Obwohl Frauen und Mädchen in der Antike nur selten an öffentlichen Veranstaltungen teilnahmen oder bestimmte Olympische Spiele besuchen durften, gab es dennoch besondere Tage, die ihnen gewidmet
waren, an denen auch sie in Wettkämpfen gegeneinander antraten.
Auch sie nahmen an Laufwettbewerben teil, und es muss ein eindrucksvoller Anblick gewesen sein, die gesunden, fröhlichen Mädchen im Stadion – der Rennbahn – beim Wettlauf zu sehen.
Einer dieser Wettkämpfe war der Fackellauf: Jede Läuferin trug dabei eine brennende Fackel in der Hand. Die Teilnehmerinnen durften versuchen, die Fackeln der anderen zu löschen; Siegerin war
entweder diejenige, die als Erste mit brennender Fackel das Ziel erreichte, oder jene, deren Flamme am längsten erhalten blieb.
Die Preise für die Mädchen waren dieselben wie für die Jungen. Doch die Jungen nahmen an mehr Wettbewerben teil, waren zahlreicher vertreten, und ihre Siege wurden deutlich stärker gefeiert als
die ihrer Schwestern.
Die Zuschauermenge war oft so begeistert, dass sie die Sieger auf den Schultern durch das gesamte Gelände trug, während Olympia von Jubelrufen widerhallte.
Überliefert ist auch die Geschichte eines alten Mannes namens Chilo, der so glücklich war, als sein Sohn ihm die soeben gewonnenen Kränze zu Füßen legte, dass er vor Freude starb – ein Ereignis,
das den Stolz des Sohnes in tiefe Trauer verwandelte.
Während alle Laufwettbewerbe im Stadion stattfanden, wurden die Pferde- und Wagenrennen im Hippodrom ausgetragen und zogen das größte Interesse auf sich. Es gab Rennen mit zwei, vier und acht
Pferden. Da die Pferde oft ungestüm waren, kam es leicht zu Unfällen, bei denen Wagen umstürzten. Dabei stürzten manchmal mehrere Pferde übereinander und wälzten sich im Staub, was die Aufregung
der Zuschauer noch verstärkte.
