In diesen Gebieten trieben sich wilde Tiere und Räuber umher, die Reisende auf ihren Wegen zwischen den Siedlungen überfielen. Besonders die Räuber, die sich in Wäldern und Bergen versteckten, verbreiteten Angst und Schrecken.
Schließlich erhoben sich einige mutige junge Männer, um gegen diese Bedrohung vorzugehen. Sie machten es sich zur Aufgabe, die Räuber zu bekämpfen und die Wege sicher zu machen. Ihr Mut und ihre Entschlossenheit brachten ihnen große Bewunderung ein – und sie wurden als Helden bekannt. Ihre Taten galten als so außergewöhnlich, dass man noch lange nach ihrem Tod von ihnen erzählte. Die Menschen erinnerten sich dankbar daran, wie diese Männer das Land sicherer gemacht hatten, und lehrten ihre Kinder, sie beinahe ebenso zu verehren wie die Götter. Die Epoche, in der sie lebten, wurde daher als das Heldenzeitalter bezeichnet.
Doch die Helden begnügten sich nicht damit, nur ihre Heimat zu schützen. Viele von ihnen zogen hinaus in die Ferne, auf der Suche nach neuen Abenteuern. Ihre Geschichten wurden über Generationen hinweg weitererzählt und sind bis heute bekannt.
So berichtet eine der berühmtesten Erzählungen von fünfzig Helden, die ein Schiff namens „Argo“ bestiegen. Sie segelten über bekannte Gewässer hinaus und wagten sich in fremde Meere. Ihr Ziel war das sagenumwobene Goldene Vlies, das sich – so hieß es – im fernen Kolchis befinden und von einem Drachen bewacht werden sollte.
Angeführt wurde diese Gruppe von Jason, einem Prinzen aus dem Volk der Äoler. Der Überlieferung nach gelang es ihm und seinen Gefährten, Kolchis zu erreichen und das Goldene Vlies zu erlangen. Zudem soll Jason die Tochter des dortigen Königs geheiratet und sie mit in seine Heimat genommen haben.
Tatsächlich jedoch stand das „Goldene Vlies“ wohl sinnbildlich für den Reichtum, den die Griechen im Osten fanden und in ihre Heimat brachten. Die Fahrt der „Argo“ gilt daher weniger als wörtliche Begebenheit, sondern vielmehr als Erinnerung an eine der ersten großen Seereisen der Griechen – und an den Beginn ihres Fernhandels.
