Nach dem Tod des Darius nahm Alexander den persischen Titel Schah in Schah – „König der Könige“ – an und herrschte nun über das gesamte Reich, das zuvor dem persischen Monarchen unterstanden
hatte.
Er war so stolz auf seine neue Macht und seine gewaltigen Eroberungen, dass er völlig vergaß, wie sehr er sie den Leistungen seiner Generäle und Soldaten verdankte. Sein Charakter veränderte
sich: Er wurde starrsinnig, nahm keinen Rat mehr an und wollte nur noch seinen eigenen Willen durchsetzen.
Parmenion, der erfahrene General seines Vaters und einer seiner klügsten Berater, fiel in Ungnade, weil er versucht hatte, Alexanders Verschwendungssucht zu zügeln. Der König, einst großzügig und
edel, glaubte schließlich den Anschuldigungen seiner Höflinge, Parmenion plane Verrat – und ließ den treuen General hinrichten.
Von da an gab sich Alexander täglich Festen und Gelagen hin und trank immer mehr, obwohl dies seiner Gesundheit und seinem Temperament schadete. Klytus, der Sohn seiner Amme und einer seiner
ältesten Freunde, wagte es, ihn zu ermahnen – doch das machte Alexander nur wütender.
Eines Tages geriet er im Rausch so außer sich, dass er einen Speer ergriff und Klytus tötete. Als er den Freund tot zu seinen Füßen sah, erkannte er entsetzt, welches Verbrechen er begangen
hatte, und empfand für kurze Zeit tiefe Reue.
Er riss sich zusammen und widmete sich in den folgenden zwei Jahren wieder der Herrschaft über Persien. In dieser Zeit gründete er mehrere Städte, die seinen Namen trugen.
Nachdem nun ganz Zentralasien seine Herrschaft anerkannt hatte, zog Alexander weiter nach Indien. Dort traf er auf König Porus, den tapfersten Gegner, dem er je begegnet war. Porus, dessen Reich
im Nordwesten Indiens lag, stellte ein großes Heer auf – darunter zahlreiche Kriegselefanten,
die darauf trainiert waren, Feinde unter ihren mächtigen Füßen zu zermalmen. Auf ihren breiten Rücken trugen sie hölzerne Türme voller Bogenschützen und Speerwerfer.
Trotz der Furcht, die diese Elefanten den Griechen einflößten, errang die makedonische Phalanx wie gewohnt den Sieg, und Porus wurde gefangen genommen. Alexander fragte ihn hochmütig, wie er
behandelt werden wolle. Porus antwortete stolz: „Wie ein König.“
Diese Antwort gefiel Alexander so sehr, dass er Porus nicht nur freiließ, sondern ihm sogar sein Königreich zurückgab – nachdem dieser geschworen hatte, ein treuer Vasall zu sein.
Mit Porus’ Unterstützung führte Alexander weitere Feldzüge gegen indische Fürsten und setzte seinen Vormarsch nach Süden fort. In einer dieser Schlachten verlor er sein treues Pferd Bucephalus,
das ihn durch so viele Gefahren getragen hatte.
Alexander trauerte tief um seinen Gefährten. Er ließ nicht nur ein Denkmal über dessen Grab errichten, sondern gründete auch eine Stadt in der Nähe, die er Bucephala nannte.
