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Die Beleidigung des Tyrannen

Während Pisistratos Athen nach seinen eigenen Vorstellungen regierte, reiste Solon durch Asien, wo er mehrere interessante Persönlichkeiten traf, die später in der antiken Geschichte eine Rolle spielen sollten.

Solon blieb zehn Jahre lang fort in der Hoffnung, dass die Athener während dieser Zeit seinen Gesetzen treu folgen würden. Nachrichten aus seiner Heimat erreichten ihn kaum, denn es gab damals weder Post noch Zeitungen, und Briefe wurden nur in besonderen Ausnahmefällen übermittelt.

Nach seiner Rückkehr nach Athen erfuhr Solon mit großem Bedauern, dass sein Verwandter Pisistratos die Macht der Archonten an sich gerissen hatte. Als er jedoch sah, wie weise dieser das Volk regierte und wie sehr er sich um dessen Wohl bemühte, verzieh er ihm bereitwillig und blieb bis zu seinem Lebensende in gutem Einvernehmen mit ihm.

Pisistratos herrschte 33 Jahre über Athen, und nach seinem Tod betrauerte das Volk ihn sehr. In ihrer Trauer erlaubten die Athener seinen Söhnen Hippias und Hipparchus ohne Widerstand, ihm in der Herrschaft nachzufolgen.

Anfangs bemühten sich die beiden jungen Männer noch, dem Beispiel ihres Vaters zu folgen. Doch bald vernachlässigten sie ihre Pflichten und widmeten sich mehr dem Vergnügen als dem Wohl des Staates. Feste und Gelage nahmen den größten Teil ihrer Zeit ein.

In dieser Zeit lebten in Athen zwei junge Männer namens Harmodios und Aristogeiton. Sie waren enge Freunde und wurden wegen ihrer charakterlichen Stärke und ihres Einsatzes für den Ruhm ihrer Stadt allgemein geschätzt.

Harmodios hatte eine Schwester, die für ihre Schönheit und Güte bekannt war. In der Hoffnung, ihm eine Ehre zu erweisen, wählte das Volk sie aus, um bei der großen religiösen Prozession in Athen einen Blumenkorb zu tragen.

Einer der Tyrannen, Hipparchos, war jedoch aus Neid auf die Beliebtheit Harmodios’ verärgert und suchte nach Wegen, ihn zu kränken. Als er erfuhr, dass dessen Schwester für die Prozession ausgewählt worden war, verbot er ihr abrupt die Teilnahme am Fest.

Dies war eine schwere Demütigung, da nur Frauen mit schlechtem Ruf von solchen Feierlichkeiten ausgeschlossen wurden. Die öffentliche Zurückweisung traf Harmodios tief und machte ihn sehr zornig.

Auch sein Freund Aristogeiton war empört. Die beiden jungen Männer berieten sich und kamen zu dem Schluss, dass die Herrschaft dieser Männer dem Wohl Athens schade und beendet werden müsse.