Nach Philipps Tod folgte ihm sein Sohn Alexander auf den Thron – ein junger Mann von gerade einmal zwanzig Jahren. Schon zuvor hatte er sich einen Namen gemacht: In der Schlacht von Chaironeia
hatte er einen Teil des makedonischen Heeres geführt und, wie ihr wisst, das berühmte Heilige Bataillon der Thebaner besiegt. Dieser Erfolg trug maßgeblich zum Sieg seines Vaters bei.
Über seine Mutter Olympias war Alexander ein Nachkomme des Achilles, des großen Helden des Trojanischen Krieges. Er wurde 356 v. Chr. in Pella, der Hauptstadt Makedoniens, geboren. Philipp war so
stolz auf seinen Sohn, dass er verfügte, alle Jungen, die am selben Tag geboren wurden, sollten im Palast aufwachsen und Alexanders persönliche Gefährten und spätere Leibwache bilden.
So hatte der junge Prinz viele Spielkameraden – und da er nichts lieber tat als kämpfen, begann er früh, Soldat zu spielen und sein kleines „Regiment“ auszubilden.
Die Makedonen waren überzeugt, Alexander sei zu Großem bestimmt. Mehrere bemerkenswerte Ereignisse an seinem Geburtstag schienen diese Überzeugung zu bestätigen:
– Parmenion, Philipps bedeutendster General, errang an diesem Tag einen großen Sieg.
– Philipps Pferde gewannen die Wagenrennen in Olympia.
– Und der berühmte Tempel der Artemis in Ephesos, eines der sieben Weltwunder, brannte bis auf die Grundmauern nieder.
Die ersten beiden Ereignisse galten als glückverheißend. Doch der Brand des Tempels war ein schweres Unglück. Man wollte unbedingt wissen, wie es dazu gekommen war – und die Empörung war groß,
als man erfuhr, dass es kein Unfall gewesen war.
Der Brandstifter war ein geistig verwirrter Mann namens Herostratos. Auf die Frage, warum er eine so schändliche Tat begangen habe, antwortete er, er wolle seinen Namen unsterblich machen. Das
Volk war so empört, dass es ihn nicht nur zum Tode verurteilte, sondern auch verbot, seinen Namen jemals zu erwähnen – in der Hoffnung, er würde für immer vergessen werden.
Doch trotz dieses Verbots ist der Name Herostratos bis heute überliefert. Er ist tatsächlich unsterblich geworden – aber wer außer einem Wahnsinnigen würde sich einen Ruhm wünschen, der einzig
auf Verachtung und Abscheu gründet?
Alexander wurde zunächst einer Amme anvertraut, die er sein Leben lang liebte. Ihr Sohn Klytus wurde einer seiner engsten Freunde und treuesten Gefährten.
Sobald Alexander alt genug war, begann er, die Ilias und die Odyssee auswendig zu lernen. Er liebte die Geschichten der großen Helden – besonders die seines Ahnen Achilles. Er bewunderte diese
Epen so sehr, dass er stets ein Exemplar bei sich trug und es sogar unter seinem Kopfkissen aufbewahrte. Beide Werke lagen in einer Schatulle aus feinstem Gold, denn Alexander war überzeugt, dass
nichts Wertvolles genug sei, um diese Dichtungen zu schützen.
