Da ihre Verbündeten sich ganz auf die Verteidigung des Peloponnes konzentrierten, standen die Athener nun völlig allein da. Viele rieten ihnen, die Stadt aufzugeben und sich den anderen Griechen
nach Süden anzuschließen – auch wenn dies bedeutete, dass ganz Attika schutzlos dem Feind überlassen würde.
Die Athener jedoch wollten davon nichts wissen. Sie entsandten daher eilends Boten nach Delphi, um das Orakel zu befragen, ob sie ihre Stadt verteidigen oder räumen sollten. Wie so oft gab das
Orakel keine eindeutige Antwort, sondern verkündete lediglich: „Die hölzernen Mauern werden euch und eure Kinder schützen.“
In Athen angekommen, sorgte diese Prophezeiung für große Verwirrung. Einige Bürger glaubten, damit seien die alte Palisade auf der Akropolis gemeint. Themistokles jedoch war überzeugt, dass mit
den „hölzernen Mauern“ die Schiffe gemeint seien.
Schließlich setzte er sich mit seiner Deutung durch. Die Alten, Frauen und Kinder wurden hastig auf die Schiffe gebracht und auf den Peloponnes in Sicherheit gebracht, wo sie von den Verbündeten
aufgenommen wurden. Danach stachen auch die Männer in See, und die gesamte Flotte versammelte sich in der Bucht von Salamis, um dort auf eine günstige Gelegenheit zum Kampf zu warten.
Die Perser marschierten inzwischen in Attika ein und erreichten das verlassene Athen. Dort staunten sie über alles, was sie vorfanden. Nachdem sie die Häuser geplündert hatten, legten sie die
Stadt in Brand und zerstörten die prachtvollen Gebäude vollständig.
Ihr Erfolg erfüllte die Perser mit großer Genugtuung. Sie sandten Boten mit der Nachricht des Sieges nach Persien, wo die Bevölkerung in ausgelassene Freude ausbrach und die Hauptstadt tagelang
von Jubel erfüllt war.
Wie bereits erwähnt, hatte Themistokles den Spartanern das Oberkommando über Heer und Flotte überlassen. So lag die Führung der Flotte bei Salamis in den Händen des spartanischen Königs
Eurybiades, eines besonnenen Mannes, der zunächst keinen Angriff auf die Perser wagen wollte.
Themistokles hingegen war überzeugt, dass ein sofortiger Angriff aufgrund des Überraschungsmoments erfolgreich sein müsse, und drängte energisch darauf. Sein beharrliches Auftreten brachte
Eurybiades schließlich so in Zorn, dass er ausrief: „Wer vor dem Signal losläuft, wird öffentlich ausgepeitscht!“
Themistokles ließ sich davon jedoch nicht beeindrucken und erwiderte ruhig: „Das stimmt – aber wer zu spät kommt, erringt niemals die Krone!“ Diese Worte wurden von Eurybiades als Provokation
aufgefasst, sodass er seinen Stab erhob, um Themistokles zu schlagen. Doch dieser wich nicht zurück und sagte nur: „Schlag zu, wenn du willst – aber hör mir zu!“
Daraufhin erläuterte Themistokles erneut seine Strategie für einen sofortigen Angriff. Seine Argumente waren so überzeugend, dass Eurybiades schließlich nachgab und den Befehl gab, sich auf die
bevorstehende Seeschlacht vorzubereiten.
