Die persischen Kriegsvorbereitungen wurden beschleunigt, als die Nachricht vom Aufstand aller ionischen Städte eintraf. Dabei handelte es sich um griechische Kolonien an der Küste Kleinasiens,
die nach und nach unter persische Herrschaft geraten waren. Da sie sich jedoch der Fremdherrschaft widersetzten, hatten sie schon lange einen Aufstand vorbereitet.
Die Athener, die von den persischen Eroberungsplänen wussten, boten den Ioniern Unterstützung an und schickten Truppen nach Kleinasien. Diese schlossen sich den Aufständischen an, und gemeinsam
gelang es ihnen, die reiche Stadt Sardes, die dem Großkönig Dareios gehörte, zu überraschen und niederzubrennen.
Ein Bote wurde eilig zum Großkönig gesandt, um ihn zu informieren. Als Dareios die Nachricht erhielt, geriet er in großen Zorn. Er schwor, sowohl die Aufständischen als auch die Athener zu
bestrafen, und ließ unverzüglich sein Heer gegen Ionien ausrücken.
Den ersten Teil seines Schwurs konnte er schnell erfüllen: Seine Truppen besiegten das ionische Heer und zwangen die Städte zur erneuten Unterwerfung. Als Dareios davon erfuhr, war er
hocherfreut. Er ließ seinen Bogen bringen und schoss einen Pfeil in Richtung Athen – als Zeichen dafür, dass die Bestrafung der Athener nun seine nächste Aufgabe sein würde.
Aus Sorge, diese Feinde im Alltag zu vergessen, ordnete er zudem an, dass ihm während seiner Mahlzeiten täglich ein Sklave zuzurufen habe: „Herr, gedenke der Athener!“
Nachdem die Vorbereitungen für den Feldzug abgeschlossen waren, marschierte das persische Heer nach Griechenland. Der Weg führte es durch den Norden Kleinasiens, über eine schmale Meerenge, den
Hellespont, und entlang der Küste der Ägäis durch Thrakien und Skythien.
In diesen Regionen traf das Heer auf die wilden und kriegerischen Skythen, die auf schnellen Pferden kämpften. Der Angriff war so heftig, dass die Perser beinahe eine vernichtende Niederlage
erlitten. Sie waren derart erschrocken, dass sie ihren Vormarsch zunächst stoppten und sich schließlich überstürzt zurückzogen.
Die persische Flotte segelte derweil weiter. Sie erreichte das Kap des Athos, einen hohen Berg, dessen Schatten sich bei bestimmten Bedingungen bis zu 130 Kilometer weit über das Meer erstrecken
soll. Dort geriet die Flotte in einen schweren Sturm, und die gewaltigen Wellen zerstörten etwa sechshundert Schiffe.
Die übrigen Schiffe wurden so stark beschädigt, dass man beschloss, sie nach Hause zurückzuführen. Die Soldaten waren durch diese Verluste entmutigt, doch Dareios ließ sich nicht von seinem
Vorhaben abbringen. Entschlossen plante er einen neuen Feldzug und begann sofort mit dem Aufbau eines zweiten Heeres und einer weiteren Flotte.
© Bild und Texte: Carsten Rau.
