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Die Lehren des Anaxagoras

Da Perikles ein sehr gebildeter Mann war, pflegte er engen Umgang mit Philosophen und Künstlern. Besonders der Bildhauer Phidias stand unter seinem Schutz, und Perikles tat alles, um ihn vor dem Neid seiner Mitbürger zu bewahren.

Auch Anaxagoras, ein hoch angesehener Philosoph, zählte zu Perikles’ Freunden und Lehrern. Doch auch er zog den Unmut des Volkes auf sich. Da man ihn nicht wie andere mit falschen Anschuldigungen des Diebstahls belasten konnte, warf man ihm vor, öffentlich zu lehren, die von den Athenern verehrten Götter seien keine wahren Götter. Dafür sollte er nach dem Willen seiner Gegner mit dem Tod bestraft werden.

Anaxagoras hatte allerdings nie von dem Gott gehört, den wir verehren. Er kannte nur die Götter seines eigenen Volkes – Zeus, Athene und die übrigen Gestalten der griechischen Religion. Dennoch war er ein nachdenklicher und scharfsinniger Geist, der daran zweifelte, dass die Welt von solchen Gottheiten geschaffen worden sein könne.

Er beobachtete die Natur aufmerksam und schockierte viele Zeitgenossen mit der Behauptung, die Sonne sei kein Gott in einem goldenen Wagen, sondern ein gewaltiger, glühender Felsen, der trotz seiner scheinbaren Größe etwa so groß wie der Peloponnes sein müsse.

Aus heutiger Sicht wirkt diese Vorstellung ungewöhnlich. Doch Anaxagoras lebte vor über zweitausend Jahren, und seither hat die Wissenschaft enorme Fortschritte gemacht. Heute weiß man, dass er in einem Punkt erstaunlich nah an der Wahrheit lag – die Sonne ist nicht nur so groß wie der Peloponnes, sondern über eine Million Mal größer als die Erde.

Auch über den Mond vertrat Anaxagoras die Ansicht, dass er der Erde ähnlich sein könnte und Berge, Ebenen und Meere besitze. Diese für die damalige Zeit ungewohnten Gedanken erzürnten die Athener so sehr, dass sie den Philosophen schließlich trotz aller Einwände verbannten.

Anaxagoras verließ Athen schweigend und zog sich in eine entfernte Stadt zurück, wo er seine Studien fortsetzte. Viele bedauerten seine Verbannung und vermissten seine Gespräche, am meisten jedoch Perikles, der ihm weiterhin verbunden blieb und ihm genügend Geld zukommen ließ, um ein angenehmes Leben zu führen.

Eine weitere enge Vertraute des Perikles war Aspasia. Sie galt als so gebildet und geistreich, dass selbst die angesehensten Männer Athens sie aufsuchten, um mit ihr zu diskutieren. In ihrem Kreis trafen sich zahlreiche Gelehrte der Stadt; und auch Persönlichkeiten wie Kimon, Perikles, Phidias, Anaxagoras und Sokrates zählten zu ihrem Umfeld.