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Die Jugend des Alkibiades

Da die Griechen eine große Leidenschaft für die Olympischen Spiele hatten, war auch Alkibiades dort regelmäßig anzutreffen. Besonders liebte er die Wagenrennen – und seine Pferde waren so erfolgreich, dass sie dreimal hintereinander siegten, was seine Bewunderer in Begeisterung versetzte.

Trotz aller Eitelkeit war Alkibiades klug genug zu erkennen, warum die Athener ihn so sehr schätzten: vor allem wegen seines Aussehens und seines Reichtums. Zugleich wusste er, wie gern die Menschen redeten – und nicht selten tat er ganz bewusst Dinge, nur um Gesprächsstoff zu liefern.

So besaß er einst einen außergewöhnlich schönen Hund, der in ganz Athen bewundert wurde. Doch als das Interesse der Menschen nachließ, griff Alkibiades zu einer drastischen Maßnahme: Er ließ dem Tier den Schwanz abschneiden – und sorgte damit prompt für neues Aufsehen.

Als man ihn erstaunt nach dem Grund fragte, antwortete er lachend, er habe den Athenern einfach neuen Anlass zum Reden geben wollen.

Sein Wesen war so unbeschwert, dass er selbst ernste Angelegenheiten mit spielerischer Leichtigkeit behandelte. Einer Überlieferung zufolge benahm er sich bei seiner Aufnahme in den Stadtrat wie ein übermütiger Junge: Er ließ eine gefangene Wachtel frei, die daraufhin zwischen den Versammelten umherflatterte und die würdige Stimmung der Sitzung gehörig durcheinanderbrachte.

Ein anderes Mal ließ er die Ratsmitglieder lange auf sich warten. Als er schließlich erschien, trug er einen Blumenkranz auf dem Kopf und erklärte mit gespielter Ernsthaftigkeit, er könne sich heute nicht den Staatsgeschäften widmen, da er zu Hause ein Festmahl vorbereitet habe. Stattdessen lud er die Versammlung kurzerhand ein, die Sitzung zu unterbrechen und ihn zu begleiten.

Erstaunlicherweise war seine Ausstrahlung so gewinnend, dass die sonst so pflichtbewussten Männer seinem Vorschlag folgten und ihre wichtigen Beratungen tatsächlich zugunsten des Festes aufgaben. Angesichts dieses Einflusses soll ein Bürger Athens einmal bitter bemerkt haben: „Nur zu, mein tapferer Junge – dein Erfolg wird dieses Volk noch ins Verderben führen.“

Alkibiades war bei Reichen wie bei Armen gleichermaßen beliebt. Die Athener hätten ihn nur zu gern zum König gemacht. Doch so groß sein Ehrgeiz auch war – diese Würde lehnte er klugerweise ab. Dennoch besaß er bald eine Machtfülle, die der eines Königs kaum nachstand, und gemeinsam mit Nikias wurde er zu einer der prägenden politischen Figuren seiner Zeit.

Dabei hätten die beiden kaum unterschiedlicher sein können: Nikias handelte vorsichtig und war bemüht, Ruhe und Stabilität zu bewahren, während Alkibiades von rastlosem Ehrgeiz getrieben war und immer neue Pläne schmiedete, um die Macht Athens auszudehnen.

Dieser Ehrgeiz sollte sich – wie sich am Ende seines Lebens zeigen wird – als verhängnisvoll erweisen, nicht nur für ihn selbst, sondern auch für seine Heimatstadt.