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Die frühen Bewohner Griechenlands

Obwohl Griechenland – oder Hel­las – nur etwa halb so groß ist wie der US-Bundesstaat New York, nimmt es einen herausragenden Platz in der Weltgeschichte ein. Es liegt im Süden Europas und wird im Norden durch eine Kette hoher Berge, die wie eine gewaltige natürliche Mauer wirken, vom übrigen Kontinent getrennt. Fast vollständig ist das Land vom blauen Wasser des Mittelmeers umgeben, das tief in die Küsten einschneidet. So kommt es, dass kaum ein Ort weiter als etwa 40 Meilen vom Meer oder 10 Meilen von den Bergen entfernt ist. Eingeschlossen zwischen Meer und Gebirge bildet Griechenland ein kleines, in sich geschlossenes Gebiet – die Heimat eines bedeutenden Volkes.
Die Geschichte Griechenlands reicht bis in eine Zeit zurück, in der die Menschen weder schreiben konnten noch ihre Umwelt in Aufzeichnungen festhielten. Lange waren mündliche Erzählungen – von Eltern an ihre Kinder weitergegeben – die einzige Quelle für Wissen über das Land und seine frühen Bewohner. Mit jeder Weitergabe veränderten sich diese Geschichten ein wenig, wurden ausgeschmückt und schließlich immer fantastischer. Am Ende ließ sich kaum noch unterscheiden, wo die Wirklichkeit endete und die Vorstellungskraft begann.
So gleicht der Anfang der griechischen Geschichte einem Märchen. Auch wenn vieles darin kaum historisch belegt sein kann, sind diese Überlieferungen doch unsere einzige Verbindung zu den frühesten Zeiten Griechenlands. Es sind genau jene faszinierenden Geschichten, die sich griechische Kinder vor vielen Jahrhunderten am Feuer erzählten – und mit ihnen beginnt auch diese Darstellung.
Etwa zweitausend Jahre vor Christi Geburt, in einer Zeit, die mit den alttestamentlichen Überlieferungen verbunden wird, war Griechenland von einem Volk bewohnt, das man Pelasger nennt. Sie lebten in Wäldern oder in Höhlen, die sie in die Hänge der Berge gruben, und jagten wilde Tiere mit Keulen, Pfeilen und Speeren, deren Spitzen aus Stein bestanden. Ihre Lebensweise war einfach und rau: Sie ernährten sich von rohem Fleisch sowie von Beeren und Wurzeln, die sie mit scharfkantigen Steinen oder sogar mit bloßen Händen aus dem Boden holten.
Zur Kleidung dienten ihnen die Felle erlegter Tiere. Um sich gegen andere Stämme zu schützen, schlossen sie sich zu Familienverbänden oder größeren Gruppen zusammen, die jeweils von einem Anführer geleitet wurden – sowohl bei der Jagd als auch im Kampf.
Zur gleichen Zeit existierten bereits deutlich weiter entwickelte Kulturen. Dazu gehörten die Ägypter in Afrika. Sie kannten das Feuer, verfügten über fortschrittliche Werkzeuge und waren den Pelasgern in vielerlei Hinsicht überlegen. Sie konnten nicht nur Häuser bauen, sondern auch gewaltige Bauwerke errichten – darunter die berühmten Pyramiden, von denen wohl jeder schon gehört hat.
In Ägypten gab es zudem zahlreiche Gelehrte, die sich mit verschiedenen Künsten und Wissenschaften auskannten und ihr Wissen in einer eigenen Schrift festhielten. Auch ihre Nachbarn, die Phönizier, deren Gebiet ebenfalls am Mittelmeer lag, waren kulturell weit entwickelt. Beide Völker verfügten über Schiffe und begannen früh, das große Binnenmeer zu befahren.
Da ihnen jedoch der Kompass noch unbekannt war, hielten sich die ägyptischen und phönizischen Seefahrer stets in Sichtweite der Küste. Sie segelten zunächst entlang des Festlands und steuerten dann Inseln an, die sie in der Ferne erkennen konnten.
Hatten sie eine Insel erreicht, konnten sie meist schon die nächste am Horizont ausmachen. Denn, wie ein Blick auf die Karte zeigt, ist das Mittelmeer zwischen Griechenland und Asien von zahlreichen Inseln durchzogen, die wie natürliche Trittsteine von einer Küste zur anderen wirken.
Auf diese Weise – vorsichtig und Schritt für Schritt – gelangten die Ägypter und Phönizier schließlich nach Griechenland. Dort gründeten sie Siedlungen und begannen, den Pelasgern viele nützliche Kenntnisse und Fertigkeiten zu vermitteln.