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Die Einnahme von Theben

Der grausame Tod der beiden Brüder Eteokles und Polyneikes beendete die Belagerung von Theben nicht, wie man vielleicht erwarten würde. Kaum waren die Beisetzungen vollzogen, entbrannte der Kampf zwischen den beiden Heeren erneut. Die Auseinandersetzungen dauerten an, bis alle Anführer bis auf Adrastos gefallen waren.

Auch der größte Teil der Soldaten war gefallen. Schließlich entschied sich Adrastos zum Rückzug. Er kehrte in seine Heimat zurück und wartete, bis die Söhne der gefallenen Krieger alt genug sein würden, um selbst in den Krieg zu ziehen. Da es in jener Zeit als Pflicht galt, erlittenes Unrecht und insbesondere den Tod von Verwandten zu rächen, fiel es Adrastos nicht schwer, diese jungen Männer zum Kampf gegen Theben zu bewegen. So begann eine zweite Belagerung, die als Krieg der Epigonen („der Nachkommen“) bekannt wurde, da nun die Söhne die Auseinandersetzung ihrer Väter fortführten.

Der Mut dieser jungen Krieger war so groß, dass ihnen gelang, woran ihre Väter gescheitert waren: Nach langem Kampf eroberten sie Theben. Da Polyneikes inzwischen tot war und den Thron nicht mehr beanspruchen konnte, setzten sie seinen Sohn Thersander als Herrscher ein.

Dieser regierte zunächst in Frieden. Doch als später seine eigenen Söhne als wahnsinnig galten, waren die Thebaner überzeugt, dass die Götter das Geschlecht des Ödipus weiterhin verfolgten. Sie vertrieben die Herrscher und wählten eine andere Familie als neue Könige.

Auch die Töchter des Ödipus erlitten ein tragisches Schicksal: Antigone, die sich auf die Seite ihres Bruders Polyneikes gestellt hatte, wurde hingerichtet, während Ismene vor Kummer starb.

So endete das Geschlecht des Ödipus – eines Königs, der als einer der unglücklichsten Menschen der Überlieferung gilt, da er, obwohl er Gutes wollte, durch das Schicksal zu den schwersten Vergehen gezwungen wurde.