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Die Erziehung Spartas

Die Gesetze, die Lykurg für die Spartaner erließ, waren äußerst rigoros und auf Disziplin ausgerichtet. Ein Beispiel: Sobald ein Neugeborenes das Licht der Welt erblickte, musste der Vater es in einen einfachen Mantel hüllen und es einem Rat aus älteren und weiseren Männern vorzeigen. Diese prüften das Kind sorgfältig – wenn es gesund und kräftig war, ohne Missbildungen oder Schwächen, durfte es leben. Es wurde dann dem Vater zurückgegeben, der angewiesen wurde, das Kind zu einem stolzen Krieger des Vaterlandes zu erziehen.

 

War das Kind jedoch schwach oder missgebildet, wurde es zum nahen Berg gebracht und dort seinem Schicksal überlassen – es verhungerte, verdurstete oder wurde von wilden Tieren erlegt.

 

Die ersten sieben Jahre des Lebens eines spartanischen Kindes verbrachte es unter dem Dach des Vaters, in der Obhut der Mutter. In dieser Zeit wurden sie mit den schönsten Geschichten der griechischen Mythologie vertraut gemacht, insbesondere mit den Erzählungen über die antiken Helden und den epischen Gesängen Homers – der Trojanische Krieg und die Abenteuer des Odysseus faszinierten sie.

 

Mit sieben Jahren aber wurden die Kinder dem Staat übergeben, ihre Eltern waren fortan nur noch selten zu sehen. Die Jungen wurden in die Hände von strengen Lehrern gegeben, die sie zu starken und unerschrockenen Männern formten. Die Mädchen hingegen kamen unter die Obhut einer weisen und erfahrenen Frau, die sie nicht nur in den Künsten der Haushaltsführung unterrichtete, sondern ihnen auch die gleiche Stärke und Furchtlosigkeit vermittelte wie ihren Brüdern.

 

Für die spartanischen Jungen war Bescheidenheit ein wichtiger Teil ihrer Erziehung: Sie durften nur ein einziges, grobes Wollgewand besitzen, das sie das ganze Jahr über trugen – bei brütender Sommerhitze ebenso wie im eisigen Winter. Ihre Ausbildung in Lesen, Schreiben und Rechnen war eher spärlich, jedoch wurden sie intensiv darin geschult, die Gedichte Homers und patriotische Lieder auswendig zu lernen und sich mit der Leier selbst zu begleiten. Auch die Teilnahme am öffentlichen Chor und das Tanzen bei religiösen Festen gehörten zu ihren Pflichten.

 

Die Spartaner legten besonderen Wert darauf, dass ihre Jungen sowohl körperlich als auch seelisch stark und unerschrocken wurden. Schmerz und Anstrengung durften niemals Anlass zur Klage sein. Um dies sicherzustellen, unterzogen ihre Lehrer sie einem harten Training.

 

Oft wurden die Jungen, angeführt von einem älteren Kameraden, auf lange Märsche geschickt, die sie über steinige und unwegsame Pfade führten, ungeschützt in der sengenden Sonne. Der tapferste unter ihnen war derjenige, der trotz blutender Füße, brennendem Durst und äußerster Erschöpfung am längsten durchhielt.

 

Inspiriert von der Vorstellung, dass Komfort zu Schwäche führen könnte, durften die Jungen keine Betten benutzen. Ihr Schlafplatz war ein einfaches Lager aus Binsen, das sie am Ufer des Eurotas-Flusses sammelten. Im Winter bedeckten sie diese mit einer Schicht Schilfwolle, um sich vor der Kälte zu schützen und etwas weicher zu schlafen.