Der erste Ägypter, der sich in Griechenland niederließ, war ein Prinz namens Inachus. In dem Land mit seinem milden Klima angekommen, brachte er den Pelasgern bei, wie man Feuer entfacht und Fleisch zubereitet. Außerdem zeigte er ihnen, wie sich feste und schützende Häuser errichten lassen, indem man Steine aufeinanderschichtet – ähnlich den Steinmauern, mit denen Bauern ihre Felder begrenzen.
Die Pelasger waren zwar noch wenig entwickelt, aber durchaus lernfähig. Schon bald verstanden sie, wie sie ihre Mauern höher ziehen konnten, um sich vor wilden Tieren zu schützen. Mit der Zeit lernten sie auch, Werkzeuge aus Bronze und Eisen zu verwenden, und begannen, die Steine sorgfältig zu bearbeiten, sodass große, gleichmäßige Blöcke entstanden.
Diese Blöcke wurden so präzise aufeinandergesetzt, dass manche dieser Mauern bis heute erhalten sind – ganz ohne Mörtel. Die Pelasger müssen über große Kraft verfügt haben, denn sie türmten gewaltige Steine zu beeindruckenden Höhen auf. Spätere Generationen konnten sich diese Baukunst kaum erklären und glaubten, solche Mauern seien von Riesen errichtet worden.
Da die Griechen diese Riesen „Kyklopen“ nannten – ein Name, der „Rundäugige“ bedeutet –, wurden die gewaltigen Bauwerke bald als Kyklopenmauern bezeichnet. Wenn man den Kindern davon erzählte, spann man die Geschichten weiter aus: Man berichtete von riesenhaften Wesen, die diese Mauern erbaut hätten und nur ein einziges Auge besaßen, das mitten auf der Stirn lag.
Einige Zeit nachdem Inachus den Pelasgern die Baukunst vermittelt und die Stadt Argos gegründet hatte, erschütterte ein gewaltiges Erdbeben das Land. Der Boden hob und spaltete sich, die Berge erzitterten, und Wassermassen ergossen sich über die Ebenen. In panischer Angst flohen die Menschen in die Berge.
Doch das Wasser stieg rasch an und holte viele von ihnen ein. Zahlreiche Pelasger ertranken, während die Überlebenden verzweifelt weiter bergauf eilten und erst innehielten, als sie sich in Sicherheit glaubten.
Von den Höhen aus blickten sie hinab auf die Ebenen, in denen sie einst gelebt hatten – nun lag alles unter Wasser. Sie sahen sich gezwungen, neue Siedlungen zu errichten. Als sich die Fluten schließlich zurückzogen, versickerten oder ins Meer abflossen, entdeckten sie mit Erleichterung, dass einige ihrer massivsten Mauern dem Beben und der Überschwemmung standgehalten hatten.
Die Erinnerung an diese Katastrophe blieb jedoch lange lebendig. Die Pelasger vergaßen weder ihre Angst noch den Verlust so vieler Menschen und erzählten immer wieder von jener schrecklichen Zeit. Da sich diese Flut während der Herrschaft eines Königs namens Ogyges ereignet haben soll, wurde sie später mit seinem Namen verbunden und als die Sintflut des Ogyges bezeichnet.
