Es wird berichtet, dass Agesilaos einst aufgefordert wurde, den persischen Feldherrn Pharnabazos zu treffen, um mit ihm zu verhandeln oder eine gemeinsame Besprechung abzuhalten – ein Vorgehen,
das unter Generälen verfeindeter Heere nicht ungewöhnlich war.
Der Ort des Treffens wurde auf einen bestimmten Tag und eine feste Stunde festgelegt. Man einigte sich außerdem darauf, dass beide nur von wenigen persönlichen Begleitern begleitet werden
sollten.
Agesilaos erschien, wie es seiner Gewohnheit entsprach, schlicht gekleidet und traf als Erster am vereinbarten Ort ein. Unter einem großen Baum ließ er sich im Gras nieder und nahm ruhig sein
einfaches Mittagessen ein, das aus Brot und Zwiebeln bestand.
Kurz darauf erschien der persische Feldherr. Er war in prachtvolle Gewänder gekleidet und wurde von Dienern begleitet, die ihm nicht nur Schatten spendeten, sondern auch Teppiche zum Sitzen,
erfrischende Getränke und reichhaltige Speisen mitführten.
Zunächst hielt Pharnabazos den schlicht gekleideten Mann unter dem Baum für einen einfachen Wanderer. Als er jedoch erkannte, dass es sich um Agesilaos handelte – den König von Sparta und Sieger
zahlreicher Schlachten –, wurde er von Scham über seinen eigenen Prunk ergriffen. Er schickte sein Gefolge fort und setzte sich selbst auf den Boden neben den spartanischen König.
Daraufhin begann das Gespräch. Pharnabazos zeigte sich beeindruckt von der Kürze, Klarheit und Würde der Antworten, die Agesilaos auf seine Fragen gab. Er gewann großen Respekt für den
spartanischen König und reichte ihm am Ende des Gesprächs die Hand.
Auch Agesilaos fasste Sympathie für Pharnabazos und erklärte, er sei stolz darauf, ihn einen Freund nennen zu dürfen. Er lud ihn ein, sich von seinem persischen Herrscher zu lösen und nach
Griechenland zu kommen, wo freie Männer lebten.
Pharnabazos lehnte diese Einladung jedoch ab und setzte den Krieg fort. In der Folge errang Agesilaos erneut mehrere bedeutende Siege.
Als der persische König erkannte, dass seine Truppen dem spartanischen Heer und seinem Anführer nicht gewachsen waren, griff er zu einer anderen Strategie: Er versuchte, die Griechen durch
Bestechung zu spalten.
Zu diesem Zweck schickte er einen Boten nach Athen, der der Stadt und ihren Verbündeten große Geldsummen versprach, falls sie sich gegen Sparta erhoben und so Agesilaos zur Rückkehr zwangen.
